Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 97 (26.4.1919)
- Date
- 1919-04-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der tiefere Diniergrund dieses Streites ist natürlich der alte Kampf zwischm Jugoslawen und Italienern um den Besitz der Ostküste der Adria. Wir haben schon im gestrigen Frühblatt daraus hingewiesen, daß es sich den Italienern vornehmlich darum handelt, die wirtschaftliche Zukunft Triests zu sichern. Pie italienische Delegation in Paris hat trotz ihrer soscharf klingenden Erklärungen noch immer nicht die letzten Konsequenzen gezogen. Zwar ist x Ministerpräsident Orlando abgereut, doch ist andererseits der Minister des Aeußcrn, Sormino, in Paris zurückgeblieben, und es liegen auch schon Meldungen darüber vor, daß die amerikanische Diplomatie im Verein mit der englischen eifrig um die Beilegung des Konflikts bemW ist. Eine Sprengung der Friedenskonferenz würde im gegenwärtigen Augenblick wemger eine Katastrophe der Diplomatie als eine solche der Friedenssrage überhaupt bedenten. Die Friedenskonferenz Hst sicherlich dmch ihre ver- «ltetm Arbeitsmethoden, dmch tzre Unkenntnis der nationalen und wirtschaftlichen Berhältnisse in - den besiegten Staaten außervrdentlfehe Fehler begangen Aber sie hat .von Frieden gesprochen und es waren gerade in den letzten Tagm Anzeichen dafür HMerkbem bM-bstl Üchen Gefahr bewußt fei, welche in einem Scheitern ihrer Verhandlungen liegt. Die Ereignisse in Ungarn und in Bayern hatten zuerst die Verhandlungen der Fttedenskonferenz . gelähmt. Man fürchtete ein ßusammenfchlagen der ksmnrunistifchen Welle über Deütfchvsterreich, und dies wirre wohl auch für das heutige Derrtschlcmd der Anfang vom Ende gewesen. Daß Wien ruhig. gebttoben P, bedeutet für die ganze Wät weit me^, afe» wem im ersten Augenblick annehmen sollte. Wien ' hat tatsächlich in einer sehr Kritischen Phase, die alle Errrmgenschaftm der Friedensberattmgen —- mögen sie arrch noch fs M-rlich sein -7bedrohte, KaltblM^keit bewiesm und dadurch die Friedenskonferenz erst in den Stand versetzt, über die Schwierigkeiten. des Augenblicks hinwegzukommen. Es gibt )s m dm besiegten Staate,: Leute genug, die ein Scheuem der Friedens- . Konferenzzu Hellem Jubel begeistern würde. Es bandelt sich hier vornehmlich um die alten, noch immer nicht Mgewordensn ArmexionPen im, radikalen Lager Deutschösterreichs und in Deutschland, denen es nicht blutig genug hergehen fcmrn, die jede in Paris begangene Entgleisung mit hämischen Glossen begleiten und von einem neuen Krieg schwärmen, dm natürlich nicht sie, sondern vas Volk schlagen müßte. Es besteht eine gewisse geistige. Verwandtschaft zwischen diesen Elemecken, hauptsächlich Wortführem der Rüskrngsindustrie, und den kommunistischen Kneipenschreiern. BMe hsf?M auf einen großen Kladderadatsch, imin der aSgeckeinen Verwirrung ihre sehr «rgsipischen Interessen zu retten und das dann kommende Dlutö'sd dG« §*t benützen, entweder die Monarchien wiedÄ mchckichie« oder-dm ranzm hMÜKm TW»«t dar GsMschsft A Stücke z« Die Friedmsksnsskmr hat sich M KMnng sttüügon MSE ecke «in mschMische Arbritsart lechtgelsgt. Vre hat alle Problems irn Gnzelnm behandeln rvs^en und hat Worschm, daß alle Nutzen, hie aus denr Krieg entstanden Md. ob sie nrm