Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 105 (4.5.1919)
- Date
- 1919-05-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Wrei» 30 Srü^r .Lte»; Mit HustrSuvg io» *' Haus: 'HU»ttottich. . . .* r.— §lir»ic!f3brifl . . „?0,-. AaliHimrt« . . . „ 40.— G«nrstLftöie.80,— Mit Vostvrrsand: W»»0t-ich. . . .L 7,00 . . .. «8.— Hel»phM«ki Avmkristv«. ihm 44088, »Üdalrtion 48810, ab 0 Sqv a-e«d» **. fftnm rener Kreis 30 gelle« OtvttK» XLonaUläf . . .X N iort^f Sh rks. A»ldtSh»i« ., . 48.- «ftuttfSfrrtg . . v, 0«tgtottfettatn.;. U-. 1S0.VDS Rr. 105 Wien, Sonntag, den 4. Mai ISIS 1. Jahrgang? . . ■ r Wer die Würde des jüdischen Volkes «ähren will: Wer die Erlösung des jüdischen Volkes ersehnt: Wer die Versöhnung mit den nichtjüdische» Mitbürgern erstrebt : Wer für den Bölkerfrieden demonstrieren will: Wer Selbstachtung «nd Selbstbewutztsein besitzt: Der wählt heute die jüdischnationale Liste! P In letzter Stunde. ■ Am heutigen Tage soll die jüdische Wählerschaft fittsch erden, ob sie im Landtag, im Gemeindcrat und lyDett BezirKsvertretungen durch aufrechte und jiidischbMnßte Männer vertreten sein will. Es ist in die tzänd der jüdischen Bevölkerung Wiens gegeben, die fitze beträchtliche Minorität in dieser Stadt darstellt, »st. sie sich auch weiterhin wie ein bloßes Objekt der Gesetzgebung und Verwaltung behandeln lassen, oder yh '^sie vielmehr den bei den Reichsratswahlen beiDAenen Weg verfolgen und ihr Schicksal selbst »Wmnen will. |;V4Äs Mitläufer in fremden Lagern, als Grüppchen- »olitiker unter fremden Äushängeschildem vermögen Dst^nur eine klägliche Rolle zu spielen und verschulden rMeldst, wenn die anderen uns nicht achten und über MM berechtigten Ansprüche sich gleichmütig hinweg- Eine Politik erst ge- Die englische Verwaltung Palästinas. BevollmLchLigLe für Palästina. London, 3. Mai. (Funkspr. des Korr.-Bur.) Für die Verwaltung von Konstautinopel, Syrien, Arabien, Mesopotamien, Armenien rrud Palästina sollen neun Bevollmächtigte ernannt werden. Einige der genannten Gebiete werden unterteilt werden. unsere Minderheit Zm^ orgaftMen^Teilemeines.. mitUnsterblicher Vergangenheit und von den Machthabern der Welt feiert Zukunft, zu der unser Gegenwartsen die Grundlage schaffen soll. . 7 Das jüdische Volk tritt im Zeitalter der werdenden UetzschenfreiheiL in seine Periode kt schaffenden Makeit ein. Anfer schwacher und der territorialen Wchlossenheit entbehrender Volkskörper gestattet uns Mt,, über der Betonung der sozialen Note das Getzsmsame zu vergessen, das uns eint und als Volk tzhAt. Als Juden wollen wir im Sinne jener zeitgemäßen Tendenzen, die in letzter Reihe aus jüdischem j&tfte erwachsen sind, am Zukunftsbau der Menschttu Mitarbeiten, Mitwirken für Menschenausgleich und WLewersöhnung, für Freiheit und soziale Gerechtigttu. Unserer Vertreter un Landtage, der bisher ein M? beschränkter und horizontloser kleinbürgerlicher md agrarischer Jntereffe^olüik war, die ein wüster Attisemitismus krönte, harren manche Ausgaben. Sie Men gegenüber den Ansprüchen eines rückständigen llgrariertums die städtischen Interessen zu vertreten M für die Konsumenten einzustehen, deren Vertretung bisher versagt hat.. Die künftige Arbeit im Landtage wird