Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 86 (14.4.1919)
- Date
- 1919-04-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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München und ganz Bayern atme« erleichtert auf. Die Gewalt der rechtmüßigen Regierung Hoffman« hat sich mit elementarer Kraft durchgeseyt und ist nun auch in München wiederhergestellt. , Als Vertreter der Regierung ist Abgeordneter Vogel aus Fürth mit weitgehenden Vollmachten nach ÄMnchen entsandt worden. Seinen Weisungen ist bis auf weiteres unbedingt Folge zu leisten. Er vereinigt in sich die gesamte Zivil- und Militürgewalt. Alle bisherigen Verordnungen der Räteregierung find außer Wirksamkeit gesetzt. Bayern! Haltet treu zur Regierung Hoffman«, vereint alle eure Kräfte, um die Wiederkehr der soeben niedergeworfenen Gewaltherrschaft für die Zukunft unmöglich zu machen und der Regierung den Wiederaufbau des zerrütteter» bayerischen Staates zu erm'öglichen. Rur Ordnung und Arbeit führen zum Ziele. Die Regierung des Freistaates Bayern. Der Ministerpräsident r Hoff m a u n. „Lebensmittelzüge stehen bereit." Die Kundmachung an dir Münchner BeVslkerrmg. München, 13. April. Heute ft üb wurden Plalate abgeschlagen, die an die werktätige Bevölkerung Münchens gerichtet sind. In diesen Aufrufen heißt es: Die gesamte Garnison Münchens hat in Verbindung mit, den um das Wohl und Wehe des Proletariats besorgten Volksgenossen heute nachts den Z e n L r a l r a t f ü r abgesetzt erklärt. Heute werden die Arbeiter- und Sdldatmräte zur Stellungnahme gegenüber der alten : Der Aufruf wendet sich sodann gegen die „ehrgeizigen landfremden Agitatoren", die nur ihre eigennützige Politik verfolgen, sowie gegen, die Vvllsbeaustragt'en Dr. L i p p und W a ö I c r und sagt zum Schlüsse: Heute steht München abg es ch u i t1 en im ganzen Lande allein. ES gilt unsere Rettung. Unterstützet daher die gesetzmäßige Regierung, die Rühe, Arbeit und Bror schafft. Lebensmittelzüge stehen ausw ä r t s für München bereit.^ Schützet euch vor der Reaktion, indem ihr die sozialistische Regierung unterstützt'! - Ein anderes Plakat verkündet, daß die He a i e r n 11. H y.s f m ajut. ...-I-r ie,gA< z üsta n d, üjü er München v erh ä,'n-g't- Hüt, Um 11 Uhr abends müssen alle Straßen leer sein. Die Verbreitung von Flugschriften sowie Ansammlungen und Versammlungen , sind nur mit Einwilligung der Stadtkmmnandautur zulässig. v , .; Erich Mühsam und GustW ' Landauer Verhaftet. Lewin geflüchLeL. - ü Nürnberg, 13. April. (Tel. ' der Wiener Morgenzeitung.) Militärische ArrLopatromllen fahndeten nach den Sentralräten, erwischten aber nur die revolutionäre Pressekommiffion und den VolAbeauftragtsn Soltm a n n. Der Kommuniftenführer L e w i n soll unter Mitnahme von zwei Millionen Mark Staatsgeldern nach der Schweiz entwichen fein. 16 Kommunisten, darunter L a n d a u e r, W a dl e r und Erich M ü h f a m, sind verhaftet. Dr. Lipp, der Volksbeanftragte für Auswärtiges, hat sich in eine psychiatrische Klinik geflüchtet.. EAe VerhMeLG KoMmMon. . Nürnberg, 13. April. (Tel. d. Wr.Morgenztg.) Aus M ü n ch e n wird gemeldet: Bewaffnete Soldaten, die .in Automobilen durch die Stadt fuhren, rissen