Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 76 (4.4.1919)
- Date
- 1919-04-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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vnillifviRPian f «i* 30 Krller tträutmsrattotutrceifr r Bin»; Vkk» ßuReütine ta* Haurr Mo-,aUtch. . .L 7.— MrVirlsälirig . . „ 20.— Saldfätzri« . . . .. 40.— V«rns?q!fris . . . .. Äv.— :i i. Mil BostvrrsLn-: . . . .L 7.5» Akortslf^rig- ....?.2.~ - HrrlbfLikrig . . . 44.— ..88.- G»^ophs«»: Ad»»r«r-rxa- «vn^44tt»8. rrrdaittko» 4381S. O 6^ Uhr «Ursnd» 4. teuer Krrks 30 Keil« ttrSsMiiucattait*» pmltt 18» fea» Zra,l«rd^ MouEch . . ,K 8v« Nr-?i-lfShrk« . ... Si^> Aalr-jühris . . . „ 48^*4 «a«rrshvigr. , ,‘m SS.»» N-daktj»«.», Admi»hk»a» ftow: J Mi-», rr. Eaborstrakö Nr. t—4 - .. - Kostspartrassr«-K»»t* »r. 15N.S9S Nr. 76 Wien» Freitag» den 4. April ISIS 1. Jahrgang Die nationale Emanzipation der Inden. r Wien. 3. Avril. Die Konferenz, welche in Paris aus den; Dele<> gationen der jüdischen Nationalräte Ost- und Mitteleuropas, der zionistischen Weltorganisation und des jüdischen Kongresses in Amerika zusammengetreten .ist, hat nunmehr ihre Arbeit in mehreren Kommissionen ausgenommen. Das Problem, welches diese Konferenz zu 'lösen hat, ist insofern ein noch schwierigeres als düs Palästinaproblem, als hierbei dem politischen Denken erst fundamental' neue Bahnen geebnet werden Missen. Die Forderung nach nationalen Minderheitsrechten für die Juden in ihren Wohnländern begegnet bisher wenig Verständnis, weil die oberflächliche Beurteilung seitens derjenigen Faktoren, die nicht vital an der Lösung dieser Frage interessiert sind, ihr nur eine sekundäre Bedeutung zuerkennt. So verschieden auch die Gründung des jüdischen Gemeinwesens in Palästina von den territorialen Ansprüchen anderer Völker ist, sd läßt sich diese zentrale jüdische Forderung doch leicht theoretisch in das übliche Schema einstigen, da man das Selbftbestimmungsrecht der Völker in erster Reihe als das Recht auf den eigenen Staat begreift, dessen Stelle hier die nationale Heimstätte vertritt. Aber die Forde- ■ rung der reibungslosen Einfügung nationaler Minderheiten in nätionalgemischte. wenn auch zur überwiegelr-- den Mehrheit von einer Nation bewohnte Staaten, scheint gegenwärtig in den Hintergrund.getreten zu sein. Dj-e.- Friedenskonferenz hat sich leider bis jetzt dazu nicht geäußert^ und auch Theoretiker, welche früher dicke Bücher dapüber .geschrieben haben, '^scheinen 'jetzt' die Existenz iuefts Prochlems szu .iLbersehett. Uich doch'.ift gerade diese künftige auf Neue, dew ewigen Frieden' verbürgende Grundlagen zu stellen versprochen hat. Zu den vielen Enttäuschungen, die uns diese zwei' Monates Pariser Verhandlungen beschert haben, gehört. es.auch^ daß..man das Falschen um GebietL und Gebietsstriche für wichtiger nahmals chie Versphpung der Völker, rotzdem wir Noch immer auf Wilson hoffen, kann doch schon gesagt toerden, daß der alte Geist über'den neuen gesiegt hat. Wäre der Völkerbund wirklich ein-reines Ideal gewefen, hätten die alten; Staatsmänner aus dem Fegefeuer, der höllischen Weltkatastrophe wirklich den reinen. Willen zu einer grundsätzlichen Abkehr von der verderbenbringenden politischen- Methode in das neue Leben hinühergereLtet, dann wäre angesichts-'der im Völkerbund .sich zu einer neuen engen- 'Gemeinschaft Vereins- . geirden Menschheit die Frage nach dem Besitz dieses oder .j«n?s Landstriches bedeutungslos geworden,. Denn Haühier, Neid und - Eiserslichft hättendann auch aus - dein . Völkerleberr - verschwinden müssen. * Erst-vor--kurzem har Lhchd- George, darauf hingewiesdn- 'daß' die ' Weigevung in der .Abrüstungsfrage den' ganzer Völkerbund-illu- ^risch -mache- 'denn dadurch" werde'erwiesen, daß auch -deit Völke'rbnndverträjz wie. alle '.früheren Staatsver- Mgc nur -ein Produkt gegenseitigett Mißtrauens, .nicht ylrer die Verbindung, zu einer -vorbehaltlosen Gemein- Mast im Dienste dev--^DrenschheitM. <Daß der BölVerbundgedanke '.auf so unfruchtbaren Mden gefallen ist, erklärt'nuch, warum die' nationale Minoritätenfrage soinaktuell ist.