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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-24 · Heft 65 (24.3.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 65 (24.3.1919)
Date
1919-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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1 PL'-is WO Heürv »«Smrmsratronsvrrisv: Wt«a: Mt Zustellung in; Wiener br?»arttch. . . .L 7.- Kk«rt»08krks - .,, 30.— «eabjältfi« . . . " 40.- (fwtifftirrtgr. . •... so.— Mit Vestversaud: Mpttlrt ich . . . .IC 7ü» mjtttlialwlfS . . .. SS.— «Ä.wrifc: T«Isph»«»: AbministratÖm 44008, Nodaktlor» .49619, irt» 6 Nhv abend» »tt.!«W V.-v ' Nr. 65 Wien, Montag, den 24. März ISIS SO Helft? VvSnnmeratka«»- «mtlfo fttt? da» Analaad:; 'ittonetlldf . , .K 8.— i?JsrMf5!)s,iß . 21.— |SrtU»5S'/*"'ö . . . M 4ß,r- Ga»N«hr!s. . „ stk.- R»da!rj;mr rr. Administs»^ ttorrr Wrerr. rr. SadorstraKe Uv. 1—8 " Psstst»avkassen-S»nto jSSsr. t5 oJfiß 1. Jahrgang Ex-Kaifer Karl nach der Schweiz abgereift. Wien, 23. März. Die Staatskorrespondenz meldet: Heute nachmittags find der frühere Kaiser und seine Familie von Erkartsau in Antonrodilen zur Station Koppstetten der n.-ö. Lmrdesvahn und von dort um 7 Ahr abends nach Hütteldorf gefahren, uw sogleich die Fahrt in die Schweiz akMireten. Der Sonderzug wird morgen um 3 Ahr nachmittags irie Grenze passieren. 1/. Die militärische Lage MchlKKds. i Eine Mitteilung T^chitschgrins an Budapest. Offensive der Entente. — Deutsche Truppen unter HiRdenhurgs Befehl Operieren mit Polen und Akrainern. — „Nieder mit den Juden!" als Parole. Ukrainischer Vormarsch gegen Galizien. — Ungarn sok die Ententekommifsionen Verhaften. Moskau, 23. März. (Funkspruch des Del.-Korr.- HstH Der Kommissär für auswärtige Angele^enhMen Tschi t s ch e r i n hat - an den Volkskotttmissär Auswärtigen -in-' Budapest solgendps drahtlose Tclegrännn gerichtet: Vorläufig teile ich - Ihnen - folgendes über unsere MH mit: ' Wirerleben jetzt einen neuen An-/ ffiat-m, eine Welte,-die sich a.nf uns v0nWest uHd Ost -stürzt. Das jetzige System der'Entente b'vsteht darin, nicht ihre eigenen Soldaten gegen uns zM'fchicken,'sondern andere'"ins .-.Feuer zu treiben und fix, reichlich mit Kriegsmaterial -auSznstatten. Deutsch- Did. das^fich dem Willen der.Entente gefügt hat/ HH eine neue Arinee aus patriotischen Elementen und EMiMlosen gebildet und aps ihne.it de/t linken'Flügel OftzstWLEiMrL nM ^Itrmee, ''fo.k-,.. mHrk. Diese/neue deutsche Armee ist sehr .reichlich'' rpsi Kriegsmaterial ausgerüstet. Händen bürg leitet - E von Köivjko^'äus. “■ Dfstttbar -.-wird die Entente Deutschland irgendetwas für diesen Dienst zugute koinmen lasses. .' " / S .../!/? In Warsöhaü - weilt/ der französische General Wassel als Bindeglied mit der'/polnischen Arwee, tMche das Zentrum der Jnvasion/bildet., Der rechte rHigel. dieser Armee besteht ans den Petljura-Truppsn. .- A^x deutsche linke..Flügel hat Tukkmn und Mitau gc« nAunen Und nähert sich Ponewiescho. Das polnische Msttrüm bewegt 'sich gegen Wilna und Minsk und W Baranöwitfchi genommen. Der ukrainische rechte Mügel ist in voller Auslösung. . Die roten ükraini- Ae'n Sowjet-Truppen haben Wiultitza und Schmerinka .Mnommerr. Im Südennähern sie sich Odessa. Der yMze.' 