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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-14 · Heft 55 (14.3.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 55 (14.3.1919)
Date
1919-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Man spricht m Prag wohl schon davon, daß die tschechischen Truppen Niederösterreich in den Bereich ihrer Okkupation einbeziehen sollen. Wenn dies unterbleibt, so ist dies , sicherlich nicht den Bemühungen unserer Regierung zu danken, sondem nur der Besonnenheit und KMblmigkeit der Leiter der italienischen :md englischen Milmirmissionen in Wien. Der Kern der ganzen Angelegenheit,>um den sich Staatssekretär Dr. Dauex in seiner vorgestrigen Rede als guter Diplomat schweigend vorbeidrückte, schält sich langsam zu voller Deutlichkeit beraus. Es wird bekannt, daß am Dienstag der tschechische Minister des Innen:, Herr Svehla, einen vom 4. März datierten Bericht des Wiener Gesülchten Tusar in der Prager Nationalversammlung verlas, demzufolge der Unterstaatssekretär Dr. Deutsch zugegeben habe, daß die in der tschechischen Presse veröffentlichten Befehle der Volkswehr, in denen ein Angriff auf okkupiertes Gebiet vorbereitet wird, tatsächlich existieren. Was sonst erzählt wird, ist außerordentlich unklar. Der Staatssekretär süx das Heerwesen, Herr Mayer, habe zwei Volksryehrbütaillone aus ■ deutschböhmischen Mannschaften formiert, die in Bruck a. d. Leitha untergebracht wurden. DM'. Regierung habe weder von dieser Formierung noch von den Plänen Mähers Kenntnis gehabt. Herr Mayer wieder erklärt die in Prag aufgefangenen Befehlt für gefälscht. Die Untersuchung habe ergeben, daß Keinerlei Anhaltspunkte für die Richtigkeit der tschechi- Auflösung der Wiener Freiwilligen Aettungs. gefellfchast. In der gestrigen Sitzung des Wiener Gemeindsrates wurde mitgeteitt, daß sich di« Wiener Freiwillige Rettungsgesellschast aufgelöst habe. Der Rettungsdienst wird nunmehr verstadtlicht. Das Vermögen übergeht als Stiftung in den Besitz der Stadt Wien. Die Lebensmittelkredite für Deulfchöfterreich. 30 Millionen Dollar. Wie amtlich mitgeteilt wird, gewähren England, Frankreich und Italien Deutsch« österreich einen Kredit von 30 Millionen Dollar für die Lebensmittelbezüge. Als Deckung dienen neue Salinenscheine und Obligationen der Stadt Wien. Außerdem erhÄt Deutschösterreich 30.000 Tonnen Getreide. Die Versorgung Deutschösterreichs geschieht durch die interalliierte Lebensmittelkommisston in Triest. schen Behauptungen' vorliegen. 360.000 Tonnen Getreide «nd 70.000 Tonnen Fett für Deutschland. Lieferung bis 1. SepLerrcher. me äüfgefanffenen Befehle von Offizieren der Volkswehr umerzeichnet, was Dr. -Bauer vorgestern ent- . schiedenst in Abrede stellte? Sind ihre Aussteller aber Offiziere, die der Volkswehr fernstehen, wer gibt ihnen hie Autorität, Befehle zu erlassen, wie zum Beispiel: . „Oberleutnant Janusch hat sich am 1Z. Februar m Wien zwecks Fassung von Munchon zu melden." „Es sind auf den Spezial- Karten der > Umgebung von Znaim die ftrategrsch wichtigen Punkte mit roter Tinte anzuzeichnen." „Es sollen verläßliche Leute nach Znaim, Reichenberg,' Trautenau und Lcitmeritz entsendet werden, um die' Stimmung der Bevölkerung festzustellen." Auf allen diesen Befehlen fungiert jener Hauptmann Schwarz als Unterzeichner, den Herr Dr. Bauer nicht feststellen konnte. Wenn aber ein Hauptmann solche Befehle herausgibt, so muffen sie doch an irgend jemandengerichtet sein, setzen also die Existenz einer geschloffenen Organisation vöraus. Man :mrß nun Koch dem Berichte, den der Gesandte Tufac am 4. März, dem Datum der furchtbaren Vorfälle in Deutschböhmen, seiner Regierung erstattet hat, annehmen, daß es sich um eine Volkswehrorganisation handelt, eine Annahme, die dadurch unterstützt wird, daß aus Verlangen der Entente die Kommandanten der Volkswehrtruppen an der Znaimer Grenze abgelöst worden sind. Nach den uns zugehenden Informationen hat die deutschösterreichische Regierung tatsächlich keine Kenntnis davon gehabt, daß unberufene, gewissenlose Elemente am Werk waren, um eine Affäre vorzubereiten, die zu den schwersten Konsequenzen