Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 103 (2.5.1919)
- Date
- 1919-05-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 10$ Wien. Freikäg Wiener Morgenzeitnng 2. Mai 1919 Seite $ Telegramme. «nfhebnng der B^ckrade für Waren nnd Kahlen. Paris, 30. April. (Havas.) Der Oberste Wirtschaft srat hielt unter dem Vorsitze von Lord Ceeil seine fünfzehnte Sitzung ab. Es wurde beschlossen, es den deutschen Fischern zu ermöglichen, sich der freien Durchfahrtdurch die Minenfeld er des Kattegat, durch die die verschiedenen Fischereizonen miteinander verbunden sind, zu bedienen. Der Rat wurde weiters benachrichtigt, daß die Dlockadefektion die notwendigen Maßnahmen getroffen hat, um die wahrend des Krieges auf die Einfuhr von Waren in die Schweiz und für die Neutralen Nordeuropas gelegten Einschränkungen aufzuheben. Infolgedessen können alle Waren mit Ausnahme derjenigen, die auf der Spezialliste für Kriegsmaterial aufgezählt sind, ohne Beschränkung in jene Länder eingesührt werden, .welche ihrerseits Lebensmittel nach Deutschland senden können, ohne für jede Sendung die Autorisation der in diesen verschiedenen Ländern eingerichteten interalliierten Lokalkomitees nachsuchen zu müssen. Um den Handel und die Verpflegung zu erleichtern, beschloß der Rat' auf Empfehlung der Blockadesektion, daß von jetzt an Waren nach Deutschland gesandt werden sollen, mit Ausnahme von Munition, unter der Bedingung, daß diese Sendungen durch eine besondere Ermächtigung der interalliierten Lokalkomitees oder in den Ländern, wo diese Komitees nicht existieren, durch eine Ermächtigung der Verpslegungskommission gestattet wird. Der Rat prüfte die wichtigen Fragen des Handels und derVerpflegung auf der Donau; doch faßte er diesbezüglich keinen Beschluß und behielt sich vor, die verschiedenen vvrgeschlagenen «Maßnahmen noch weiter zu prüfen. Der Rat setzte das Studium der Frage der Arbeitskräfte fort, durch die die Produktion und die Verteilung der Kohle gehoben werden soll, um so dem allgemeinen Kohlenmangel in Europa abzuhelfen. Es wurde beschlossen, daß -der Generaldirektor der Verpflegung beauftragt werde, sofort alle Maßnahmen zu treffen, welche die Produktion an Kohle, auf dem Boden der höheren österreichisch-ungarischen Monarchie und in Polen heben können. Der Generaldirektor wird mittels Mission^, welche von der Sektion für Verbindungen des Rates entsandt werden, handeln. Diese Sektion wird mit dem direkten Transport von Lebensmitteln für die genannten Gebiete beauftragt werden. Rene Schwierigkeiten in Paris. Paris» 1. Mai. (Funkspr,) Nach dem. „Temps" find wegen der Unterzeichnung des Friedensoerttages n e a e S ch w i e r i g k e i t e n aufgetaucht, da bisher noch nicht entschieden werden konnte, ob die jugos l a wischen Delegierten als Vertreter des neuen Staates S. H. S. oder nur als Vertreter Serbiens zur Unterzeichnung sollen zugelassen werden. Bisher fei der jugoslawische Staat nur von den Vereinigten Staaten anerkannt worden. Die Frage müßte jedenfalls vor Unterzeichnung des Friedens mit den Deutschen geregelt werden. Die neue heilige Allianz. Rotterdam, 30. 2lpril. Dem „Nieuwe Rotterdamschen Courant" wird aus W a s h i n g t o n gemeldet, ein Amerikaner in hoher amtlicher Stellung habe erklärt, daß das angekündigte englischfranzösisch-amerikanische militärische Bündnis zur Unterhaltung von Truppen an der Rheingrenze zum Schutze Frankreichs zum Abschluß gelangt sei. Die Einzelheiten seien vorläufig geheim. . ' Orlandos Kammerrede. Paris, 1. Mai. (Funkfpruch.) Die französischen Blätter^ sind in der Mehrzahl der Anstedt, die Dienstag gehaltene Rede Orlandos erlaube die Hoffnung, daß.es zu einem Einvernehmen über die adriatische Frage kommen werde. Der tzochverratsprozetz gegen Senator tzurndert. Berlin, 1. Mai. Das „Berliner Tageblatt* meldet aus Genf: Im Humb ertprozeß beantragte der Vertreter der Anklage gegen H u m b e r t und L e n o i r Todes st r a f e. Sie werden bekanntlich des Einverständnisses mit dem Feinde beschuldigt. Erdbebenkatastrophe in Sa« Salvador. Rew-Bork, 30. April. (Reuter.) In San Salvador (Südamerika) hat am 28. April rin Erdbeben gewütet, das so stark war» wie jenes im Jahre 1917. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. n SEIDENHAUS en gros B. KULLMANN Wien, I., Rudolfsplatz 3. m Reichhaltige Auawahl in Seidenwaren n. SeidenfOchem. Export nach allen Richtungen. Das Gericht über Ex-Kaiser Wilhelm. Paris» 1, Mai (FunKfpr.) Ans Washington wird gemeldet: Der ehemalige Kaiser Wilhelm soll durch einen Gerichts h o f, bestehend aus fünf Beisitzern, je einem der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Frankreichs, Italien s n n d I a p a n s zur Verantwortung gezogen werden. Als Sitz des Tribunals wurde Genf anserfehen. Nach Mitteilungen amtlicher Kreise sollen die V?remigtsn Staaten entweder durch William Howard Taft oder Tharles Soau Hughes oder durch Elihrr Rost, Engend durch den jetzigen Botschafter in Washington, Lord R e a d i n & vertreten sei«. . __^_ Ultimatum Finnlands an Rußland. . . Stockh o l m, 1. Mai. (Funkspruch.) Einer Depesche aus H e l s i'n g f o r s zufolge hat die sinn ländische Regierung den Bolschewiken ein U111 m a t u m gesandt, worin sie von ihnen fordert, ihre Angriffe in K a r e l i e n einzuftellen, widrigenfalls der K r i e g s z u ft a n d zwischen Finnland und Sowietrußland erklärt würde. Japan wird Kiantschan an China zurüchgeben? . Paris, 1.'Mai. (Funkspruch.) In einer Unterredung mit dem. Vertreter des „Mattn" erklärte M akino, man sagt überall, daß Japan Ki autsch au zu behalten und den festen Platz, den seine' Armee Deutschland entrissen hat, für ewige fetten besetzt zu halten beabsichtige. Das ist das Gegenteil der Wahrheit. Wir haben die Verpflichtung übernommen, Ki autsch au a n C h i n a z u rück z u g eben. Unsere Verpflichtung wird eingeh alten werden. Unsere Verpflichtungen werden immer ein geh allen. Es gibt kein Beispiel in der Geschichte, daß Japan sein Wort nicht gehalten hat. Japan ist Nichte in Land, wo V e r t r ä g e P a y i e r f e tz e n s i n d. Eben well niemand das Recht hat, an unserem Wort zu zweifeln, verlangen wir, daß man uns selbst die Rückgabe durchführen lasse. : Das englische Budget. London, 30. April, (Reuter.) Im Unterhaus brachte Austen C h a m b e r l a i n das B u d g e t ein, das die Ausgaben für das laufende Jahr auf 1.434,910.000 Pfund Sterling veranschlagt. Chamberlain schätzt die Einnahmen auf 1.159,050.000 Pfund Sterling und - schlug vot, das D e s i z i t von 275,260.060 Pfund Sterling durch neueSteuern mit einem Ertrag von 41^460.000 Pfund Sterling in diesem Jahre zu decken und durch eine Anleihe von 233,810.000 Pfund Sterling das Gleichgewicht herzustellen. - Die Kämpfe im Mnrmangebiet. Helsingfors, 30. April. (Funkspruch.) Die estnische Armee hat Petschera besetzt. Die Offensive -er f i n n i s ch eir Truppen entwickelt sich. Sie haben Olonez und Lodeinoje-Pole, eine Station der Murmanbahn, besetzt. Höllenmaschinen in Washington. Washington, 30. April. (Reuter.) Don den P o st b e h ö r d e n wird bekanntgegeben, daß in Postsendungen 17 Höllenmaschinen entdeckt worden seien, die an hochstehende Beamte, darunter anKabiuetlsmitglieder, adressiert waren. Polmsch-tfchechifche Kämpfe bei Karmin. Berlin, 1. Mai. Das „Berliner Tageblatt" meldet. aus Gleiwitz: Der „Oberschlesische Wanderer" berichtet, daß die Polen beiKarnrin die tschechischenTruppen angreifen und daß sich schwere Kämpfe entwickelt haben. Polen will Deutschland überfallen.! Berlin, 1. Mai. (Wolff-Bur.) Reichsministei Erzberger hat folgende Note dem Marschall Fach überreicht: , Der deutschen Regierung gingen in diesen Tagen zuverlässige Meldungen darüber zu, daß die p o l n i s ch e Armee beabsichtige, in den nächsten Tagen einen m i l i t ä H ftfj e n Vorstoß