tsmtonaler, politischer oder wörtschsftKchrr Naim Md, im innigsten Zusammmhang miteinander stehen. Die Midtiroler Frage zum Beispiel Iwm nicht als «Uw zwischen Tirol und Italien zü lösende Mgelssenheit betrachtet werden, sondern ist ecke Frage des xsnZen italienischen .und deutschen Dolcka. Die Rheingreme Kann rnrr unter einem mit dm Oststagm behÄndest und geklärt werden. Ebenso ist dss Probfem Borderasisns, Syriens, Palästinas, Arabiens ratr, als M Teil drr yanM asiatischen Frage zu behandeln. Diese, die Zu- . fammenhänge aus den Augen verlierende Be- | rgLMssM. wrMe. WhWM»err«S. M, ..MMjMlÄM- J mM .wM lMe KemW Neue StratzeNUnrnhen in Wien. Geftemr kam es im Anschluß an eine HeimKehrerversamMlnng wieder z» schweren Anrn5)en in der Smdt und im zweiten Bezirk. Drei Personen wurde« schwer, nenn leichi verletzt. Das Cafö „InLermrtisnnL" in der Taborstrnße wvrde von der Menge geWeM Abends trat Ruhe ein._ w ' MHaMaaaHmMPWMMBMi Keine Einlösung der FSLigkeiten der alten Monarchie. .. Die FruanzverwalLANg wird die MaMLigKeite» arrkarrfe«. Amtlich wird mitgeteiLt : Ms dsntschMerreichische Rsgierrmg ist, dnrchdrnngsn von ausschlaggebenden Vedsntnng der Aufrechter Haltung deS Staatsschuld e» d i e n st e s für den SLsatskrsdit im alLgemeinen und für die dentschSsterreichischs VoULwirck fchaft im bsfondsren und in Wahrrmg der fchntzSedErftigsn Tntereffen ihrer Staatsbürger entschLMen, v o r b e haltlich fpStererVerrechnnng vorlüufig für jenen Teil d«S StsatsschUldendrenftes^ vorZusVVgsrr, dss dem rvohltzerftandens» dentschSsterreichifchen Znterest^ sntfpricht. DeMgeMÜß muß dis Mnanzveswar^mg Mar dis EinLSfnngvon^ülli Leiten des altsn SLaatSschnld iw 3 »lande ei«stellen, sie wird jedo znnachst die MaifÄLligleiten, soweit bei deren Honoriernng ti dentschSftsrreichifchsS Zntsresfs gegeben ist, zum volle» Ti l s f UN g SS s L r a ge im Tn lern de anZanfen. Uür die Abgrenzung dieses ZntsrsffeM war der GssichLspunA Maßgsberrd/., daß die wirtschaftliche Bstatrgnng des ZnLkrsffente« fich^ in der Hauptfachs in dsm dentschWerrsichisch verwalteten Gebiets oder in dem Gebiete einesj bsfVEndsten 'oderneMaLs»- Gta'atoS^^tM-istt. Zn diesem Sinns find Verfügungen gstroffeÄ wsrdsn, dsrsn FnSalt in einsr dLefer Tag s erfchsLnsnden KundMachnng deSi Stsatsamtes^ der Mnnnze» zur,PMKetttrrchMA selangsrr.-Ln dieser Kundmachung ist übrige»^ .auch.. vosKasehsn, daß FMigZÄsn/M ' gsringfWgsren Bst-Mgen zur ErLeLchLer«ns deS ' Lohrs ohne wMms .MrmaWMn augMuft werden/ •- -V, ' Rothziegel iw KsMpf gegen die RuMtiWLN- , gßfnUen. > - GrTße Verlmste des Wiener Bstat^z Lsns der rrngarifchLN MsLerr ArMee.^ s Budapest, 25. April. (Tel. der vWiena Morgenzeitung".) Der ■ VoWZommisfür für ZnnereS, Bsla Vs go, erARrte heute in einer Ansprache, daß das erste Bataillon der Nstsn- Garde, in welches die Wiener Wehrmarrnsr eingeteW waren, fich gegen di« N jm K rs s n in Heldenhafter Weife gehalte« und Lsidsr>d«BeL große Verluste erlitten habe. Ms Führer, Nothziegsl, hat an der Witze' seiner TVAppeu deu Heldentod gefmch^r. 