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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-24 · Heft 95 (24.4.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 95 (24.4.1919)
Date
1919-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Sie haben sich wohl unmittelbar nach dem Zusammenbruche einige Zurückhaltung auferlegt, jetzt wagen sie sich wieder hervor. Ihre Herolde lasten wieder ihre Stimmen ertönen und predigen aufs neue den Krieg. So unglaublich es klingt: Die Organe der machthungrigen preußischen Soldateska und beutegierigen Schwerindustrie agitieren für einen neuen Krieg! Im alldeutschen „Wiener Mittag", welcher, seinerzeit vou reichsdeutschen Schwerindustriellen zwecks Hebung der KrieHsluft in Oesterreich gegründet wurde, sielst es in Nummer 204 schwarz auf weiß geschrieben, daß die Alldeutschen einen neuen Krieg herbeisehnen. In einer Besprechung der seitens der Entente gestellten Friedensbedingungen heißt es: „Es liegt für uns absolut kein Grund zur BerzrveiMng vor. Je unsinniger die Bedingungen in territorialer und finanzieller Hinsicht, desto bester für uns, denn ein solcher Friede wird ob er unterschrieben wird »der nicht, von keiner Dauer fein." Und weiter: „Im Reiche twie bei uns hat man überhaupt nichts mehr zu verlieren. Wir stehen heute dem Nichts gegenüber und können daher mit vollkommener Ruhe den Entscheidungen der Pariser Konferenz entgegensetzen." .Vom Standpunkt alldeutscher Imperialisten besehen^'ist freilich nichts mehr zu verlieren. Der Plan, dst ML.von „Hamburg bis Bagdad", von zder Nordsee Nszum Indischen' Ozean"' politisch und wirtschaftlich zu unterjochen, ist gescheitert, und die Leute, welche in seiner Verwirklichung ihr Lebensziel erblickten, haben tatsächlich nichts mehr zu verlieren. Ihre Welt ist in - Trümmer gegangen, sie müssen an der Entwicklung verzweifeln. Und in ’biefer Verzweiflung klammem sie sich cm den wahnwitzigen Gedanken, ein neuer Umsturz, ein neuer Krieg könnte ihnen bringen, was ihnen eine ruhige und gesunde Entwicklung für immer versitzt. Aber die Anschauungen enttäuschter Machtlüsterner taugen nicht für Völker, für arbeitende und leidende Menschen, und wenn es gelänge, diese Anschauungen in'die Masten zu tragen, so hieße das, diese Masten vergiften. Wenn die gestürzten Generäle, ihrer Allmacht beraubten Diplomaten, Bureaükraten und Höflinge, die in ihren wirtschaftlichen Machtplänen eingeschränkten Schlotbarone und Börsediktatoren nichts zu verlieren habtzw so hat-das Volk unendlich viel zu verlieren. Wtzr Kag, um welchen die Bölk'erverföhnung hirraus- Wchob'en wird, bedeutet für den Arbeiter und Bürger »chenölich schweren Verlust. Er bedeutet: lähmende Isolierung, Arbeitslosigkeit und Hunger. Und weil her Krieg das Elend bis hart ent die Grenze des Erträglichen gesteigert hat, bedeuten heute Stunden mehr als früher Jahre. Die gestürzten Kriegsgewaltigen haben & wahrlich leicht, die Unversöhnlichen und Grollenden M spielen, im warmen Schmollwinkel zu trotzen. Sie alle haben sich genug gerettet, um ihre Kinder, mehr als ausreichend zu füttern, M kleiden und erziehen zu lasten. Ihr Herz 'ist traurig, aber Tisch rst gut bedient; ihr .Sinn ist trübe,>aber ihr. Ofen ist geheizt und ihre Glieder sind in warme -Md' feine Kleider gehüllt, wenn. es auch Trauer- Kleider sind. Das Volk jedoch hungert und friert, fern Teuerstes, seine Jugend siecht dahin, geht körperlich und seelisch zugrunde. Nur der Friede, nur die Mlkerversöhnung kann Rettung bringen, und um dieser Rettung willen kann kein Friedenspreis zu hoch sein! . Man hat das Bock in Oesterreich so weit gebracht, alles Fremde zer hassen, und das Resultat war der entsetzliche Krieg. Er halte nie kommen können, wenn die Erziehung zum Haß nicht so gut gediehen rpäre. Nun ist Oesterreich besiegt und die alten, ' schlechten Lehrmeister machen sich daran, neuen Haß zü predigen; sie wollen das Volk dahin bringen, den Sieger zu hasten, so wild zu hassen, daß eine Versöhnung unmöglich wird. Sie Zischen ihm die Kunde von jedem Uebergriff der gegnerischen Soldaten und. Diplonwien giftig ms Ohr, senken jede zugesügte Demüügung tief in sein wundes Herz. Es soll und darf nicht sehen, daß auch die Sieger Menschen sind, es soll und Lars nicht daran glauben, daß die Ge- Kiew von den Ukrainern MrürkerMert. Stanisl <rn, 28. April. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung".) Die Ukrainischen ReZiermrgsLöupPen unter Befehl des AtLamans Z e l e n y k haben Kiew den Bolschewiken Entrissen nnd. die Sta8t besetzt. Rar der GüLerbahnhof ist noch im Besitze der Bolschewiken. Die Mrainer beherrschen jetzt die Eisenbahnlinie Kiew—Konotop (Stativ« auf der Strecke nach Moskau). Generalstreik in Irland. - Sswiet in LimerM. — BLLagernugszrrstand. — StLLte ohne Licht. Rotterdam, 23. April. (Korr.