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Wiener Morgenzeitung · 1919-05-12 · Heft 113 (12.5.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 113 (12.5.1919)
Date
1919-05-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. ils 12. »iiiat iyiy zötitt, Montag Die Polen bsEen sich schon vor. T h 0 tf it,tl2. Mai. sTel.-Komp.) Dlö Pollen haben vsvstts alte Vorbereitungen M die Besetzung sümtlichev öffentlichen Asmts- M Westpventzen getroffen. Als Letter der einzelnen wsftpreutzischen obersten Behörden werden bereits eine Anzahl polnischer Persönlichkeiten namentlich angeführt. Wilsons 14 Punkte Grundlage der weiteren Verhandlungen v Berlin, 12. Mm. Zu der gestrigem Ententenote über die Medensgrundlage meldet die „Vofststhe Zeitung" aus Derfailles: - Die Mehrzahl der deutschen Delegierten, hält besonders die Anfrage und die Antwort über die Grundlagen des Vertrages für sehr n> i ch t i g. Auf den angedeuteten VorwUrf, sie habe die Grundsätze des Wilfonschett Programms verletzt, versichert die Entente, daß sie sich um von den für den Waffenstillstand und die Kriebensv erb an dl un gen verein barten Grundsätzen habe leiten lassen. Diese Erklärung scheine als Basis für die weiteren Verhandlungen das Mil so ns che Programm zu bestätigen. Zwar sagte Clemenceau der deutschen Medensdelegation, die Verhandlungsart /gestatte nur eine Debatte über den vörgelegteu Ententetert, nicht aber über ganz neue deutsche Entwürfe, aber auch dies lasse noch ziemlich weite Möglichkeiten offen. Freilich sei die baldige Kollision der verschiedenen Auffassungen der Wilsonschen Punkte vorauszusehen. Eine längere Dauer der B erh ünvlung en scheint auch der Ententepresse unvermeidbar. So meldet „Chicago Tribüne", daß Wilson erst am IZ.Iuni in New-2)ork eintreffen werde. Man ist also der Ansicht, daß vor Anfang Juni an einen Verhandlungsschluß nicht zu denken sei. Grantings Bedenken. Stockholm, 11. Mai. Stark beachtet wird folgende Aeußerung Brantings im englischen Arbeiterorgan „Daily H e r a l d". Die Bedingungen sind sehr weit . entfernt von jenem V ö l k e r fr r e d e n, der während des Krieges von den int er a l liierten Sozialisten Konferenzen verlangt wurde. Granting mißbilligt es, daß die deutschen Kolonien ohne weiteres unter die Sieger verteilt werden sollen und daß die deutsche Handelsflotte zumgrößeren Teil als Kriegsbeute betrachtet wird. Weiters sagt Brauting: Das schlimmste von allem aber ist, daß die Kriegsentschädigung nicht festgesetzt wird.Der Wiederaufbau des wirtschaftlichen Lebens in dem besiegten Lande wird bei der U n s i ch e r h e i t, die durch eine derartige Lage verursacht wird, unmöglich. Ein solcher Friede wird nur ein Waffenstillstand mit neuen unsicheren Elementen sein, die im Hintergrund drohen. Ein Konflikt zwischen Foch und Glemeneeau 9 Amsterdam, 11. Mai. (Tel.