Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 97 (26.4.1919)
- Date
- 1919-04-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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nt 97 WtlffIVfuu Wis«sr MsVHSR^srtrtM 26. AprN 1919 Seite 3 Telegramme. y - Die N-reife -er ItalieAer arrs Paris. Parts, 25. April. (Reuter.) Orlando, Barzilai und Dtaz sind gsftern um 8 Ahr absuds nach Nsm a^ZsrsW. Dar visrts Dsleg^rLe auf Mnem Psfte«. Veröffentlichung der Fri ed ensdsd ingnngen am 4» Mai. Parts, SS. AM. (Korr.-Bm.) „Echo de Paris"* zufolge wird em Auszug m»s den Fnedmsbedi«Vmgen m dm SonntagSblättern dom 4. Mai vrrKffernltcht werden. Der Auszug wwd drei Zeitungsseiten umfassen. Die deutsche Delegation. Verltn, SS. Apnl. (Wokff.i Die Liste der Mitglieder der am 47. oder 28. d. M. von Berlin nach Versailles abr«fenden deutschen FriedensdÄegakion rst mmmchr fertz»S8«st«Üt und der franrssischm Regierung notrfiziert worden. Mw den viaerttlichen sechs Friedens« delegierten. niimlrch dem Rt!chSnrmist«r de- Äeeckern Brock» d o r ff-R a n tz a u. Dr. 8 andSberg un d K r e S b e r g, dem Präsidenten der preußischen hemdeSversannnlvnfl, OberdürgermerflerL e i n er t,BrosefiorGchstcking und De.Melichor. umfaßt dre LrKe die Generakdirestorm von S t o ck h a m m e r n und Simons Äs KeunaHomuckMre, der Mitglieder des Auswärtigen Amtes und Vertreter der Übrigen Reichsmimsterim als behördliche KommMre. Ferner gekoren der Delegation FmLnFschLerNnditze, Mrtschaimche Sachvei-ständige und Mitglieder der WaffenGMandKiseumckfio« em. Dre Delegation wird von dem erforderlichen technischen md Kanzler- Personal begleitet sein. Mit der KnedenSdZegation werden fiifj auch Vertreter der kslttnden demscheü Nachrichtenöflentnu« sowie 16 Vertreter d« deutsche« Pvofie mbst ihren Sekretären nach dem BerhandlvnssoU deichen. Italic« und die Friedenskonferenz. ä Zürich» SS. April. tTsl. der „Wr. Morgenztg".) Ein von W i l s o n. C l e m e u c ea u mch L l o y d George unterschriebener Fragebogen derAdriafragen wurde O r! a n d o vorgelegt. Man nitmnt an, daß ein K r o nbat in R o m stattfinden so8. Die Pariser Abendblätter veröffentlichen eine airSftchlliche A n 1 w o r t O r l a ri d o S auf die Krtndgebung Wiffsns, dte mtt der Hervoibelurug der Mischen Italien und Amerika bestehenden Freundschaft schließt. In der ÄdrDsragr wird weiterverhandelt und man hosst m diplomatischen Kreisen auf rme günstige Min,g. Die italienische Presse bespricht di« Frage in sehr e rregtem Tone. „P e r s e v e r a n i ö" fordert für den Fast eines Bruches einen H a n d e l s d o h k o t t g r a r n d l e Alliierten und dir s o s o r t i g e A u f n a h m e d e s Handels mit Deutschland, R u st l a n d und deuLändern der ehemaligen Monarchie« Orlarrds gegen Mlfou. Pavbs, 24. Avril. (HavaS.) Ministerpräsidenl Orlando hat doc Preste folgende GrÜLrung UrermÄtelt: Gestern r«r Stunde, da die itukienflche Delegation eme» ihr vom euglckchen Premier» unnister zugeksnuumen Gegenvorschlag erörterte, der bezweckte, die einander mtgesenstchenden