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Wiener Morgenzeitung · 1919-04-09 · Heft 81 (9.4.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 81 (9.4.1919)
Date
1919-04-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Sie hat doch nicht einmal etwas vorgckehrt, damit die Aufhebung dex Blockade auch von einem Wiederinkrasttreten der Bvrner -Konvention begleitet ist. Infolge dieser Unterlassung ist es unseren Kaufleuten trotz der Aufhebung der Blockade nicht möglich, mit ihren alten Geschäftsfreunden in-den bisher feindlichen Staaten m -Verbindung Zu treten, so daß das Ende der Blockade nur eigentlich am Papier steht. Doch besteht die Hoffnung, daß unsere Staatsämter für Aeußeres und für Verkehrswesen das Versäumte raschest ein'holen werden. ' Wenn dies einmal geschehen^ sein wird, bleiben WH. genug andere Hindernisse übrig, die erst aus dem Weg, geräumt werden müssen. Abgesehen von dem trostlosen Zustand unserer, Verkehrsmittel, fallen darunter alle jene Verkehrsbeschränkungen rechtlicher Matur, die E-^treffendsten mit dem Namen einer Selbstblock.ade gekennzeichnet wurden. Sie bestehen darin, daß alle Waren- und Geldbewegungen über die engen Grenzen unseres Staates hinaus ohne behördliche Bewilligung unstatthaft sind. Diese Bewilligungen sind'/an 'alle möglichen Bedingungen geknüpft, die leihrr• nicht öffentlich bekannt sind, son/ern vollkommen von , der /Willküreinzelner Beamten,.abhängen, deren wMchaftliches Verständnis hegreislicherweise sehr gering waren. ■ Dieser, ganzd / BewMguugsuteHünismüs, der sich irt^der» ZentraLftelke-'fü'r Ein-, Aus-. und. Durchfuhr , tzmzMrierhgeschieht''unter,dejn,..Mrätext, daß er der Valuta wegen 'unbedingt erforderlich sei. Wie sehr er $£. Valuta: genützt hat, > sehen ^/wir gerade in diesen Mgen. Daß sich die betreffenden Referenten des Mlutadepartements des Finanzamtes nicht von - den Tatsachen überzeugen und von ihrer einmal vorgefaßten Meinung nicht äbb'Littg'en lassen, obwohl sie tagtäglich sehen können, wohin ihr Hegime führt, drängt den Verdacht aus, daß es diesen Bureaukraten mehr darum zu tun ist, sich ihre Beschäftigung zu erhalten, als dem Vaterlande wirklich zu nützen. Obwohl diesen Herten nnn von allen Seiten zugerufen wird, daß der Kronenkurs nicht von denr Angebot der Krone 1 und der Nachfrage nach ihr am Züricher Platz abyänge — das ist einckindische- Variante der Qüantitätstheorie — sondern, abgesehen von politischen Momenten, einzig und aktein von der Kaufkraftder Krone im Jnlande gegenüber den hierbefindlichen Warenmengen, ja. obwohl! gerade die Schriften ihres /jetzigen Vorgesetzten, -Professors Schumpeter,- die beste Widerlegung ihres Berufsdognras enthalten,,sind sie nicht davon abzubringen, die Krönenausfuhr auch weiter ihrer Kontrolle zu unterloevfen. - . .. ■, .; Wenn man heute -'Waren - aus - dem Ausland begkeheu' will, braucht«man si-kgende Papiere? eine .Einkaüfsbewilligung, eine Cinftrhrsbewilligung,' eine BelEligung der Devisenzentrale, -Kvonennoten ausführen - zu -dürfen oder einen-Kredit aufzünehmeu,/ eine Transportbewilligung seitens der Bahnbehörde, damit die Aatren auch? faktisch bewirtschaftet iverden können und 'schließlich, bei einer ganzen. Reihe von Waren,, die staatlichbewirtschaftet sind, einen - Transportschein seitens 'der. betreffenden, Zentrale. Airs dieser Aufzählung geht sivohl allein schon hervor, daß da von einer Aufhebung der Blockade nicht gesprochen werden kann, zumal,- wenn man aus Erfahrung weiß, Apelche Wege/ und Arbeit es kostet, bis eine solche einzige -Bewilligung. von.den Aktenschrejbern in der Zentral- - -stelle ausgestellt wird. Das schier Unglaubliche dabei ichist,.