-Comp.) „Handelsbladet" schreibt: Marschall. Fach hat, wie erinnerlich, während der Vorbereitungen der Großmächte zur Friedenskonferenz erklärt, er sei nicht in der Lage, von den von ihm ausgestellten militärischen. Forderungen abzugehen, da er bedauerlicherweise bei der Feststellung der Grenzen nicht zu den Konferenzen zugezogen worben sei. lieber diesen Zwischenfall * hat keine Pariser Zeitung schreiben dürfen. Dieser Vorfall hat in französischen politischen Kreisen lebhaftes Aufsehen herborgerufen. Marsch all Foch erklärte, daß er b e i U n t e r- Zeichnung dieses Vertrages durch die Deutschen sofort zurücktreten werde. Der Rücktritt Marschall Fachs wird zweifelsohne . in der Kammer zu großen Debatten Anlaß geben und es sei nicht ausgeschlossen, daß Clemetteeau persönlich die Konsequenzen wird ziehen müssen. Die Arbeitett der Friedensksttferenz, Paris, 10. Mai. Die Agenee HavaS meldet über die diplomatische Lage: Die vier RegterungShäupter setzen die Versuche zur Lösung der Fiuman er Frage auf der Basis eines Regimes. fort, das dem für das Saarbecken angenommenen entsprechen soll. Die fünf Minister des Aeußern der Großmächte und der Präsident der Zentralkommisston für Gebietsfragen, % tt t b 11 u, beschäftigten sich Freitag nachmittags mit der Festsetzung der Grenzen Deutschöfter r e l ch s. Die Grenze gegen die Ischecho-flvwMtze Republik wurde bestimmt. Die Festsetzung der Grenze des südslawischen Königreiches wurde auf Verlangen Italiens an die Kommission für südslawische Fragen unter dem Vorsitz LaröleuS zurückverwiesen, die sich Freitag nachmittag versammelte. Man erwartet, daß sie ihre Arbeiten Samstag früh beendigen wird, so daß sie ihre Beschlüsse nachmittags dem Müfettat zur Prüfung wird unterbreiten tarnt« Mm hat beschlossen, eine Kommission stir die Verpflegung Esthlands zu »nuen. Der Zwischenfall betreffend die Zuerteilwig des Mandates für D e u i s ch - £) ft & j t i! u an Großbritannien scheint zur Zufriedenheit der belgischen Regierung gelöst zu Werden. H y m a u s wurde Freitag vormittags vom Wiener MoegenzeuNng Dreierrate gehört. Es wurde beschlossen, die Zurrteilung des Mandats-süt Deutsch-Ostasrika Montag in Gegenwart des englischen KolonialnüMers, der telegraphisch nach Paris berufen wurde, endgültig zu regeln. H y tu a n S brachte im Dreierrat. einen neuen Protest gegen die Absicht der deutschen Negierung ein, die gleichen Nittsontilfarben wie Bekuieu, nämlich rot. gelb und schwarz, zu wühlen. Die deutsche Negierung stutzt ihre Absicht auf die Tatsache, daß diese Farben zu Beginn des iS. Jahrhunderts von her deutschen NepuM gewählt wurden. Das belgische Voll will jedoch aus keinen Fall dulden, das; seine Angreifer vom Jahre Istl4 Belgien seiner Farben berauben. Das belgische Volk protestiert heftig bei den Alliierten und verlangt, daß die neuen deutschen Farben nicht anerkannt werden« . Paris- 10. Mast (Funkspruch des Tel.-Ksrr? Bureau.) Der Fnuferrat setzte Samstag vormittags die Prüfung der Frage derGrenzen Deutsch österreichs fort. Die Erörterung, die hauptsächlich die Abgrenzung der italienisch-österreichischen Grenze Kärntens betraf, wurde nachmittags wieder ausgenommen. Die jugoslawische Terrttvrialkmntnissivn, die' ihre Arbeiten wieder ausgenommen hat, hielt Freitag abends und Samstag vormittags unter Vorsitz TardieuS dringliche Sitzungen ab. Samstag vormittags tagten außer der jugoslawischen Kommission der Unterausschuß für Zölle, die polnische Kommission, der Unterausschuß für Schiffahrt, ferner tagte am Nachmittag der Unterausschuß für die ausländischen und feindlichen Güter. Das