Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 104 (3.5.1919)
- Date
- 1919-05-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Lvien. Samstag Wiener Msrgenzsitnng 3 Mal ISIS Sekte L Juden und Jüdinnen! AugeftMe, Kaufteute, GewerbetreibeNde, AgMtenl Rettet Eure Existenz! Die Regierung hat der Ratronalverfammlung den Entwurf eines Gesetzes ovrgelegt, weiches die Gemeinde ermächtigt, PrivÄnnternehmen, Geschäfte und Betriebe zu enteignen. Geschäfte und Betriebe jeder Art, tnsvchsndere oder Lebensmittel--, Schuh- und Kleiderhandlungen, Transportunternehmen, Vermittümgsdureaus jeder Branche, Transport- und Speditionsgeschäfte kömr« jederzeit und ohne Kontrolle nach nrMürlichtt ^lnswahl enteignet, entweder kommunalisiert oder Grnoffmschasten überlassen werden. Es ist klar, daß me mMmMsche Gemeindevertretmrg wohl aktive jüdische Unternehmungen enteignen und für sich oder nichtjüdische Genossenschaften ln Anspruch nehmen, hingegen nichtjüdische rentableBetriebe unangetastet! a ssen wird. Tausende jüdische Unternehmer, aber ouctz zchntsusende jüdischer Angestellter werden berustvs «emmhL, ruiniert werde». Denn es ist ausgeschlossen, datz dft antisemitische Gemeinde mit den Betriebe» a u ch dLe jüd ischen AngefteHten und Arbeiter übernehmen wird. Erinnert mch daeg«, wie man bei der Berstadtlichrmg der Trcmrwsy. des Omnibusses rmd der Gasgesellschast allejüdischen Angestellten hinausgeworfenhrt. Wer kann helfen? Rur ftrlche Vertreter, welche rücksichtslos und unerfchxoÄen gegen antisemitische Willkür einireten werden, nur solche Männer und Frauen, welche bereit sind, vor der ganzen zchiNsterten Welt den Kampf gegm die Vernichtung des deutfch- Wmeichischen IüdenkrvW zu Mzren! Werden euch die Svzialdernockraten retten? Nein! Sie «ollen keine Iudenschutzttuppe sein. Sie vermeiden es, sich für Juden «knzuletzm, sie verbeugen sich ständig vor den antijemmschen Instinkten d« Müsien. Haben sie doch das mrtisemüische GtcwtsbSrgergefch geschähe», haben fie doch dem barbarischen Entschlüsse, die Mischen Kriegsrmd PoawmWchtknge zn verjagen, einhelkg Lugestimmt. Sechs Monate bcherrschs» sie bereits Ne Wiener Gemeinde und «och immer P Lei» Jude in der Verwaltung. '. Wird euch Dr. Schwarz-HiNer helfen? Ist er der lmftschbe» starke Krde, welcher bedingungslos für sein Volk emtteten wiw? Er, der sich seiner Tmigkeit für Juden gerühmt hat und sich für diese Tätigkeit hat -awuPerwr lasten, er, der hoch und h e il i g ve r s i ch e rt h ah dütz ernur aus ein jüdisches Programm kandidieren werde, wirbt jetzt um eure Stimme und unterdrückt in feftren Wahlreden, Wahlaufrufen rmd Wahlplakaten jedes Wort von und fürIuden. Er hat dafür gesprochen und gestimmt daß man die jüdischen Brüder aus dem Osten von dem Wahlrecht zur IrHerrgemeinde ausschließt, daß sie nur Steuer zahlen mit (feit, nicht aber wählen dürfe», und sich dadurch gegen die heiligste Traditio« unseres Volkes serfimtzigt. Unter Beruf»«| aus sein Programm haben die Antisemiten die jüdisch e »St«deuten von der UniversitStsVerwaltung auSgeschlossett « » d w ö r t l i ch erklärt, s i e b r a u che n nicht nur judenfreundlicher zu sein, als Dr. Schwarz-Hille r und seine Genossen. Er, der bewußte Jude von gestern, hat sich mit Tausjuden zusammengetan. Diese Täuflinge arbeiten für ihn und reden für ihn und erdreisten sich, euch Jude« lenken zu wallen. Dr. Schwarz-HMer wollte aus der jüdischnalionalen Liste kandidieren, weil man ihm jedoch nickst die Listenführung «inrllumen wollte, ist er hingegangen und hat sich mit Tausiuden zrrscmmmgetan. Er erklärt, sein Programm sei: Arbeit, Ordnung und Brot. Das ist