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Wiener Morgenzeitung · 1919-05-08 · Heft 109 (8.5.1919) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 109 (8.5.1919)
Date
1919-05-08
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Sir. 109 Wien, Donnerstag L. iaiiU iyi9 Theaterdirektor Leopold Adler gestorben. In München ist am 29. Zlpril der Theaterdirektor Leopold Adler, ein gebürtiger Oesterreicher, im 69. Lebensjahre gestorben. Er war Oberregisseur des Leipziger Stadttheaters, dann Dramaturg des Königlichen Schauspielhauses in Berlin, sodann Direktor des Königlichen Theaters m Braunschwe'g. Seit mehreren Jahren lebte er zurückgezogen in München. Er erfreute sich m Theaterjreisen großer Anerkennung und schrieb einige Dramen, die ans deutschen und österreichischen Bühnen, so auch am Burglheater, aufgeführt worden sind. —_ „Le dernier cri% das Uebercabaret. Das Eröffnungsprogramm des neuen Unter-- irhmens ist ganz darnach, uni berechtigtes. Aufsehen zu erregen. Das beliebte Künsilerpaar des Deutschen Vollstheaters, Traute Larlsen und Karl Forest, wird zum erstenmal vor das Cabaretmblikum treten. Traute Carlsen wird altfranzösische Chansons jum Vortrag bringen, als Clou des Abends aber mit Karl Forest to einer zeitgemäßen Duoszene auftreten. Auch das übrige, Programm, daS bekannte Namen Wiener Künstler und Künstlerinnen, »vie Max Brod, Martha Clemens, Martha Schtettmgen ickw. imfwelft und auch Tanznummern enthält, ist auf der Höhe. Die nusikalischr Leitung liegt in Händen Guido Zellers. Kapelle Clemens. Der Saal selbst, der nach Entwürfen des Malers Willrab insgcstattet wurde, ist ein Meisterstück an intimer Kunst. Man 'ann dem neuen unternehmen die beste Zukunft Voraussagen. Ju den Lernbergev Pogromen./ veröffentlicht Dr. S. G e w ür z eine kritische Beleuchtung der blutigen Vorfälle vom 21. bis 23. Nowember. Preis K 2.30. — Hält sich Gewürz an die nackien Tatsachen, so "schildert B i a l i k in seinem Büchlein „Nach dem Pogrom" die furchtbaren Gewalten dieser Kulturschande ig dichterischer Form. Preis K 1.98. — Zu beziehen durch die Buchhandlung R. Löwit, Wien, I., Rvtenturmstraße 33. Sport. Der Jude als Sportsrnann. Wie überall, hat es auch im Sport lange gedauert, bis sich der Jude als solcher im Sport durchsetzen konnte. Wohl hat es immer. Juden gegeben, die hervorragende sportliche Leistungen erzielt haben, Leistungen, die jenen anderer Nationen zumindest gleichwertig waren, die aber nicht für das Judentum, sondern für andere Völker gewertet wurden. Einige Beispiele sollen diese Tatsache erhärten. Ganz hervorragende Leistungen vollbrachten Juden vor allem im Schwimmsport. Sie errangen hier die größten sportlichen Erfolge, die überhaupt zu erreichen sind; sie gingen bei den olympischen Spielen als Sieger hervor und gewannen Meisterschaften von England, die mit Weltmeisterschaften gleichbedeutend sind. Jeder Sportsmann weiß, was ep heißt, bei den olympischen Spielen oder in einer Meisterschaft. vyn England als Sieger hervorzugehen, wo die Auslese der Bplker zum Wettstreit antritt. Schon im Jahre 1896 —'die olympischen Spiele wurden zum ersten Male" wieder, und , zwar in Athen, veranstaltet — konnte der. Jude HaioS-G nttm ann aus Budapest einen sensationellen Dyppeletfolg erringen und als zweifacher Olympionike die Heimreise antreten. Damals wurde allerdings die ungarische' Fahne