- Denn Pie Vereinigung mehrerer Volker in einem Staat, dem zwar' das Mäjoritätsöolk das Gepräge gibt, lohne' daß gedoch 'dadurch'die anderen Völker ihrer Freiheit beraubh und zn 'Parias 'herabgedrückt werden, ist gewissermaßen eine Vorstufe des Völkerbundes. Beide Gebilde werden aus s däm gleichen Geist geboren. Beide setzen vcraus,' daß die Völ^r ihre Unduldsamkeit und ihre Mächtgelüste äufgeben und ihr Ziel nicht so sehr in der Ausdehnung, ihrer. Herrschaft, als vielmehr im Ausbau ihres eigenen kulturellen und sozialen Lebens sehen. Nur im Raume 1 ftößen' einander nicht nur die Sachen, sondern auch die Völker; die-Gedanken wohnen dicht'beieinander, seien es es auch. Gedanken verschiedener Völker. Für kulturelle ustd geistige Entfaltung bei Wahrung der Eigenart und Pflege der historischen Werte der Nation,'.ist die volle Möglichkeit Mge.ben,. ohne daß irgendein Volk durch' das ' andere beeinträchtigt werden muß. 'Selbstverständlich -ist . es, daß' das nationale Wesen der Minderheit hierbei imMr gewisse Einschränkungen erfahren, wird, daß es der Majoritätnation gewisse Konzessionen im öffentlichen Leben machen muß; aber, in ihrem inneren Leben iä der Regelung der Angelegenheiten, die nur sie allein betreffen, muß auch die Minderheitsnation völlige Freiheit haben und die. Mehrheit muß verstehen, daß durch Der Rat der Bier delegiert General Smuts nach Ungar«. „Zwecks Untersuchung gewisser Probleme." Paris, 3. April. (Funkspr. des Korr.-Vur.) Der Rat der Bier hat Mittwoch vors mittags und nachmittags Sitzungen abgehalten. Er hat die Prüfung der osteuropäische» Fragen fortgesetzt. Nach Schluß der Beratungen wurde ein Communiguö veröffentlicht, d a s beste, seitdem der Rat der Vier an die Stelle der Konferenz der Zeh« getreten ist. Das Eorrrrnrmiquö lautet: General Smuts reist nach Ungarn ab, um eineAnters fnchung über gewisse, durch den Waffenstillstand aufgeworfene Probleme er«zZlstellen, über die der Oberste Rat eingehendere Informationen wünscht. „Die Amerikaner haben nichts gewußt." Rew-Por k, 3. April. (Funkspr. der Tek-Kornp.) Die Blätter erklären in Besprechung der Ereignisse inAngarn, daß die Amerikaner nichts von dem Inh a l t e der seinerzeit im Aufträge Fochs.durch den Oberstleutnant Dix in Budapest überreichten Rote gewußt hätterr, derzufolge die uentrabe Zone als definitive Landesgrenze Ungarns bestimmt wurde. Dis serbische DWgstie abgesetzt? / Ausrufung der jugoslawischen Republik. ' B er lin, 3. April. (Korr.-Vür.) Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Lug ano> Italienische Blätter übernehmen die noch nnLestätigte Nachricht aus Trieft, wonach die D y n a st i e K a r a g e o r g e v i e a b g e s e tz t ^nd eine j n g o s l a w i s ch e R e P n b l i k v e r k ü n d e t worden sei. ' v " - W. . v.; ■4- Kongretzpoleru tttgMZ Warschau, 2; April. (Poln. Tel.-Ageniur.) Der Mmisterrat' hat über das ganze G eb i e t K o n g r e ß p o l e n s den Ausnah m s z u ft a n d auf die Dauer von drei Monaten verhängt. &tmütmppm gegen Arrgarn i*t Konstanza gelandet.! Amsterdam» 3. April. (Korr.°Bm.) Dem Pretzbureau Radio zufolge melde« amerikanische' Blätter, daß Streitkräf.te der %.ilii erten auf dem Wege «ach Ungarn in Konftauza geland et feie«. die Ausübung dieser Rechte seitens der Mind-erheitkeinerlei Konfliui'^is geschaffen wird, daß vielmehr der-'Konfliktstöfs' hiu.oeggecäumt wird) der sich in der ' Seele einer unterdrückten, sich geknebelt fühlenden Nation stets nnsarmneln muß. Allerdings müssen die Völker auch erst lernen, den verhäng'nisvollen Hochnlut -abzulegen, mit dem alles Frevröe, Andersartige als nrinderwertig und verächtlich empfunden wird, ohne daß man sich die Mühe gibt, auf das Wesen des andern näher einzugehon und cs aus seinen eigenen Bedingungen Hexans zu Verstehen. Die jüdische Frage, ist-nicht die einzige nationale Minoritätsfrage^ die noch.der- Lösung harrt. Beinahe alle der nengebildeten Staaten sind nicht, wie die leitenden _ Staatsmänner immer gern Vortäuschen ncöchten, nationale Einheitsstaaten, sondern auch sie sind näti-oMl. gemischt,.