Demagogie, welche man imr den Dümmsten zu bieten maßt. Welche Partei will denn: Müßiggang, Unordnung und Hunger? Juden und Jüdinnen! Weiset diese Politik gröbster Demagogie, persönlicher MandaLsfucht und des Verstecken« des Judentums gebührend Zurück. Ebensowenig dürft Ihr eureVer- Iretung »Israelit tnm von der Art des Herr» Edmund Melcher anvertrauen. Herr Melcher verkörpert die verderbliche assimilatorische Politik. Wie zum Hohn« läßt er sich durch die »Union^ bei euch damit anpreisen, daß er eine Autorität auf dem Gebiete des Bauwesens und daß er auch Jude sei. HabtJkrvergessen, rote furchtbar unser Volk unter der Herrschaft der,Auch- und Dauchj«den* gelitten hat? In dieser schweren Zeit könnet und dürfet Ihr nur Männer und Frauen wählen, welche entschlossen sind, ulles für das Interesse dir Mische« Volkes einzusetzen. Wählet am 4. Mat jüdischnational! iwumi' i i "i—TinrririTumrimiimimTiininwniiinw—iwhimiiiiiiwiiiiiii— Polrtische^RundschM. bec Mßste Steg des «atrovslMtsche« ‘ G»da»Le«s. (®le Ressr«tk»u der taittraettanatai saztaliftisch^» v Mit go-Hem Juberaffe varssLgt mau fcfe BchchsHFe bdr inrernüLionale« ßozialistsschan lloufermy^ welch« einhellig der zio»istischeu Lösung dar Judenfrage zugestimmt hat. fc« der dadeutsamrn Rozolution ist Lee inwmmLisuaw Ehaeatter der Judenfrage anerkannt, wird die vollständige Vleichberechti-gnng und der inberrraÄvnale Schutz der Juden ebenso wie aller anderen nationasen Mir^erhetten gegen physische Berfvlgllngen und wirtschaftliche Unterdrückung gefordert, aber auch volle Ein- und Auswanderung-- freiheit »ach und aus allen Ländern. Da- Recht des jüdischen Volkes, sich wieder in Palästina ein« narionale Heimat zu errichten, wird inwiefern Manifest festgelegt und bir Gchaffrmgs der nötigen Voraussetzungen »Mer hm Schutze und dar KontrolL de- Bö Verbundes — natürlich wrwr Wahrung bar Yytarchfv« der übrigen Bevölksrnwg des Land«- - als unbedingt uStig erklärt. Das Mstchö Bett müsse als Nation im Völkerbunds vortretoy fttn mb unter dem Schutze sowie unter der flwihwlfe das Völker-irn-rtafle die jüdischpalästinensifchr HeimstW« erstehen. Ebenso wichtig ist der im Punkt S dieser historischen Resolution uiabersÄegt« Grundsatz. Wonach de« Jaden zu gewähren chr ^National« Selbstverwaltung auf der Grundlage dek Nationali täte »Prinzips und der nationaler Gleichberechttgrmg m den dtSdds«, Poovinee» »rb Gemeinds« Äller Länder, wohin die Jnben in Mengen ziehen." Di« internationaie Sozialistenwnftvenz NÄß» daß lnnerhalb eines JahrzohazsS vor de« Kriege «in Mertel der gsfamtM Jndorchhast den «shnsitz verändern muß!«. Sie weiß, daß dafurchtbare Problem der Untfchtchnmg von Jrrdenmasie» im Weltkriege nicht bloß aus die Ariegssthande alwin zurück-nführen ist, sondern auch «tf den fpe-ifischan Choeattor de« Jndeufvage. Sie füH», da» da- Mische Pvodlem et« nationakss Problem ist und d<ch nur die zionistische Lösung das Mchche BoK b^len und die MM van kmern der ge^Hrlichften Uedel vom barbachcken Juden- M eslöjen tam, Mb dtz hchttMjtzmUe kenftrenz zeigt volles BerständntS.für da- Vesen der Juden frage, wenn sie. die nichtfür verderblicher hält, als den nationalen EhauvjntSmus. tust für die Jude« überall dort, wo sie in größerer Masse wohnen, und — daraus ist besonderer Wert zu legen — wohin diesettkxfj immer zum' ewigen Wandern verurteilte Volk 1« gröberen Mengen hinziaht. natianabe MtrwritLtSrechhe «iW-räumt werden müssen. Man sieht, der Beschluß der intornattonalen Sozta- Nsten-onsHr«nz deckt sich durchaus mit den Forderungen de- Kopenhagener Manifestes der zionistischen Weltorganisation. SS steht aber ebenso im krassesten