anstatt jener mit dem Schilde Davids am Siegesmast emporgezogen. Zehn Jahre später konnte abermals in Athen der Wiener Jude Otto Scheff olympische Ehren einheimsen. Vorher war eS aber dem jüdischen Schwimmer Karl Rübetl gelungen, die Meisterschaft von England über 100-Aards nach Wien zu bringen. Es würde schließlich zu weit führen, wollte man noch weitere Namen von Juden nennen, die speziell im Schwimmsport zur internationalen ersten Klasse gehören. Auch aus anderen Sportgebieten betätigen sich Juden als die Tüchtigsten der Tüchtigen. So waren die Jockeis H y a m S (Hirsch). und F ü r st Meister ihres Faches, der Radfahrer Lurion gewann die Europameisterschaft in Berlin, der SchwergewichtSäthlet Berthold Tandler stellte Weltrekords im Stemmen auf. Lauter- Juden, die aus ihrem Glauben nie ein Hehl gemacht haben. Auch in der Leichtathletik, im Fußbollsport, im Fechten, Lawn-Tennis, und in letzterer 'Zeit auch im Wintersport, haben sich Juden und auch Jüdinnen besonders hervorgetan. Schubert, M a l e z t n e r, G r a s und viele andere gehören zu den besten Läufern, Kurpiel, KohnuS, Kerles z, Heinz, Lang und viele ander« zu den tüchtigsten Fußballspielern, Hirsch, Harden fiihrten eine scharfe Klinge, Rosen.baum, Brick waren Meister im Tennis, Fräulein Reichmann ist eine vollendete Künstlerin' auf dem Eise. Die Liste jener Inden, die sich im Sport besonders hervorgetan, ist natürlich noch lange nicht erschöpft, da daS Material astS anderen Ländern nicht zur Verfügung steht. So viel ist iaber' bekannt, daß in Amerika, in Frankreich, England und Italien viele der hervorragendsten Sportsleute Juden sind. Erst jüngst, gelegentlich der Croß-Country- Meisterschaft von Frankreich, die in ColombeS bei Parts vor sich ging, besetzte eine Mannschaft aus Algier den dritten Platz, die sich größtenteils aus Juden zusammensetzte, dabei weitere 14 Mannschaften schlagend. Diese Ausführungen beweis«: wohl zur Genüge, daß der Jude auch im Sport seinen Mann stellt. Die Gründung vieler jüdischer Sportvereine wird sicher dazu beitragen, daß die großen sportlichen Erfolge jüdischer Sportsleute nicht inehr so in der breiten Oefsentltchkeit verschwinden werden, wie eS in früheren Jahren der Fall war. Der Jude wird sich auch im Sport jenen Platz erobern, der ihm gebührt. M. D. Albala. Stafettenlauf Floridsdorf (Spitz)—Hohe Warte. Der Sportklub Hakoah bringt am 1. Juni einen Stafetten lauf Floridsdorf (Spi y)-H o h e Warte für Siebenermannschaften zur Austragung. Die Strecke ist ungefähr 5'/, Kilometer, lang und in folgende gleich große Teilstrecken emgeteckt: l. Floridsdorf (Spitz) -Franz Iosrfdrücke; 3. Franz Josesbrücke; 3. Franz Josefdrücke, Marchstldstraße-Dresduerstraße; 4. Dresdnerstraße, Stromstratze, Wexstraße—Klosteineuburgerstraße; b. Klosterneuburgerstraße—BO Meter vor Kaiser Franz Josef-Jubckäumsbrücke; -6. JudiläumSbrücke, Gunoldstraße, Barawllrkagasse—Fricdlgasse; 7. Barawitzkagasse, Hohe Warte, F. B. F. Cl. I. Runde — Ziel. Das Rennen tvird m 3 Klassen ausgetragen. Klaffe A: Vereine des ö. L. B. Klaffe B: Fnßballerstafetten der Vereine, die dem Ocsterrrichischcn Fußballverbande angehören. Klaffe 0: Mannschaften von Mittelschulen sowie Jungmannschaften der dem Oe. F. B. angehörenden Vereine. Die siegreichen Stafetten aller 3 Klassen erhalten einen Pokal. Nenugeld pro Mannschaft K v.