Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-05-30 · Heft 131 (30.5.1919) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 131 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979208--01161-2986533
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 131 Wien, Frettag Wiener Morgrnzerrrmg 30. Mar 1919 Telegramme Polen anerkennt die nationalen Rechte der Juden. Haag» 29. Mar. (Tel. der „Wr. Modenzeitung".) Das Jüdische Pretzburean meldet: Das f e r t i g g e st e I i t e Abkommen der Entente mit den P o^l e n wurde von der p olnischen Delegation genehmigt. Das Abkommen erkennt den Juden ihre nationalen Rechte im v v l l e n Umfange zu, verbietet jegliche Unterdrückung, gewährt ihnen den Gebrauch ihrer e igenen Sprache und verbietet die Bornahme von Wahlen an Samstagen. Fiume ein Unabhängiger Staat? Saint-Germain, 29. Mai. (Korr.-Bur.) Der „Temps" meldet, er habe erfahren, daß in der adriatischen Frage ein Uebereinkommen erzielt worden fei. Wilson, der heute mit den jugoslawischen Delegierten zusammentrifft, habe einer von Orlando angenommenen Vereinbarung seine Zustimmung erteilt, wonach Fiume unter Ausschluß von Susak einen unabhängigen Staat unter der Aetzyde des Völkerbundes bilden. Besetzung Deutschlands im Falle der Nichtnnterzeichnung. Paris, 29. Mai. (Korr.-Bm.) Dem „I o u r n a l d e s D s b a t s" zufolge ist General Fayo 1 le, der Kommandant der beiden französischen Besetzungsarmeen, am 26. Mai in Koblenz eingelroffeu, um mit den verbündeten Kommandanten die Vorbereitungen für das Vordringen in Deutschland für den Fall zu besprechen, als letzteres den Vertrag nicht unterzeichnen sollte. Italien wird den Frieden mit Derrtschöfterreich und Deutschland unterzeichnen. Berlin, 29. Mai. (Korr.-Bur.) Das Wolffsche Bureau meldet aus Amsterdam: Dem „Daily Herald “ zufolge könne als Ergebnis der wichtigen Verband l u n g e n, die Oberst House geführt hat, der Beschluß angesehen werden, daß Italien sowohl den Vettrag mit Deutschland als jenen mit Oesterreich um terzeichnen werde, jedoch mit gewissen Vorbehalten bezüglich der Regelung der adriatischen Frage. Die Entente verlangt eine neue Negierung für Rußland. H Budapest, 29. Mar. (Tel. bei* „Wr. Morgenztg.") Ern Funkspruch' aus N c w - No r k meldet: Der B r e x e r u et t l)«t gestern beschlossen, jede nicht bolschewikische r n f .f ische Regierung a n z v e.r t e n n c u„ die derLÜ Ist, die, N n 1 i o n a 1m Le m m l it it g einzuberufen uitb öte , G r e u z f c j> > e tz u n g e n des Völkerbundes zu beachte n. Diee Anerkennung bedeutet keine militärische Hilfe, auch nicht die A it e r 3f e it u u « g der K vlt s,ch a U ober einer andere n Regierung, da erst die N a t i v n a l v e r s a m m l u u g darüber entscheiden soll, welche Regierung sie haben will. Die Regierung Koltschaks noch nicht anerkannt. Berlin, 29. Mai. (Korr.-Bur.) Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" meldet aus Zürich: Die endgültige Entscheidung bezüglich der Anerkennung der Regierung des Admirals Ko lisch ak wird von der Untersuchung abhängen, die ein amerikanischer Diplomat in Sibirien veranstalten soll. Die Entente fordert Berichte über die Stimmung in Ostpreußen. Berlin, 29. Mai. (Korr.-Bur.) Die „D e u t s ch e Allgemeine Zeitung" meldet aus Genf: Nach 'pariser Nachrichten seien die Vertretungen des Vierverbandes in Deutschland von ihren Regierungen beauftragt worden, über die P r o t e st k u n d g e b u n g e n in den d e u t s ch e n Landesteilen d e s O st e n s, die den P o len zugeteilt werden sollen, Erhebungen a n z ust e M e n und ihre Berichte an die Pariser Konferenz zu senden. Moskauer Kriegsbericht. Moskau, 29. Mai. (Funkspr. d. Tel.