Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 93 (22.4.1919)
- Date
- 1919-04-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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„ Svte 4 _ r Wien, Dienstag ~- : - :1 ■' J''l*,a,'l'j,1-T’ ' . 1 v;'l kratie soll ihnen Schutz gewähren gegen den AntisemiLisrnus». ' / ' ' Aber dis SozialdenrokiÄkie will keine JudLnschutz? truppe sein. Sie verwahrt sich ganz entschieden dagegen und sie beweist es durch das Staatsbürgerrecht, das sie sgeschäffen, und durch den Beschluß des Wiener Städterxitüs. - Jcbcb ZrgenEj der irn .alten Oesterreich lebte, kann die.'Staatsbürgerschaft erwerben, nur der JrW> aus Gäsizim, der nach dein 1. August 1914 nach Wien: gekommen iuar, nicht. 11m die. junge Denvokratie nach außen, hin'nichtzukompromittieren, hängte man dev Sache ein Mäntelchen um und hat auch die Dalmatiner unter gleichen Bedingungen ausgeschlossen. Man konnte t dies nur so leichter tun, als es nahezu gar kemr Flucht-1 linge aus Dalmatien gab.! cvx -i Gut gttßf Dritteile der Wiener Judrn stammen aus Galizien. Der Anschluß der grckizischen Juden war daher auch ein Faustschlag den Wiener Juden ins Gesicht. Wasbedeutet denn dar Umstand, daß inan Flüche ' linge, die für ihr Vaterland geblutet und gelitten, die von-Haus und Hof vertrieben, von allen Schvr,K-> nissen des Krieges verfolgt, nttn Schütz dort suchest, von wo ihne n alles Unheil gebammen war,' von der Er- Werbung-des Staatsbürgerrechtes ausschließt?. 'Doch nichts-'anderes, als-daß diese Juden der Auswurf Her Menschheit sind, dgß sie so viel Arges und Böses per-, brochen haben, daß ihnen der Zutritt zu einer Gesellschaft von gesitteten - Menschen, die' Aufnahme in einem Rechts- und Kulturstaat' verwehrt werden muß? Kein Schrei der Entrüstung ging durch die Wiener Judenschaft. Die Tagespresse ging darüber zur Tagesord» ■ uitng'hinweg und mit. ihr die JÄden. Sie erfaßten gar nicht die Bedeutung dieses Beschlusses und seiner Folgest. Nichts , ahnend stimmten sic'drei Monate hernach Mp - dieselbe Sozialdemokratie, die' für die Ausschließung l der galizischc'n Juden gestimmt hatte. Bor wenigen Tagen hat ^ie . Wiener Sozialdemo- - krtttie ein zweites Mal bewiesen, tvie sehr. sie sich die - Vertretung indischer Interessen angedeihen sein laßt.- Nach vierjährigem Aufenthaltin .Wien sollendie gäli-' zischen Juden entweder, ausgewiesen oder in Flüchtlingslagern konzentriert werden. So lautet der Beschluß oes Wiener Stadtrates,- dem die SozralLemokratsn eiststimmig zugestimmt haben..- Sie machten aber ihrenjüdischen Wählern eine Konzession. 7. Sie vermeiden - das schreckliche W ort Jude und setzen dafür „Flüchtlinge, aus den ösrlickien Nationalstaaten"." Man muß wirklich. gestehen, so viel Ehre ist Pen Juden schon lange üicht erwiesen worden, daß man eine .-so lmrge-Metapher/zur -' Umschreibung des Wortes Jude gebraucht. Sonst hatte - man -es'billiger und kürzer getan. -. . ' , - i- ‘ Dev. Herr Staatskanzler hat erklärt, die Regierung " *r:fei eine Koalition zwischen Arbeitern und Bauern, Her) zuliebe --alle kulturpolitischen Forderungen -äusgescha^Let. werdeu müßten. Es scheint aber, daß die Sozialdemokratie auch die einfachsten- Interessen der Menschlichkeit. , mit in den Papierkorb geworfen hat. Flüchtling. ist gleichbedenieud mit einen; Schutzsucheuden. Im .grauen-?tltertuur, '-übst bei barbarischen Völkern,. galt die- Heiligkeit des Asyls. Die junge Demokratie Deutsch- Österreichs kinnit kein Asyl. Der Stadtratsbeschluß' könnte aber nach außen hin unangenehm wirken/ Man.