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Wiener Morgenzeitung · 1919-05-28 · Heft 129 (28.5.1919) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 129 (28.5.1919)
Date
1919-05-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Wiener Morgerrzertung Vlr. 129 Wien, Mittwoch. 28. Mai 1919 Seite S j Die Wahlreform in der Knltusgemeinde. Die Reasiumierungsanträge -er Zü-Lschnationalen abgelehrrt. Bo« unserem BerichterstnLIer. W i e ii, 28. Mm. Der Kultusvorstand hat in seiner gestrigen Sitzung endlich die Beratung der Wahlrefornr zu Ende geführt. Die neue Wahlordnung ist nun gur Gänze angenomnien und auch die damit zusammeiih<u>gend^n Aenderuugen des 51ultusgenieindestatuts und des Sieüerregulativs sind durchgeführt. Das vorliegende Wahlgesetz bedeutet allerdings die schwerste Enttäuschung für alle diejenigen, welche gehofft hatten, daß, wenn schon nicht die jüdische Gesinnung, so d-och die äußeren Weltereignii'sc die Machthaber'der Kultusgemeinde veranlassen werden, endlich den» Gebot der Demokratie nachzugeben. In Wirklichkeit wurde, die Festigkeit ihrer rLLktiouär-äbsolutistischen Gesinnung nur in dem Ersten Augenblick der ällgemeinen Erschütjernng wankeud, als die. 2000 .jüdischen Soldaten am 2. November ungestüm die Besetzung des jüdischen Rathauses, forderen. Am 5. November hat bekanntlich der Kultusvorstand mit dem Jüdischen Nationalrat eine B-ereiuvarung getroffen, nach lue scher der damalige Präsident ,Dr. Stern zurüägutreten hatte und eine von beiden Teilen gleichmäßig zu beschickende PermaneuzkommissioU eineuPräiidenten.zu wählen, ferner binnen vier Wochen eilte demoiratische Wahlordnung vorzulegen habe,welche dann binnen weiterer vier Wochen vom Kultusvorstand. anzunehmen ist. Es ist gut, sich diese Tätsachen' ins Gedachtüis zurückzurufen, wennman die hen.te zuftandegekoinmene Wahlordnung betrachtet, welche eine wahre Karikatur „demokratischer" .Gesetzgebung ist Der Kultusvorsta.ud hat nicht nur bezüglich des Teruüns der''Verabschiedung sein Wort gebrochen, .sondern vor ckltem auch was die Materie des Gesetzes anlangt. Als nur die ersten drohenden Stürme der Revolution. verebbt waren, da machte es' det Knltiisvorstaud wie Pharao, wenn die Plagen nachließen. Sech Herz wurde verstockt, die Tyrannenbestralität karu wieder zunr Durchbruch und er brach mit zynischer Selbstverständlichkeit das gegebene Wort- Aber' das Strafgericht ist noch nicht beendet.. Auch über dem Kultusvorstand, der heute wieder durch völlige Utzathie und gedankenlose, verantwortungslose Ablehnung der als letzte Warnung eiugebra'chten Reassumierungsanträge der Jüdischnationa'leu sein absolutes Unverständnis für die Situation betvics, werden die Fluten.zusamnwuschlagen. .. Zu Beginn der Sitzung tvurde eine vom .Vertreterkollegium ein gebrachte PvotestresolMion gegen di .; polnischst Pogrome chngenommen. / Nachstehend der Sitzungsbericht: - . - ' ''' Der Vorsitzende. Hosrat Nappaport, eröifiist .um V Wodir, Sitzuitg.-.Das VertreterkirlwZürm' Mläat der Ple'narsitzung'-nach'stehende R e s atuti o u.Lot,- die 'eittstimmiq durch Erheben von den Sitze»! angeiwurmeui »virb : Gegen die polnisch«! Pogronte. „Seit Wochen "wird die gesamte Mrilturivelt durch??LF>richten über blutige.JüderepogrpmeErschüttert, welche in. jenen Gebieten Osteuropas,--die von der polnischen Kation dauernd — oder vorübergehend — in Besitz genommen wurden, stattfindc». 