Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 84 (12.4.1919)
- Date
- 1919-04-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Diese gewiß harmlose Versammlung t" urde vom polnischen Militär gewaltsam aufgelöst, das yus umzingelt, die,Teilnehmer der Versammlung von Soldaten erschossen. Dem entsetzlichen'Morden, welchem MHuden schutzlos preisgeaeben waren, sollen 50 bis IW Menschen zum Opfergefallen sein, darunter eme Mtze Anzahl junger Leutes von der Organisation «Ueire Zion" und „Hechaluz", der jüdischen Jüng- Mgnnschaft, die sich für i ein tätiges Leben als Weiter. im .jüdischen Palästina vorbereitet. Noch Wen nähere Einzelheiten über die Ereignisse. Das eine jedoch ist Klar, daß! wirl Ihier wieder vor einer Üleifpiellosen Schandtat der Polen stehen, die nicht vök•' irgendeinem Straßenpöbel, sondern von dem ft-tzesten Orgnn desneuen polnisch en Reiches, von de-'polnischen Armee,- ausgefuhtt : wurde, deren DerüMwortung die polnische Regierung trifft unh deren Ftzrch das ganze polnische Volk zu trägen hat. ■ C* Als das polnische Volk durch den Zusammenbruch dWr MMarisMus der Mittelmächte von den äußeren Fefftzln'der Fremdherrschaft bereit war, war seine erste Tatder Meuchelmord. Die Bluttage i von Lemberg beflecken als unauslöschlich^!- Brandmal das, erste MM der - Geschichte' des - lMsHndigen.Dolen. 5 EntrMung und Entsetzen hät AhWen Novembertagen die gWzeizMWts Welt StfüM Die' Polen haben die Meignisso. zmrächst verheimlichen,' dann leugnen wolleir. Es wurden die sinnlosesten Argumenteczür Rechtfertigung des Mäffenmordens erfunden. Die ^uden wurden als Träger des deutschen. Einflusses weychrieerr, als Verbündete der Ukrainer hinaeftellt, sie wurden einmal Mdie Besitzenden bezeichnet, gegenwelche sich die Wut des - besitzlosen- Volkes - richte^ das anderemal .äfs. hie Elemente , der bölfchewiKhchen Propaganda, Wen welche, die Regienurg ' Mit, allen Mitteln eiirfchrelten müsse. Die UirtersuchungskommMonen, welche das Material objektiv geprüft haben, habender Welt graumerregende Berichte vorgeleat und haben einwanditeC festgestellt, daß; die pohnscheu Legionäre überall die Anführer der Pogrome waren, daß die polnische Gesellschaft sie gewollt und gebilligt hat und daß die Regierung zumindest passiv ' zugesehen hat. Die neue pomische Regierung Pilsüdski-Paderewski hat es sich angelegen sein lassen, den Übeln. Eindruck der Judenpogrome zu verwischen. Aber. auch aus den farblosen Erklärungen der polnischen' Regierungsmänner, war kam deutlicher Wille zu entnehmen, die Judenfrage ii^Polen wirklich ehrlich zulösen. Man sprach viel vün dev hohen Kultur des polnischen Volkes, von Menschlichkeit, von bürgerlicher und religiöser Gleichberechtigung. ' aber man hatte' taube'Ohren' gegenüber den Vorstellungen der mit den Bedürfnissen des Jüdischen Volkes, vertrauten führenden jüdischen Politiker. Die. Polen wollen sich mit der Tatsache nicht abfinden, daß auf polnischem Gebiet heute außer der polnischen > Nation noch .'eine Reihe nationaler Minderheiten lebt, die ebenso wie das herrschende Volk ein Recht zu leben hat. Sie fordern'von den Juden ein völliges Ausgeb.en ihrer Eigenkultur und ihrer Eigenart, .ohne zu bedenken, daß diese Forderung selbst bei bestem Willen aus psychologischen und soziologischen Gründen ctnfacf? unerfüllbar ist. Statt also den Weg zu gehen, der einzig zur Herbeiführung . eines erträglichen; Verhältnisses zwischen Polen und Juden, damit auch einzig zum Gedeihen Wpolnischen.Reiches führt, an dem die polnischen Juden in gleicher Weise interessiert sind wie die