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Wiener Morgenzeitung · 1919-05-31 · Heft 132 (31.5.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 132 (31.5.1919)
Date
1919-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Auch die soziale Bewegung, die von der zweiten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts an sich immer mächtiger zu entfalten beginnt, vermochte dem Nationalismus als politischer Kraft Keinen endgültigen Abbruch zu tun. Der von der Sozialdemokratie dogmatisch sestgehaltene Grundsatz der Internationale konnte nicht verhindern, daß sich die sozialistischen Parteien gerade unter dem Kleineren Völkern nach dem nationalen Grundsatz absonderten und ihre Trennung von den Zentraliften vollzogen und die deutsche Sozialdemokratie wurde sich bei Ausbruch des Krieges in verhängnisvoller Weife ihres nationalen Charakters bewußt, was in gleichem Maße durch die geschickte Regie der Machthaber wie durch die innere Einstellung der Sozialdemokratie selbst veranlaßt wurde. So wenig man bezweifeln wird, daß der nationalen Bewegung unter den Völkern ihre kulturelle Berechtigung innewohnte, sö wenig wird man vom Standpunkte einer höher gerichteten Politik für die Uebergriffe der nationalen Ueberspannung blind sein können, eine Ueberspannung. die auch heute noch weiter besteht und deren Geschrei den geraden Gegensatz zu dem Kulturgehalt einer solchen Bewegung bildet. ' Das Aufkommen des Nationalismus in Europa ist als natürliche Reaktion gegen die gleich macherischen Tendenzen einesverfchwonu men rationalistischen reichten nicht mehr aus, nachdem man .hie Vielfarbigkeit der verschiedenen Volkscharaktere erkannt hatte. Man begriff, daß für jedes Volk besondere Wege zu einem tz großen Umrissen geschauten Aukunftsziel führten und daß die Gegenwartsaufgaben je nach der Geschichte, Kulturlage und der besonderen Geistigkeit sich entsprechend .differenzieren müssen. Ein instinktives nationales Empfinden hat es zu allen Zeiten der Geschichte gegeben. Die nationale Idee wurde zu einem bewußten geschichtsbildenden Faktor, nachdem man das Volk pls eine organische Naturgegebenheit erkannt hatte. Die Tragik der nationülen Entwicklung beruht in der .Uebertteibung ihres gesunden Gedankens, die nicht allzuläng auf sich warten ließ und ihr Gegengewicht nur in der einseitig nach dem Sozialen gerichteten Klassenbewegung, keineswegs aber innerhalb der nationalen Bewegung selbst fand. So ging allmählich innerhalb der Völker alles Gleichgewicht zwischen nationaler und sozialer Tendenz verloren und der überhitzte Nationalismus war mitschuldig, wenn sich das.Volk in zwei Lager spaltete. Die natürlichen Grenzen zwischen den Völkern wurden künstlich mit Gewalt erweitert, ein nationaler Machiavellismus, deffen^jenseits aller Ethik stehenden MachttendÄzest jedes''Mittel recht schien, türmte das Mißtrauen Mschen den Völkem und sthüf eine Atmosphäre beWaM^ersiwmec! vön neuem geschürt wurde». ' NatttznaMStotzMmhe zur Ueberhebung, die blind machte -siir 'die eMnM-Dolks- ,-Mängel, dieam besten durch ^uhigePerglelchung und ' AArkenmmg fremder B-Mgs'MzüsiKlleMin8. Die Me des VvlkW^w.ürM.;ÄjÄrt" entmischen ZustäM ivMWr8lAhntzMlMllHerlVv 'die nationale Bewegung endgültig Me MtureÄe 'Grundlage und BerMtigung. Man. vergaß, daß'das reale Volk sich in pWsnkürwoÜ^mineneck^Austand befindet und verchechselte die^ tzegensvLrtige Gegebenheit mit 'der Aufgabe. Die Entartung/ die Mr -in best gröbsten Um-, rissen gezeichnet' fft, verdient'die Bezeichnung „national" -ttW''me^r^däs ist nätionWW. Es ist zweifellos. dMdie Menschheit an einem Wendepunkt ihrer Geschichte angelängt ist und vor einer neuen Epoche steht. Heute, da der soziale Gedanke mächtig nach vorwärts - drängt, Atzt sich nicht Voraussagen, welcher Geltungsbereich dem nationalen Moment in Zukunft beWeden ist. Es läßt sich ilnlnerhirr schwerlich. annehHn, deß der nationale Gedanke seine Rolle, m der Geschichte Weits ausgespielt jmt> auch wäre dies schweW im Intereste zukünftiger 