'Ströme.jüdischen Blutes bezeichnen, 8m..verheerenden Zug der polnischen Legion^ der . polnischen'Nationalarmeen. In 'Milna allein sind nach ühereinstinmienden Berichten Tausenhe Inden dem blinden Intzenhas; der Polen znin Opfer gesallen. Äinberg, Pinsk, Kalusz Und zuletzt Wilna, sind die nem'sten Leidenssteiwlien unserer Glaubens- und StainineSbrüdcr in Polen, deren grausamer Herrschaft niehr als ein Drittel des gesamter» Judentums nunmehr ausgeliefert ist. Ohnmächtig, unseren Brüdern in ihrer'verzweifelten Loge werkiättge Hilfe zu leisten, vermag , der Vorstand der Wirnsr israelitischen "KultusgLmein de nichts anderes, als unter dem Ausdrücke .seiner itcffleu Empörung über die UmNenschlichkeiten, durch welche die Polen die -Wiedererlangung ihrer üationalen Freiheit, die Wiederaufcichtung rl,res unabhängigen StaatsivesenS für alle Zeiten brand- > n arlen, sich der gerechten Forderung anzuschließen,' das; derjenigen Mächte, die über das knustige Schicksal der Völker;.it entscheiden haben, auch Sicherheit schaffen, welche die Juden in. Polen vor der barbarischen Behandlung seitens die Mehrheit des Landes dauernd' schützen. Unseren unglücklichen Brüdern, die nach fünfjährigen unsäglichen Kriegsleiden, kaum von der jahrhundertelangen Acdrücküng durch den Zarismus befreit, einem neuen'noch sürchterlichereu Mg:th» sinn.wlsgesetzt sind, sprecheil wir unser riesstes Ätitgesühl niit ihrem scküveren Leid ans, mit'dem innigen Wunsche, das; die zn schaffende, neue Weltordnnng . endlich auch mit' Gerechtigkeit gegen' das schwer geprüfte Judentum in allen Landen ohne AnSur/ine erfüllt sei." ' Hierauf wird in die Beratung der Wahlreform ciiigegcmgen. Wahl des Präsidiums und Vcrtrctcrkolleginms. Zu 8 SS: Wahl des Präsidiums und Vertreteriollrgiiims liegt ein Ädäirderungsantrag der Jüdischnationalen vor, auch bei diesen Wahlen den Proporz einzusühren. Dieser Antrag erhält mre, 11 Stimmen, anstatt der erforderliche»! 18, so daß er ab ge lehnt ist. Hierauf werbe»» die 8^36 bis 31 ohne Debatte -cui genominen, so daß die Wahlordnu n"g erledigt ist. Vlan schreitet mm zur Beratung der Aenberung, des Ku.ituLgemeinde-Statnt.s. In t- .6 wird a« Stelle der bisherigen sechsjährigen, Mandatsdaver eine vier.j äh'rige eingesührt, i*ür den Präsidenten, wird eine vierjährige,, für dis Vizepräsidenten ein«; einjährige Funktionsdauer festgesetzt, vck'n Arrtrag -Pappenheim .auf .Ktejerung einer dritten Bizet'i ösidenienstelle wird ab ge lehn t. Die Sbenergrenzen. Eine Debatte'entspiunt. sich bei § 97. der die niedrigste llnUusfteuec. mit-K. 10, die höchste;mit K. 20.000 sestsetzt. '-Dr. Ehrlich HÄt..den Mäxftnalsutz von K. 2tz.000 bei den hekUcstm 'VerWMissän Kr vjiel izu niedrig. Er bccmtrvgt daher Echöyu.ig <nrs K. 50.000^ womit nicht gesagt ist, daß die D»itn4genlv.inde auch tatsächlich jemandem Kromn ÄErfchverborr mich, sondert» ntrr die Möglichkeit geboten wird. Dr. Pappenheim meint, das; ein solches Statut niemals die Zustimmung der Behörden, vor allein des Staatsamtes für Inneres und für Fiuauzen, finden »vürde. DaS sei eine Erfahrung, die man berücksichtigen muß. Stricker: Die „Erfahrung" des Herrn Dr. Pcppenheim stamrnt aus der Zeit, wo auch die Staatsbehörden dazu da waren, die Neichen zu schützen »»nd die Armen zahlen zu lassen. Ich 'Möchte die demokratische Regierung