'südwestliche. Teil geht nrehr und mehr iu die HInde der. ukrainischen Sowjet-Republik über. ’ "••V Gleichzeitig hat Ko l t s ch a k,, nachdem er seine. Mmce vorbereitet uyd organisiert hat, diese iU'.einem schnellen Angriff vom Osten gegen uns geschleudert. Eine Kolonne dringt über Perm in der Richtung Glasow vor, die andere hat Ufa ub»rfallen nutz geüommen. Unsere rote Armee hat diese. Offensive zum Stehen gebracht,' jedenfalls nicht ohne Mühe. Unser rechter Flügel im Gebiet von Uralsk-Orenbürg dringt siegreich vor. Im Don-Gebiet gehen unsere Truppen von Erfolg zu Erfolg. - Die Armee Krasnow ist in voller Auslösung. Es bleibt aber noch Denikin. D Im Norden gehen wir siegreich vorwärts. An dH esthnischen Grenze sind wir daran, die Weißgardistischen Eindringlinge aus den Gouvernements Petersburg und Pleskan hinanszuwerseu. Die lettischen roten Truppen schreiten vorwärts im Gebiet von Walk. Die lettischen Truppen sind in einer schwierigen Lage infolge dM neuen deutschen Ansturmes. Diese gleichzeitige Offensive ist offenbar die Ausführung .eines wöhlvorbereiteten Planes, hinteü dem die Entente steckt. Gleichzeitig versucht die'Entente die Not, welche dürch die Blockade verursacht wird, auszunüHen, um durch Vermittlung' der / gewissenlosen, linkssozial-revolntionären Abenteurer Unruhen hervorzilrusell. Derartige U n x itTjen s imd. an , ei nigen P ü n k te n a u S g e b r o ch e n, offenbar durch Provokatoren vorbereitet. Die -Parolen ' wa^.n:' ,Meder mit den Juden", ,„Nieder mit den Kommunisten"./ „Hoch, ' bic-:SöchMZH^Woch'-dre''BolschewMl"l — Die Absicht ist klar. Alle diese Versuche sind mißlungen.. Eß ist ditz,..Wiederholungvssschr, was int Juli vorigen Jahres unternommen wurde, aber viel schwächer, und wir sind seitdem so fest geworden, daß wir diese Gefahren'-»siegreich - ab wehren. Es kostet uns. aber doch Mühe, diese Abwehr durchzusühren. Wir'' - sind jetzt m i t t e tt d,r in in e in e r ne u e n he U .ße n S ch lach t. Glärrzend ist unstre Lage/im Süden. Die' Gefahr "vom Ostens wehren wir ab'. Schwieriger .ist die Lage im Westen. Wir, d. h, unsere--ukrainischen., , Verbündeten, welche gemeiltsant mit 'uns -denI Kampführen,/dringen aber rasch gegeic Petljurch. vor. , Am schwierigsten ist die-Lage'unserer lettischen .und litauischen Verbündeten. Die Deutschen und die Poleri verrichten dort- Henkerarbeit. Die' -Repressionen in beii von ihnen neubesetzten Ortschaften sind eittsetzlich. Während die ukrainischen Sowjettruppen sich '■ Galizier/ nähern, wo eö schon gärt, sind wir dadurch unseren ungarischen Verbündeten nahe, die im Rücken' unserer Feinde stehen. Gegen die attstürmenden Deutschen und Polen werden neue Kräfte konzentriert. Das Erschemen eines Verbündeten in Mitteleuropa ist jedoch sehr wertvoll. \ Ich mache Sie darauf aufm/rksam, daß unsere Fürsorgekommission in Ungarn den Franzosen ausgeliefert und in Saloniki interniert worden ist. Sie haben jetzt die Möglichkeit, die -Ententekommissionen dagegen auszuwechseln. Unsere Kriegsgefangenen in Ungarn sind gewaltsam für Denikin rekrutiert cwordeli. Jetzt können Sie andere Wege betreten. . Die Sozialisierung iu Ungarn beginnt. Die Geschäfte und der Warenverkehr gesperrt. B u d a p e st, 23. März. (Meldung des Ang. T.-K.-B.) Das Vottskommiffariat für Sozialisierung hat folgende Verordnung erlassen: Jedes Geschäft, mit Ausnahme der Lebensmittelgeschäfte, der Apotheken, Drogerien und der Betriebe, welche Sanitätsmaterial verkaufen, ferner der Buch- und Papierhandlungen sowie der Tabaktrafiken, ist sofort zu sperren. Aus de» sofort zu sperrenden Geschäften darf aus weitere Verfügung ohne Erlaubnis des Volkskommissars für SozialifierungkeinerleiMaterial, sei es zu welcher» Zweck i^nmer, fortgebracht oder ausgegeben werden. Mr die Ausgabe der zur Ausrechterhaltung von Betrieben unumgänglich notwendigere Artikel gibt die Aeberwachungsabterlung des Volkskommissariats für Sozialisierung von Fall zu Fall die Erlaubnis. Wer diese Verordnung ^ribertritt und Waren ohne Erlaubnis sortfchafft, aus gibt oder versteckt, wird vor das Revolution sgeeicht gestellt und mit dem Tode bestraft. Die träumende Friedens- - Konferenz. Abänderungen des Februarpalltes. - Paris,' 23. März. (Funkspruch des Del.-Kprr.