—. Nennungen sind zu richten an den Sportklub Hakoah, Wien, L Konkordiaplatz 4, Lass „Industriellen". NennungSschjluß: Montag den 26. Mm 1919. Hakoah (S eh w i m m s e k t i o 11). Die Tramingöaüende fiir Hcrreli finden vorläufig nur jeden Dienstag not: 1 biß.9 Uhr un Brünnl-Bade. IXM Borschkegaste, statt. Kommunales. Sine Konferenz des Gemeinderatspräsidinrns mit Staatssekretär Dr. S^umpeter über finanzielle Fragen der Gemeinde. Das Gcmeinderatsprästdium hatte vor kurzem beim Staatssekretär für Finanzen Dr. S ch u m v e t e r vorgesprochen, um die Finanzlage der Gemeinde Wun eingehend zu erörtern. Hierbei schlugen die Gcmeindevertreter, wie Dr. Weiskrrchner gestern in der Stadtratssitzung mitteilte, vor, der Stadt Wien einen Zuschlag zur Personal Einkommensteuer z u b e w i l l i g e n, was der Staatssekretär aber a b l e h n 1 e. Dr. Schumpeter erklärte sich jedoch im Namen der Staatsverwaltung bereit, in der Frage der U e b e r w e i s u nß eit aus Staatsmitteln a n dre Gemeinde sowie bei der Z u l a s s n n g v o n K o m m u n a l st e u e r n (Autoffeuer, Glühlampensteuer, Svielsteuer, Erhöhung der Totalisateursteuer) keine besonderen Schwierigkeiten zu bereiten. Ebenso erklärte der Staatssekretär daß er für die Z u w e i s u n g d e r Real- und B e rzehrungsfteuer an die GemeindeWieneintreten werde, die nach dem derzeitlgen Ertrage ungefähr, die Höhe von80MillionenKronenjährlich erreichen. lieber Antrag des Bürgermeisters wurde nun der Magistrat beauftragt, so schnell als möglich Vorlagen übe? die genannten Komniunalsieuern auszuarbeiten, über welche sodann eme Abordnung der Gemeinde, bestehend aus den Vizebürgermeistern H o ß und Reumann, dem Stadtrat Dr. Kienböck, dem Gemcinderat B r e 11 n c c, dem. Obermagistratsrat Dr. M a y r und Magistratsrat Dr. Hartl mit der Staatsverwaltung in Verhandlung treten sollen. Aleutzerst schlechter Kohleneinlauf bei den Gaswerken. Der Einlauf an Ostrauer Kohle bei den städtischen Gaswerken betrug in der letzten Zeit fördertägig durchschnittlich 538 Tonnen, das sind 20 Prozent der vereinbarten Menge. Der Emlauf von Kohle aus Nordwestbohmen für Hausbrand, Industrie und Gewerbe betrug fördertägig durchschnittlich 990 Tonnen, das sind 39 Prozent der vereinbarten Menge. In Anbetracht dieser schjechtenBelieferung mit Kohle besteht die Gefahr, daß die Abgabe von Gas m der allernächsten Zeit eingestellt werden wird. Die kommunale Arbeitslosenunterstützung. Der am Donnerstag stattsindenden Gemeind eratssitzung wird ein Bericht betreffend die Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung für Wien vorliegen. Hiernach erklärt sich die Gemeinde Wien bereit, unbeschadet des bewilligten Gememdezuschuffes zur Arbeitslosenunterstützung für Famiuenerhalter vom 27. April d. I. an zu den Familienzulagen zur staatl'chm Arbeitslosenunterstützung einen Zuschuß von einer Krone pro Tag für jede Familienzulage, ferner allen männlichen Arbeitslosen über 18 Jahre, wenn sie nicht im Familienverbande leben, einen Zuschuß von täglich einer Krone zu gewähren. Diese Znschüffe werden nur demiÄösterreichlschen, deutschen und ungarischen Staatsangehörigen gewährt und zwar nur dann, wenn sie vor dem 1. Februar 1919 m Wien gewohnt haben. Den Staatsangehörigen der tschechoslowakischen und polnischen Republik wird der Zuschuß nur dann gewährt, wenn sich ihre Regierungen ausdrücklich verpflichten, der Gemeinde Wien die