sehen, die es verbiete»! »vollte, daß die Reichen ihrein Verinögen entsprechend zur Beitragsleiflung herangezogen werben. Wenn »vir schon durch das. Gesetz gezwungen sind, eine obere Grenze festzusetzen, so schassen wir uns rvenigstens Bewegungsfreiheit. Es gibt ein paar reiche Leut«, in:der Gemeinde, dis vielleicht mehr als 20.000^ zahlen können »mb es ist beschämend für uns, werrn wir" als Geschenk anzirnehinen genötigt wäre»», was uns eigentlich als' Steuer gebührt. Wen»! die Herren schon Juden bleiben wollen, so ist nicht einzusehen, ivarnm' sie ihrer Berpflichtmtg gegerr die 'Geineinde' nicht ebenso Nachkommen sollten, , wie' gegen irgendeinen Geselligkeilsklub. S im o u schlägt als Kompromiß eine. Erhöhung der Marin»algrenze aus K. 30.000 vor. ' Bei der Abstimmu n g wird die Ernräßigung der unteren Grenze auf $. 10 -ei»tstintutig än-'genonrmen, der Antrag Ehrl ich auf Erhöhung der oberen Grenze auf K. 50.000 mit allen gegen die Stinuuen derdiationalen, des Herrn Architekten Gärtner und des Hern» Kauders abgelehnt und sodanir der Antrag S i in o n — Festsetzung der oberen Grenze mit K. 30.000 — mit 18 Stimmen angenommen. Weiters iverden die iio>l der Kolu»'-issioil vorgeschlagcncn Aenderungelr dcs K u l t u s st e u e r r c g»»l a t i v s, »velche nur esiiige Forncalien betreffen, ohne Debatte a»igenommeu. Aychnnrls das Beamteirwahlrecht. Dr. Auerbach stellt den Antrag auf Reassumieriutj) des beschlossenen §'8 der Wahlordnung betreffend den Ausschluß der Ra-b bi n e r, R e li g i o n sie hr e r und Beamten der Kultu s gemei nde von der Mahlbarkeit. Zur Begründuicg dieses Antrages verliest der Redner die Nesolutiou, welche der Argestelltenderband der Kultusgemeinde in feiner Votlversa»n»nlnng gefaßt hat und die dein Präsidünn sowie sämtlichen Kultusvorstehern zugesandt wurde. Die Resolution protestiert in scharfen Worten. gegen den- Ausschluß der Beamte»» vom passiven Wahlrecht und erklärt, daß die Beamten alle Ntittel auswende»» »verder», imt diesen beleidigenden urtd kränkendcu Beschlirsz zu bekärnpfeu und den Angestellten zu ihrem Rechte zu v-crhelfen. Dr. Auerbach bemerkt, daß eZ »licht angeht, dieser Resvlutio»» der Bea»utenschaft gleichgültig gegenüberzirstehcrr. Die Resolution ist ein Schrei der Entrüstung, ein Protest, gerichtet an die gesittete Jndenschaft und die ganze Orsfentlichkeit und darf Hier nicht ungshört bleiben. Die Demvkratie ist überall eiugezoge»», »u»r bei. uns feiert der Jinperialismirs noch Trmmphe.1 Das Argnnieirt des Doktor Pappen heim, daß .man .»»icht in der A»rvese»»heit des Beteiligte»: über diesen betreffende materielle Fragen sprechen könne, ist binsältig. Wer nach Recht und Pflicht handelt, der kann alle Fragen offen berate». Der Held zu sein in der Abwesenheit des andern ist keine Ritterlichkeit. Wer den Dr. Pappen heim keimt und tveiß, »nit welcher. Unumwundenheit er den .Bittende»! das starre „Nein'" entgegensetzt, wie er hier iu der K»iltusstube den Geldsack vertritt, in. den Fragen, die die Beamte!» angeben, und sich durch, ihre Anwesenheit -nicht deirren läßt, der^weiß, daß er sich m seiner Offenheit, auch nicht lvird behindern lassen, toenn die anderen da sinh. Aberdas richtige Motiv hat Dr. Pappenhenn zürn.Schlüsse gesagt: Es lönue nicht der „Schamcs" nüt'dem VorstLher in einern Ziminer zusammensitzen. Dr.' Schreiber hat hiuzngefügt, in