* Bur.) Präsident Wilson hatte den Wunsch tzstDedrückt, der Vollsitzung der Kommission für dett Völker-, bund beizuwohnen, die gestern nachmittag rm/Hotel Grillon stattgesunden hat. Der Präsident führte-in der Sitzung den Vorsitz. Die eben in Paris MgeLrof- senen schwedischen und norwegischen Delegierten Wurden im Lause dieser Sitzung angehört. Die Tagesordnung der Sitzung umfaßte die Erörterung der von den Vertretern der neutralen Länder beantragten Abänderungen zu den 27 Artikeln des Februarpakt^s. - Eine gewisse Zahl dieser Abänderungen ist im.Sinne der früheren französischen Vorschläge abgesatzt. Die Komulission wird Äe Prüfung des Entwurfes - tag nachmittags sortsetzen. Die neue deutsche Armee. 100.690 Mann, 3Q Kanonen und 36 Maschinengewehre. ß Amsterdam, 23. März. Der Korrespondent der „llutteb Preß" erfährt von sehr gut unterrichteter Seite, daß der Zehner- «at folgende m-litärischen imd marttimen Bedingungen, die Deutsch-' land auferlegt werden sollen, endgültig angenommen hat: Die deutsche Armee soll aus höchstens 7 Divisionen Infanterie und 3 Divisionen Kavallerie, zusammen 100.006 Mann, bestehen. ■ . Die Artillerie verfügt über 18.000 Karabmer, 36 M. as ch i n e n g e-w ehr e und 36 F eldgeschütze. Schwere Artillerie ist verboten. . . , ' . ' Die 2R a r i n e darf nur aus sechs Schlachtschiffen der Deutschland- oder Lothringen-Klasie, sechs leichten ', Kreuzern, bcherfschen.Zvrrden ges ch l e i f t. marttune 'nicht gestattet. Eme schwarze Liste deutsch;r Waren. . ^Rotterdam» 24. März. Der „Niemve Rotterdamsche- Coürant" meldet aus Paris: Der wirtschaftliche Ausschuffbe-- schäftigt'sich damit, eine schwarze L i st e. d e u ts ch ct H a n d e ls.w a r e n, deren Ausfuhr v e r b o t.c n wer den s o l l, aufzustellen. Diese Arbeit wird noch' ewige Zeit in Anspruch nehmen, denn man müsse die Mitte zwischen - denen halten, die zu viel verlangen und denen, die tlicht genug sordmi. _ Die Nnschlutzfrage. Die Friedenskonferenz hat noch nicht eytschieden. Bern, 22. März. Der pariser Korres p o ir d e n t der „W e st m i n st e r G a g e t t e" bespricht die französische Abiieigunggegendxn Anschluß Deutschösterre'ichs. an Deutschland. Er erklärt fix aus der nur schwer zu beseitigenden Auffassung der alten. Diplomatie vom Gleichgewicht der Kräfte und fürchtet bei aller Sympathie für die französischen Bedenken, daß dadurch der Eindruck geschaffen werden könnte, das Prinzip der Selbstbestimmung der V ö l st e r komme nur dann zur Geltung, wenn die. Entente es in die Wagschale werfen könne. Der Korrespondent glaubt aber nicht, daß die Friedenskonferenz einfach die Anregung akzeptieren wird, D e u t s chösterreich für unbestimmte Zeit die Vereinigung seiner Geschicke mit denen Deutschlands zu verbiete n? Vorläufig bestehe noch kein ossizieller Pl an für diese schwierige Frage. Er zitiert dann folgende Aeußerungen eines Franzosen: .Wir haben die Absonderung aller nidttbciufdjcit Elemente von Oesterreich begünstigt. W i e n^i ft i s o l i e r i, seine. Nachbarn sind mögliche Feinde. Die Deutschösterrcicher erkenneit ihre Schwäche und kehren natürlich zur großen derttschen Familie heim. Das betrübt uns Franzosen, weil uns all esu n a r gene h m i st, was u n s e r e n E r b f e i n d stärkt, über tricht zu Dernschlaud gehörend, ging diplomatisch mid miMrisch mit Deutschland vor, .was eine intö c tnu i dl i'ch c- Notwendigkeit war. Damals bedeutete dieö/abetPdaß die Tschechen, Magvaren nnd Südslawett usw. folgen nntßten ' Heute würden die Dentschösterreicher zwar zu Deutschland gehören. aber ohne die Tschechen usw. Das ist der Rmr-- gewinn für unS. Die 10 Milltonen Delrtschert in Oesterreich, und nicht neue Deutsche. Wir ittüffcuN btc Dinge' nehmen wie sic sind. ' . -

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