Polen, [rat sie einen systematischen Ausrottungskrieg Men das Waffen des Boykotts polnische Mmödien jüdische Volk,, Kämpfen mit den Pogroms und' des wirtschaftlichen und säenzersetzenden Haß. Die Regierung spielt der Welt m allerlei vor, veranstaltet „Enqueten" über die Lösung, der» Iudenfrage, setzt Kommissionen ein, gibt PtoKlamationen und Manifeste heraus, die mit schönen Wörten nichts fügen, verbreitet in der Welt kleine Nachrichten über das angebliche Entgegenkommen der Deutschland wird keinen Gewaltfrieden annehmen. Ein Appell an das Gewissen der Wdtt. KD. 3$erlitt, 11. April. Die Landesversammluttg berat den von alle» Parteien Mit Ausnahme der Unabhängigen Unterzeichnete» Antrag Graf betreffend die F r % e de» s* beding»« ge n. C! Präsident Leinert erklärtr Wir haben die Besorgnis, daß nnS ein Gewaltfrieden aufgezwungen werden soll. Wir fordern dieRogiorung auf, keitkem Frieden zuzustiwwon, der unsere Lebensbedrugnuge» gefährdet. Der militärische Sieg gibt der Entente kein Recht, unzweifelhaft deutsche Wbjete zu verteilen. Eine solche Vergewaltign ng könnte das deutsche Volk nicht vertragen, ech würde mit ungeheurer Kr aftanstrengung ein solches Anrecht zubeseitigen trachten. Wir fordern weiter, daß der Friede uns unsere G es a nge u en zurückbringt. Ebenso mutz die unverzügliche Räumung des besetzten Gebietes erfolgen. Ms! ist unsere Pflicht, noch in zwölfter Stunde einen Appell an das Gewissen der ga n z e « Welt zu richten. (Lebhafter Beifall.) Abg. Hoffmann (unabhängiger Sozialist) führt aus, daß sich seine Partei nicht an die gemeinsame Erklärung anfchließen könne. Er erinnere daran, daß « o ch s e ch s» hunderttaufend Russen in Deutschland zur ückg eh alten werden. (Sturmi sch er W id er sp r uch.) Wir lehnen jedoch jede Verschärfung des Wilfonschen Programms ab, ebenso jede Abtrennung deutscher Gebiete. Auch wir verlangen die RütksiNbo der Gefangenen, die Aushebung der Blockade uüd die'Räumung der besetzten Gebiete.^ Der Antrag wird unter Stimmenthaltung der unabhängigen Sozialisten äugenommen. - ' Der Kamps um die Macht in Bayern. I BürgerstreiL in Würzburg und Ansbach. — Mißlungener GeNeralstreU i& Nürnberg. — Der Ring um München. -- Einigung des Zentralrates mit Le«;;/ '■■*"" :-‘"Vc.'KomMUnMn. . Y;' - versuchten, ble NrrLbhüngrgen.zu. stürzen. EZ r ^eurfH'erl:. jetzt z tv e i .A'ent na-lr.äte,. die sich,gegenseitig-'bekam p^f e u. Das ganz« Militär steht auf Seiten, der ' Regierung ,Hossmann. München sei v-o l.Ikam m en ab g e- .f d) fo.'[;f e n; .gebe.e.« T.uo.p-fen Mil.ch UNÄ?kep.n -Stück-^Vieh meh-rin d^r VtädL.., Auch, diei -Kohlenvor'rä'te. gehen, zu Ende..Der.D'rrhtverkehr! 'jse^. gestserrt./.Dex Hersonenvertzehr werbe .MsrechLsrWtch: - Berlin, 11. April. (Korr.-Bnr.) Das. „Berliner i-Tage-- StutM'rk, lb April. (Korr.-Bur.). Das sozialistische Blatt „Schwäbische Tagwacht" meldet aus München: Die Lage ist noch inlmer völlig ungeklärt, während der sogenannte revolutionär^ -Zentralr.ut. Älässe üher die Soziälisierüng der' Presse, des. Wohnungswesens, und andech berausgibt, zu deren Durchführung ihm außerhalb München?' jegliches Machtmittel und vor allem der notwendige fachmännische Apparat fehlt, sucht die Llte'chozialistische ^Regierung .in. B.a m.b e r g das übrige Land um'sich zü' sammeln.' Zugleich hat an mehreren Orterr, so in WürzÜnrg nn,d Ansbach der B ür g e r st rei 1 ein ge sc tz t. Infolge des E A n s b a ch— T r e n ch t l i n ge n st i l l. Die Nachricht vom Zusammentritt, des. Landtages. in Bamberg wird w i d e r r u s e n.. In. N.