Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 135 (3.6.1919)
- Date
- 1919-06-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 13ö Wtsn, Dienstag Wiener Morgenzeitung Deutschlands Verfassung und das Rätesystem- Berlin, 2. Juni. (Korr.-Bur.) In der hentigrn Sitzung vc-S Verfass int asaus s ch'u s s e-S wurde dir erste Leiimg dcr Versasstmg abgeschlossen. Nach einem eingehenden Referat des Abgeordneten ^i^heimer üb cd das Wesen und die Bedeutung dcS N ä t e s h iu nt § wurde der Artikel 07 der Grundrechte angenommen, irr dem es heißt: D r e A r b e i t c r rn d An-, c ft c 111 c u sind dazn berufen, g l cichberechtigt m irden 11 tt t e r tt c tj nt c x lt in der. Regelung der Lohntmd Arbeitsbedingungen sowie an der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung der produktiven Kräfte ntiftuwirten. Die d e i d c ri c 11 i.ge n Dt'fl a n i f nt i o n c tt ttnb ihre Vereinbarungen weiden a n e x f a n n t. Die Arbeiter und Angestellten erhalten zur Wahrnehmung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Jnte^ssen g cs c 0 l i ch c Bk r l r c t u tt g c it nt den Beir i e b sa r b c i t c r r ä t e n sowie in den nach WirtftliaftSgebietcn gegliederten B e z i r s s a r b e i t c r r ä t e n und im N etchsa r b e t t e r r a t. Sozialpolitische und wrrtschastspolttische Gesetzentwürfe von grundlegender Bedeutung sollen' non der Reichsregicrung vor i h r er Einbrsngnng dent R c i ch § w i r t s ch a f t S r a t e zur Vcgu'achtimg v o v« gelegt tverdcu. ®ck NeichSwirtschaftsrat hat das Recht, selbst solche.Gesetze beim Reichstage zu beantragen. Die Polen erhalten freie Hand in Oftgalizien. Mährisch-Oftra«, 2. Juni. Der Warschauer ^KuryerPolski" meldet aus Paris, Haft der Viererr n t. den Polen freie Hand in Ostgalizien gelassen hat und abwacten kvill, wie sich die Dinge gestalten werden. Die Verwüstung des Krakauer Bezirkes. Mähr.-Ostrau, 3. Juni. .Die Krakauer Blätter schildern die Situation desW i e d e r a.tt f l> a n e s. d es K r a k a u e r B c zü rkes ä l s s eh r v e.r z .w e.i-f eit Es bedarf dazu 60.000 ..Kubikmeter Holt,' wozu es aber an Geld fehlt. Der Wiederaufbau würde .80 Millionen Kronen kosten, bisher sind aber erst 1,300.000 Kronen bewilligt. Amerika schützt die jüdischen Flüchtlinge. Mähr.-Ostrau, 2. ^mti. Schon vor einigen Monatcn begten die tschechischen Behörden die Absicht, die in Mähr.-Ostran und Umgebung befindlichen j ü d i s.ch e n Flüchtlinge aus Galizien a n s z u w eise n. Diese Ausweisung unterblieb jedoch, und zwar, wie die tschechische Presse jetzt meldet, zufolge ausdrücklichen Befehles aus Paris, der auf Veranlassung A m erikas ergangen ist. Prilucki und PUsydski. > Warschau, 2. Juni. (Tel. der „Wr. Morgenztg.ch Der sozialistische „R o b o t n i l" gibt in einer seiner letzten Nummern die Begründung des Urteiles des Obersten Gerichtshofes über hie Attnullierung des Mandates Priluckis wieder und knüpft an diese folgende Bemerkung: „Zu dieser Frage werden wir noch zmüchkehreu. Hter möchten wir nur bemerken, daß auf Grund dieser, sonderbaren Motive des Obersten Gerichtshofes das Staatsoberhaupt Pils u d s k i nicht als Bürger des polnischen Staates betrachtet werden könnte, da, wie wir wissctt, aitch ec nicht zur stäudrgen Bevölkerung des ehemaligen Kongress'ölen gehört und er int Gouvernement W^lna geboren wurde, das im Verzeichnis der Wahlkreise nicht enthalten ift.