ihnen oft Gelegenheit geben, für ite jüdische Ehre einzutreten und die jüdischen Rechte zu schützen. Im Gemeinderat, der ün Organ direkter kommunaler Selbstverwaltung darilellt, dem bei den geänderten staatlichen Verhältnissen Hije Fülle von Aufgaben erwachst, dessen Beschlüsse »Mittelbar in das Leben und die Existenz des einjDar eingreifen, werden sich die jüdischen Vertreter )Mr einzusetzen haben, daß die künftige Sozialisierung M nicht zu einer einseitigen Schädigung der jüdischen Ipteressen auswachse. Sie werden dafür sorgen müssen, »aß nicht unter dem Deckmantel kommunaler Sozralrsterung ein gefährlicher praktischer Antisemitismus betrieben werde. Sie werden mannhaft erntreten Men für die Wahrung der Rechte der jüdischen Gemeinschaft, die man bei Steuern und Belastungen Wer Art gehörig berücksichtigt, jedoch bei allen Ztellenbesetzungen systematisch übergeht» sie werden fsir unsere Forderungen nach kultureller Autonomie ln Bezug aus Schule und Erziehung kämpfen und gegenüber allen Anwürfen gegen füdffche Ehre die Mische Würde zu schützen haben. Die judrschen Man- . Mare werden für alles einstehen, was der jüdischen Fache frommt und was damit auch den wahren Interim des Gemeinwesens dient. - Jeder Jude, der auf der Seite der jüdischen Zukunft steht und den Geist der Zeit begriffen HK. mutz uch wird dm Wischen Kandidaten seine Kttad ‘jp.HW'VW'JW’'“* Englische Investitionen in Palästina. Zwei MMonen Pfrmd für HafenkauLen. Stockholm, 3, Mai. , Das Jüdische Preßbrrreau in Stockholm berichtet r Die britischs AbmWstrativtt. in Palästina beabsichtigt, z w Pf'«n-d--f-K r die Verbesserung des Hafens von Haifa und die Modernisierung Jerusalems zu investieren. Standrechtliche Erschießung der Münchner Kommunistensührer. General vorr Ragel-Eichberg im Kampfe gefallen. Berlin, 3. Mai. (Korr.-Bur.) Das ^Berliner Tageblatt" meldet aus Bambergr Von der Negierung Hofsmann werden folgende Mitteilungen ausgegeben r Die Kommunistenführer Eglhofer Landauer und arrdsre find verhaftet worden. Sie werden ebenso behandelt werden, wie sie die Geiseln behandelt haben, die in einer Anzahl von 8 bis 10 Personen erschossen worden sind. Eglhoferift heute früh st and rechtlicherschossen worden. Der Häuserkampf ist zur Zeit außerordentlich heftig. Auch Frauenspersonen beteiligen sich daran. Unter den aus Seite der Negieru^gstrnpden Gefallenen befindet sich auch General von Nagel-Eichberg. Stimme Blutige Stratzenkämpfe in München. 200 Tote. — Barrikaden. — Artillerie. Matthäserbräu in FLarnnrek. Nürnberg, 3. Mai. (Korr.-Bur.) Nach hier einselaufenen Meldungen aus München dauerten die Barrikadenkämpfe im Norden und Nordoften der Stadt die ganze Nacht hindurch mit außerördentl i ch e r Erbitter nngan. Auf Seite der Regierung Struppen griff Artillerie in den Kampf ein. Das M a t t h 8serb r 8 u .steht seit gestern mittags in F l a m m e n. Die Zabl der Toten wird bisher auf 200 geschätzt. PrivaLmsrdnngon hiesiger Mittagsblätter aus München bestätigen die Ermordung von 10 Geiseln durch die Spartakisten. Das Schicksal Deutschösterreichs. —V. Wie», 4. Äai. i, Der Kabinettsrat hat in der Nacht auf gestern mitgeteilt, die Regierung sei bereit, große und ernste! Opfer zu bringen, um