einer „Khille" »nüsse es Herren. und Diener gebe»!. Darnit haben Sie die Maske gelüftet. Damit haben Sie beiuiesen, »vre tvenig sie von den» Geist der Zeit verstehen und haben den Beamten die , schwerste -Kränkung Zugefügt. ES ist eine Scharrde, daß den jüdischen-Furrktionäreu, die irrr Zentrum des jüdischen Lebens stehen, der Anteil au der Verwaltmrg versagt wird, der. jedern änderen gegerp einen Zehnkrouenschem offen steht. Deswegen beantragt Redner Reassurnierurrg des Beschlusses, Streichung des 8 und bittet den Knltusvorstaird noch»nals, ■ auf die warnende Stwlme der Beamterrresolution hören, sich auf den Boden der Denwkratie zu stellen und keine Unzufriedenheit der Beamtenschaft zu provozieren. Simon konstatiert, daß dieser Reassumierungsäntrag dein Neunermrsschnß nicht vorgelegt ist und daß die Majorität des' Vorstandes nach wie vor d a g e g estist, der Beamtenschaft passives Wahlrecht zu geben. Bei der A b st i m »n »» n g über den Neasstl»!»iernngs<nitrag wird derselbe mit allen gegerc acht Stirn in er» Mus Nationale, Gärtner, Lowner, Pros. Ehnnan» ) ab gelehnt. Die Staatsbürgerschaftsklaufel. Dr. Auerbach: Ich habe noch einer» Reassuniierungsantrag zu stellen. Das Statut, das jetzt verabschiedet »vurde, enthält eine Bestünmnng, die dem Geiste der Deinokratie »vidersprrcht. Es ist die Knüpfung des aktiven Wahlrechtes an die Bedingung der deutsch öfter reichischen Staatsbürgerschaft. Damit treiben sie einen Keil in die Judenschaft, sie schaffen eine Situation, die Sie »»icht rverden meistern kön»»en und deren Folge»! Sie nicht übersehen. Redner begründet hierans eingehend seinen Antrag.. Nach der .Statistik des Dr. Schwacz-.Hiller sind von' den betroffeuei» 70.000 Juden etwa 45:000 geeignet, die Staatsbürgerschaft zu erlangen; diesen Leuten, sagt Doktor Schwarz-Hiller, geschieht eigentlich .Seist Unrecht. Aber Sie überlegen nicht, welche nebulöse Sache die Staatsbürgerschaftsfrage heute ist. ES kam» viele Gründe und tvichtige Interessen geben, die einen davon abhalten, die bcutfchösterreichische StaatSbürgerschasr zu erwerben. Dies geht aber die Krrltnsgenwiude nichts an. Es ist ei»! Rechtsbruch, Steuer zu »lehrnen und. das Wahlrecht zu verweigern. Diese Leute werden die K u 1 t ü S st e u e r verweigern? Sie bringen darnit die Geineinde u,»r einen großen Betrag. Die Leute »verden aber auch zum Austritt aus der Gemeinde bewogen» sie!verde n sich separiere u, wie die türkische Gemeinde. Bezüglich der- F l ü ch t l i n g e, die nicht Staatsbürger »verden können, bat auch Dr, Schlvarz-Hiller zugegeben, daß diesen ein Unrecht geschieht. Auch dieses Unrecht darf »nail nicht tun. Bei den» jetzt gellenden Proporz tünncu diese 1500 Wähler die Wahl gar nicht beeiuflnsse»», es handelt sich höchstens um ein Mandat von 36, das ist doch so viel wert, daß man deSwegerr bewußt ein Unrecht tut. Den Flüchtlingen gegenüber haben Sie eine noch größere Verpflichtung, denn die Flüchtlirige erhebet die laute Anklage, daß sie mit schuld sind' an ihrer -Entrechtung. Als Dr. O fner zum vernichtenden Schlag' äusyolte, haben Sie es unterlassen, ihm in den Arm zu fallen. Ofner hat vielleicht optima Läo .gehandelt, aber Sie i"; : ing.'»» sollen, du bist von Juden geniählt «ad iuitfir uüu •..'scrat iibar ei»r jndenfeindftchos Gesetz übernehmen, das dir >»ur darum übertrage»! »virb, weil die Sozialdeniokraten