“ Nicht Ausschluß sondern Boykott. . Warschau» 2/Juni. (Tel. der „Wr^Morgenztg.") Die se.tcn's des polnischen volksnationalrn Landtagsklnbs ursprünglich geplante Einbringung eines Antrages, auf Ansschliesnmg des.Ab-- geordneten G r Ä tt b a u m ist unterbliebetr. Dagegen haben die Bmdtagsklubs der Piastgruvpc, der Nationalen Volksvartci, der Thuguttgruppe nnd des Nationalen Arbeiterberbaudes in einer gcutemsamen Sitzung die B o y k o t t i e r n n g des A bg e o r d n e t e n G r n n b a n m beschlossen, indem sie für den Fall, ass dieser zu Worte kommen . sollte, korporativ den Saal verlassen und durch die Dekotnplettierung die weitere Verhandlung unmöglteh machen würden. Z'.oriislen beim amerikanischen Botschafter in Warschau. Warschau, 2. Jnni. Am 26. Mai. empfing der a ttt c r i k a n r s ch e Botschafter in Warschatt, H. G i b s o n, .eine Abordnnng der zionistischen Organisationen in Polen, bestehend and dm Herren Podlischcwski. Dr. Klum el, H. F a r b st e r n und Rabbiner Z l.y t n t k. Die Sprecher der Abordnung, Dr. K l u in e l (hebräisch) und F a r b st c i u ivolnisch), drückten im Namen der polnischen Jndenheit den D a n k a n d a s amerikanische Volk und dessen Präsidenten Wilson für die Unter stütz tut g tu Angelegenheit der iiidt'chcn Frage itttb deren Lösung im Sinne der Wünsche der lU'ntioiinliitbcn atis. H. Gibson erklärte in seiner Erwiderung inner anderem, daß er stets gerne bereit lei, der zionistischen Organisation seine Hilfe cmgrdethen zu lassen. Verbot hebräischer Verlautbarungen in Rzeszow. Krakau, 2..-Juni. Dem Vorstand der Kultnsgemeittde in RzeSzow ist die folgende osfizielle, vom Bürgermeister Krognlski ge'crttgte Verständigung des dortigen Magistrates zugegangen: „Mit Rücksicht auf die öffentliche Sicherheit habe ich es , für paffend gefunden, anzuordnen, daß bis auf weiteres keine h e b r ä i s .ch e n V e r l a u t b a r u n g e n gedruckt werden." Die Juden in Rzeszow mögen also in Zukunft beruhigt lein: ihr Bürgermeister wacht über die öffentliche Sicherheit. . . Flecktyphusepidemie in Rumänien. Bukarest, 2. Juni. Das Rumänische Preffeburean meldet, laß die F l e ck t h p h u s e p i d e m i c in Rumänien täglich znni m ttt t. Aufstand der Kurden. Berlin, 2. Jnni. (Korr.-Bur.) Die „Deutsche Allg. Ztg." nteldetaüs Christiania: Wie die „Morning-Post" berichtet, befinden sich die Kurden nordöstlich v o n Bagdad in vollem Aufruhr gegen die britische Herrschaft. Die A s g haue u greifen entgegen früheren englischen Meldungen fortwährend, an. Aufruhr in Korea. Berlin, 2. Juni. (Korr.-Bur.) Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus C h r i ft i a n i a: Die „Mornmg Post" berichtet <nt§ Tokio, daß. g a nz Koreaün vollem A n früh r gegen die Japaner steht. Die Japaner hcchen die Missio näre im Verdacht, den Aufruhr angezettelt . zu babrn. Deshalb wurden die. meisten f.e st g e n o m m e w. Die Unnchen, die schoü im Februar begannen, scheinen jetzt den Höheptmä p» «reiche». Tagesbericht. Ein Linkswalzev um deu Blausuchs — für die Kriegsblinden. DaS entpörendü Plakat ist endlich fchatuhaft überklebt. Das „Fest" wurde „wegen der ungünstigen Witterung" verschoben. Die Vorgeschichte der Verschiebung möge aus der nachstehenden Meldung der. Polizcikorrcsp.t!tdettz Wilhelnr entnommen 'werden. „In einer au das Polizeikommissariat Prater gertd;- tetsit Ekngabr vom .2. Mai d. I. hat.ein Komitee tim die polizeiliche Lizenz zur Abhaltung eines Gartenfestes unter dem'Titel „Ein Linkswalzer um den Blaufuchs" angesncht tlnd angekünbigt, das; das. Reinerträgnis den Kriegsblinden Deutschösterreichs zufließen werde. Die Polizei" direktion hat in oer Erwägung, das; die Abhaltung eines solcheir Festes dem' Ernste der Zeit tticht eittsprechch und . die in Aussicht genommene Zuwendnug des' Reinertrages an die bedauernswertesten Kriegsbeschädigten, die Kriegs-- blinden, tticht attsreiche, dir gegett die