- daß kein Mensch weiß, was eigentlich erlaubt-ist also bewilligt — und was nicht erlaubt ist. Dem "einen lehnt man'den Import von bezahlten Waren, ab, dem anderen?gibt man nicht die Einfuhrbewilligung; obzwar man ihm die Einkaufsbewilligung erteilt hat?Nfw. Infolge der gänzlichen Entblößung der Devisen- -,;e>Urale von Devisen ist der.ganze. Apparat nichts als , cilw Farve, die zur „Beschäftigung" zahlloser Beamter und zur Behelligung des ganzeil Geschäftsverkehrs dient. Der Schaden, den dieftr Slpparat dem Staate zufügt, beschränkt sich nicht auf seine Er- ' haünrigskosten allein: d.is ganze. Geschäftsleben muß Der Anschluß. Die „Baseler NaLionalzeitung" erklärt, die Nachricht, DeütschSsterreich kSnne für feine Zustimmung zur. Neutralisierung das deutsche SüdLiroh die deutsche« Gebiete Westuugarns, eventuell auch Südmahren und SüdbShmen erhalten, beruhe auf Wahrheit. Die Frage der Donauföderation. H a a g, 8. April. (Tel. der ^Wr. Morgenztg.") „Daily Telegraph" wendet sich gegen, die Annexion deutschen und magyarischen Gebietes durch die Tschech ©«? El 0 waken nud Südflawen. Wilsons Selbstbestimmungsrecht werde verworfene und die alte Monarchie drohe zu einem großen Balkan zu werden. In der schlechtesten Lago befinde fich D e u t s ch b ft e r r e i ch, das ohne Hilfe der Entente, zugrunde gehen müßte. Das Blatt betont die Notwendigkeit der Bildung einerj D 0 n a « f 9 d e v a t i 0 n, bestehend aus Tfchecho-Slowakien, Angar tti und Deutschösterreich als Ersatz für die Monarchie. Die kleinen Staaten seiend eine Gefahr für Europa. ^' - ■ Die Gefahren der H a a g, 8. April. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) „Daily Telegraph" fordert die Entente zu sofortigen Maßnahmen zur Lösung der ungarischen Krise auf. Das Blatt führt ans: Die Bevölkerung der Monarchie ist b ew a f f n e t e n Banden ausgeliefert, auch in T s ch e ch i e n bestehen stärke bolschewMsche Strömungen. Die einzige Hilfe liegt in der Entsendung englischer oder ameriZanischer Truppen in größerer Anzahl, aber nicht nach Wiensondern nach e ft. denn wen« dieses unter Kontrolle der Westlichen' .Tvtke ’ Mch^sei«. Noch find die unfruchtbare Mehraufwendungen auf sich nehmen, um zu diesen Bewilligungen zu gelangen. Die Kaufleute rusen den Staatssekretär. > der Finanzen um Hilfe an. Er . befreie sie von diesen Drohnen. Was verlangt werden muß, ist kurz: die Aushebung des generellen Einfuhrverbotes und seine Ersetzung durch eine möglichst kurze Liste von Importverboten auf ausgesprochene Luxnswaren, .wie Trüffel, Champagner usw-, sodann Aufhebung des Kronenausfnhrverbotes,.da die Mittel zur Bezahlung der Lebensmittelimporte ohnedies nur durch staatliche, Kreditoperationen aufgebracht werden können. Die SevorstehendeN Wahlen. Bon Dr. Leopold PlaschkcS. Jeder Wahlkampf bietet uns die willkommene Gelegenheit, einen Appell an unsere Brüder und Schwestern und an, das öffentliche Gewissen zu richten, besonders aber ein Wahlkampf nach diesem Kriege. Das entsetzliche Völkerringen hat uns nämlich bewiesen, daß die Worte Menschheit und Menschlichkeit, wofür die meisten Juden immer so geschwärmt haben, aus dem politischen Wörterbuch unserer Zeit verschwunden sind, und daß, sich auch die Juden durch diese Schlag-, Worte nicht mehr blenden lassen dürfen. ' . Die bürgerlichen Klassen, welche noch während des Krieges bas Leben und Handeln der sogenannten Kultnrnationen bestimmend beeinflußten, haben heute fast ausgespielt. Jedenfalls für die Forderungen des Judenvolkes, das auf der Landkarte vorläufig noch nichts bedeutet, das seine Macht weder durch Kanonen noch durch Flammenwerfer erweisen konnte, haben sie keinen Sinn. Wir stellten zahllose Kämpfer, unsere Bankleute waren an der Finanzierung des Krieges in beiden Mächtegruppen beteiligt, aber als Volk sind wir unbeachtet geblieben. Von den: bürgerlichen^ Parteien haben wir, ^nichts zu erwarten! ' Däs einzige landlose, das geqnälteste Volk der' Erde lö'nnte nun, sollte man meinen, in den Enterbten aller Völker,' in. der um die unverlierbaren Rechte, , die^ Ehre und Freiheit der Menschheit kämpfenden Arbeiterklasse seinen natürlichen Bundesgenossen »finden. Sind.doch/die besten Ueberliefernngen des Sozialismus-jüdisch