sich nicht mH dieser Kultnrschaude beflecken wollen. Fügen Sie jetzt »licht ein weiteres Unrecht hinzu, »»»dem Sie selbst die Ostjuden entrechten. Belasten Sie sich nicht mit der Schmach Waidhofner GcslUilU»»g und nicht »nit der Ehre, den AutiseMite»» ein B-rbild z»l sein. Redner »viederholt schließlich seine»! Antrag auf Ncassrunienmg. . Dr. Plaschkes: Sie habe»» bereits einmal denAntise'lniteil ein lenchteudes Beispiel gegeben. Der antrsemitischc WirtschastSverband der Studenten hat sich bei»»» Ausschluß , der Juden auf die Kultusgemeinde liernfen. Redner weist fertier "aus die Diskrepanz hin, die zwischen der heute bl*. schlosseueii Protestcesoltttion gegen die Pogrome »lud der in der Wahlordnung zutage trete»rden ostjudenfeiudlicheri Ge-- ftiittiutg besteht. Schmachvoll ist eine Entrechtung von Juden. , durchs Juden. Es ist aber -auch eine. Ungerechtigkeit sonder« gleichen, vor» Le»rten Steuer zu nehnierr unb ihnen das Nechl zu -verweigern; dieses Vergehen hat Aehnlichkeit »nit de»»» v des polnischen Legionärs, der im jüdischen Geschäft Ware»». Uünrnt, ohne zu bezahlen. - ^Stricker: Ich will nur ganz kurz Ihre Aufmcrk« sänrkeit auf drei Dinge lenken: 1. i.n der Bekämpfung her Ostjuden war imi»»er das deutsche J»rdentu»n Ihr Vorbild. Nüiunehr ist in Deutschland in allen Knltnsgemciilden das Wahlrecht n i ch t »n c h r g e b n u d e u au die Staatsbürgerschaft; ,2.. das, Hauptaegumettt des Dr. Schrvarz-Hilke»,. daß eine Wahlordrcinlg, die den Ostjuden /das Wahlrecht gibt, uicht die staatliche Approbation finden »vürde, ist hinfällig: in Linz m»d Jn»rsbrück ist bereits ein. Statrck in Kraft, das das Wahlrecht »licht abhängig macht' von der Staatszligchörigkeit; 3. in der entrechteten Wählerschaft wird eine große Beioegung entstehen, der Ge in ein de. die » Ste»tern zu v erweigern. Wir weroen diese Beivegung unterstützen. Sie, die imuicr so große Angst haben, daß ein Jude,- der sich über die Höhe der Kultussteuerbeschwert, ■ - ans der Gemeinde austrete»! iönnie, . sollten diese Steuerverwe-igerung nicht riskieren. .Sie »verden voll - diesen jüdi* " scheu Parias - leinen Kreuzer bekoittmen. -- Wir »verden überall i»» der Welt und bei jeder Gelegenheit gegen die Wiener Kultusgenreinbo protestieren, daß sie die -Oirrheit des---- JtldeütllmS zerstört und Juden entrechtet hat. Wir »verden: verlangen, daß die Kultusgcrneiiide, die so etwas getarr hat, hei allen all»ichischan ^Aktionen, die u»»s nckt. dep Aus- „ landZjüden iu Verbindung bringen, ausgeschlossen wird. - Löwiier erklärt, so sehr ihm die Ostjuden »iah« stünde»», so glaube er doch,'daß ühnci» daS-Wahlrecht nicht gegeben rverden soll, »veil sie die Träger des Nationalisrnus fiiib. 9Cu3 diesen reu: opportunistischen Gründer» werde er anch gegen bie Reassuiniernug stimrnen. Bei der Abstinrmung »vird der Reasfumicrllngsantrag »nit allen gegen die gewohnten sechs Stiin men ab gelehnt. ' - Hvfrat R a p P a p o r i dankt allen Herren, /siir ihre Mitarbeit bei der Fertigstelluirg der Wahlordiinngi Rach seiner Ansicht gebe es keine Sieger »»nd Besiegten, vielmehr sei das Statut das Resultat eines Koinpromifses. Die letzten Worte des Vorsitzenden, der die -öffentliche -Sitznrrg für geschlossen erklärt, gehen in De»»-.