die auf den Sturz - der Räterepublik bezüglichen Plakate ab. Beim Kriegsiiliiiisteuum wurden sie jedoch ans den Antos heransgezerrt und verprügelt. Die M.tt u ch e n e r. Zeitungen erhielten starke O ch u tz w a ch e it. Eine revolutionäre Kommission hatte nachts noch eine Anzahl bürgerlicher Geiseln festgenommen, darunter die Großkanflcute Horn und M e n d e l s 0 h n sowie Chefredakteur Müller und General'Marini, ferner zwei Bahnvorsteher. Die Kommission etablierte sich in der Polizeidirektion, wo sie bereitwillig ausgenommen und dann selbst — verhaftet wurde! Die Verfassung des Völkerbundes.! v Die. gestern offiziell verlautbarten Artikel de! Verfassung des. Völkerbundes bestätigen die von uns bereits geäußerten Befürchtungen: Der „Völkerbund" ist nicht die neue Völkergemeinschaft, sondern nur ein Bündnisvertrag der mächtigsten Staaten, der av Stelle des bisher geltenden „Gleichgewichtes" jetzt die Politik der Welt beherrschen soll. Nicht jedes Volk ist natürliches Mitglied des Bundes, sondern außer den Siegern und den von ihnen zugelassenep und aufgezählten Neutralen. Jedes andere Volk muß erst um Aufnahme ansuchen und bedarf der Zustimmung von zwei Dritteln der Stammitglieder. Aber auch ein Austritt aus dem Völkerbund ist vorgesehen Es muß nur rechtzeitig „gekündigt" werden. Klingt es nicht wie ein Hohn: Sin Völkerbund auf Kündig gung . , . Fürwahr ein ridicuins mus, für den, der das Kreß'en der Berge vernommen. Von einer Abrüstung aus gegenseitigemVertrauen ist keine Rede. Der Vertrag macht dem Militarismüs und Staatenegoisnms weitgehende Konzessionen. Die Pertragsmächte sind - nur verbunden, - einander ihr Heeres- und Flottenprogramm bekanntzugebcn. Bei „Angriffen auf 'den Völkerbund" (wie . wären Kiese möglich, wenn es. ein Völkerbund.wäre'?) bestimmt der Rat das von den Mitgliedern zu stellende Heereskontingent. Der „Völkerbund" würde die stärkste Koalition von Staaten darstellen, die es jemals gegeben hat, und könnte der Welv'feinen Willen einfach auszwingen, wozu ‘ auch alle Mittel der Ge-, malt.in Aussicht genommen sind. Aber nach -ergänzen . Anlage und. . Struktur dieses Vertrages -ist cs nur. zn .wahrscheinlich, daß, auch Kiese. .Macht zerfallen wird, . .dmn>.1)er Geist der 'Ws Hm Wicht/, wird Me ein zersetzendes GifL an seinem eigenen Leibe zehren. Wofern nicht doch noch die Völker selbst zur Besinnung kommen und .einen neuen Bund schließen, aus einem neuen Geist der Versöhnlichkeit, Brüderlichkeit und Einträchte Dann erst wird wirklich das Recht, und nicht wie bisher das Jnteref.se, das Ziel des Völkerbundes sein.' Der jetzige Vertrag setzt sich selbst Schranken. Am auffallendsten ist, daß jeder Eingriff in die inneren Verhältnisse eines Staates ausgeschlossen sein soll. Darf also ein Staat — mit Ausnahme des Sklavenhandels und Opiumhandels, die ausdrücklich erwähnt werden — einfach tun, was er will? Trägt er gar keine höhere Verantwortlichkeit für das, was in ihm vorgeht? Kann er sich am. Ende spgar durch seine Mitgliedschaft im Völkerbund, die ihm vor Angriffen sichert, den Freibrief für jede Art Gewalt und Verbrechen in seinem eigenen Gebiet verschaffen? Wo bleibt zum Beispiel der Schutz der nationalen Minoritäten? Sollen diese der Willkür des saturierten, gewalthabendeu Herrschervolkes schutzlos preisgegeben sein? : Die Völkerbundverfassung läßt viele Fragen offen.