'I mehr die Friedenskonferenz bedroht, ist der Kanq^ um die Adria. Es handelt sich nicht um die ziemlich nebensächliche Frage, ob das Londoner Geheimabkommen vom September 1914 von Amerika anerkannt wird. Alle.Abkommen haben im Verlauf der Geschichte der letzten vier Jahre eine so kurze Lebensdauer bewiese«; daß das berüchtigte Wort Bethmann-Hollwegs von dem „Fetzen Papier" oft genug dmch die Tatsachen bestckiZt werden konnte. Das Machtstreben ist eben stärker als alle BerträZe, besonders wenn es von den Generalen stsgreicher Staaten dazu benutzt wird, ihre Glorie noch M vergolden. Es sind eben noch immer Diplomaten der alten Schule an der Arbeit, die an; die. Beratung des Friedens mit dem ganzen Rüstzeug der * Geheimdiplomatie herantreten und die Besprechung heikler Fragen nicht im Licht der Oeffentlichkeit, sondern hx der vornehmen Kühle des siebenfach bemachte» Verhcmhlungstzrmmers vowehmen wollen. Die Völker^ wm die es sich hmrdelt, erfahren immer nur von Beschlüssen. Ihre tiefsten und Mksten Lebensinterefsen. können sie nicht selbst vertreten, und so ist der Fall. Linaeireten, den Präsident Wilson für ewig ausschließen wollte, daß nämlich die Völker wie Schachfigmech behandelt werden. * \ 93fei Unglück ist aber auch dadurch entstanden^ daß ck selbst trotz seiner republikanischem Entwicklung ebenfalls die Methoden der Geheim,»^ dmismÄie rmgeweirdet winden. Herr Scheidemann hat ebenso geheime Verhandlungen mit den NachbarsiMhU LvW^Mn, von denen man nicht weiß, ipoj&itr Ms %tt SsmMerzett. ■ Amtlich wird verlautbart r Dls VoZlLngsds5.'.S-tiLntsregierung vom LF. ApsA We« tzck ErnMrMZ vee SommerW' Me LckD' Fnhv 1919 wird;« » ß>e - K r a:f$\‘ g e s e tz t. Djsse BoAMKKÄsrweLfUNg tritt^ .ML bsm Täge Lheer KnvbMKchrmg in WlrLssmkei't. / Le«Mg HMÄerrdiLtt. h Krakn », 25. April. (Tel. der „Wr. Mor- «ckzMrng.".) Vsri?§ftern - und '' gestseu' nichts Neschsffsn hU Mrsmer Vsn Äer »SrMchs» SsAs f-setgsfetzL dis^StiLdt Lemberg. - In der Fösrows.Ntzs.M rvArde»' -nmn Zivilpersonen getZtst.' . ' i: Reizungen und Konflikten führen, welche bald'da, bald dort in Eyropa ausbrschen. und auf die Friedenskonferenz selbst rückwirkten. 'Die Fronten in Mitteleuropa sind durchaus noch nicht so starr, daß sie derartige Belastungen vertrügen. Auch ist die Rauflust unter den KleinM Rationen noch immer M stark, als daß sie den säterliciM Warnungen der Pariser Konferenz Gehör schenke» wollten. Cs hat sich übechmpt während des ganZen Bsrlaüfts der Bsrsttmgen, die am 22. Jänner ihren Anfang genommen haben, .eine grwGe NatlosigkeiL m^er den m Paris versammelten VlscksnErnrern Kezeigt, die ihren Grund ck der verblüffend«« Welifremdheit und Mgefchlssfönhert der Frisd«wkonferönz findet. Man hat dies gersdz bei der vKAStifchen Ksge sehen können. Erst wurde gedroht, dann wNsve General Gmubs nach. Budapest mtfMdst, um sinm MMchsn Mwgleich M vereinbaren. Abs ftzcke Msißsn scheitelte, ließ man di« Rumänen Vormarschi»E, während Tschechen und IugoflarVen den Auftrag erhieltru, Gewehr bei-Fuß ftelzm zu bleiben. Daastlbe Zaudern Hut sich in verr Mehrfachen KvnMferr der WaffenstillstandsÄHmmiffionM in Spaa mit den dsntfcheu Unterhändlern ssfmKLct. Die FriedMsLsnferMg machte imurer drei Schritte vor und m Schritte zurück. Und sie hat. dadurch das in Deutschland s^rehck sichsn beftehrnde Chss« derart verticsh daß die Berwirrunz eMe .all^?Msme geworden sit und daß in D-eutschlar^ ^nstünds sind, die von der söi%m Ar-'llösung der Gesellschaft nicht dsr mw