Tendern miternauderzu versöhnen, welche beMlich der ttabenckchen Gebietsavsprüche la«t^ geworden waren, haben die Pariser Blatter eine Botschaft des Präsidenten der Vereinigten Stilen vori Autenkrt veröffenrücht, worin er ferne eigenen Gedanken über die ernstesten der Probleme, "die der Grüscheidvna der Konferenz unterliegen, a«§st>rrcht. DteWethode.fi« mti» ittelbar a u dieBölker zuwenden, bedeutet unzweifelhaft elneNeuerungin den internationalen Beziehungen. Ich habe nicht dre Absicht, mich darüber zu beklagen, sondern nehme davon Kenntnis, um meinerseits diesem Bespiel zu folgen, weil dieses neue System zweifellos dazu beiträgt, den Völkern die weitestgehende B etetligun g an den internationalen Fragen zuzuerknmen und weck ich immer der Ansicht war, daß düse Beteiligung em Zeichen der neuen Zeit ist. Ich gehe jedoch uu« zum I «halt derBotschaft des PräßdeM«! über. Er verleftt stch völlig darseck, dm Nachweis zu «brni-en, daß die Fvrdenmgm ImlrenS mrt Ausnahme einiger in der Dorschast umschriebener Grenzen, die Prinz»- p i e n v e rl e tz t e n, auf denendaSneue Regime der Freiheit und derGerechtigkeit unter denBölkrrn aufgebant werden soll. Drese Prinzipien habe ich nie verleugnet imd Präsident Wilson wird mir die Gerechtigkeit widerfahren lasten, daß, ick in den langen Besprechungen, die wir hatten, mich nie am etwas anderes stützte,' als aus die Kraft der Bnrmni, und der Gerechtigkeit ans die, wie ich immer glembt* imd noch glaube, die Nspiratione« Italiens fest gegründet sind. Ich hatte nicht das Glück, ihn zu ü v e r z e u g e n, und ich bedauere es enMrch. Doch hatte Präsident Wck'on selbst die Göre, im Laufe unsever Beiprechnugeu anMrknnen, daß dir Wahrhert und die Gerechtigkeit reines Menschen M o « v p o l hier a«s Eeden sind und daß die Menschen dom Ii'rw« nntwworst« sind. Ich stlye h nr«, daß der Irrtum um so lerchttr iU je ksmplipert« die PoodlE find, auf die diese Gmndsötze »ngewendek werden. Nationale Äinderheirsrechte für die Inden K» Psle«. Krasta«. 25. April. (Sri. der .Wr. MorgeustS.") Wie dem „Nowy Dzienni^" c«S Paris telegraphiert wird, ist eS zwn'chm d«i Bertreteru der mmrikMischm und rnMclMi Jndenheit einerseits und de« D<ckes»ert«i d« Mische« Natwnalrfite andererseits in der Frage der Forderung nmwüÄer MmderheitSrechte für die Jude» zn emer Tiurgimg gekommen. ES wnrde eine Kommission gebildet, bestehend aus Louis Marsh a l l, Nahum S o k o l o w, Ar. T h o n, M. kl s s i s ch k i u, Lucren Wolfs »nd CvrnS Adler, die dre AufgaSe hat, sm diesbezügliches Me»esr«mdu« mMrarbeiton, da§ dom segenwürüß iitPärrSweilendenpotwfchenMmisteepMdMMiPad arewSkr überreicht werde« soll. Die Laße in Bayer«. 