« Die Geschichte wird die. Antwort geben. , » 1, Paris, 13. Avril. (Frmkspr. der Tel.-Konch.)..Bon deri V 11 f 0 f f w it ö; b c § Völkerbundes ist soeben. folgender Auszug bekanntgegebm worden: Blutige Kämpfe in Düsseldorf. Feuerkamps aus Fenster« ««d DLchern. — Artillerie- und Mineirwerserkanomade. — Spartakus auf der Flucht.! Düsseldorf» 13. April. (Korr.-Bm.) Gestern sind die Straßen der Stadt wiederholt änsden Fenstern und vondenDächernbeschoffenword e'n. Der Hauptbahnhos wurde aus den benachbarte« Kaserue» unterFeuergenommen. wodurch eine Zivilperson getötet, zwei schwer und eine leicht verwundet wurden. In den Abendstunden und während der Nacht nahmen die Negiernngstruppen den K a m p'f gegen die Spartakisten, die sich im Stadtteil Oberbilk verschanzt halte«, wieder ans. Heute gegen 9 Ahr vormittags begann eine äußer st heftige Kanon ade mit Geschütze« und Minenw ersern. Den NegiernngsLruppen gelang es, nach kurzer Zeit den Overbilker Marktplatz zn nehmen und die Spartakisten zu vertreiben. Die Verwüstungen» namentlich in der Kölnerstraße, sind s e h r e r h e b l i ch. Die NegiernngsLruppen finden keinen erheblichen Widerstand mehr. Ans Seite der Negiernngstruppen ist nur eine kleine Zahl verwundet worden. Dagegen sind zahlreiche Zivilisten, darunter auch Unbeteiligte» in die Krankenhäuser eingeliefert worden. Die Spartakisten haben sich größtenteils in der Richtung auf Ellern geflüchtet. Die Mitgliedschaft. I. Der Volkerbund ist zur Förderung des iuterntüionalen- . Zusammenwirkens und zur S i ch e t ft c 11 u u g - d e s Friedens gebildet worden. Der Bund wird umfassm■ 1. Alle k r i e g f ü h r e n d eu N a t i 0 n e n, die in einem' Dokument ansgezählt sind, das dem Friedensvertrag beigesügt wird. 2. Alle darin ermähnten neutralen Staaten. 3. Jeden Staat^ mit Selbstverwaltung, dessen A n s n a h,m e ' d u r ch z w e r D t t 11 c l' jener Staaten, die bereits Mitglieder des Bundes sind, genehmigt worden rst. Ein Staat darf s i ch «ins d e m V ö l k c r b u itb z n r ü ck z i e h e n, wenn er seine Verpflichtungerr dem Brmde gegenüber erjüllt hat und seine Mltgliedschast wenigstens zwei I a h r e v v r h e r gekündigt hat. ' Die Organe -es Bundes. II. Der Völkerbund wird durch eine B e r s a m m tun g vertrete n, du ans höchstens drei Dcle gierten' eines i e d c n S t a a t e ß; der Dätglicd ist, besteh», wobei jeder Staat nur eine Stimme hat, ferner durch eine u R a t, der aus einem Vertreter jeder der fünf G r o sr in achte .und aus je einem Vertreter von v i e r a u d e r e n A! ächten besteht, die .von der Bcrsanmtlnng an? bestimmte Zeit gewählt' tverden. Im Rate' sowie in der Bersannnlnng wird l e d e v S' t a at N u r e i ü e S t i in m e haben.. Beide Korperationen können jede An gelegt n h e i t von internaüonaler Wichtigkeit behandeln.., uautcitUicfi solche, die den W e l t f r r e d e n' bedroh c‘it. Die Entscheidung beider Org«rnisatlvneu muß,, mit Ausnahme besonders fcstzustellender Fälle, e i n st i m m i g erfolgen. In dem si Ü n d i ü e m