- verfälscht -ikin -also, '.mqn unterschiebt, ihm. Tatsachen,' die nicht existieren. Er mußte -erfolgen, heißt es, weildie Flüchtlinge durch ihr allzu üppiges Leben in b>ett; Hatets und Pennonen die schwer leidende bodenständige Bevölkerung provozieren. Das üppige Leben ,-der-- jüdischen Flüchtlinge! . Man gehe in., die. Judengassen der Leopaldstadt und sehe sich diese versorgten, vergrämten, von Not und Kummer niedergebeugten blassest-. Menschen an! Man gehe in die Schulen, wo die Flüchtlingskinder unterrichtet werden und sehe, ob diese chlorst-' tischen,, anämischen, unterernährten ^uoeuLiitder nicht dieschwächsten und .erbarmungswürdigsten unter allen Schulkindern sind! Wo'sind die Hotels und Pensionen,' in denen diese vielen Tausende so. herrlich leben? Äicht gepfercht hausen sie in den unmöglichsten Wohngelsgeni-eiten, in wahren Brutstä tep der Tuberkulose und anerer' Krankheiten. Vier Jahre l-eben die jüdischen Flüchtlinge «vierter Morgenzermns 'in solcher Herrlichkeit in Wien, vier Jahre schlemmen -und prassen sie in solcher Fü^le,, daß Pich Grabhügel . an Grabhügel auf dem neü-eN' jüdischer Miedhofl reiht! XtTtb niiit: 'plötzlich dis AuWeisMg aller Flüchtlinge, ilieil pielheichtsstistigü HstndeDBüdastüs^p/Miegsgewiuner - ' sich iüWE^Ämgstraßsnhö^ets ' gsflii^tet' haben?? Ist s dieser Beschluß wirklich nur aus ernährungstechnischen Gründen gefaßt würden? . Bier Jahre ist es gegangen, '.selbst in den - schwerstLn Tagen,. nun, wo bessere Tage .kommen sollen, geht es nicht inehr? Sind nicht parteitaktische, demagogische Grl'mde' die Ursache dieses Beschlusses? Und ist.dieser Beschluß nicht etwa der Auftakt zu Beschlüssen ähnlicher Tendenz? Mögen die Wiener Juden auf ihrer Hut sein! Was sie letzthin erstrebt haben, '.ist urch t in Erf'üllung gegangen. DieJuden- .' schutzpolitik ist wieder einmal zu Schanden geworden. _ * Bevern „Zion", Wien. Vortrag: Heute Dienstag den 22. d. M. um 4 Uhr nachmittags, Herr Adolf Stand, Fortsetzung über „Der Hcrzlicmische Zionismus". Gäste willkommen. Telegramme. Franz Klein über die Anschlutzfrag'e. Eine Volksabstimmung soll entscheiden. Bern, 20. April. Der „Temps* veröffentlicht eine Unterredung mit Dr. Franz Klein, worin er sich entschieden gegen ein selbständiges D e u t s ch ö st e r r e i ch und für den Anschluß an Deutschland aüsspricht. Deutschösterreich hat ' nicht die Absicht, der Entscheidung der Friedenskonferenz vorzugreifen, es wünscht bloß, daß man die Bevölkerung, der besetzten Gebietey befrage, welchem Staate sie angehören wolle.' Es ist ohne eine B o l ksaStimmung unmöglich, das Schicksal mehrerer Millionen von Bürgern durch eine willkürliche Entscheidung zu regeln. Dies würde den.Haß und die Eifersucht verewigen, die bald den Frieden stören würdem Das Recht, nach seinen Interessen und seinen Sympathien selbst über seinSchicksalzu bestimmen, schließt für das Volk das Recht ein, sich mit anderen - Die neuen, aus der alten Monarchie hervorgegangenen Völkem oder besser anderen Staaten zu vereinigen. Staaten haben den Gedanken jeder politischen G e m e i n s ch a f t zurückgewiessn. und ihre; nationalistischen, wirtschaftlichen, finanziellen und eisenbahntechnischen gegen Deutschösterreich gerichteten . Maßnahmen haben eine - Kluft geschaffen,- die auszu- - Men ' selbst, durch- Abschluß - von rein wirtschaftlichen; liebereinkommen sehr schwierig sein wirh. Man kann Deutschösterreich. ohne Beunruhigung seinen eigenen Weg verfolgen-lassen. Gleichgültig, mit wem es sich verbinden will. Es wird stets ein Element des Friedens ' sein und keine Art von Militarismus darf hoffen, es zu seinem Vorteil auszübeuten. Eine Neutralisierung würde die Zukunft. Deutschösterreichs nicht verbürgen. Die neue Ausgabe Deutschösterreichs Kann nicht durch künstliche Mittelgelöst werden. Es ist für Deutschösterreich. eine Existenzfrage, zu wissen, ob es aus eigenen Kräftenwieder ein tätiges Mitglied der internationalen wirtschaftlichen Organisation werden kann. Es muß selbst bestimmen, auf welche Weise es am leichtesten dieses Ergebnis erreichen kann, um aus seinem gegenwärtigen Elend herauszukommen. Diese Fähigkeit gehört auch unter den Begriff des Rechtes der 6 c I b ft Jb e st immung und sie ist ohne Einwendungen den anderen Völkern gewährt worden. Es wäre ungerecht, Deutschösterreich weniger günstig zu behandeln. ' Die Besetzung Transylvamens. Paris, 21. Astril. (Tel.