5 Bvrlkr, 25. Atzrck. (Tel. der ^Wr. K o m m u n i fi e n t r « p p e u marschieren gegen Augsburg. GS heißt, daß RegiernngStruppen abge- «äugen sind, um das weitere Bor gehen der KsmmuMe« zu verw.denr. Aach der arößeve Teck der Garnisv« v»n Bamberg ist gestern cm die Vkstuchenrr Front adgegau-««. In Bamberg besteht tiw stencke B ü r g e r w.e h r. — Wie das „Berlmer LaGchtatt" »rstchvt, wckl die üchrifche R st t er e g irr ung eigene Banknoten im Bowage von ISS W i l l r o « e n V a rk henmsgchv», m» fa der GeVkÄamM & Mtk MHit die tKtöfas»**«*'« U>«c im bk SmewhW« d« Stchst«ch«chn die TwMntzr der Mrvre-»e«mg,, — Die Kegiewmg Mumm mstt m Rach' vrch t e« b l a t l hEiS, da» über München absowachsn wrrd. Neus Umvn$$m in Wien. ' HerMkehrerverssmmlrmst.^ — Sttfammenftige mit der Vylkswehe «wd Polizei.! — AVKplM-ermrg VGA PaßKRte«. -- DeMVlisrNUg -es ErrfL INLerNsLionsl. —! Drei Schmer-, neun LeichtoerletzLe. — Schießereien. — Brrnhigen-e Sv-j KLLrnngen -es StssLskanzLers. | Die Ksstrl^ der He-mrstihrsr auf dem Nathausplatz hat wieder MaHge Szenen Kezettigt, deren Ursprung, utch G«de m keinem Zusammenhang mit dan Fs^-erU-nga« stsho«. die bte NrbeitS^sen und Jnvalkde« aufgestektt haben. Die Mhver der Lsmmunlstischen Part« lehnen jede Verantwortung für die Exzesse ab, deren Schauplatz gestern einige Teile der Ringstraße und der Tob-rstraße gewesen sind. Sie zeigen ausrichtiges Bedauern wegen des. vrn neuem und übens-o unnötig wie mn GründonnerZbag verflossenen Blutes. Aber doch muß festge^altö» Werden, daß sie die inbettektuell DeVantwertlichM dafür sind, daß unreife »wirre, verhetzte BorstadtelAyeube ein Opfer von unsinnigen Schlagworten geworden sind und die Theorie vom EnwitzWu eben nach ihM Unschauung in die Mrklichkei-t rrmzusetzen sich unberfi«gen. Die gestrigen Unruhen haben ihren Anfang in derselben Stunde genommen, als die uizglürklichen Opfer der lehten Schießerei vor dem Partsment^ fünf in Ausübung ihrer PMcht gs^klene Poli-rstsn,' zu Grabe getragen wurden. Die Hetzreden wurden an Lern selben Tag gehalten, an dem die NationalverscnnMlurrg durch die Bewilligung von etwa 380 Millionen Avonen. für Invalide und Hinterbliebene den ernsten Willen dokumentiert hatte, doch einigermaßen die Heilung, der Wunden zu versuchen, die nicht der Staat Deutschösterreich, sondenr das verfluchte System der Monarchie geschlagen hatte. Welchen Sinn hatten unter solchsu Verhältnissen die gestrigen Szenen? Drei Schwerverwundete, sieben Leichtverletzte sind das Resultat. Im Namen welcher Idee, für welches Prinzip haben. diese Leute ihre Gesundheit -eingebüßt? Man hat gestern die Pflicht üöernomrnen, die arnm; Kriegsopfer für Lebensdauer zu versorgen und hat gleichzeitig Maßnahmen ins Auge ge faßt, den Arbeitslosen Bechästigung in, den Fabriken zu schaffen. Wenn sich Ereignisse wie gestern wiederholen sollten, dann ist die Widerstandskraft unserer Wirtschaft s) gefährdet, daß eine Einhaltung der von der BolksVertretung und der Negierung übernsMmemm Aso^ftichmnZen in F^age gestellt e-rscheint. \ Nachstehend d»r DsrM; v Gestern nachmittaßS war vs« b*a HEsch-E. mvalkden und AöarriOsten vor dos RachauS «me Bersamnckuug einderufr». die- W« Fordnamgen dieser Gruppen berate« ssSte. Die Brrsamncknng sewsi, der d-er mehrere Redner spräche^ war von et w a S0sS Personen dr-nchr. die den Platz; nicht vanz EEi. Derh-efti«? Nege«, der nach 8 Uhr nifderging, s kneb dn Uers<nn«l»mgKreMchme0''M«ter