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Wiener Morgenzeitung · 1919-05-01 · Heft 102 (1.5.1919) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 102 (1.5.1919)
Date
1919-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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■■däMS» . cr: -S der Wiedevaufrichtung seiner Frei. eil. 'Fi» mrs bedentet Freiheit eine HSHere Entwicklung; für die anderen Völker aber? Man sehe nach dem Osten, wo Völker frei geworden sind und ihre Landeknechte in blrttigen Orgien sich austoben lassen. Dir Fabne der Freiheit wird durch die Gosse geschleift und überall gut der Ruf gegen die Juden als das erste Symbol der wiedererlangten Ünabhanglakeit. Ueberall vergißt man den Wert der jüdischen Arbeit für die Festigung und Sicherung der Gesellschaft. Jüdischer Fleiß und tücksche Lck-it Hecken den TÄchsikttck Europas mitschaffen aehoffen, den die Verbrechen einiger Drohnen durch den Krieg vernichtet hadert. Ohne die iüoische Arbeit ist eine Erholung der Wirtschaft in Europa undenkbar. Aber statt dies zu bedenken. rüstet man allerorten zum Sturm aegen das geiamte Judentum, überschüttet man es mit den dämmten Lügen und droht chm mit der Vemichtung. Und es find all die Elemente eifrig bemüht, die ihren Besitz im Krieg erwuchert haben, die Empörung der breiten Dolksmassen auf das jüdische Volk abzulenken. Mer wir sind diesen Angriffen nicht mehr fchustlor preisgegeben, sind gewappnet, Ihnen zu begegnen. Wir waren solange wehrlos, als wir unsere Kraft nicht erkannt hatten. Heute wissen wir, was wir vermögen. Wir kennen unsere Stücke und wir müsse« msn alle Kräfte zrrfammensaffen, tm auch stk uns die Freiheit zu erkämpfen. Auch wir find zu freien Bürgern geworden, die selbstbewußt ihr eigenes Leben als Volk führen wollen. Ein hart« Kampf steht uns bevor. Biel Arbeit jedes einzelnen ruck all« zusammen wird aeleistet w«den müssen, um das Ziel m erreichen, um sie Zukunft des iüdifchen Volkes in seiner Gesamtheit vnd in seinen Tellen zu sichern. Nur die zielbewußte, einheitlich vorgehende Organisation kann die« «zwingen. Und keine Gelegenheit darf oersäumt werden, die zur Aufklärung unseres Volkes und zur Festigung seiner nationalen Organisation wertvoll werden kann. Und es gibt keine bessere Gelegenheit, Heerschau zu halten über alle die, die treu geblieben find, die in Not und Leid zum Mischen Volke stehen und chm eine beffne und frei«- Zukunft w«ben wollen, als den Wahltag. D« Wahltag ist Zahltag, Gerichtstag. Er soll unsere geistige und stttlkye Stärke «weisen, uns«e Energie und unsnen Kampfgeist «proben. Wahkn Laben für uns eine ganz andere Bedeutung als für die anderen Völker. Wir erstreben keine politische Vormacht, wir »ollen den Nationalismus und Chauvinismus v«- »ichtel sehen. Wir «oll» «tu Ende des Krieges und des Lasse», i Wit wollen Freiheit für uns und Freiheit für hie gesamte Menschheit. Wir «ollen uns Mann für Mann und Frau für Frau mit dem Stimmzettel in d« Hand zm Wehr setzen gegen Lüge vnd Beschimpfung. Wir wollen, daß alle Seelen von dem Gedanken d« Dölkrrversöhnung erfüllt seien, auf daß wirklich einmal die Menschheit den ersten Mai einmütig ßeiern kann als den Tag, an dem d« Grundstein zu dem neuen Gebäude d« Menschheit gelegt wurde, m welchem jede» Volk sein» eigen» Boden und schre Heimat hat. , Polttrsche^Rrmdscha«. De» Kom«»»isten Rvthztt-rl letzt« <v Brief. f Der Kommunist Rothzte-el, ftammittant der «Rener Rot«« Garde, der ta de« Sümpf» um Debreeze» de» Tod gefuude» hat, hat