Gegensatz« zu de» biöherigen Verhalten der deutschösterretchischeu sozialdem okratischen Partei. Die JnternaLionale fordert, nationale Gleichberechtigung und natiotmle MinoritSlSrechbe für die Juden in allen.Städte« „wohin sie in Menge» ziehen^^ die Sozialdemokratie Deutschöstrrretchhat gebilligt, daß den durch di« striegsnot nach Wien verschlagene» ostjüdische« Flüchtlingen — und zwar nur diesen — das Staatsbürgerrecht vorenlhatten wurde. Die Internationale verlangt Anerkennung voller Au- und Austvandernngsfrsiheft für datief unglückliche, von Scholle zu Scholle gejagte Mische Volk die deutschösterreichische Sozialdemokratie hat es zuwege gebracht, zemeinsam mit den Antisemiten für die Versagung der ostjüdischen Flüchtlinge au- Wien oder für ihre Verbannung in SonzenttattonrstStte» zu stimmen. Die Inten,otional« wiederholt mit Nachdruck di« Wahrheit, daß die Juden «im Nation sind und als Nation Im Völkerbünde vertreten fein müssen \ bie deutsch österreichische Sozialdemokratie als einzige auf der ganze« Welt, anerkennt die Juden oft Nation nicht und beschimpft alle, welch« sich zum Mischen Volke bekennen, für daö jüdische Volk M prim Sr« Recht auf die etgem Nation anstrebe», alS „Neakrienäne", „Kirrikale" oder ^nationalistische Shauviuisten", Allerdings wissen wir allzugut, danur die assimilatorischen Mischen Führer an diosem merkwürdigen Verhalben der dentschSsterreichischon Fraktion schuldtrasend sind. Sie gebärden sich als Deutsche und weil Me national Wtzstognomie unecht und im tiefsten Westm nnmorallsch kst — zwingen sie die ganze Paowi, sich in Gogensatz zu der gsoße« foziakdemekeaftfcho« Jmoonachmat« zm stellen nnd an dom Mchchen Bolle in Deutsch0fte»rcjch do» verbrechen der nativnalsn »u Aok tüi i «t 104 für die Belastung depolitischen Lebens mit biesev Lüg«, sie habe» die Vergiftung deS gefellschaftttchwe ZusammemvirwaS von Judon und Nichtjudev in diesem Staate nebst anderen Schädlinge;» am Gewisse«. ' Alle, die gute» Willens sind, müssen jetzt erkemrön, da» wir Jüdisch nationale« den richtigen Weg gehen, daß unsere Parole geteilt wird von den beste«. n«d freiesten Geistern der ganze« Erde und daß alle diejenigen, die in heißem Bemühen art der Neugestaltung dieser unglücklichen Welt wirke», mit uns eines Sinnes sind. Stärker als alle Kckrdidaienredsy «nb WahbMfMs loirkt diese Nrnstvrdamer Kesokutivn vonr,. ^4. ApÄ, Jeder Jude und jede Jüdin haben jetzt' die Pflicht nur das z» tu», was je»«» Zustand, der in dieser U& solntion gefordert wird, herbeizuführe« geeignet; ist'r Alle müssen «ationaljüdisch wählen, ihrä» alle diejenigr», lvelche nicht zuletzt durch de» PrtnzipWi verrat her veutfchüsterreichischen Sozialdemokratie iu diesem Staate namenlos gebküben M» und der Möglichkeit beraubt wurden, mit dem Stimmzettel in dev Hand für das Mische Recht zu streiten, müssen ihrö ganzen Kräfte daran setzen, um durch intensivste Nufkläruttg l« de» Kreise» ihrer Angehörigen und Bekannten, die in dieser? Stadt da- Wahlrecht besitzen, wenigstens irrdioekt dsr gute» Sache zum Sieg« zu vsrhelftn. IAderranstreihUAg «s» SpaMetr. Die Juden in Spanien, meistens ^isßsflüchMge aus Mchland, standen vor kurzem vvr der Gefahr einer restlosen Ausweisung aus dem Lande, die üvrexha!b 24 Stunden vollzogen werden sollte. Die Ursache dieses drakvnifchm Erlüffe» war ein« generelle V<n> leumdung der Juden seitens des ehemaligen mWche» Generalkonsuls in Spanien, der alle Juden des Bolschewismus beschuldigte. Dir spanische Regierung hatte ohne weitere Untersuchung zum alten Mittel in Iudenaustreibung gegriffen und neß bereits ein Schiff beistellen, das die russischen