die &tfAben> j Beim Burgcheawr hatte sich ein Häuflein NenMenger anaesamrrulr. ÄHMt «»ch den Ankchem, als sollte der yesing« Tag i ruhig verlaufen. Die Mrechterhalkmrg der Rühr und Ordnung beim Rathaus und beim Parlament war in die Hände der Bolkswehr gelegt. Um cnva 4 Uhr löste sich die Versammlung aus, mü> es wurde die Parole gegeben, mmi Denronstrattolrszirs über den Ning zu veranstalten. Dieser Dcnwnsiratiouszug war reich au kleinen ZrMschensätlen, über die em Augenzeuge iicnditet t Schon b«m Burgtheater starrte sich der Zug Md nahm Anstoß an der A b s p e r r tt n ja doS. Bn g'.heaterS mrd der m das Innere der Trabt Ktzreüben S<raHe«rellen dinch die Volkswehr, die allerlei Zmüfe zu hören bekam. Dann machte dir Menge bei der LöwclsteaHe eenen Versuch, in das übgüMrtL Tradttmttve yn dringen; doch der Versuch schlug seht. Arrch voe dom ParLamenie . kam eine kurze Stnurrng, uamentlich an der rechrsseitigU! N«»npe» Der Zug wuchs nn Äeuerschretten imnier mebr an und zählte mehrere tarne«- Köpfe. Er f88re die Strabenbreite derarr au», daß dr« StraKmo.chn erst nur langsam verleb reu kanute mW dann streckenweise ganz st rsilr stehen mußte. Dre Ourrg'affen m her SLadt vxmn dmchwcgS abgesperrt. Dre Dernonmantön sahen die Bolkswchlkordons und richteten an sie descknmpfWde 8«*nfc. Au verschiedenen Stellen versuchten groste TreWV» die Ksrdons zrr durchbrechen. Auf dem Operurmg wurde em GtKdeschrchME, der m dir Mm^e gesarn, war, m i ßhandelt. S«m Gewchc wmde ^drochM. Ms der Kr- -or -a- Hsiol Bristol kam, statte er wwder. Mm rief zu d« F«ch«« ftgtttö Tchinchchvotte lp«aui. » ' . Aus dem Ballrow sahen E^rLenLeostirere m MmklUnisorm dem Treiben zu und warfen Z'garretteu zur Menge herab. Rur langsam wälzte sich dieMechchenwoge werter, mn'Mlmld wteder be, der Akademrestraße Halt zu machen und abermals eine« Mkuch zu mirnmebmen, dc>Z Stadt,nnerc zu erregen. Metzer ktz«e sich nach mehreren vergebltcheu Benucheri der jM. der schon st» mehrere L«te gespalten war, m Bewegung. Gr kam bist» toe Grgevd dr- Schwarzender-plaM, wojw'w m der Menge «»tzekrckt stand«». Au Soldat steNte sich aus das Dach eines „V--W«gens »md HW m« Ansprache an die Menge, in der er sie erwähnte, die TotlLSt'.^aüo« nchig zznn SraaiLamt für Heettmsen fortznschk«. Be! d« Flchttga^e »Aternahm dtk M-mae abermals rme« Besuch, m der Grafit »« gelang«». Anch Wr hielt em B-Muchr^vdon die Leute auf. ES km 5« varsihiedouin Saadssmerrgou mit ck»rÄ»m» Seadeschuiklnitrn, Ustd danach sah «rm «ms d« Straße »ncheave -eibrochene Gewchrr Auch ta d«r JotzaESgaste w«ß« der Besuch mkterna««mr, d« Kette der BaMmchr « dmMr-chen. vm etwa l/,fi Nhr harte der Zug dsS SkakSamt Hr Heenveim erruckt. Man sah d«wt BaLkwrV-atz-rabdailuuFON «eit m der E»rchichrt sich«». Bsr den» SkatSouNr fianre sich de« Waffe. Gü »riÜAr auch den Geeag Koch-Vlatz. Der Sacke! des Radetzky- UlMNNWnaevi war dicht beseht. Am d«r Evckrl« der orcherekrsurschvn m de« du- A^l»-«» stsnd«» die stmtt. Ns« Sachck M»LM«4«Ds tzusab dirtwvr mehrere A e d « e r Ansprachen. Es w«rde dsu« be!