auslaufenden Kosten rückzuerstatten. Die städtische Saccharinfabrik. Bekanntlich haben zwischen der Gemeinde und dem Staatsämt für Finanzen Verhandlungen wegen Errichtung emer Saccharmsabrik statmeftmden, die aber zu keinem Ergebnisse sührten. Den Gemeinderat wird in seiner nächsten Sitzung ein Antrag beschäftigen, der brr Einleitung neuer Verhandlungen verlangt und der zugleich erwartet, daß den Vertretern der Gemeinde voller Aufschluß über den Stand der Angelegenheit gegeben wird. Auch eine bevorzugte Behandlung der Gemeinde gegenüber privaten Unternehmern wird in dem Anträge ausgesprochen. Der Volkswirt. Palästina und die neue Bagdadbahn. Wie neue Orient* mrlteilt, dürfte die Bagdadbahnlinie innerhalb zweier Jahre den Persischen Golf erreichen. In den Kreisen der Entente scheint die Absicht zu bestehen, den Ausgangspunkt der Bahn von Haidar Pascha am Bosporus nach Alexandrette am Mittrlmeer, dem Hanpthafen des neuen „Arabischen Staates", zu verlegen. Das an dieser Linie liegende Aleppo, 180 Kilometer von Damaskus entfernt, wird den Mittelpunkt für alle Reisenden und Waren bilden, die nach dem Euphrattal gehen und ebenso für dir Reisen nach dem Persischen Golf. Bei Beginn des Waffenstillstandes war die Linie bis auf eine Entfernung von 100 Meilen westlich von Mofful fntiggestellt. 300 Mecken Schienen sind noch zwischen Mossul und Bagdad zu legen, südlich von Bagdad soll dann die Bahn abwechselnd am Flußlauf deS Tigris und dem des Euphrat folgen. Für die wirtschaftliche Zukunft Palästinas ist der Anschluß Aleppos an die Bagdadbahn von ausfchlaggebenderBedeutung. Die Bilanz der Diskonto-Gesellschaft. Berlin, 7. Mai. Der Jahresabschluß der D i Skonto- Gesellschaft weist einen Rohgewinn von 72,116.598 gegen 66,435.740 Mark im Vorjahre aus. Nach Abzug der Verwaltunaskosten im Betrage von 38,805.792 (im Vorjahre 22,480.884) Mark und der Steuern m der Höhe von 6,294.676 (im Vorjahre 3.614.290) Mark verbleibt ein R e i n° g e w i n n von 83,016.131 geaen 40,890.614 Mark irv Vorjahre. Der Aufstchtsrat schlägt die Verteilung einer Dividende von 9 gegen 11% im Vorjahre vor. Auf neue Rechnung sollen 806.744 gegen 292.619 Mark im Vorjahre vorgetragen werden. Börse für landwirtschaftliche Produkte. Wien, 7. Mol. (Orig.-Ber^ DaS Bild der amerikanischen Börsen wechselt kaleidoskopartig. Einer starken Aufwärtsbewegung der Kurse folgt ein Preissturz und es rst dearetfllch, daß die ernsten Elemente sich den Vorgängen an den Märkten fernhalten. Es handelt sich da ausschließlich um die Betätigung einer kleinen Spekulantengruppe, von deren Transaktionen die Tendenz beeinstußt wird. Die tatsächlichen, aber auch die landwirtschaftlichen Meldungen sind hierbei von sekundärer Bedeutung. An den deutschen Borken herrscht wieder geringere Betätiguug, da aus dem Osten nur geringe Bezüge anlanaen. Die heutige Mittwochbörse verzeuhnete wohl besseren Lokalbesuch, allem Provmnntereffenten fehlten, aus welchem Grunde auch Uber den Saatenstand nicht- Neueberichtet werden kann. In fachmännischen Kreisen wnd für .du nächste Ernte rm sehr ungünstiges Prognostlkon gestellt. Der Geschäftsverkehr beschränkte sich auf hier befindliche Warenmengen, die der Bedarfsdeckung nur teilweise genügten. Die PceiStendeiiz behielt angesichts der Warenknappheit ihr seitheriges festes Gepräge. Zahlung der Zollgebühren in Jugoslawien. Laibach» 6. Mai. Der „Becerni List* zufolge verfügt eine Verordnung des Finanzministeriums, daß ber der Einfuhr von Waren die Z o l l g e b n h r e n rn Gold oder S i l b er sann Agio entrichtet werde» müssen, und zwar sind 100 Dinare in Gold gleich 140 serbischen Silberdinaren oder 420 in Jugoslawien abgestempeltm österreichisch.ungarischen Banknoten oder 19 Dollar 40 Cents oder 116 französischen Franken oder 82 englischen Schillings 10 Pence oder 143 italienischen Lire oder 95 schweizerischen Franken oder 113 Drachmen 60 Leptas. In Kronen können die Zahlungen nur bei den Zollämtern ans dem Gebiet der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie entrichtet werden. Erhöhung der Postgebühren in der Tschechy- Slowakei. Prag» 7. Mai. Amtlich wird m'tgeteilt, daß die Post-' gebühren mit 15. Mai im Durchschnitt um 20 bis 50 Prozent erhöht werden sollen. Bei einer Reihe von Gebühren wurde von einer Erhöhung abgesehen und nur einzelne während des Krieges überhaupt noch nicht geänderte Gebührensätze wurden um IM Prozent erhöht. Einfach e Briefe brs 20 Gramm werden mit 35 Heller, einfache Postkarten mit 15 Heller zu frankieren sein. Die Rekommandationsgebübr beträgt 50 Heller. Der Relchsbanknusweis. Berlin» 7. Mai. Im Zusammenhang mit den Ansprüchen dcs Monatsschluffes zeigt der Ausweis der Deutschen Reichsbank vom 30. April eine sehr starke Zlrnahme der Anlagen. Die gesamte Kavitalsanlaae erhöhte sich nämlich um 2802 auf 31.691 Millionen Mark. Andererseits sind die fremden Gelder um einen noch höheren Betrag, nämlich um 3951'? auf 14.537'3 Millionen Mark angewachsen. Es ergibt sich somit, daß der Bank an fremden Gelbem größere Summen zugeführt wurden, als der Gegenwert der in Anspruch aenommenen Kredite beträgt. Die Entwicklung des Bedarfes an Zahlungsmitteln war wiederum wenig befriedigend. An Banknoten und Darlehenskaffenschemen zusammen mußten dieses Mal 913 gegenüber 482'3 Mllllvnen Mark in der entsprechenden Woche des Vorjahres dem Verkehr neu zur Verfügung gestellt werden, so daß bis zum 30. d. M. der Notenumlauf auf 26.627'9 Millionen Mark, der Umlauf an Darlehenskaffenschemen auf 11.169'4 Millionen Mark gestiegen ist. Als Gründe für diese starke Zunahme des Geldumlaufes kommen mt wesentlichen neben dem Ultimobedarse und dem weiteren Umtausche von kommunalem Notgeld nach wie vor illegitime Abstüste von Mark-Zahlungsmitteln in das Ausland in Betracht, die zum Zwecke der Steuerflucht oder zur Bezahlung der Einfuhr von nicht erwüiischten Waren, namentlich aus dem feindlichen Ausland in die bcsytztkn Gebiete, erfolgen. Der für die letzte Avrilwoche ausgewiesene Rückgang des Goldbestandes um 156 Millionen Mark hängt fast ausschließlich mit der weiteren Nebrrsührung von Gold nach Brüssel zusammen, welche den Fortgang der Lebensmittellieserungen seitens der Entente gewähileistcn soll. Die Bestände an Scheidemünzen und Reichskaffenscheinen erfuhren, wie gewöhnlich. nur unwesentliche Veränderungen. Bei den Darlehenskassen erhöhre sich der gesamte Darlehensbestand um 574'1 auf 18.558‘2 Millionen Mark. Abwanderung dentschöfterreichischer Anternehmnngen nach Tschechien. Prag» 6. Mai.' (Tschecho-slowakisches Preßburean.) Der Konzern der Neusiedler Aktiengesellschaft, zu dm auch die Gesellschaft für Zelluloseerzengung gehört, verlegte ihren Sitz von Wien nach Prag. Dieser Gesellschaft werden auch die Papierfabriken, die der