Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 93 (22.4.1919)
- Date
- 1919-04-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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MufökereMtäw:!is »O Aeüir DPLuMueL-tL-nsprsist: -Di«pr Mit Zusttilwls 'ms ■ Ha«r .MPstEch. . . .X V.— iömftjiüu-ijj: . . w fio,— |AtUiralttfi«.40.— . . .., So,— / Mit PoAversard: . . .L',?.Q<) M»jct-t,cik,rrz . . rW,~ A>mLr>Sstv«- ifcg» < 44088, 4to9, rtb 6 «tbcttli'.v v->: Nv. t«8o< ’-jj-.v/ ,7 Ureis SSO KrI prorfe frür da» A«st«»dr MorraLlkch . . .L NisvLelfiihsiA. .., S4»-^! Äawjrihvis . ..*,.48^' (!Srt«ti«(]i“iß .s>v*,. JJßwipj1 UedaktHo» ».Administra», Lron: . /''! Wien, 7.i. Tajior-stvdK- K r. l-'S *■ ■'. ^ftfvavkassett'Konto .: ätr. tSO.SVL Nr. 93 'CB Wien, Dienstag, den 22. April ISIS 1. Jahrgang Hchrter den Kulissen der «nga- Äfchen Proletarierdiktatur. Bela Kuhn seinen ersten Aufruf an die Prele- ÜWUkp ' Länder nach der Ausrufung, der Sowjetwar auch richtig. Mer nicht etwa-die Ruhe der Zufriedenheit war es, sandern das Schweigen der Depression, das dumpfe Borsichhinbrüten von Tausenden überrumpelter Menschen. Auch die breitesten Massen wurden sozusagen irregeführt. Sie hatten sich unter das bolschewilische Bgnner gestellt, weil sie' glaubten, Kommunismus eine sofortige Aufteilung aller, neu Vorräte und Werte bringen werde. Nicht' WUer. Friedenskonferenz verkrüppelten Lande jenseits 1 Ein die. rin gebildeten -Proletarier waren-dieser Ansicht^ dier'Heitha haben zu müssen.glaubte: Das Schlagwort \ Die Beamten einer großen ungarischen Bank hatten Bolschewismus tauchte auf und jeder-' ]l6) mit der Anftiahme der Inventur/ beeilt, um die Mnst glaubte, Laß es die bekannte Note des Oberst- Snmme der bei ihnen deponierten-Bankguthaben fest- MMant Vyx gewesensei, die Ungarn in seiner Not rustellen,-Hie unter ihnen, wie sie glaubtengleich ver- B&' ben. Abweg der Proletarierdiktatur gedrängt hat! E werden sollte. Sie rechneten aus, baß dann auf Wr? aber einmal um alle die Vorgänge weiß, die sich - l«den etwa 45'60v Kvonen kämen. Auch, sie gehören Htztdiesem trArrigen Evrignis abgespielt haben, wird "''"te ^.Mr allzubald davon überzeugt haben, daß lücht di-: Mhaltung der territorialen Integrität, sondern die per-- WWe Machtgier einzelner sozialistischer Mitglieder des^früheren Koalitions-Regimes -den - Zustand herbei- WführL hat, der Ungarn an den Rand/des Abgrundes gebracht hat. Karolyider ftüh-re Präsident der ^Wtzrischeü Volksrepublik, war ein Schryachling, der; sich wrr; allzuleicht in das hyperradikale' .Fahrwasser drün- ^>Wden.Eteniante der sozialistischen Partei bald. nach'. ^v.Otter ziemlich schweren Opfern niedergeschlagenerl' PrW der.ÄomntunisLen mit diesem im SammelgesLng- W.M beraten, und zu verhandeln begmmen. Kaum war ' ®un öon den Schlägen, die er na chseiner BerhMung von den Budapester Polizisten erhalten hatte,- Msegs . wieder hergestellt, als er sich schon « des! Be- ' aller maßgebenden Führer.der MGraldemokrateu I Cüllölt Jlftiii' ‘iSii* i-mr rfv, "! tcbot vor allem die Vertrauensmämler /der M bis.vor. kurzem von ihnen nichts wissen wällten. Ete'möglichen Ehren wurden den kommunistischen Häftlingen ich- Saminelgefängins zuteil. Selbst Karolyi hah sie besucht und sich mit ihchen über die "Lage beraten.