Adriaproblem. Versailles, 10. Mai. „L'JnforMatlon" schreibt: Düs A d 11 a p t oblem ist noch nicht gelöst aber es wird vor dem Friedmsschluß mit Deutschland gelöst werden. Bisher wurde weder von französischer noch von englischer, noch von italienischer Seite ein präziser Vorschlag gemacht. Wilson behürrt auf deck Standpunkte seines Manifestes. Wilson für gemeinsame Brüderschaft der Menschheit. Versailles, 11. Mat. „Chicago Tribüne" berichtet, daß W i l s o tt gestern abends in der G esellschaft für internationales Recht eine Rede hielt, worin er ausführte, daß die Z uk u n f t der M'e n s ch h e i t mehr von der Verwirklichung einer gemeinsamen Brüderschaft als von einer selbständigen Entwicklung nationaler Gesetzessysteme abhcinge. Der einfache Mann finde überall Brüder mrd Mitarbeiter, um die hohen Fiele von Billigkeit und Gerechtigkeit zu erreichen. Die Menschen könnten sich von den Dingen, die sie niederdrückten, nicht aus einmal befreien. Die Liga derNationen starte aus bewegter See. Leb en und lebenlassen, für und mit dem Volke arbeitett, sei der Grund, auf welchem die Gerechtigkeit aufgebaut werden müsse. Die Chinesen verlangen Ki autsch au. Versailles, 10. Mat. Die Pariser Ausgabe des „Herold" meldet: Eine Versammlung, der mehrere Mitglieder der chinesischen Friedensdelegation in Paris sowie det chinesische Gesandte beiwohnten, protestierte, gestern gegen die Annexion Kiautschaus durch Japan. Es wurde beschlossen, an den amerikanischen Senat zu appellieren. Bekämpfimy der Befreiung dui*eh SchotZ'Alionnement von 846 Wanzen Sehwaben Russen Flöhen Läusen Ratten Mäusen &ygtam&tfadkä Hau«* - ftesixLfektioa einaehier WöbftreUffifcö, Sättser, Villöö, Arboiterkölöfii&ii sowie von Stallungen tiaw. sie Kostenlose lusktmft. PEROLIN A» Vien, m., Feldmtüilgisse 4. Telfephön tff. 8230Ö TelegfAiimie „Vsköllridot" Inland. »sette 9 i " »■ 1 Die Meldung über das Anschlutznerbol. . Paris, 10. Mai. (Fnnkspruch der Tel.-Komp.j Die Agenee HavaS verbreitet heute die bereits gestern durch die drahtlose Station Lyon abgegebene Nachricht in der Pariser -Presse, daß die Frage des Anschluss^ Dentschöstettkichs an Deutschland definitiv erledigt M Die Agenee Halms behauptet, daß es deck französisch^' , Bevollmächtigten in Wien Herrn Ä l l i z & gelungen*^ die Wiener politischen Kreise von der Notwendigkeit ötzS Verzichtes auf den Anschluß zu überzeugen. Vorarlberg will zur Schmelz. Bregenz, 11. Mai. Bei der heute in Vorarlberg sialtfindenden Volksabstimmung, die. darüber ent» scheidet, vb die Landesregierung mit Bern Verhandlungen über einen Anschluß des Landes an die Schweiz einleiten soll oder Nicht, wurden von den 120 Gemeinden des Landes bis 8 Uhr abends in 81 Gemeinden 41.442 Stimmen mit Ja tütb 10.591 Stimmen mit Nein abgegeben, beziehungsweise -9'7 Prozent mit Ja Ü.nd 203 Prozent mit Nein. * Da von den ausschlaggebenden Gemeinden des Landes bereit-daS Abstimmungsergebnis vorliegt, dürste eine wesentliche Abänderung des Verhältnisses durch Stimmen der noch ausftehmden größtenteils anschlußfreundlichen Gemeinden mcht zu erwarten fein. Voraussichtlich wird das Ergebnis 80 Prozent mit 8a und 20 Prozent ttiU Nein sein» Selbstbestimmung sllv Deutschböhtnen. KowoLau, 11. Mai. Die Vertreter