Veranstaltnitg eines . solchen Festes obwaltenden Bcdetrkett zu zerstreuen, das Gesuch abschlägig beschieden. Hierbei , war für die Behörde der soziale Gedanke maßgebend gewesen, daß doch ein-e ntaterielle Förderung der ain schiversten getroffeiten Opfer des Krieges tiicht ditrch eine reine Bcrgnü'gttttgsäfiiort, wie , eilte Tanzkoitkitrrenz, erfolgen sollte. Eittem Rekurs des Kom'it"es. gegen diese Verfügung der Polkzeidirektiott hat die nicdcrösterreichische Landesregierung keine Folge ge- * geben.' Nunmehr hat jedoch der Verband der Krjegsbliitden ' Dcntschösterreichs, Wien, 3. B"z. Laitdstraßergürtel 10/3 2, selbst mit die Bewilligung für dieses Fest attgesttcht, weshalb die Behörde, mit dein Wunsche des von den Kricgsblittden Leutnant Hans Hirsch mtb dein blinden Offiziersstellvertrctcr Alois S ch nt ied in ge r vertretenen Verein entgegenzukomiucn, die gewürtschte Beivilligung erteilt hat." Man sirht, der WohltatigkettSdrang der^ Veranstalter, die. fiel) einfach der armen, wehrlosen, verressenett Kriegsblinden bedienten, um die Polizeidirektion zu entwaffnen, ist siegreich geblieben. Die weiteste Oeffentlichkeit tvird der Polizeibehörde imd'der Landesregierung für ihre vorbildliche Haltung in dieser Sache Dank wissen. Der Blaufuchsskaudal tvird Schule machen. Jüdische Kinder in der Schweiz. Die Schmeizerfahrt der 750 Wiener jüdischen Kinder ist laut der ersten Depesche aus dem Grcnzort B tt ch s glücklich verlaufen. Gestern abends traf im Bureau der Sozialen Hilfsaemeinschaft, Praterstrasie 17, folgendes Tclegramnt ent: „Buchs, Bahnhof, 2. Juni, 9 Uhr morgens. Gesund angekommen. Mtt Jubel ausgenommen. Alles tadellos geklappt. Anitta Mülle r". Der Streik bei -er Donrru-Dawpfschiffahrtgesellschaft. Wie wir bereits gestern gemeldet haben, ist bei der Oesterreichischeti rntd Süddeutschen Dampsschisfa.hrtsgesellschast eit: Streik anSgebrochen. Seit gestern früh stehen sämtliche Beamte, alle Schiffskente nnd Hafenarbeiter a n f d e r D o n a n st r e ck e R e g e it sb n r x L i s H a i n b u r g in Ans st and. Die .Ursache ist die Ablehnung von Mörder nnig e n, welche Me Gruppen der Ängestellten beider SchiffahrtZgesellschasten an ihre Direktionen gestellt haben. Diese Forderüngen Erhöhung der ^TeNrötutgsbeiträge um 50 bis '150 Kronen'pro Mottat, die Sanierung des passiven 'Pensionsfoitds mtb Eiitführttitg des Achtstundentages — würden, wie die Streikleittmg behauptet, im/ März überreicht nud deren Regelung von seiten der Direktionen, bis Ende April für den Fall versprochen, daß auch, in Uttgarn die Angestellten der Gesellschaft höhere Bezüge gewährt würden. Das ist auch geschehen, aber nur in Ungarn. Die österreichische Direktion hat nach Mitteilung der Streikenden ein bis 27. Mai befristetes Uttintatum von der Direktion abgelehnt. Deshalb beschloß das Vertraüensmätmerkomitee der Ängestellten, Samstag nachmittags in beit Streik zn treten. Die für Sonntag abends mid gestern früh zur Fahrt donanauswärts. bestimmten Personendantpser ,Habsburg" und „Babeitberg" gingen nicht mehr, ab, ebenso wurde die Fahrt der Fr achten rem orq neu r^e eingestellt. Die Arbeiter in den gesellschaftlichen Lebensmittclmagazinen haben sich dem Ansstand angeschlossen. Wie in Kreisen der Streikenden mitgeteilt tvird, ist eitte Hauptforderung die Sicherstellung des mit Zirka. 