^ ,;• Jl Indessen' rückten die Parlamentswahlen, immer .näher heran. Die Sozialdemokraten wußten, daß.'ihre Alckze iAgitationsrrbeit schwerlich, den Erfolg'.- zeitigen daß ihrren die Majorität zufalle. Diese Beweghatten nun': den- Umsturz ausgelösti Schon NchtzrereTage vorher. war die Note der-. französischen Militärmission eingetroffen, die .angeblich der früheren heute selbstverständlich zu' dew Enttäuschten . .; Was hat nun die neue Ordnungin-'Ungarn bisher der Bevölkerung gebracht? Wenn-man die Unmenge von Verordnungen liest, glaubt matt, daß tatsächlich der:-Aufbau zütnindest miit dem großen Zerstörungswerk Schritt hält.'. Wer?-sich das' Leben' ' und' Treiben ‘ in cittcm' sogenannten ' immunisierten Betrieb angesehen hat, wird dies UeberzeuguNg gewonnen höben, daß hier wieder einmal Theoretiker, am Werke sind, d'iss im Praktischen Leben? nur Verhängnisse herausüLschwören. Die Geschäfte sind leer. Es gibt kein Rohm aterial. Kohle fehlt-fast - vollständig. Vorläufig zählt der 'Staat ^n die Arbeiters"aus' jenen 'Geldern, die ■ ätterdingö' in1 großen Adengen in den' Banken' beschlagnahmt würden. 'Das sind jedoch zweifellos unhaltbare Zustände.. Denn der Arbeiter, sofern -er anständig ist, gibt selbst zu, daß er sozusagen für' nichts bezahlt .wird, da ja Mit Rücksicht auf den Mangel an Rohmaterial jegliche Fabrikation lahm gelegt ist. -'V.;v ' Wer Meü Gpaziergaug. durch)'die Straßelr von ist' das beglückende 'Werk der Bolschewiken, die ihrem Lande jeglichen Kontakt? mit der schon zur Aufhebung der. Blockade bereiten Entente unmöglich' gemacht.häbei:. Bald werden aber auch diese letzten Vorräteh mit denen man jetzt noch die Massen "beschwichtigen kann, zu Ende sien. Was dann? Was, nützt' dem .Proletäriat, was ' nützt dem verarmten. Mittelstand die' neue Ordnung/ wenn der -Lebensmittelmangel sich nicht nur zu Hause, sondern auch in den-Gasthäusern immer /"drückender An die jüdische» Wühle« undWählerinnenWicnsI Am 4. Mai finden die Wahlm in den Wiener Mo, meinderat, in die Bezirksvertretrmgen «nd in die LandeSven» sannnlung statt. Die Leitung -der Jüdischen Ratio,ralpartethat sich entschlossen, in mehreren-Wiener Bezirken Kandidaten; aufznstellen. Sic will dadurch ermöglichen, daß in Körpern schäften, lvcl.hc bisnun die unbestrittene Domäne antisemitischer Willkür und sozialer, politischer und wirtschaftlicher, Rückständigkeit waren, entschlossene Inden einzicheu, welche; einerseits gc^rn die systematische Zurücksetz,mg ihres Volkes? ankäülpfen «nd andererseits au dem politischen und Wirt« schastlichen Wiederaufbau der Stadt Wien tatkräftig mit« wirken. Die wichtigsten Programmpunkte, für welche die; .gewählten jüdisch nationalen Mandatsträger einstehen werden, sind:? . .. . s DArHführrmq der völligen Gleichberechtigung -Hz der Juden im GemeindeleLen. Die Juden sind bisher aus der Verwaltung der Stadt, gäustich äusgeschaltet. Die Verwaltungsstellen und insbesondere^ d^r städtische Beamtenkörper sind zur?Ganze judenre!».! Dic/ Judeu sind von der Bewerbung um, Arbeit und LieferungÄir auSgefchlofsnr. Dieser ungerechte und entwürdigende Zustäst' muß beseitigt werden. Reichsunmittelbarkeit der Stadt Wien. .Wien darf nicht länger in seiner Entwicklung dadurcks gehemürt bleiben, daß es im Landtag von