Ä-fsM, eine Äba^xmeg m d«S *« Msednnng i wrwde gewiM «rt» dn tSJkflrftS htwvte dre war »S 6 Mr geworden. Da trat ein Redner ans den Sockel und teilte nwt, daß Staotsiekretär Dr. Denst'ch bei eener K »E f'e r en z s e i, daß aber der Adjutant zngesagt habe, daßdie DsKSwehc im Gtaa^rmt bis auf einen Mann, den gewöhnliche« Paste«, Mrückpozoflkn werde. Diese M>tteck,mg wintze mid. BeüaL mtigenornmen. Der Zug ti-pke fick m Bewegung. Dielewaren -schou vorher abgebröckelt. Biele bestiegen jetzt dir Straßenbahn'-n. die ,m 9?n überfüllt waren: andere bogen gegen die- Landstraße ab, viele Lehrten um. Plötzlich sah man vom Franz! Joichs°Kai aus grotze Trupps gegen die Taborstraße laufen. j •- Sfi Man konnte sich den Weg nicht erklären rmd mußte nur annehmen,: daß dre Fortsetzung des Zuges über dre Ferdinandsbrücke irgendwchchm unausgesprochenen A b s i ch t e n gelte. Die Ktz'erwLrSs in der LeopsLdstadL. j Dem Zuge, welcher sich der Taborsiraße zuwendete, ge-^ SMett ha trptt'ächl ich b a l b w ü ch s r g >> Elemente an, die ssssrt Hegen alle bester gekleidete« Passanten eine drohende Haltung ernnohmm, so baß es schon auf dem Wetze zur Taborßraße zu Zusammenstößen mit e» n z e l tt e w Passanten kam. Die Geschäftsleutem derTaborftvoKe hstton a»rs Besorgnis vor den Demonstranten rasch ihre Läden geschloffen und auch die Passanten flüchteten in die HauStore, die alSbalda e s ch l o s s e n wmden. An der Ecke der Negerlegaffe Md. Tsborstraße befindet sich das Caf4 D»,rbaum lirüher Jute r-, n a t i v n a l), welches seit der im Monat März seitens deÄ SraatsamteS verfligten Schließung den Besitzer gewech elt hattv/ und in welchem seit seiner Wiedereröffnung ein gut bürgerliches- Pubbknm verkehrte. Als die Menge au dem Kackeehaus vorbei-,- km, stürzte sie sich auf Fenster m»d Türen des Lokals, demolierte dieselbe rnit Steinen, die sie einem zufällig vor dem Hause liegenden Steinhanfm ent»! nahm, drang dann in das Kaffeehaus ein und schlug alles kürz; rmd Kein. Die Menge wandte sich sodann gegen die Besucher! des Casts, das gerade sehr gut besucht war und ' plünderte die Leute unter Mißhandlungen. Einzelne Besucher wurden zu Boden geworfen, gewürgt und ihrer Barsch« ft und » h r e s S ch m n ck e s b e;- r a n b t. U h r r n, R i n g e, Geld, kurz alles, was die Leute bei sich b a t t-e n, wurdeihnen entwendet. Hieraus wurde die Garderobe geplündert und alles ge*' stöhlen, waö der Menge in die Hände siel. Das Kaffeehaus, welches isst eine Drertelstnnde lang der Schauplatz dieser wMe« -Szenen war, glich einer Trümmerstätte. Die Marmortische waren?erschlagen, die Spiegelscheiben zerbrochen, Tische und Stühle agen bunt durcheinander. Der Zählkellner, der mißhandelt wurde, beklagt den Verlust semer Brieftasche mit S700 einem Kellner wurden 1000 K, einem anderen Kellner 200 e wrggrnommeir. Unter den Mißhandelten befindet sich der bekannte Gastwirt O p p e r e r. Die Büste flüchteten durch den rückwLrt-kgen AnSganft, da sie für ihr Leben fürchteten. Einer d« Exzedenten batte von einem vorützerfahrenden