Juden, besonders jene, die sich während des Ktteyrs m Dareelona Liederliches nach Odessa bringen sollte. Im letzten Augenblick gelang es jedoch, diese» Ausweisungsbefehl rückgängig zu machen. Dank den Bemühungen des englischen Dotschasters tz a r d i» g und des bekannten jüdischen Professors an der Madrider Universität, Dr. I a h u d a, wurde eine Untersuchung eingeleitrt, die die gänzliche Gmndloflgkeit der gegen die Juden erhobenen Beschuldigung ergab. Infolge vieses Ergebnisses sowie der besonderen persönlichen Garantie des Prof. I a h u d a. der sich für eine loyale Haltuna der ruffischm Juden in Spanien verbürgte, erhielten die lchlerm dis Erlaubnis» weit« im Lande zu verbleiben. Falls Deutschland den Diktatfrßede« wicht «RRinmU «,« JhxGftt Dorszaw-tt* meldet ot* Pari-: Für de» Fell, daß dt« Deutsche« de« FriedenSvertrag nicht unterschreiben werben, hat Vte Sntenie umfassend« militärische Äorbereit »ngen getroffen. In der -ahnstation in Verjaülee steht ein Tander-ua bereit, der die deutsche» FriedenSunierhLndler tm Falle der Verweigerung der Unterschrift sofort ablranSvovttere» wird. Gleichzeitig wird der Abbruch des WafsenstiltstandeS verkündet werde«. Di« Armee Marschallstoch wird um SO Sil oMeter vorrück e« und Frankfurt a. M. desttzen. Längs de» RheüiS sind lange Reihe« von Weggons, Sokomotive« und M* autoS «»fgestM. Nach de» Sersichenmgen der Militärkresse dürste der woemavsth in dreien, halb Grunde» zustaudekommen. Doullchland wird sodann eine« neue» stebsntägige« Lermiu erhalt«, worauf das MMräetommando eine» eventuellen neue« Gvrung «ach Vorwärts vorbereit«« wird. Pariser amtliche Kreise sind Lberwugt, daß Deutschland de» FrivdenSvortrag schliEch «nwwetchnen wird. Der BeschW eines kräftige« Tor gehen- «ge» Deutschland wurde einstimmig «faßt. Tuch Dilso« ist der Ansicht, dah Devtschland mit Gewakt »um Friede» gezwungen werde« muß, wem, es die FrieLauÄwvluguuge« der «Ueute «icht akzeptiemr wird. Der ftaozöstsche SoziaNstevkongreb. Zmn erstenmal fett de« Ausbruch der Nevolvttou U Rußland «ttb Zentraleuropa habe» die fvouMscheu Sozialtfton ihre» Parteikongretz asgehatte». Der Verlauf der Verhandlungen gestaltet« sich z« eine« Gerichtstag und «uf der Tnllagrbank erschiene« diejenige» Führer» die sich tu den Dienst der uatianaliMcha« Pottlik gestellt hadm: Lhowa» Kenimbel, Nayrras «sw. Die Kluft, welche zwischen diese« und Heu «gtwlw link» mientierwu GoziulGm besteht,: ist kam» geringer als dw zwischen KieLknecht und Scheide- Mann, Nosfc, Fa fie kam in de» verhaudlungau n»t* weudlg «och fchärftr zum Ausdruck, weil Frankreich die Gevolutio» nach nicht du Lande hat, weil es, n»d täglich^ mehr, imperiallstifch regiert wird, und weil, «an darunr all« Auswüchft diese« Ymperialls««- he« RegiernngSsozia» listen mit zur Sa stgelegt. Ss kam zu scharfe« Zufamme«- sts-en und fast schien a» unmöglich- Hit Formel für eilt einheitliches «Äionspwgvamm j» finden. Vw «ufgabe bestand, wie ^Journal des Deh«E es nennt, darin, rin Vrvgvstntm fo z« formulieren, daß es rev-kutionär-sozialistisch» aber nicht bolschewistisch wird. Die bedevwndste Avlle bei den Disknsiionen fpicklio Leon Blum, dessen Rede sich <uf jenem hohen geistigen Niveau bewegt«, das mau, wie „S'HumanttL" fchvM, vo« JanrbS h-rgewöhnt ist. Sie lMtertteß bst allen Parteim einen tieft» Gvchruck und rtustinunig wurde baschlofft«, dicht Gebe sofort in Druck zu legen. Da» von ihm dovgelechE und verlwwene Akckmspevgoamm wurde dann auch «ft 1114 LMmnwu ochapckwt, wöheenb zwei andere Aviwüge um zwßa ml sich vereinen rannte«. diefcr »ft daß die Form:!- LoN«g beiden Softe» W. gMGe. StzAzchsiou,-.t macht«.