40 Millionen passiven Reservefonds. Die ohnehin. gekürzten Pension s bezöge würden, wenn etwa das Unternehmen verkauft werden sollte, sozusagen m.der Luft, hängen. Deshalb ntüsse die Regiermtg einerseits die Schulden der Heeresverwaltung von ungefähr 38 Millionen an die Gesellschaft zahlen, andererseits alles zur Sicherstellung des Pensionssonds Vorkehren. Mittags ist ein Teil der Angestellten der Ungarischen Fluß- und Seeschiffahrtsgesellschaft in deir Ausstand getreten. Die Vcrtvaltungen der österreichischen und süddeutschen Gesellschaften haben gestern Beratungen abgehalteit, nnt zu den Forderungen Stellung zn nehmen, und es ist zu erwarten, bas; K: Staatsverwalinng mit Rücksicht aus das große Berkehisititeresse die Bermitllerrole übernehmen wird.; * Jtt einem Cotnmnniqus weist die Verwaltung der Donau- Dampfschisfahrtsgesellschaft auf die riesigen Verluste hin, tvelche die Gesellschast durch beit Zusamntettbruch der Monarchie erlittett hat. Diese Situation sei die Veranlassung, daß die Gesellschaft die neuesten Forderungen ihrer Attgestellteu nach erhöhtet! Tetterungszulagett abschlägig bescheiden mußte. I Die Sanierung der Dpnan->DampfschifsfahrtSgefelilfchast. Von zuverlässiger Seite wird der Korr. „Jnad" beirichtet, das; die S.auiernng der Donau-Dampfs ch i s f a h r t g e s e l l s ch a f t ntit Hilfe staatlicher Mittel betvorsteht. Der dentschösterreichische Staat hat tiümlich die Auszahlung einer bisher strittigen Summe von 20 Millionen Sfcoitctt bewilligt. Der Betrag soll demnächst zur Liquidation kommen. Der Streik in Lin-s. Linz» 2. Jnni. (Korr.-Bur.) Heute hat infolge drS Streiks bei der Donau - Dampfschisfahrtgesellschuft der M a g i st r a t v o n Linz in einem drin» g en d e n Telegramm die S t a a t s r e g i er u n g um Vermittlung gebeten, da der Streik dre Lebensmittelversorgung gefährden muffe. Da sich der Streik auch ans die Lagerhänfer erstreckte, fomttat heute früh die Bäcker kein Mehl fassen. Die Handelshilfsa>x beiter und Ge sch äst sL i e n e r sind heute geschloffen in den Streik getreten.. Em Teil der Linzer Kcmsteute hat dte Forderungen bereits bcivilligt. Heute abends findet eine Bersammmng der Streiftndcit statt. Man erwartet eine baldige Beilegung drö Streiks. ' 3. Juni 1919 _Seite 5 J Akademischer Antisemitismus. £cr ordcuitliche Hörrr b-cv montanistischen H'och-t schule in Leoben und-ehemalige Ofsizter Adolf Reit^ linger, derzeit in Wien, hat an die Staatsre g irr nn g eine Beschwerde g.'gen den Rektor dieser Hochschule, Dr. Au bell, lvegen Verletzung der staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Rechte und Forderung nach Genugtuung seitens der ihm zu gefügten Unbill s erichlet. Ter Angelegenheit, die einen n a t i o n alreligiösen Charakter besitzt, lag nach Inhalt der durch Dr. Emil Hof m a n n § t h a l überreichten Beschwerde folgender Tatbestand zugrunde: Am 3. d. M. wurde am schwarzen Brett der tnontauistischen Hochschule in Leoben eine Aufforderung angeschlagen, dost sich sämtliche deutsche Hörer am nächsten Tage in einem Saale der Hochschule versammeln sollen, um die Organisation ttnd Abscndnng einer Wehr gegen die Angriffe der Jugoslawen in Kärnten zu besprechen. Der Aufruf schloß: „Das Professorenfolleginm und der deutsche Hörerausschuß erachtet das Erscheinen sämtlicher deutscher Hörer als unbedingte Pflicht,' Der Höreransschuß und der Rektor Dr. Aubell." Anwesend ivaren zirka 850 Studenten unter Leitung des im Ornat erschienenen Rektors. Bei Eröffnung dev Vorsamnilnug ivnrden alle N i ch t a r i c r aufgefordert» den Saal ztr verlassen, die Zurückbleibeuden sollten mit Ehrenwort erklären, daß sie Arier seien. Als daraus der Beschwerdeführer, der Jude ist, den Sank perließ, wurde ihm nachgerusen: „Iub hinans!" ohne daß dies alles em Wort der Mißbilligung.seitens der akademischen Behörde gefunden hätte. Am 5. d.M. . wurde diese Aktion laut Beschluß des Professorcnkollegiums zum Anlässe der Sperre der Hochschule genommen; noch aM