ürn L.er g, wo. die Unabhärrgigen einen Generalstreik zu entfesseln' versuchten, ist es nur zu T e i l st r e i k s gekommen, die nunmehr gleichfalls beendet sürd. Nürnberg, 11. April. (Korr.-Bnr.) Das Kommando des dritten Armeekorps meldet, daß in München die Kommunisten . Matt"; meldet ans, M ji n.ch e n von 3 Uhr »nachmittags: Die i ch, ins und des Berliner" russischen - Kommnnistenführers L e-^j. w re ns das Uebergewicht.'. Die) Kommunisten - erklärten b'^reit, .mit beratender.Stimme i n b e n Z e n t r a l r ai eützutretc'ir. Charakteristisch für die. verworrene iZituation der letzten 21 Stunden ist, das; das fichrende Mitglied' des Zeu-, stralrates Toller gestern von den Kommunisten verhaf«i iet wurde, um am Nachmittag wieder freigela ssru §«S werden. . ' . ■MW! Polen gegenüber den Juden, lanciert Pressemeldungen und entsteM die Wahrheit. Den fremden Staatsmännern, die nach Warschau kommen, werden Potemkinsche Dörfer vorgebaut, die polnischen Bureaus im Ausland und in Paris mobilisieren alle ihre Beziehungen, um eine polenfteundliche Stimmung zu erzeugen und hinter den Kulissen dieser schön aufgeputzten Szenerie werden die Juden weiter. gemordet. Die polnische Telegraphenagentur verbreitet die Jnterpellationsbeantwortung des Heeresministers Lezniewski auf eine Anfrage der jüdischen Abgeordneten wegen der „Ereignisse in Pinsk", ohne auch. nur mft-einem Worte zu erklären, welcher Art diese Ereignisse eigentlich waren. Selbstverständlich wird wieder mit Lügen und grotesken Entstellungen gearbeitet. Es wird behauptet, daß es sich um die Auflösung einer geheimen Versammlung von Kommunisten gehandelt hat,, von welcher auf Soldaten geschossen wurde. Demgegenüber steht der Bericht des Delegierten der amerikanischen Lebensmütelkommiffion, Herrn Zuckermann, der Leinen Zweifel' über den tatsächlichen Sachverhalt zuläßt. Das' polnWe Bureau will offenbar wiederdie in Paris herrschende Stimmung gegen den Bolschewismus zur Beschönigung der polnischen Schandtaten ausnützen. Es wird diesmal nicht gelingen. Nur der blinde Haß gegen alles, was jüdisch ist, ist die Triebfeder dieses Bubenstreichs gewesen, der eine ganz harmlose innenjüdischc Veranstaltung zum Anlaß nahm, um die tierischen. Mordinstinkte einer halbwilden SoldGeskai zu bestiedigen. - '! . Der Schrei, der aus Pinsk herübertönt unk vom! gesamten, jüdischen Volk vervielfacht weitergegebenj wird, ist die verzweifelte Anklage eines Volkes gegen! ein Volk. Die Machthaber, die in Paris versammelt! sind, um die Welt zu verteilen, müssen diesen Schrei hören. Es darf nicht der Anschein entstehen, als ob die! Friedenskonferenz „wichtigeres" zu tun hätte/ als sich! mit jüdischen Dingen zu befassen. Es gibt im Augen-! blick nichts wichtigeres. Solange solche Taten möglich; sind, wie das Blutbad von Pinsk, werden alle! Arbeiten der Pariser Konferenz vergeblich < und! erfolglos fein und der, Friede wird nicht! kommen. Nicht die scheinbar großen, sondern die, scheinbar kleinen Fragen sind heute das Entscheidende.! Der Körper Europas ist noch . erfüllt von Seuchen-! Herden, welche gerade dort ihren Sitz haben, wpj mehrere Völker Zusammenleben und eine -ftiedliche- Verständigung nicht erzielen können. Dre Friedens-? Konferenz muß als wichtigste Frage den. Schu^ der! nationalen Minoritäten auf ihre Tagesordnung, stellen.! Das jüdische^ Nattonalkomitee in Paris wird aus den unglückseligen Ereignissen von Pinsk neues Material' für seine Arbeiten gewinnen. Die polnischen Umtriebe' müssen entlarvt werden. Das unschuldig vergossene Blut von Pinsk schreit zum Himmel.