- Lärm unter, der sich im Auditorium erhebt. ES ertönen Ruse »vie „HinanS »nit dän Hosräte»»", „Bei den Wahlen sehe»» wir uns wieder" usw. Erst nach geraumer.Zeit gelingt cs 'den jüdischnationalen Führern, den T'.nnult zu beschivichiigeu, worauf sich der Zuhorerraiun lang'am teert-nnd der Kultas«. Vorstand zu einer vertraulichen Sitzung znrückbteibt. Kommunales. Jüdische Massenversammlung. -; Heute Mittwoch beit 28. d. M. findet präzise Vs 8 Ahc abeüds in Hamdls Restauration ^Zum wildert Mänrt^ M., Favoritenstratze 64, im Gartensanle eine Massen- , Versammlung statt. (Liniert 66, 67 und 13er.). Referenten: Ing. Robert Stricker, Frau Cr»:« P ata k, die Gemeinderäte Dr. Leopold P l a s ch k e s und Dr. Bruno Pollack-Pitrnau. ' .Tagesordnung: Die Bedeutung des Wahlergebnisses für die Juden. Zionistische Bezirkssektion Wiedelt-Wargareten. Die Plakatieruirg der Rede des Bürgermeisters Reumann. In der gestrigen Stadtratssitzung wurde der im Gemeind evat gestellte "Antrag des Stadtrates S p e »»er wegen Plato-' tierung der A n t r i t t s v e b e d e s B ü r g e r rn e i st e r - R e u »n a n n zur Debatte gestellt. Die C h r i st l i ch- ' f v z i a l e n sprachen sich g e g e u d i e s e u A u t rag aus. Es soll diese Rede nicht aus Ge»nei»»denutteln plakatiert üveichLn. , - Stadtrat Dr. Kienböck betonte b c» c> nders, daß .dies« Re^. t catc parteipolitische sei, zu deren PlakaUemng die'christtichsozütte , Parte» nicht die Zustimmung gebcr» köiuie. Stadtrai Fron Dr. Alma S eitz stellte den Antrag, die sur diesen Zweck not- »vendigen Mittel für F ü r s o r g e z n» e ck e zu verwenden. . Stadtrat B a n g o i n beantragte, für den Fall der Annahme der Plakatierumg auch dieRededcsGeineinderates . K mi schak allgemein zu plakatieren. Stadtrat R n m »n e lh-'a r d t stellte den Antrag, die Reden \ ii nt 111 ch e r P a rt e i o b n» 8 n n e r, und zwar des sonaldemokratischrn. des Bürgermeisters, des christtichsozialen. des dentfchilaiionalen. des in dis ch ii et t i o n a t c »t uttb des ii ch e ch ü cheu, gleich ^alls;» plakatieren. Me diese Alttrage »vurden a b g e l e h n » nnd b ts ch lass e rr, die Rede des B ii r a c r ttt c i st et’"» in (iOOO Epemplarcn aus Gememdemitteln zn Plakatieren. Das Gelöbnis der Tschechen im Gemeindeval. Birrgmuelster Ncutnann berichtete in der.gestncft»» Sitznng über die ZlechtZveLwahrlMg dlw deutschnanonaleu Gemeirrderatc »;>td dm Antrag des Stadlrates Dr. Kienböck betreffend d>e R e ch t s t o 1 g e n des t s ch e ch i s ch e »t G r t ö b n i s s e s der tschechischen Gemeilkderate und beauttugte. zur Prüfung l»er Rechtsanschauiung des Antragstellers m\ G n l a ch 11 n der I n.r i fl c ii deS S t a d t r «»t e s und deo^ Magißrckles emMolen. Der Antrag des Dürgermemers Reum.mu wurde, allen gegen eene Stimme »ngeuonimeu. - Die Er Werbung »»er Kriean. In der gestrigen Stad'.- ratsieung wmde nach eineirc Anträge deo Stadtrales K ö r b e r beschlopen, 'die Krican von den Erben Kaiser Faa»»z Josefs vm dm Betrag von 4 Millionen Kronen zu enverbru. Erhöhung der Badepreife «m Gänschaufel. Der Stadtrat beschloß heute, die Badepreise im stavkistbcn Stuurdbade am Gönsehäufcl zn erhöhen. Die- Erhöhungen betrugen durchschniulrch 200 Pr»>zcnt: sv.wird künsüghin ein B-rd ohne Wäsche im Familienbad anstatt ll yiio K?,'?n kostea. für ein Kind anstatt K —,uo K roo. D»e Bäder l Klasse' urfi.'?fn von urfvvün^tid) K - *S0 auf K 2 4" er!»icht.

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