Straßenbahnwagen die efferne Stange, mit der der Wagen sichrer die Weiche zu stellen pflegt, an sich genommen und wütete wie ein Berserker. Der PaHanten in der Taborstraße hatte sich ungeheure Aufregung bemächtigt. alles flÜchtett. Eiizzelnen bester gefleideten Lernen, die da- Unglück, hatten, der Menge zu begegnen, wurden die Kleider b u ch st ä b l t ch v o m Lelbeyerissen. Erst das Eiy< schreitrn der BolkZwehr, welche auf die Menge mehrere Salven abgab und nach Verwüstung des Lokals durch eine größere Anzahl-b^ rittmor Wachleute verstärkt wurde, machte den Szenen em Ende.- Arrch auf dem Ferdinandsplatze kam es, nachidem die Demonstcantm ans der Taborstraße zerstreut worden war SA, zu ehm: Schießerei, bei welcher es .! mehrere Verletzte gab. j Die ^NettimgSgesellschast intervenierte in mehreren Fallem Dre Fnvalidsrr beim Staats Kanzler. / Nach der Bersammlung vor dem Rathmrs erschien eine drti" vliedrige Abordnung der Invaliden beim Staatskanzler Dr. R e n n e r. Der Staatskancker teilte der Deputation nnt/ dre Nationalversammlung habe das Invaliden- > gesetz zmn Betchluste erhoben... Dieses werde am 1b. Juni in Krsst treten und von diesem Tage au werden die In valid enr e n t r n aasgezabl^ werdm. Die Natronalversanimlung hat B»» ^äg« fftr die Inv»sidru beschlosien, die unser klmuS räch arm^ Stsatewksen furchtbar belasten. Der StaatSkanzler verhehlte jedoch nicht die S o r g r, daß durch innere Unruhen btr Staat so g es ch w.ä.chj werden könnte, daß er in Monaten oder in späteren Jahren daL waS er gerne leisten wolle, nicht mehr geben könne. Die Invalideuschaft hat das gebieterische Jntereste, dafür zu isorgm^ daß die Republik, die nnn freiwillig die Pflicht der Versorgung lllwrnotmnen hat, auch in der Lage bleibt, sie ständitz zv erfüllest Eine a l l g c m er n c A u f l o i u n g würde dre Juvaleden emer mrgewisteu Zukunft entgegeuführen. ‘ Der Sprecher der Abordnung anerkannte, daß das Gesetz nicht früher in Kraft treten tonne. Aber bis dahin seien bte Invaliden wieder im Nugewiffen, Der SMatStanzler teilte daraH rmt, daß er dem-Zentralverband der Invaliden e i n e M i l'l i a n Kronen mit dem Aufträge zugewiesen habe, i u d r i n g v ui . d e n F ä l l e n den HilfSbedüririgen be'znstehen.! Dre Abordnung der Invaüdm nahm die Aufllärrmgm des! StaaMa«-twK dankend entgegen. Rrrhe am- Mend,! AlmedS Unrd nnS snoch gemeldet: Die Wl der LeichtiMiletzten betrilgr neun. Drei Polizisten und ein Stadtschutzmann wurden verwundet. Fünf Perimren wurden wegm Dtebstcchlsmchrere ärgere wegen Wachebeleidiguug verhaftet. Auch im Caf4 Rappaport «der Obererr Donaustraße umrde« Käste durch Demonstranten ansgeraübt. v« » Nbr abends war überall die R n h e w i e b e h e r g e st e l l t. Die Vokk-wehrforrnatisnen und die PolizeW komttm m diese Zeit w eder «mrücke«. Der R e-terun - verlsntbort abends eine Erklärung, wonach B e r s a m m l « n g t « unter freie« Hrmmel zur Zeit derTasnna deSParlam e u r e S gesetzlich untersagt find. Sie vcrlavgt d:« MrchM des PMckiMS Im der SMattgwtg dieses Lkchigs.