selben Tage begab sich der Beschtverdesuhrer zum Rektor und verlangte Genugtuung, da er als D e u t s ch ö st e r r e i ch e r und gewesener aktiver Offizier sich nicht nur schtver beleidigt fühlte, sondern auch an der Ausübung einer p a tr i o t i s ch e n P f l i ch t dem Vcrterlande gegenüber verhindert werden sollte. Aus diese Vorstellung wurde ihm mitgcteilt, daß er als Jude kein Deutsch e r sei, daher an der Aktion nicht teilnehmen könne^ und es votr ihm ein Fehler gcwescit sei, in die Der-- sannnlung überhaupt gekommen zu sein, da unter deutschen Hörern selbstverständlich nur solche arischer A b st a m ttt u n g gemeint waren. Die Beschwerde führt nun aus, daß dieses Verhalten der Hoch schnlbehörde gegen das Gesetz verstößt-. Der Anschauung, daß es sich um eine private Veranstaltung handelte und .daß das Staatsamt eine Mißbilligung aus die>nt Gründe ablehnen oder die Hochschulbehörde die Verantwortung nicht übernehmen könne, muß von vornherein entgegengetreten werden. Es handelte sich im^GeHenteil-um eine feierliche Kunbgeb nng der.Hochs chule selbst;^es geht dies aus der Anki'nrdjgung" hervor, bä die-^Teilnahme vom 'Professorenkollegium' als Pflich t fedes Deutschen bezeichnet wurde; aus der osfiziellen Teilnahme der Ho'ch'- s ch ntb e h ö r d e n, des Rektors im Ornat; endlich' aus der Schließttug der Hochschule auf Grund des Versammlmtgsbeschlusses. Es wäre Pflicht der 'Hochschulbehörde gewesen, den Ordnungswidrigkeiten entgegenzutveten, die Hörer in der Ausübung ihrer staatsgrundgesetzlich niedergelegtetr Rechte zu schützen sowie Verstöße gegen diesen Grundsatz zu rügen. Es war Pflicht der Be-' Horden, die ihrer Führung anvertraute Jugend von Handlutrgen, die von geringer Einsicht und Sittlichkeit zeigen, abzuhalten. Auf keimen Fall durfte sie sie scheinbar billigen und. an ihr t e i l n e h m e n, indem sie sie in ihrer Gegenwart widerspruchslos geschehen ließ und sogar ausdrücklich billigte. Der Ausschluß eines israelitischen D'etttschösterreichers, eines früheren aktiven Offiziers wegen seiner Konfession oder Abstammung von einer billigeuswerten Aktion widerspricht dein Gesetz und dent sittlichen Empfinden. Denn die Verteidigung des Vaterlandes ist ein bürgerliches und politisches Recht, das von den Behörden gepflegt werden sollte und hat seinv. Grttndlage im Gesetz vom 21. Dezember 1867. Es wird zum Schlüsse der Beschwerde der Antrag gestellt, den Ausschluß tvegen seiner Konfession von der Mtwirknng an der Abwehr gegen die Angriffe der Jugoslawen zu m i ß b i l l i g e n und für u n z u l ö s s i'$ zu erklären. ’ ~ ch Unserer Ansicht nach ist das Vorgehen der deutsch--'' 'österreichischen Hoch sch ulbehörhe dnrch nichts zu rechtfertigen. Eine BehöEe darf die Freiheit' eines Staatsbürgers, auch seine Bekenntnisfreiheit, nicht einschräuken und hat in Angelegenheiten des Staates^ lediglich nach der Staatsbürgerschaft).nicht nach der Ratio-" ualität zu fragen. Eine andere Sache' ist freilich, ob' der Beschwerbesührer klug tut, über die Beanständung^ dieses Rechtsbruches hinaus für die Anerkennung seiner deutschen Natioualität zu kämpfen. Es.müßte ihm a'usi den erwähnten Vorgängen klar geivvrden sein, wenti es ihm bisher nicht klar war, daß er als Jude, nicht -, deutscher Nationalität ist und baß durch dieses Bewußtsein absolut keine Herabsetz'inrg seines LVertes gegeben! ist. Der Beschwerdeführer hat eine Erfahrung gemacht^ die vor ihm schon viele deutschie Politiker israelitischer! Kousessiou erlebt haben- Der deutsche Antisemitismusj erkennt das Deutschtum der Inden.nicht an,'und. .wett«', sie sich trotzdem ansdrängen, erhalten -fie.den verdtenteM Fmßtritt.' '