-Bur.) Der „Nienwe Rottsrdamfche Courant" meldet '[ London: Der Streik, der in Limeri Ä (Irland) als Protest gegen die mMLLrifHej^ Maßnahmen der Behörden ansgebrochen ist, nimmt einen immer schärferen Charakter an.'. Der Streikansschuß ist tatsächlich ein Sowiet. f ' Bern, 23. April. (Korr.-Bur.) Wer „Tsmps" meldet aus London: Der General streif in Irland dehnt sich auf ganz SüdirLaud aus. General Sharp wurde zum KsmMan< dierenden der britischen Truppen Ln Irland ernannt. Er verhängte de« BelagernNgSff? zustand ans weitere Grafschaften, unter anderen auf Cork, Limerick, Kerrh Tipperarh. . ' Die Vertreter der Eisenbahnersyndikats haben Überall den Generalstreik pwNapck«^ Sine Anzahl irischer Städte find ohne Äas, Elektrizität, Brot »nd Milch. Paris, 23. April. (Tel.-Komp.) Die Pariser Ausgabe des „RewBork Gerald" SffentlichL Informationen über die EntwrLrf e der wirtschaftlichen Kommission^ Diese Vorschläge beziehen sich au? W Regelung der int e r nationalen H* hun g e n-Mnd nüf/die^MWahWMM Vertage, -dLe^dnrchden arDep waren, auf die Regelung des Besitzrechtes auf dem Gebiete der Industrie nnd Kunst und M E r l e d i g u n g f ä m L l i ch e r V e r b i« d l i ch k e i t e n, deren ErfALnng als Folge HM Krieges nnterblisben ist. Einnnd Ausfuhr der Staaten wird auf der Basis v .ö l l i g e o G l e i chh eit n n v Fr e i heit gesichert und von allen Beschränkungen, besondsrs VNvchd die Aufhebung der indirekten Methode, die vor Kriegsausbruch von Deutschland benA^ w^rrde (Ausfuhrprämien, Sondertarife) befreit werden. Die Uifchersi WÄ unter Kontrolle der Seemächte gestellt werden.;J / Unruhen in Indien nnd Aegypten. -; Eiue organisierte AebeAlo«. B e r l i n, 23. April. (Korr.-Bur.) Die englische Presse vom LS. d. M. berichtet über ein weiteres Amsichg reifen der Anruhen in Indien nnd Aegypten. Es Lasse sich nicht me^r leugnen, daß es sich um eine offene organisierte Rebellion handle. Die Aufrührer haben es besonders auf die Z e r st S r n n g st r a t e g i s ch wichtiger Verkehrsknotenpunkte abgesehen. j Ungarische Kriegsgefangene i» Ostgattzien entwaffnet. Z S L a n i s l a u, 23. April. (Tel. der vWr. Mvrtztn^ Zeitung".) Eine Abteilung « n g a r i s H e » Kriegsgefangener, die von ^ee Moskauer Regierung bewaffnet worden waren^ versuchten sich durch dieAkvaine nach Angar» dnrchznschlagen, um der R ä t e r e g i e r n n g i« Budapest zu Hilfe zn kommen. Ssir wurden jedoch bei Podwoloezyska^vM! ukrainischen Truppen aufgehatten nuv eMtz). waffnet. 2SV6 Ungarn wurden ohne WaffM . an die ungarische Grenze gebracht und iWr .! Regierung übergeben. Geiselnaushehnng in Ztaab und Papa. B ruck a. L., 23. April. (Tel. der „Wr. Morgeuzeitung".) Der revolutionäre Arbeiterrat von Raab hat 53 Bürger als Geiseln festgesetzt. In Papa wurden 17 Geiseln ausgeboben, die im Felle einer Gegenrevolution erschoffen werden sollen. SatorÄja und DebMezW B r n ck a. L., 28. ApM^Ml. dpr.„Wr. Moesseuzeitung".) Aus Budapest wivo Hierher gsMeldet-B daß Satoralja-AjheLtz von fremden Truppen besetzt worden ist. In Dsbraetzi« sollen die Rnmäneu Äp^evück^ Mrr. kechtigkeit stärker ist als Siegestaumel und Siegerlaune und der Besiegte schließlich zu seinem Rechte kommen muß. Vernunft und Menschlichkeit ringen sich durch, langsam aber sicher. Die Entente, welche Wien vernichten.wollte, ernährt heute die unglückliche Stadt. Vernunft und Menschlichkeit haben die Rachegier und den Uebermut de^ Sieger^ bezwungen. Es beginnt licht zu werden.. Aber die geschlagenen Finsterlinge drängen sich vor das Volk, sie verdecken, seine 2lugeü und verstopfen seine Ohren. Der wanne Hauch der Versöhnung soll nicht zu ihm dringen. Es soll nur verzweifeln und hassen, damit es wieder reif werde zur Knecbtarbeir nie Militarismus und Kapitalismus. reif werde zur Schlachtbank, reif werde für Unerr neuen Krim. Es ist kein Zufalls daß die ttaungen, -chreg^' hetzerischen und revanchelüsternen Gesellen AmWmten sind, und daß ihre Organe das Judentum'?glM' vet< leumden und befehden. Es ist kein Zufall, daß der „Wiener Mittag" mit der Forderung neH deck; Revanchekrieg die Forderung nach: PogchyM H^ bindet. Ein. 'richtiger - Instinkt läßt diese-'HeÄe! W'W'' Juden die ärgsten Gegner ihrer Pläne witttrir.Sie fürchten die Juden als „Flaumacher". Sie /. haben Recht. Die vernünftigen und ehrlichen Juden werden der verhängnisvollen Politik des kapitalistischen nmd militaristischen alldeulscherr Chauvinismus.ümlrer ent-, gegenarbeiten und jederzeit für die Bersöhuung ber! Völker eintceten, grtzeu die Re'oanchc und für den; Frieden!

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