vor seinem Abgang in» Feld an de« BolkSboaustragte» Fiedler folgend» Brief gerichtet: - „Werber Fiedler! Die Trupp» der Bojarenimpertaliften «ah». Wir kommen morgen in» Feuer. Glücklich ziehe ich, wenn es sein mutz, ß» den Tod für die Befreiung der Proletarier, stolz Und gerne will ich mein Wut verzieh» für Sswietzmgarn, daS ich al» da» Vaterland d«S internationalen MroletarratS betrachte. Mir ist eS, al» könnte ich mit meinem Blut di« Sünden jene» Teile» de» Wiener Proletariat» sühnen, da» «nt« Führung der Dourgeoi-agen ten Bauer »nd Renner, der politisch» Streikbrecher Seitz «nd Dome», de» Staatssekretärs für Hin- und Herwef» DuliuS Deutsch und de» krankhaft» Träumer» tzritz Adler, dem ich einst Vertrauen schenkt«, die internationale Revolution de» Proletariats um ihre Früchte dringen will. Ich möchte hiveiuhauen in die Bande. Ich beneide daS ungarische Proletariat, daß e» wirkliche kommunistische Führer gefunden hat. Allen «einen Haß -ege« meine heimischen Dozialverräter und Sozialdiplomaten will ich nun cm diesen Söldnern de» jJmperialtSmuS aus lasse». Hoffentlich können sie sich Vicht mehr lange halten und kommen an ihren Pla in die politische TotonSaenmee. Bitte, schick» Sir unS einig« Meschi»e»sawehra und -tgaretten. Rothziegel." SWvGm K8S Se«p. Kurzer, Wie», YL, WeMhichrrst 28. Tsittcko« «»87. SM Wiener 1. Mai t91l) Sir. 102 - Der Streit um die Sozialisierung. Stöckler dementiert Bauer. — Die AZrmrLer droheu. — Neue Verhau-LuuFeÄ^ Die Disseren^n, die in der vorgestrigen Sitzung deSSt^'alisierungSauSschilsses zwischen den Sozialdemokraten und de« bürgerlichen Parteien arrfgetnucht sind, haben tm LkNlfe des gestrig» Tagewesentlich an Schürf« verloren. Der AuSbruch einer fSk&mmG&hQt gAt nicht mehr «B toefyt» scholnlich. Der Vizekanzler Fink Hatto eins längere Unterredung mit dem StaatSkanzler Dr. Renner, Ln der «r über die Stimmung bei den Christsichsozialen berichtete. Ein« Komplikation hat sich gestern daburch ergeben, daß der Staatssekretär StSckler tm Klub der Christlichsozialsn off» gegen seinen Ministerkollegen Doktor Bauer Stellung nahm. Er erklärte, daß er mit Staatssekretär Bauer keinerlei Abmachungen in der Frage der Betriebsräte bei landwirtschaftlich» Betrieben getroffen Hab«, daß also die DchaUptungm DmrcrS tzollkomv«» «nrichtig stk«. Dsm§emSß müsst auch der Vorwurf entfallen, daß die Chrtstlichso-iale« bei ihrem Vorgehen in der Frage der Vetrieb-räte bei den landwirtschaftliche« Betriebe« et« Kompr-vmitz gebrochen hätten. ES fleht nun Behauptung 8*0» Behmtp-un-, und man muß forde«, daß die Nkg^ervug Klarheit schafft. ES darf nicht geschah», daß da Regierung-Mitglied tm» andere der Lüge zeiht. Die christlichsozmlen Agrarier zeigen sich wegen der vorgestrigen Drohung des Sozialdemokrat«» Eldevsch sehr erregt und spreche» von einem augckooch-eu AworoodtW«- See Stoeste» Sie wollen den Sozialdemokr-aben be^üzktch der VoHiallsiernng der Industrie freie Hand lassen, wollen «b«r die landwirtschaftlichen Betriebe nicht antaste« lassen. Uri der dem Druck der Straße sei jede gefetzt geberische Arbeit unmöglich «ud es müßte mit dieser Taktik ein für allemal ausgehört werden. Unter dem Eindruck dieser Drohung nehme auch die Verstimmung der ländlichen Abgeordneten gegen die Zentralregierung nur zu und die ländliche Bevölkerung werbe keinesfalls zugeben, daß sie von der Hauptstadt vergewaltigt wird. Hinter dieser Erklärung verbirgt sich natürlich die Drohung mit der HnvSwpeWhe der Bottttit. Inzwischen wurden gestern