Neusiedler A. G. angebören und sich im tschechoslowakischen Staate befindenangegliedert werden. Tschechische Ausfuhrerlaubnis für Postpakete ins Ausland. Prag, 6. Mai. Die tschecho-slowakische Aus- und Einfuhrkommlssion in Prag erteilt jetzt die Ausfuhrerlgubnis für P o stak e t e mit Weitangabe nach Deutschland, Holland, änemark, Schweden und Norwegen. Kapttalserhöhungen. Die Oefterreichisch-Alpine Montana e s e l l s ch a f t erhöht laut Gmeralversammlungsbeichluß ihr Aktienkapital von 73 aus 90 Millionen Kronen und bietet die neu zur Ausgabe gelangenden 90.000 Stück Aktien, Nominale K 200.—, mit Dividendenberechtiguna ab 1. Jänner d. I. den gegenwärtigen Aktionären zum Bezüge an. Der Besitz von je vier alten berechtigt zum Bezüge einer neuen Aktie zum Kurse von K 500.—. — Die Poldihütte erhöht ihr Aktienkapital von 26 auf 40 Millionen Kronen und bietet von den neu zur Ausgabe gelangenden Aktien 32.500 Stück. Nominale K 400.—, mit Dwidendenberechtigung ab 1. Jänner o. I. zum Bezüge an. Der Besitz von je z w e r alten berechtigt zum Bezüge einer neuen Aktie zum Kurse von K 600.—. — In beiden Fällen ist das B e z u g s r e ch 1 bis einschließlich 16. d. M. bei der L'qnidatur der Niederösterreichischcn Eskomptegesellschaft, l.. Am Hof 2, und bei der Liquidatur des Wiener Bankvereines, Schvtteming 2, auSzullbm. Erzeugung von deutschen Farbstoffen in Amerika. Eine neue Gesellschaft, die Chemical Foundation, die aus hervorragenden Farbstosfabrikanten der Bereinigten Staaten besteht, wurde zu dem Zwecke gegründet, um die feindlichen Patente betreffend die Farbenerzengung zu übernehmen. Die Patente befinden sich gegenwärtig in den Händen des Verwalters des feindlichen Vermögens, der sie von den deutschen Eigentümern während de§ Krieges übernommen hat. Die neue Gesellschaft wird, die Erzeugung nicht selbst au'nehmen, sondern dm einzelnen Unter-, nehmungen den G e b r a n ch d e r Patente überlasten sowie die Bildung von Monopolen verhmdem. Die Aktion wird die Lieferung emer großen Anzahl von modernen Farben für Lie amerikanische Industrie aus heimischer Quelle sicherstellen. Der Schutz der amerikanischen Farbstosfmdustrie bildet den Gegenstand besonderer Fü> sorge. Ob hohe Zollsätze oder Einfuhrbewilligungen diesem Zweck dienstbar gemacht werden, ist noch unentschieden. Seit Kriegsbeginn hat die amerikanische Farbenindustrie große Fortschritte gemacht, doch glaubt man nicht, daß man diese Erfolge ohne entsprechenden Schutz wird ausrecht erhalten können. Marken- und Musterschutz in der Tschechoslowakei und in Polen. Die Wiener HandAs- und Gewerbekammer macht darauf ausnterksam, daß die Uebertragung der in Deutschösterreich eingetragenen Marken und Muster in daS Zentral-Marken- und Muster-Register der tschecho-slowakl'chen Republik bet der Handels- und Gcwerbckammer in Prag bis 30. Juui 1019 und für Polen bei dem Patentainte in Warschau bis 7. August 1919; vorzunehmen ist. Da eine schriftliche Verständigung oder Aufklärung der hunderttausend Markenimd Mustereigkiltümer unmöglich erscheint, wurden die näheren Bestimmungen rm MarkenregistrierlingSamtc (l., Biberstraße 16, Erdgeschosri aufgelegt und stehen den Interessenten au 2Lerklagcn zivlscheu 9 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags bebuss Einsichiitlid Abschristnahme zur Verfügung.

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