'Mltür gelegem JedenM^^wi'rd das jüdische Volk MWes nachfeinet ganzen Situation unter den Mlkern, die auch großenteils weiter bestehen wird, wenn das palästinensische Gemeinwesen verwirklicht Der Minoritätenschutz im Friedensvertrag. Wie das Kopenhngener Bureau der Zionistischen Organisation telegraphiert, hat sich dev Rat der Bier endlich eingehend mit der Frage beschäftigt, auf welche Weife die Rechte der nntionalen Minoritäten fichergestellt werden können. Es wurde ein kleines Komitee ernannt» dem es obliegt, diejenigen Verträge auszuarbeiten, welche mit den neugegründeten Staaten geschlossen werden sollen, um jede Art von Verfolgungen aus Gründen der Rasse oder Religion unmöglich zu machen. Das Komitee besteht aus Berthelot (Frankreich), H e a d l a m» M o r l a y (Großbritannien), Miller (Amerika), Martine (Italien). In Frage kommen hierbei alle die Staaten, welche infolge des Krieges neu geschaffen wurden, ferner diejenigen alten Staate«, l»tef wie zum Beispiel Rumänien» eine« erheblichen Territoriumznwachs erreicht haben. Der Vertrag für Polen wurde bereits fertiggestellt und der polnischen Regierung übermittelt. Er enthält zunächst eine allgemeine Bestimmung» nach Welcher die polnische Staatsbürgerschaft allen denjenigen Personen zuerkannt wird» welche regulär in Polen wohnen. Verschiedene, ins einzelne gehende Bestimmungen sollen die Anwendung jeder speziellen Unterscheidung nach Rasse oderReligion verhindern. Die Behandlung der Juden in Polen, welche vom Diererrat mit besonderer Aufmerksamkeit geprüft worden ist, wird außerdem noch durch besondere Bestimmungen geregelt» welche die bisher erfolgte unterschiedliche Behandlung der Juden unmöglich machen soll» ihnen den G e b v auch der eigene nSpr ach e und,her e^I e n>r n St e.1 \%i o;tt garantieren «nd? ihnen schließlich die Ausgestaltung eines eigenen Erziehungswesens ermöglichen. Die A bhaltungvon Wahlen usw. am Sabbat wird untersagt. Der Pariser Korrespondent der „Times" meldet über den von der Friedenskonferenz entworfenen Vertrag der Sicherung der nationale« Minoritätsrechte in Polen folgende Einzelheiten: Der Vertrag sieht vor, daß allen dona Iläs Einwohnern des polnischen Staates das polnische Bürgerrecht zugesprochen wird und daß jedem Einwohner ohne Unterschied nach Geburt» Raste» Nationalität» Sprache oder Religion Leben und Freiheit garantiert wird. Bezüglich der öffentlichen Beschäftigung» Ausübung von Aemtern» Verteilung von Ehrenämtern, Zulassung zu Berufen, Gewerben uswdarf kein Unter sch i e d gemacht werden. Das Recht der jüdischen Schule nnd des Gebrau chesder jüdischen Sprache wird garantiert. Eine Aenderung dieses Vertrages darf ohne Einverständnis des Rates des Völkerbundes nicht vorgenommsn werden. sein wird, der nationalen Betonung auch weiterhin nicht etztraten dürfen. Es liegt^^pdoK!H?Merem Interesse, alles zu tun, daß nW Msere VolksbÄvegstng mit dem landläufigen Nationalismus, von „ dem oben die Rede war, in ein'en;Ä werde. Unser nationales Bekenntnis' hkt nnt dem uns umgebenden nationalistischen Machtraüfch nichts zu schaffen. Wir lehnen egoistische Machttendenzen ab, - nicht weil dieses Streben nach unserer ganzen Lage als der einer von normalen Völkern umgebenen Minderheit für uns sinnlos, wäre,> sondern weil diese Tendenzen zu unserer nqtionalen Geistigkeit in schärfstem Widerspruch stehen. Üüd 'wir begnügen uns nicht mit der selbstgefälligen Verhinrmelüng unseres Volkscharakters, für dessen Mängel wir ein offenes Auge bewahren müssen, sondern uny ist. die nationale Idee das Mittel, unsere Volksgech>einsHast den Weg zu höheren Stufen der Vollendung AÄWv.? Der Vorwurf des Chauvinismus, der BösMllWeH und dem Unverständnis entsprungen, läßt' uns ' KW Deutschpolitischer Nationalismus ist ein UnhiMi weil die deutsche Nation eine W i r k l i ch k e i t ist und der deutsche Nationalismus zur übertreibenden Betonung dieser Tatsache sührM muß. Solange aber die Tatsache vom nationalen Charakter unserer Gemeinschaft bei Juden und Nichljuden