vormittag» die Dlmstag abends begonnenen Verhandlungen über eine R e«» Vision der Ausschußbeschlüsse fvrttzefetzt und man ist der Hoffnung, eine» Bruch vermeLden zu kömren. ES müßte zunächst gemäß dem Antrag Eisler zu einer Aufhebung de rBefchlüsfe des Aus> schusseS kommen, so zwar, daß bezüglich der industrielle» «nd gewerblichen Betriebe die urfprünMhe Fassung de« Vorlage wiedsr hergestellt wirb, nach der schon in Betrieben, die zehn Arbeiter oder Angestellte haben, Betriebsräte gewählt werden. Auch wstck grundsätzlich für landwirtschaftliche Betriebe die BetrtebSräteverfass« uz ein ge führt, doch ist «»nicht unmöglich, daß hier gewisse Zugeständnisse an die Bauernschaft gemacht wecken. Der Toziattfiernn-öaa-kchtttz »rat gestern neuerdings zusammen. Die Aushebung der Beschlüsse deK Ausschusses kann erst morgen zur Sprache kommen. Abends ist eine Erklärung der Regierung erschienen, welche die Aeusterungen Dr. Bauer» über daS Kompromiß mit Stöckler desavouiert. Es Habs sich, heißt es, nicht «m persönliche Vereinbarungeu der beide« Vtaat-sekoetäre gehaudell,. iondeex um die Verhandlungen tm KabtnettK» rat, bei denen die verschiedenen Auffassungen durch Kompromiß bevsinigt wurden. Herr Dr. Bauer hat sich also von feine« Temperament zu einer unvorsichtigen Asußeruug hinreißen lassen, die fast zu einer schlveren Krise geführt hätte. Es ist hoch an der Zeit, daß Dr. Dauer, dess» Nerven durch die Arbeitslast offenbar irritiert find, sich etwa» Ruhe gönnt. j Hermaim Strncks Aufgabe in der deutschen Friodenödelegation. Wie die »TinuS^ benchtck. wurde drr bckamrie Mal« Hermann E t r « ck von der dkuckchen JHwmnte « du FrirdalS« abordnmrft dckegim. Herr Stwch der dem gcktyrStretlen stlügel der zionistückm Oraanckation ausckört, ecklck die Fnüncktw«, bei der Fr'rckenSkomerenz Rr feie Juden m der fchen Rrpckl5 und m Jugoflaw,en dre. k« l t « r r l l e Autonomie «nd kür die sSdiitben PolkSmatzen m de« Staaten des slrm Gioßrußlaad die uaNovale Äuko uomre zu «streb«. Die uatiomrren ForÄerungea -er Jude« t« Polen. Der gegenwärtzig in Paris weilende -andbag»abgeorbnew Dr. Osia» Thon auS Krakau veröffentlicht im ^TempS" vom S1. Aprll folgende Erklärung über die nationalon Forderungen der Juden in Polen: Ich war erstaunt, in Frankreich solche« entstellten Ansichten über unsere Bestrebungen zu begegnen. Man sagt, wir wünsch» die Schaffung eine- Staateim Staat«. Diesei ei« Irrtum. Air wellen keiuesfeltt i« die Rechte de» polnischen Staate» «iw» Keil tvecken. In Polen sind wir heute drei Mlllionsn Inden, die vorwiegend in den Städten alkompakte VK-iffe leben. Vir besitzen nationale Eigentümlichkeiten, und kein« hat da- Recht oder die Kraft, «n» z« zwinge«, diese aufzugebeu. Vir haben untere eigene Religion, unser« eigene Sprache, unsere Literatur, unsere Institutionen, Sitten und Feste. Kann man uns da» Recht absprechen, unser inneres Lebe» »ach unserem eigene» Dllle» einzurichteup Man gesteht uns die Gleichberechtigung zu. Aber damit diese Sleichbe«chtigung auch eine tatsächliche und absolute stk, ist es durchaus notwendig, daß wir de» elenterrtareu Rech-es nicht benomulen werden, aldazu gelten, was wir find, daß wir unser nationales Lebe» erhalten und entwickeln können. Die Organisierung depolnischen Judentum» stellen wir uns folgendermaßen vor: Jede Mische Vsmeinde wählt auf demokratischer Grundlage einen eigenen Rat, dem 1. die Organisierung der religiösen Angelegenheiten für die orthodoxen Juden «nd 8. die Einrichtung der öffentlichen Erziehung (Schulen, Bibliotheken, Kurse usw.) zu fallen. Wir wallen, daß die Kinder in unseren Schulen «ine jüotsche Erziehung genießen durch den Unterricht in unserer Literatur und Geschichte. Selbstverständlich wird dort alles gelehrt werden, was ein polnischer Bürger (ernten muß. Weitersieht unser OrganisationSprojett die Schaffung eine- Obersten Ratevor, der als Vollzugs- und Kontrollorgan, gewählt durch die jüdisch« Nationalversammlung, an hie Spitze de» Judentum» in Polen tritt und dieselben Ausgaben hat wie die jüdische Gemeind«, nur in bedeutend enveitertmn Maße. Ihm wird «s obliegen, die Interessen do» polnische« Judentluns als Ganzezu wahren. Wir werden von der Rogicrung auch fordern, im Einvernehmen mit dem jüdischen Obersten Rat eine« Staatssekretär für tüvifthe Rn^elsgerchoitea zu bestimmen. Die» ist mt* gejähr da», wo» wir fordeTu. Ich wickarfeole, daß es sich hier lediglich um eine rein innere Organiferung handelt. Und mau darf nicht glauben, baß dies das Programm bloß einer jüdischen Partei darstellt. Die jüdische Bevölkerung hat ihrem Standpunkt in dieser Frage besonders während der Landtag-Wahlen Ausdruck verliehe». Egibt fast Leinen Vertreter der Afsimilante». Abgesehen von Krakau, wo mein Gegner,. Dr. Groß, der Abgeordnete im Wiener Parlament, gegen die 18.000 Stimmen, die ich als Kandidat der Zionisten auf mich vereinigt habe, blaß 3009 Stimmen erhielt, wagten sie es nicht, ihrerseits mit eigenen: Kandidaturen hexauszurücken. Alle neun jüdischen Abgeordneten stehen auf nationaljüdischem Boden. Ich glaube — schließt Dr. Tho» — daß sich ein modus vivendi wird finden (affen. Wir werden dazu durch das Leben, dastärker ist als alle Theorien, gezwungen werden. Die Wioderanflebung Polen» ist ein schlagender Beweis für den Sieg des Rechteüber die brutale Macht, «nd eS ist »umöglich, daß die Pol«m uugegenüber da» Prinzip vergewaltigen, für das sie gelebt, geBmpst «nb -«kitte« habe». Daauferstanheae Polen wird der Kräfte all feiner Söhne bedürfe«, Äs ist uovoeuvig, daß wir unter uns wie am schnellten zu eurer Pftckstu»- kommen» Die Friedenskonferenz' Friede mit Oesterreich *m 15. Mai. 8 Budapest, 80. Avril. (Tel. der »Wr. MmMlstg.' ) ®ta stunlspruch avSRkw-Vork meldet: Me in ratta? sichteten Pack« Kreisen, du der Fsieden-konferenz nähr stche«, verlautet, ift der TrickmSsthluß aui Oesterreich mdgüttig stk de» IS. Mai zu gewäckgm. Samstng wird der Frie-ensvertraden Deniv. scheu Überreicht. Barle, 80» Apsil. (Tel.-Kvmp.) D« Rat \m Drei, Wilson, riotzd George und Clemrucrau, hat geikn» vormittaa» die javanische, nachmittagdie bclmsche Delegatiou gehört. Tamötag «ergenS soll der ArtedenSvertrag dev deutschen Bevollmächtigten überreicht werden. Cl em eure a« soll persönlich den Text d«S Vertrages dem Grafen Broadorss-Ranyau stbennnleln. Bor Freitag abendwird «m Rsium» devorlänfigm FriedrnSvertrageS fec» Blätt«» wahrschemkch urcht,»gehen. 120.000 Worte. Amsterdam, 80. Avril. »Telegraesi' unÄet a»S Par'S, daß die stoumusten. du «U d« ßjchamoa de» FsirdnrSvertrageS deauitreet iü, Tag «nd Rächt tm der Aufstellung de» Tqtki der faictaWrfttitMHMM« eckmsi, der mcht wmigEr als Igsosa Bsrtt «usatzt. Oie Oe«tfcho« opheckbm Vierzehn SaZ« AeÄ. Pack«, 80. Ntzrtl. sikck »Korck^ Die Deutschen «erden zur Prüfung der Pri^nchdedingungen vierzehn Tage Zeit «ckekm. Wem» ste nach kestcn Supin «ach PmrS zmiU-» khrm» wick stku möckstch«. foaberu *m eme lchrif l i che B 111 & 8 u n « taHWK UtK rwwmi ran»

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