-Komp.) Die rumänische R e g.i e r u n g gibt offiziell die B e s e tz wn g T r a n s y l v a n i e n s durch rumänische Truppen auf Grund eines B es ch lusses der Versailler K o n f e t enz zum Schutze der dortigen Bevölkerung gegen die Unterdrückung seitens Ungarns bekannt. , zzr. 2h,nl 1919 ^t£ 93? Derrtschlan-s Entschädigungen an Frankreich. Paris, 21. April. (Funkspruch.) Die Kammer, erörterte-in ihrer Samstagsitzung einen Antrag des! Deputierten/Jules R o c e, der bindende Sicherungen, für Hie E n t s ch ü d i g u n g e ir verlangt, die Frank-! reich , aus den von Deutschland begangenen Handlungen' gebühren. Jules Roce gab seinem Antrag folgende Begründuüg: Die Rechte Frankreichs sind durch die! auf der Pariser Konferenz vertretenen Regierungen! mit vollkommener Deutlichkeit verkündet worden.! Diese Rechte fließen aus den am 18. Oktober 1907s und am 30. Juni 1908 von vierzig zivllifierten Völkern Unterzeichneten Konventionen. Unter diesen Völkem befinden sich Deutschland,! die Vereinigten Staaten von Amerika, Oesterreich - U n g a r n, Frankreich, Belgien usw. Frankreich hat demnach ein Recht darauf, daß es für die Opfer entschädigt werde. Der Minister für die! nationale Wiederherstellung, L. o u ch e u r, erklärte, daß die Regiemng die von Jules Roee angezogenen Vereinbarungen niemals aus den Augen verloren habe. Der Antrag Roce wurde hierauf von der Kammer angenommen. Die Ernährung. -- ÜSei: _ __ __ ..... Zufuhren hatten die Märkte nicht zu verzeichnen, da an Sonntage« Md Feiertagen hier einlangende Frachtgüter nicht ausgefolgt werden. - - I , Dir G.roßmarkthallr blieb mt beiden Tage» geschloffen. Der, Besuch der übrigen Märkte war sehr schwach, da sich die Ber«! braucher bereits in.bet Vorwoche bemüht batten, ihren Feiertags-, bedarf zu decken. Erhältlich waren nur Rüben und Wmzelwelck! Orangen, Fische, Geflügel Md Eier fehlten gänzlich. Ans einzelnen Bezirksmärkten wurde has rahoniertc Speck«! fleisch abgegeben. , j Mas ist ür dieser Woche erhättlich? | M e h l: Kilogramm pro Person, Kilogrammpreis! K 5.40; Kartoffeln: mir für den I., ll.. VH., VIII. und XVIII. Bezirk V, Kilogramm pro Person; Unterzünd-! h o lz 5 Kilogramm pro Haushalt. Der VolkswirL.! Große WeizenernLe in Kansas.- k Paris, 21. April. (Funkspruch.) Aus Top ec^ (Kansas) wird gemeldet : Nach -dem SaateMands-! bericht' verspricht die heurige.WeizenernLe in Kansas die bisher ergiebigste zu werden. Man! schätzt das Erträgnis auf 20,800.000 Bushels. _ v.;. Wiener Börse. . Nach viertägiger Verkehrsunterbrechung eröffnete die heutige Börse in fester Haltung, da die Lage m Ungarn eine günstige Beurteilung fand. In einzelnen Kulissenwerten wurden Deckungen ausgeführt, doch blieben die Umsätze eng begrenzt. Späterhin ließ das Geschäft auf allen. Gebieten nach. Der Marktbericht. u * * v . kebr tiifite während der Feiertaae iaÜ aavrlichl Zcvrribmsrcdinrn unü steparsiuren aller Systeme, Zubehör aller Art, preiswert bei Ferdinand, Schrey', Wien, V!., Dreihufeisengaffe 1. A Telephün 2739. Bamen)iüte 461 zu Fabrikspreisen. Demenhutfabrlk WIRKWAREN Wilhelm Lunzer, I., Franz Josefs-Kai Nr. 41. LRIemergosse ll Heole und täglich I Beginn präz. 8 Ubr. Ende ll Uhr. 855 Alles tf%hne l#opf ll K. Central Atelier Moderne Porträts Nur! Wien, XX, Wahlergebnis j Wir haben pewShlt bpi der Firma LEMPORT* ' Rodaun, N.*9.y diemlsch-kosmetische Fabrik: Nur! 33 WMMrarn 33 1. 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