den Vertretern , agratzis^cr Interessen majorisiert,^ daß ihm die Steuerlast M ein?g!»nzes Kronland anfgcbürdet wird. Es darf nicht länger dnrchf-'Ljr Uebermacht des agrarischen Einflusses zu einer Wirtschafts-,' Ernähruuss- und. Steuerpolitik^ gezwungen werdendie schwersten Lasten auf erlegt 5 Kauftente und Beamte M'Asxenr VepdieM schwer veeiutrachttöt. Die "Groß». Lage versetzt werdenunbehindert städtisH- Politik , zu treiben. Beseitigung des Zunftwesens und der Kouzesstonstyranuei. - Um sich die Gurrst gewisser privilegierter Wählerschichtest zu sichern, haben die bisherigen Machthaber Wiens sich! bemüht, nickst nur die von altersher besteheydeu Beschränkungen des Handels und Gewerbes aufrecht zu erhalten, sondern auch neue hinzuzüfützen. Der Zünfte-' und KonzessisnSzwang hat es ihnen ermöglicht, politische Dienste durch V-rrtürhuug von Privilegien auf Kosten der Allgemeinheit zu fühlbarmacht. Die Bauernschaft will -nicht mittun. Sie fürchtet picht dle strengen Strafen des- Revplütio.nstribunals, und wenn sie schon etwas H-Wüse oder ein entlohnen und ihnen mißliebige Elemente, insbesondere jüdi- . . _ .. .. . . Huhu den hungernden Budapesterlr überläßt, so geschieht fche, von großen Gebieten des Erwerbslebens fernzuhatten. Mrerung und der -PräjidentenherrlichlLit Kavolyls. nn dies zu unörhörteu Wucherpreisen^ Hiet tDüb bet rote; Dadurch ist nicht nur der einzelne Bürger, sondern das .Ende machen mußte. Jeder, der die-N)le las, wußte, Terror schwerlich einen sv leichten Sieg haben w:.' in .Gi7 --inwese, .dtzß sie nicht etwa das Schicksal Ungarns endgültig, beschrgelt^ .sondern nur zur Vermeidung der.immer wieder. vHg-edommenen Reibungen zwischen -..Rumänen unt> Magyaren, sowie der Magyaren und Tschechen dienen sollte. Die machtgierigen Elemente unter den Sozirld-LM»traten hatten jedoch diese Gelegenheit benützt, um Mtzr dem Vorwände der Rettstngsab sicht, für die terri- 'fcöftafe' Integrität Ungarns tatsächlich einen Umsturz hIbeiznführen, der über...hie -Köpfe, des. Bürgertums YHweg einer einzigM, und zwar der numerisch schwächsten Schichte - der..Bevölkerung, zur Willfürherr- /schaft zu verhelfen. Als her-Putsch-geglückt war . und fDst Teile der Bürgerschaft sich sozusagen zum natio- Mken Bolschewismus bekehrthatten, da rückten-, die neuen Machthaber über wiederholtes Verlangen -des?-i£v fv-ztti ynfifrfipit W-ffiffirmtfit "lit flihfirft nti den Kreisen der überrumpelten Bürgerschaft. Das wissen die Bolschewiken, tveshalb sie sich auch schon den Bauern gegenüber " eine Taktik des Zuwartens auf Jahrzehnte hinaus zürechtgelegt habön,fbis sie an die Enteignung-, der kleinen Güter schreiten werden. Bis dahin wallen sie die Bauernschaft dadurch kirre" zw machen verfugen, daß sie ihr^.keine Jydustrieartikel liefern. - V Besonders fühlbar stkacht-sichn.der -w'te;- Terror der Presse gegenüber. Ein größer Teil der Blätter wurde angeblich wegen 'Papiermangels eingestellt. Den Jour-. nalisten wurde ■ zwar versprochen, daß sie alle in den neu zu schaffenden Stäatsämtevu Unterkunft finden sollen. Die meisten dürften jedoch schon fetzt' die Ueberzeugüng gewonnen haben, daß sie auf eine ziemlich lange Würtezeit angewiesen seien.. . Noch ' nid ist es den Journalisten so schlecht gegaugen wie jetzt, ihrem Klub, der jetzt nattirlich Gewerk- ... M schaftsheim heißt, einige Minuten verweilt, kann man vM Dr«-,tl°ul-i->nt Vyx dy- ■ me*twen Jbwt«ns; Seuge uLfveuwßn SCefa^es toter ©Mbifto [ein, würbe netofienthdjt nnb beitalw^ bie , ® tt ausgep lanpem B->io».