-Korr.-Bur.) Festungsbezirh, Kronstadt: Der Feind griff Vorouino am 24. Mai an, wurde aber durch unsere Gegenstöße aus seine Ausgangsstellung zmückgeworfen. Aus Kiew wird gemeldet, daß die ukrainischen Sowiettruppen in Lorano, und Dubnv eingezogen sind. Versprengte Abteilungen der Gcigorjewschen Banden werden von bewaffneten Dauern angegriffen und den Sowietbehörden eingeliesert. Die Türken und Araber wollen keine Fremdherrschaft. - Amsterdam, 20. Mai. Die Abordnung der t ü r k i- I ch e n und arabischen Völker m Paris hat an das internationale sozialistische Bureau ein Schreiben gerichtet, in dem erklärt wird, daß das arabische und t>«9 türkische Volk k e i n e F r e m d h errschaft aus sich nehmen und Laß sie die enropöffchen Völker unb Machte warne u»v da das arabische und das türkische Volk im Notfall ihre Freiheit mit den Waffen vetteüngen würden. ft N ist es, das Abonnement schleunigst zu erneuern, für diejenigen Abonnenten, deren Bezugszeit Ende Mai ab gelaufen ist» damit die Zustellung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Bezugsbedingungen ad 1. Juni: Für Wien: mit Zustellung Monatlich . . . Leonen 7.— Vierteljährig . . „ 20,— Halbjährig ... „ 40.— Ganzjährig ... „ 80.— Für die Tfchecho- SlowaKei: mit Pvstversand in tschechischer Wahrung Monatlich . . . Kronen 7.50 Vierteljährig . . „ 22.— Halbjährig ... „ 44.— Ganzjährig ... „ 86.— Für Deutschöfterreich: mit Postverscnd Monatlich . . . Kronen 7.50 Vierteljährig . . „ 22.— Halbjährig ... „ 44.— Ganzjährig . „ 88.— Für Polen und die übrigen Nationalstaaten : mit Postversand Monatlich ... Kronen 8.50 Bcerteljährig . . „ 25.— talbjährig . . . „ 50.— ouzjährig . . . „ 96.- Für Deutschland monatlich 5 Marl, Schweiz 5 Franken, für das übrige Ausland vierteljährig 26 Kronen. Dce Geldsendungen für die Tscheche»-Slowakei sind per Erlagschein an das Postsvarlassenamt P. S. Nr. 150.693 in Prag, für Polen, Westgalizien und Polnisch-Schlesien per Postanweisung an die Wiener Lombard und Eskomptebank, Filiale Krakau, für „Wiener Morgenzeilung", Krakau, Nynek 12, zu richten. Administration der „Wiener Morgenzeitnng" Wien, H.,Taborstratze 1—3. Telephon 44.038«. 43.31S. Korea ruft die sozialistische Internationale gegen Japan ans. Amsterdam, 29. Mai. Wie „Het Volk" schreibt, hat die diplomatische Abordnung Koreas in HZaris ein Schreiben an das internationale s o z i a l i st i s ch e B n r e a u gerichtet, in dem sie um Unterstützung der Arbeit der Internationale gegen die i m p e r i a l i st i s ch e P o l i t ik Japans ersucht. Die Abordnung erklärt, daß sie auf dem Standpunkt der Demokratie und der Arbeitergesetzgebung stehe, durch die allen die Entwicklung und Erziehung der östlichen Rasten möglich sei. Blutiger Streik in Lima. New-Pork, 29. Mai. (Reuter.) In Lima wurden am Dienstag bei Stteikunruhen sechs Personen getötet und zwanzig verwundet. lieber Lima und Callao wurde der Belagerungszustand verhängt. Die polnischen Gesandten ick Auslande. Lyon, 29. Mai. (Funkspr. des Tel.-Korr.-Bur.) Nachrichten aus Warschau zufolge habe die polnische Regierung zu Vertretern im Auslande ernannt: D in o w s k i für Paris, S z e m b e k für London, S k \ r m it»t für Rom, Kowalski für den Vatikan, den gewesenen österreichischungarischen Botschafter in Washington Grafen Adam Tarnowski für Tokio, das Mitglied der polnischen Friedensabordnung Piltz für Bukarest und den Fürsten Kasimir Lubomirski für Washington. Die Militärkapelle spielt zum Pogrom auf. Warschau, 29. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Vorige Woche kam es in Zakrotschin zu großen antijüdischen Exzessen. Die H a l l e r s ch e n Soldaten plünderten; jüdische Geschäfte und Wohnungen, wobei viele jüdische Bürger schwer verwundet 'wurden. Diese Exzesse wurden bei den Klangen der Militärkapelle vollführt. Der Sekretär des jüdischen Nationalrates, Advokat B r i an s ki, begab sich nach Zagrotschin und intervenierte beim Kommandanten dieser Truppen» dem französischen General de M a n g e t. Der General erklärte, er könne es nicht begreifen, was mit den Soldaten geschehen sei. Sowohl in Frankreich als auch auf dem Wege nach Polen Hütten sie sich gehörig aufgeführt. In Polen hatten sie sich im Verlause einiger Tage gänzlich verändert. Es sei dies der Verhetzung seitens der polnischen Bevölkerung zuzüschreiben. Der General versprach, daß er alle Mittel anwenden werde, nur weitere Exzesse zu verhindern und daß alle geraubten Sachen den Eigentünlern zurückgestellt werden. LanÄtagsabgeordneter Halpern von polnischen Soldaten überfallen. 1 Warschau, 29. Mai. (Tel. der „Wr. Morgen-, zeitnng".) Dienstag den 20. d. M. wurde Landtagsabgeordneter H a l p e r n auf dem Rückweg vom Landtag gegen 6 Uhr abends von drei Soldaten überfallen. .Einer der Soldaten griff nach dem Zylinder des Abgeordneten mit der Frage: „Jud, wo hast du den Zylinder her?" Als Abgeordneter Halpern antwortete: „Woher ich den Zylinder habe, ist meine Sache"- mißhandelten ihn die Soldaten und rissen ihm die..Haare aus.' Als'der Abgeordnete ihnen mit der Arretierung drohte unfeine Legitimatwn vorwies, lichen die Soldaten von ab' und eirüernten sich. seue S Das Blutbad in Proskurow. i Warschau, 29. Mai. (Funkspr. des Korr.-Bur.) Aus Proskurow emgetroffene Augenzeugen det Progrome berichteu, daß die ukrainischen. Truppen vom 1. bis 3. März ungefähr 5000 I-uden töteten und 2000 verwundeten. Wede» Weiber noch Kinder wurden verschont. Die ukrainischen Truppen hätten nur mit Säbel und B a j o< netten gearbeitet. Petljura habe dann den Vorstand der jüdischen Bevölkerung gezwungen, eine Vestätigung zu unterschreiben, daß den Kämpfen uw die Stadt bloß 60 Einwohner zum Opfer gefallen sind. In Siez hätten 400 Kosaken die ganze jüdische Bevölkerung umgebracht. Die tschechische Kabinettskrise. Prag, 28. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg."), Die Kris« in der Regierung dürfte wahrscheinlich noch in dieser Woche provisorisch bctßclcgt werden, und zwar derart, daß die beiden Minister R a s ch i u und Dr. S t r a n s k p ihre Demission auf eindringliches Ersnchru des Präsidenten M a s a r y k zurückzieheu. Irr politischen Kreisen wird erklärt, daß der Ansbrnch der Krise gerade in dem Moment, in welchem in Saint- Germain die Fnedensbedinglengen der Entente den Delegierten Deutschöfterreichs überreicht werden, unerwünscht sei und die Stellung des Ministerpräsidenten Dr. K r n m a r sch \m Paris erschweren müßte. In dm Kreisen der agrarisch-sozialistischen Majorität der tschechischen Nationalversammlung ist ebenfalls das Bestreben zu kvRstaticren, die Krise im Moment Lu verkleistern und erst nach der Stellungnahme Deutschösterreichs gegenüber den Friedensbedingungen zu lösen. Präsident Masarhk für die Versöhnung der Parteien. z Prag, 29. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") „R ar o d n i L r st y" kündigt an, Präsident M a s a r y k werde versuche n, ein Einvernehmen der Parteien h e rbe i z u f ü,h r e it. Der Präsident habe dieL ö s u n g der Krise durch eine Konferenz mit den P a u 1 e i e n v e r t r e t e r « bereits e i n g e l e i t e t. Um 6 Uhr aberids wurden die Berte a u e u s m ä n ir e r ' der n a 1 r o u a l d e m o k r a t is ch e n Partei vom Präsidenten empfangen; ihnen folgten die Führer der beiden sozial! st ischen Grnppeu. Die Konferenzen werden fortgesetzt. Die Gemeindervahlen in Tschechien. s Prag, 29. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg?") Gestern, wurde vom jüdischen W a h,l k o ur i t e e der A n s r ü f' an alle Juden Prags zur B et e i l r g u n g an den Wahlen für den G e nt c t it b e t q t versendet. In dem Ausnrfe werden die Inden aufgefordert, die j ü d i f ch e Liste zn wählen. Auszahlung von Wiener Guthaben in Tschechien in tschechischer Währung. § Prag, 29. Mai. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der Verband der deutschen Sparkassen in B ö h m e n hat beschlossen, sich im Einvernehmen mit dem tschechischen Verbände dafür e i n z u s e tz e n, daß die Guchaben der Wiener Postsparkasse und anderer Wiener Geldinstitute in tschechischer Währung ausbezahlt werden. Der Wucher in Tschechien. Standrechtliche Behandlung. Prag, 29: Mai. (Tel.-Komp.) Wie die „Narodni Listy" meldet, hat Iustizmimster Doktor S o u k u p im Ministerrat einen Anttag unterbreitet, nach welchem über das Verbrechen des Wuchers standrechtlich, und zwar binnen 24 Stunden, ohne irgendein vorhergeh e n d e s B erfa h r e n abgeurteilt werden soll. Im Falle einer - Verurteilung soll über das Vermögen auf die Dauer ■ von drei Jahren die Sequestration ausgesprochen , werden. Keine Ausrufung einer Rheinrepublik. Frankfurt a. 29. Mai. (Wolff.) Zuorr- < lässige Mitteilungen aus Koblenz besagen, daß . bisher noch keine 2l u s r u f u n g einer rheinischen Republik stattgesunden hat. Die Zentrumsführer haben; sich kräftig gegen diese Bestrebungen ausgesprochen . und würden sich nur einverstanden erklären, wenn die Ausrufung von der deutschen Nationalversammlung und der preußischen Landesverfammlung ausginge und im Friedensvertrag ausdriicklich feftgelegt würde. Keine Einberufung des Rütekongreffes in Berlin. Berlin, 2S. Mai. (Korr.-Bur.) Der Zentralrat der deutschen sozialisüschen Republik, hat die Einberufung eines dritten R ä t e k o n g r e s s e s erörtert, die Auffassung des Aktionsausschusses gebilligt und es a b g e l e h n t, für den gegenwärtigen Augenblick einen Ratekongreß einzuberusen. Streiks in Italien. Berlin, 29. Mai. Der „LoKalauzeigec" meldet aus Lugano: In Biella in Piemont, wo 20.000 Wollarbeiter seit drei Wochen streiken, wurde Montag der G e n e r a I ft t e i k erklärt. Dem „Avantt" zufolge dehnte sich der Generalstreik auf den ganzerp industriereichen Bezirk aus. Die Regiemng sandte große Truppenverstarlumgen nach Biella. Die Arbeiter errichteten B a r r i k a d e n und es kam zrl mehrfachen Zusammenstößen, wobei geschossen wurde. In Apulien dauern die Unruhen fort: in Palo del Colle griff die Volksmenge das Rathaus an. Das Militär gab Schüsse ab» wobei es drei Tote und zahlreiche Verwundete.gab.. . In Neapel , erklärten gestern."die AngejteMen. der . privaten Bnreans und' der Läden. dm Generalstreiks Die Slreikmden durchziehen in großen Massen' diej Stadt und erzwingen überall die Sperre der Läden.'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.