der B ezirk *. und Städte Deutschböhmens faßten in einer heute hier abgehaltenen Versammlung eine. Resolution, worin es unter anderem heißt: Das protze deutsche Kulturvolk soll in die S k l ü v e t e r dev Ententestaaten gestoßen werden. An diesem Schicksal soll auch das deutsche Volk in Böhmen teilhaben, indem es gewaltsam in den tschecho-slowakischen Staats eingezwängt wird. Die14Punkte desPräsidenten Wilson bildeten die Gcundlage für das Waffenstillstandsabkommen Deutschlands und des früheren Oesterreich-Ungarn mit den Ententestaaten. In dem vorliegenden Friedensetttwurs ist aber von den 14 Punkten Wilsons keine Rede. Dies gilt insbesondere für das d e u t s chböhmische Volk, dem man die Unterwerfung unter ein S t a a t s w e f e n zumutet, das e s n i ch t m i t g e j ch a f f e n h a t und von dem es nicht besiegt wurde. Deutschböhmen ist heute o h n m ä ch t i g u U d wehrlos. Es muß vorläufig den Pariser Gewaltstieden hiwrehmen» so wie es bereits die militärische Besetzung und schwere wirtschaftliche Schädigungen und Bedrückungen ertragen muß. Deutfchböbmen ist aber nicht verloren, solange es sich nicht selbst aufgibt. Es wird seine staatliche Zugehörigkeit und nationale Zukunft vor allem selbst bestimmen. Die neuen Machtoerhältnisse in Europa werden jene endgültige Rechtsordnung « schaffen, die auch Deutschböhmen befreien werden. Oemonftkationen in Salzburg. Salzburg, 11. Mai. Heute vormittags fanden im Kurhaus von den C h r r st l i ch s o Z i a l e tt, d e r d e u t s ch f r e 1 h e i t l i ch e n Vereinigung, der deutschfreiheitlichen Bauernpartei und der natioualso zialistischen Arbeiterpartei, ferner auf dem Residenzplatz von den S ozialdemokraten abgehültene Volkskundgebungen gegen einen Vergewaltigungsfrieden, g e g e n d i e Lostrennung deutscher Vol ksg ebiete von den S1 a m m! ä n d e r n und für den Anschluß an Deutschland statt. Die dabei im Sinne der Ausführungen ver Redner Mer Parteien gefaßten EntschlietzUttgen wurden einstimmig angenommen. Wahlen iu Steiermark. Graz, 12. Mai. Nach den bis 4 Ahr früh eiugelangten Einzelwahlrefultaten erscheinen in den steirischen Landtag (70 Mandate) als voraussichtlich gewählt: 36 E h r i st l i ch f o z i a l e, 24 SozialoemvKraten, 8 Mitglieder der deutschen Bauernpartei und 2DeutschdemoLraten. Bon der Wahl in den G r az er G m e i n d e r a t (48 Mandate) liegt das Wahlresultat G von 97 von 144 Kommissionen vor. Darnach entfallerr auf die Aste der nationalsmittelständischm christlichsozialen Bürgerpartei Mstenführer der bisherige deutschdemokratische Bürgermeister Fitzia) 17.343, aus die so-ialdemvkratifche Äste 13.574, aus die Partei der Angestellten und Verbraucher 2656, aus die Partei der freien Republikaner 418 Stimmen. Velagernirgszustakv über Sarajevo. Triest, 19. Mai. (Privat.) Hier eingetroffeitL Meldungen' besaW, ,daß über Sarajevo und t a n d - E« e Blatt worden. All Umgebung der V e! a g e r u n g s z n hängt worden ist. Das foziallst „Glas Sloboden^ ist eingestellt ... . Eff eg find infolge der Beschlagnahme aller MeUvorkäte in den Magazinen unter der Beoölkekuich e r n ft e U n r u h e n a u S g e b r o ch e n.!!! sÜÜiü 214

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