-tt sich irgend jemanden 8 L" dL LL i °us Ul Klub in bas Gam«nMs,Mn. Vey. wand für den Umsturz benützte Note keineswegs fixiert ckvorden seien. ' . f . Und nun brach sich die Wahrheit weiter ihre Bahn, -l^r Spuk vom nationalen Bolschewismus war versagen, Kuhn und Pogany erklärten, daß die Äowietregierung an der territorialen Integrität kein Interesse habe. Nun erst sah Bürgertum und Bauernschaft, woran man war. Unterdessen waren von Haus M Haus die Waffen beschlagnahmt worden, die Geschäfte wurden gesperrt, die Bänken' geschlossen, kurz: Me Kräfte-der Bürgerschaft, des Mittelstandes'waren lahmgelegt. Der offizielle Draht meldete, daß in Buda- Mt musterhafte Ruhe und Ordnung herrscht. Das Haftungen werden Lei den kleinlichsten ’ Anlässen vor genommen. Neulich hat ein Schauspieler, der sich auch im Auslände eines besonderen künstlerischen Rufes erfreut, in einer Versammlung die Anrede „MeineDanwn und Herren" gebraucht. Natürlich lebhafter Protest rcnter den auf einmal zu Genossinnen und Genossen nwesen selbst schwer geschädigt worden. , Erhaltung Wiens als Welt- und Großstadt. Die Zukunft der Stadt ist davon abhängig, daß sw sich das Wohlwollen des näheren und weiteren Anslandes erwirbt und sichert und möglichst bald die im Zlriege unterbrochcnen Beziehungen zu demselben wieder herstellt. Die Großstadt Wien muß zugrunde gehen, wenn sie sich auf. das .kleine Inland beschränkt — sie muß in den Welt-, UcrFcH* cintreten, wenn sie bestehen und sich entwickeln will. Dqs macht die Abkehi^von jeder übernationalen und fremden hetzerischen Politik lvatwendig, von jeder Politik, die sich gegen einzelne.dlatwnen, Staaten und Konsessionen richtet. Der nationale und konfessionelle Provinzradikalisums darf nicht nach Wien verpflanzt werden. Das Bestreben mutz-dahin zielen, derr Freurden anzuzichen und ihm den Verkehr mit der Stadt und das Verweilen in ihr zu erleichtern. Unter dem Vorwände der Wahruüg des dentschm Külturchärakters der Stadt, der gewiß nicht beeinträchtigt werden soll,^dars keine. engherzige, unkluge, ungerechte Politik des AbstotzenS nnd Js.'licrens betrieben werden. , Juden und Jüdinnen! Neben den Ehristlichsozialen, wrl?h> euch bekämpfen,- und den Sozialdemokraten, welche jüdische Interessen nicht vertreten wollen, bewerben sich die sogenannten bürgerlichen nnd demokratischen Gruppen um Mandate. Sic verdienen nicht den Namen von Parteien, den« /sie bieten das klägliche' Schauspiel der Prsgrammlosigkeit, Zerfahrenheit, persönlicher Streitsucht nnd Mandatshascherei. gew,. denen Mm«. D-r Sü.-n»^-, «ASrt.d-ß er ich ' '»« »«**, »m n«t.e nenen die Leute Euchen werde, die er [eine Geno[[en nennen ■ .«W» »»«.,.«« 3»*«cffe.t ,u dienen. DIp-»t>,che *mn» Wolle. Zwanzig. Minuten später saß der.selbstbewutzts Mann bereits im Sammelgefängnis . Die Gedankenfreiheit, die Nedesreiheit, kurzunr alles ist verboten und verilWet. , ' ichast mit ihnen entwürdigt. Juden und Jüdinnen! Wenn ihr die Durchführung urisercs'Programmcs wünscht, dann wählet am 4. Mai Jiidischnational.