-und zwar wohnen die. nationalen Minderheiten nur - in Verschwindend, wenigen Fällen territorial gesondert, meistens aber in Gemenglage. Eine - allgemein gültige Lösung wird hier überhaupt nicht zu finden sein, vielmehr werden die einzelnen Fülle gesondert und nach den objektiven Verhülkrissen.und den Grundsätzen der Gerechtigkeit behandelt werden müssen. Hierzu' ist .'die Einsetzimg einer ständigen .Kommission * der „Gesellschaft der Nationen" erforderlich, welche auch als Gerichtshof für Verletzung nationaler Rechte zu fungwrenhätte.- Zunächst, aber, tut; Not, daß endlich von der..' Wed^nschnferenz-. Mttzatcht die Existenz dieses Problems .anerkannt wird, .und daß die; allgemeinen Grundsätze ausgesprochen werden, nach denen es gelöst werden soll.' Das jüdische Nationalkomitee in Paris , wird als.seine wichtigste Aufgabe ansehen müssen, den Staatsmännern der Entente und der öffentlichen Meinung die. Bedeutung und Tragweite dieses Gegenständes f vor. Augen zu führen und die lächerlichen Be- , denken zu zerstreuen, welche,von der Statuierung eines ' „doppelten Äurberrechtes" sprechenj Es wird dabei eine umfassende Aufklärungsarbeit, zu leisten sein, wobei von besonderem Wert die Anwesenheit der.'Vertreter der Ostjuden ist, welche die chaotischen, einer Regelung dringend bedürftigen Verhältnisse in den national gemischten Ländern des Ostens' genau kennen. Die Juden sind wie lein' ziveites Volk daran'interessiert, daß den nationalen Minderheiten ihr Lebensrecht zuerkannt und' gesichert.wird. Die Juden, die überall nur'Minderheit sind und keinen Rückhalt in einem mächtigen eigene« Strat haben, wären'überall der Willkür der Völkev.- - preisgegeben, wenn auch weiterhin im Völkerleben die. Ranbtierinstinkte die Oberhand haben werden. Do sind, die. Juden, indem sie für ihr eigenes Recht, emsteheu,^ gleichzeitig die Vorkämpfer einer großen MenWeitsidee^ ohne, deren Verwirklichung jeder Friede alrf ‘ Sandj gebaut ist. . . . ' ' " :! Das Maß der nationalen'Rechte, - Mlch-e'j für' Juden gefordert werden, wird in den einzelnen^Ländern! sehr verschieden sein. Das Pariser Komitee,.dem Sach-! verständige aus allen Ländern angehören und.das, gesamte Material zur'Verfügung steht,'Ä.MjnatürÜch'.Mrj, die einzelnen Länder konkrete Vorschläge Machen, welche' ', den tatsächlichen Verhältnissen ängepaßt'. sindt' ' Däbei-! ffpteten nicht nur die 'Zahl, sondern auch die Siedlungs-''. Verhältnisse, die wirtschaftliche Lage und soziale Diffe-! jrenz'iirnng, die. kulturell« Beschaffenheit der betveftenden jüdischen Bevölkerung eine Rolle.' Wer auch" tvvj die - Inden in großen Massenwohnen, werden, M 'keim Rechte fordern, welche eine Verletzung oder Bseinirächtr- . gung der Staatsnätion in sich schlössen.' Die' Indem ' haben keinerlei Expansionsgelüsts und keine aggressiven^ Tendenzen. Aber sie lassen sich auch nicht'mehr iu öen^ Schmutz treten. Die Juden wollen nur, daß waN sie' nicht, zwingt, ihre Eigenart und ihr kostbarstes Guts .aufzngeben. Die Völker waren, bishergewöhnt, den Judenals willigen Sklaven- ,-zn./behanMn>5 jieichabeck sich ihn dazu erzogen, daß er ihnen widerspruchslos und'. demütig . diente. > Jetzt -sind-- sie -erstaunt, däß k dieM- Me>rsch, i»r dessen Brust-der Funke des Stolzes' zü glühen ' nie ailsgehört Hat, sich wieder hoch aufrichtet. Esj-mäKU eine traurige Erfahrung sein, wenn man einen SklüvWütdk'ut und auf seine Dienste verzichten nruß; es sollte;- aber eine freudige Erkenntiris für jeden Menschen sein, daß ^Menschenwürde neu erstanden ist. Die Zeiten haben" sich' gelvandelt. '-Der Jude wird sein Judentum nicht mehr verkaufen. Das Pariser Komitee wird würdig und entschlossen der Welt sagen, was das jüdische Bol? als aleichk-.-echtigtes Glied der Menschheit fordert.