Deutsch-Südtirol dem Reiche? zu erhalten. Das wäre im gegenwärtigen Augenblick der einzige Weg, der noch zu einem Erfolg führen kann. Daß es sowett kommen mußte, daß wirvor einer! vollendeten Tatsache stehen und ein ansehnlicher und? durch Naturschönheiten . wertvoller Gebietsteil an! Italien verloren gehen soll, ist die Schuld der Friedens-! Konferenz, die dem Annexiomsmus ganz verfallen ist! und Wilsons Selbstbestimmüngsrecht zum alten Eisen! .geworfen hat. Eben so groß aber, wenn nicht größer^ ist die Schuld unserer Regierung, die den. Anschluß! an Deutschland nicht als politische Frage, soüdern alA' eine Angelegenheit des Sentiments bchantzestMt,_und! durch geheime Verhandlungen die.setndlichtzMW 'Bor! einen vollzogenen Akt stellen wollte. NM?rst> ihr drei Entente, die durch den lächerlichen Dilettanttsnru« Dr. Bauers in Mißtrauen versetzt worden war,' zuvor-? gekommen. Man ist allerdings am Balkplatz noch immer so! naiv, sich in Textauslegungen zu üben und darmi Trost zu suchen, daß' Wllson »persönlich^ Südtirov an Italien fallen lassen will. Es sei, so sagt Man.? noch abzuwarten, ob Amerika Wilsons ÄnschruiungenI decken werde. Eine Prämie für den, der daran noch; zweifell. Man setzt die Methode der Gehetttznis^ Krämerei sott und spricht mit wichtiger Miene vott Opfern, die man bringen will. Als ob nicht jedM mann fett der Ankunft des französisches Gesandten! Allizä wüßte, welche Opfer dies sein sollen und sein! können! Warum redet denn Dr. Dauer : ob« die Regierung, der er «mgehört und ihn deckt, nicht deutlich und klar, daß mehr der Verzicht auf den Anschluß an d Deutsche Reich erfolgen muß, weil nur diese (SW Klärung das fast schon besiegelte Schicksal Bozens! und Merans vielleicht noch retten kann. Vielleicht» Es ist ja möglich, daß auch dieser Verzicht schon zn! spät Kommt. Unserer Regiemng mag es schwer fallen^ einen so bedeutsamen Beschluß, der der BerbindunU mit dem Schicksal des deutschen Volkes galt, zu widermfen, eben well er nicht von poMschen,- sachlichen Erwägungen diktiett war, sondern die gesühls-? mäßig beschwingte ErMung eines völkischen Traumes? war. Aber das Zaudem der Regiemng, so menschlichverständlich immer es sein mag, schafft großen, vielleichtirreparablen Schaden, je länger es dauert und je länger; man die Bevölkerung im Unklaren läßt. Die Furcht vor der Demission in allen Ehren; aber die Zukunft der Republik ist wichttger.? Wie gefährlich das Experiment war, haben wir? in der Vorwoche aus dem Munde des südttrolifchen; Abgeordneten Dr. S ch u h m a ch e r in der Nationalversammlung gehört. Damals wäre noch immer Zeit gewesen, durch ein offenes männliches Eingeständnis? eines polittschen und diplomatischen Fehlers bemhigend zu wirken. Aber die Regierung, die aus weltfremden, weltfemen Trappisten zu bestehen schein^ ließ sich nicht verlocken, das Gelöbnis der Schweigsamkeit zu brechm. Sie erzielte damit ein etwas sonder-- bares Resultat: In Vorarlberg, deffen Vertretung in Wien der Vizekanzler Fink angehört, ist unter christlichsozialer Führung die Volksabstimmung in vollem Gang, die über den Anschluß au die Ostschweiz entscheiden soll und, wie aus allen Meldung« hervorgeht, sich dafür aussprechen wird. Im