und die besten Köpfe unter den Sozialisten Juden! - Weshalb sollte also nicht die jJniernationale unsere Leiden und Hoffnungen .begreifen, uns wie allen ' unterdrückten kleinen. Nationen, in .unserem Kampfe um Freiheit und Zukunft des Judentums beistehen? Das Recht auf nationale Selbstbestimmung für die jüdischen Minderheiten müßte in den neuentstandenen sozialistischen Voll-z-staaten ebenso ungarischen Krise. ungarischen Bolschewiken von Lenin und Kon-s sorten durch die A k r a i n e getrennt, afcer wenn diese nicht unterstützt wird, so wird die/; ungarische Bewegung durch ganz Rußland ge», deckt und die ärgsten Dimenfionen annehmen und fich zweifellos über ganz Oesterreich ans» breiten. Deshalb ist die Regelung der polnisch» nkräinischen Frage zur Zsoliernng Angarns, Besetzung Pefts durch Ententetruppen und die- ' unWittelbare Einladung an Oesterreich rrtzd An g ar n .z u r Bert fcf un g ihrer Korrfe r-enz-; nötigt " klar gelöst werden, wie ettva im bürgerlich-liberalen Staats die Autonomie der Glanbensgenossenschaftcn. Wir fordern-! von diesen Staaten ja nichts Ungewöhnliches, wenn wir j . das freie Bekenntnis zu unserer Nation, das Äecht aufnational-kulturelle Selbstverwaltung und verhältnismäßige Ber^ tretung in allen territorialen Vertretungskörpern verlängert.^ - Das ist nur, die Anwendung allgemein sozialistischer Grundsätze^ auf unser Volk und gehört ebensozur sozialistischen Politik^ wie etwa die deutsche und tschechische, die polnische, oder , ukrainische, die , lettische oder armenische Frage! Dabei ist ‘ die Judenfrage nicht bloß eine deutschösterreichische oder pol-; Nische, sondern eine Weltfrage, die in die wirtschaftlichen und! politischen Interessen fast aller Staaten eingreift. Was tut? , aber die Sozialdemokratie? Sie nimmt zum Beispiel m; Deutschösterreich und Polen eine feindliche Haltung gegenüberunseren, Forderungen ein und vertritt in der Judenfrage' unentwegt den - bürgerlich-liberalen Assimilationspunkt, ihren' jüdisch-assimilatorischen Führern und dem peinlich berührten/ jüdischsassimilierten Bürgertum - zuliebe. Es ist wahrlich'kein Zufals, daß Diamand und Liebermcmn sich mit reaktionären! Vertretern der / jüdischen Finanz Galiziens zn einer feigen Erklärung über die polnisch-jüdische Frage vereinten, und' daß die „Arbeiter-Zeitung" die bekannte Resolution von Professoren, Hofräten imd Geldbaronen.der österreichisch-israelitischen Union als die Meinung der „anständigen" Juden, hinstellt. Kein Zweifel auch, daß Sozialisten in Polen und/ . in Deutschösterreich an dem Zustandekonrmen judenfeindlicher' Gesetze Mitwirken und der nationalen Entrechtung der Juden; die Wege ebnen. D'aszynski und Seih, Glombinski und HVeiZkirchner sind ebenso - Exponenten der Vergewaltignugstäktik wie«, Austerlitz und Ofner, Diamand und Löwenstein. .. .U Von den anderen haben wir also nichts-zu erhoffen,' die wollen oder -können uns nicht helfen. I2ur dann werden?' wir etwas erreichen, wenn Gvir uns, auf eigene. Füße stellen!/, und unsere Angelegenheiten selbst besorgen. -Unser Streben' nach <Delbständigkäit.'ünd Üllsere geistige Einheit als Folge' einer jahrtausendealten geschichtlichen Tradition-'macht -uns/ ' zur Nation,- auchwenn Wirtin 5Y Ländern-zerstreut'leben,? aber - wir - müssen züsämmeühalten. -Diejüdische Tragödie/ dieses Krieges, daß Juden gegen Juden im Kanipfe standen, darf sichincht 'wiederholen. Weuil wir selbst au " Leb Einheit - und lluivennbarkeit - aller Teilendes 14-Milliouenvolkes festhalten, - dann - werden die anderen' uns geltenlassen müssen., ' Allein sind die dciltschösterreichischen Inden nichts, gemeinsam? mit bcnt Judentum der Welt sind sic eine Macht, die nicht" übersehen werden kann. . . Nach diesem großen Gcsichtc-vunlt babcn wir unsere' Tätigkeit.einzurichten, >vo immer wir jüdische Arbeit leisten., j Auch ivenu >vir in Wien für die Lanoe-/?. einnimliing und den

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