nicht als Selbstverständlichkeit seststeht, solange wird unser jüdischnationales Bekenntnis seinen vollen Sinn behaupten. Der südslawische Krieg. —y 355 t t n, 80. Mai. Während m Paris die Entente werter darüber verhandelt, welche Aendernngen an der steirisch-füdstawischen Völkergrenze vorzünehmen wären, haben die Südslawen den Krieg wieder eröffnet nnd unter Teilnahme serbischer Truppen den im April eingestellte» Bormarsch wieder ausgenommen. Nach den letzten Meldungen vom kärntnerischen Kriegsschauplatz sollen die Serben die Drau südlich Klagenfurt überschritten und den Marsch in der Richtung Klagenfurt fortgesetzt haben. Die Hauptstadt Kärntens liegt rund acht Kilometer nördlich der Dra». Die Bedrohung der Stadt ist daher eine unmittelbare und es ist mit deren Besetzung schon für die nächsten Stunden zu rechnen, falls die Serben die Borrückung fortsetzen und ihnen ein ernstlicher Widerstand nicht entgegengesetzt wird. Es ist anzunehmen, daß die maßgebenden militärischen nnd politischen Stellen die Weisung erlassen haben, auf eine Verteidigung der Stadt zu verzichte«, um sie vor einer Beschießung zu bewahren. Klagenfurt konnte nur behauptet werden durch Verteidigung des Loiblpafses und der Drauübergänge. Da die militärische» Kräfte, die in Kärnten zur Verfügung standen, völlig ungenügende waren und eine rechtzeitige Vorsorge hinsichtlich des Nachschubes von Verstärkungen aus anderen Kronlänbern nicht getroffen wurde, ist die Räumung Klagenfurts. die Preisgabe der Landeshauptstadt, unerläßlich. Die Landesregierung hatte bereits am Domrerstag der Bevölkerung die nötigen Weisungen erteilt und die Uebersi-edlung nach Spittal vorbereitet. In der Zeit, die seit, dem Abschluß dfs Wäffewlichkesten' gegeben, mit beiten; ein nicht auf Militari«-' mus orientiertes Gehirn sich' nicht abfinden konnte. Das stärkste aber, was uns zngemntet werben kann, ist dieser neue Krieg. Die Demarkationslinie war erst zu Beginn dieses Monates in, einer Besprechung der slowenischen Führer mit dem Staatssekretär Doktor Deutsch neu festgelegt worden. Seither ist nichts geschehen, was eine Fortsetzung der Kriegshandlungen hätte erklären können. Und mm urplötzlich ein neues Gemetzel, neues Blutvergießen, wenige Stunden, bevor die Vertreter Deutschösterreichs.die Karte mit der Grenze ihres Staates eingehändigt erhalten. Es heißt zwar, daß diese 'Grenze auch später noch wird abgeündert werden und daß Dr^ Renner Won jetzt diese künftige Korrektur anerkennen muß. Aber die Schwäche Deutschösterreichs ist so arg, daß man-sogar das himiehmÄr muß, was dem Selbstbestimmrüigsrecht der BöKer so ähnlich sieht" wie die Faust einem Pferd. Wozu alst» die verrückte Kriegsforl'setzung? . ' ( Es lie gen uns folgende Meldungen v or: 1 Völkermarkt unter Fe«er. " . Rückzug dev Kärntner Truppen. . MatzenfiÄ, 30.. Mar, BVm PresseÄenst der Landesregierung wird gemeldet: Lage vorn 3(^. Mai .11 Uhr vontüttgtzs^ Südöstlich ■ 'vpri H^'v.'<ß»rsi'N'd zog sich der FMd <dor; ^dtzpi ^' Ma'fserAE^sbruch inne- -gMhten SEüngen zurück. Bon LavaniÄstd ibestwärts veMuft unsere! Linie an der Drau, Fm Abschnitt Von Ferlach nahmen wir unsere Truppen vor starkem Feind — dem heute neue Kräfte im Loibl-Tal folgten — auf das nördliche Ufer znrück. In den Kcirawanken, südlich von Rösenbäch und südlich von Fürnitz erfölgl-eiche Abwehr feindlicher Patrouillen. Der Fejntz beschießt die> Brücke bei Saager (AnnÄ-brücke), Stein, die Stadt 'V ö l k e r m a r k t und erkundet die liebergangsverhaltnisse an der Dram. > . , nicht besetzt.! E-Marlainxtttskorrespvndenz meldet: r eine ^^phonifcheAnfrage ist abends ' lim MÜHo^ckus KMensurt von'.amtlichem 'MelleiHtzende eingdangtr „Das GMffcht, dD< Klagenfurt^ von^ben.-WflHvischen Truppe'Hbesetzt^iMentspricht 'n ich WWem An der ganzest FroMcherrschtE heute ziemld' Mhir. v on kleinen PHnkeleien/sabgesehen. D.'e>LmieEd^': südslawischen >. Trpppen zieht sich längs der . Drau M tuestlich von Maria >( " r*vr

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