mit größeren Truppenmengen gegen deutsches Gebiet in Posen und Oberschlesien zu unternehmen. Die Zusammenziehung polnischer Truppen an der deutschen Gxenze bekräftigt die Richtigkeit dieser Meldungen. Die deutsche Regierung ist überzeugt, daß die alliierten und assoziierten Mächte alles auföieten werden, um ein neues Blutvergießen, daß durch einen polnischen Angriff entstehen könnte, zu verhindern. Der deutschen Regierung ist es jedoch unmöglich, irgendeine Garantie dafür zu übernehmen, das derWaffenstillstand zwischen Deutschland und Polen aufrechterhalten werden wird, wenn die polnische Armee zu Angriffen gegeZ deutsches Gebiet übergehen sollte. Die deutsche Regierung könnte nach einem solchen Angriff selbstverständlich auch nicht mehr den weiteren DUrchtransport der Truppen der Armee Hallers zulas s e n. Sie müßte alle Folgen, welche aus einem polnischen Angriff auf deutsches Gebiet erwachsen, würden, ablehnen und weist auf die tiefgehende E rregung der deutschen Bevölkerung in d en Ostg eb ieten hin. Polen will ganz Galizien annektieren, Warschau, 1. Mai. (Funkspruch.) Die nationaldemokratischen und demokratisch-liberalen Blätter führen bei der Besprechung der galizischenFrage aus,' daß dieses Land feit dem 14. Jahrhundert zu Polen gehöre, dem es seine Zivilisation verdanke. Niemals werde Polen Galizien herausgeben. Die Errichtung eines ukrainischen Galiziens wäre ein deutscher Sieg, denn erst die Deutschen hätten den Begriff Ukraine geschaffen, lfin solcher Staat wäre ein neuer deutscher Vorposten, im Osten. Der Verlust Galiziens wäre ein tätlicher Schlag für den polnischen Staat, niemals würde in diesem Teile Europas Friede sein, wenn die Pariser Konferenz Polen diese unheilbare Wunde zusügte. Sollten Polen und Rumänen, welch beide Staaten bestimmt sind, die Anarchie und bie, Feinde der westlichen- Zivilisation von Mitteleuropa abzuhalten, nicht anemandergrenzen, so wiirde jede produktive und zivilisatorische Arbeit zwischen dem Schwarzen und dem Baltischen Meere unmöglich gemacht werden. Arbeiterrkte in Kladno. Prag, 30. April. „Pravo Lidu" teilt mit: Die' Vertretung der sozialdemokratischen Partei hat die Errichtung von A r b e i t e rröten nicht empfohlen, da die Sozialdemokraten über ausgebreitete, feste und starke sachliche wie politische Organisationen verfügen. Da aber in Kladno die Vorbereitungen für die Wahlen in die Räte vorgeschritten waren, hat sie die Parteivertretung nach Anhörung eines Berichtes Über den Zweck der Räte genehmig 1. Den Arbeiterräten schließen sich in Kladno auch andere Parteien sowie die Beamtenschaft an. Inland. Karrftitrriesung der Bauernriite in Ober- Ssterreich. Die überwiegende Mehrheit christlich sozial. Aus Linz wird berichtet: Im Saale des Gesellenvereines fand gestern die Konstituierung des Landesbauern- und Landesarbeiterraies statt, der die Vertreter von allen 46 Gerichtsbezirken des Landes anwohnten. Nach der Wahl des L a n d e s b a u e r n- und Arbeiterrates folgte eine Debatte über das R 8 t e ft a t u t worauf dann eine vom Bauernrat Barth eingebrachte Entschließung einstimmig angenommen wurde, in der betont wird, daß die Bauern und Landarbeitenäte in überwiegender Mehrheit aus dem Boden des ch r i st l i ch s o z i a l e U' Programmes stehen. Ihr Beruf ist es, die Freiheiten und Rechte aller Produzenten und die Freiheiten des ganzen Volkes überhaupt, gegen jedwede Uebergriffe, von welcher Seite sie immer, mit oder ohne Gewalt, geübt werden, wirksam 'zu schützen, die Behörden in der ruhigen, gleichmäßigen Arbeit für das allgemeine Wohl und auch in der Bekämpfung des Schleichhandels zu unterstützen und besonders im Falle eines Putsch v e r s u ch e s durch gewiffenlose Elemente ein Bollwerk der Ordnung, des Gesetzes und ein Hort der Errungenschafien einer wahren und freien Volksrepublik zu fein. . . . ' - .... Richtet die Wische Würde Wieder Ms! Wählet jüdifchnatioULL!