hätte führen können. Die Aktion geht vielmehr von Kreisen der deutschböhmischen Sozialdemokratie aus und wurde durch Generalstäbler eingeleitet, die in den Dienst der Republik übertreten sind, aber doch keine Beschäftigung haben. Diese Herren erinnerten sich an die Lorbedrreiser, die das Heer so oft sich wand, und versuchten, auf eigene Faust Krieg zu spielen. Das Traurige an der Sache ist, daß ihnen Truppenkörper zur Verfügung standen, in denen die Meinung erweckt werden konnte, daß die republikanische Regierung diese' Maßnahmen und Befehle mit ihrer Autorität decke. Welche Folgen hat doch dieses Spiel mit dem Feuer gehabt! Am 4. März find in Deutschböhmen iin 60 Männer und Frauen durch die Kugeln der tschechischen Soldaten gestorben. Hunderte von Leuten ftnb in die Kerker gewandert. Dieser Pogrom, den nichts auf der Welt entschuldigen kann und der nebst vielen anderen Er- London, 13. März. Eunkspr. der Tel.- Komp.) Der Pariser Korrespondent der „Times" meldet, daß bei der heutigen Begegnung der Waffenstillstandskommisstonen die alliierten Regierungen neuerlich ihre Absicht zu erkennen geben werden, Deutschland R a hrungsmittel zu fenden und daß sich die Quantitäten, die sie zu liefern beabsichtigen, auf 3 00.000 Tonnen Getreide U y v 7 0.0 0 0 T o n n c n F e 4* stellen werden. We Lieferungen follsn bis KÜnt 4^ September" erfolgen. Die Bezahlung dieser Vorräte soll durch Schiffsraum, Kredit in neutralen Ländern, Verkauf von ausländischen Werten und des Eigentums im Ausland erfolgen. Die deutsche Kauffahrteiflotte soll den Alliierten ohne irgend welche Begrenzung übergeben werden. Eine 200-Milllonenanleihe des Budapester Magistrats. Budapest, 13. März. (Korr.-Bur.) Wie die Blätter melden, hat der hauptstädtische Magistrat in seiner heutigen Sitzung && schlössen, zur Deckung des Defizits der Hauptstadt und zur Bestreitung wichtiger Investitionen eine Anleihe von 200 M i l l i o n e n Kronen gegen 60jährige Amortisation aufzunehmen. Die Neutralen zu einerpriMM Konferenz nach Paris eingeladen. Paris, 13. März. (Reuter) An asttz neutralen Rationen Europas, Asiens und Amerikas ist die Einladung ergangen, Vertreter WMordnen, die an einer in. Paris am 20. h. M. ftattfindenden privaten, n i ch t o f f i z i ^jl l en Konferenz teilnehmen sollen nutz dort ihre Ansichten über den Völkerbund darlegen können. Die Einladungen find von per Friedensko nf erenz ergangen. JErnKttonalisierung des Rheins. Kiel ein Freihafen der Nationen. Paris, 13. März. (Reuter.) Das Wsterkomitee für Schiffahrt der Kommission für Häfen und Wasserwege schlagt vor, daßW Rhein für die Schiffahrt alter Rationen ohne Lnterschied geöffnet und von einer Kommission ähnlich der Donaukommiffion kontrolliert werde. Ptzzüglich des Kieler Hafens wird die HWmission Vorschlägen, daß dieser zur frDen Verfügung für die Handels- «nd Kriegsflotten aller Rationen stehe. Der Kanal soll wrttetbin deutsches Eigentum bleiben und von Deutschland in Betrieb gehalten werden. Mit den Befestigungen des Kanals lyerdttt sich die militärischen und anderen Sachßekständigen des Obersten Kriegsrates befassen. eignissen die junge Ge'/ichte der tschechoslowakischen Republik befleckt, ist also — wie hier dargestellt — durch Kreaturen des alten Systems provoziert worden. Unsere Regierung trifft daran, wenn man von dem tragikomischen Herrn Mayer m'sieht, Leine unmittelbare Schuld. Aber sie ist dafür verantwortlich, daß im Kriegsministerium noch immer Leute sitzen, die den Sinn und Geist der neuen Zeit nicht verstehen und die sich nicht damit abfinden können, daß das Waffenhandwerk niemals mehr einen goldenen Boden haben wird. Es geht hier so, wie in En unseren Aemtern. Aus der Monarchie ist eine Republik geworden, aus dem Ministerpräsidenten ein Staatskanzler» aus den Ministern Staatssekretäre. Die Namen haben sich geändert, aber die Dinge sind so geblieben, wie sie waren. Die Verwaltung ruht überall in den Händen einer verrotteten Bureaukratid, die den Staat, in einen Krieg hineingehen ließ, der weder politisch,noch mMärisch, noch wirtschaftlich vorbereitet war, deren Voraussicht die eines kleinen Kindes ist und deren Gewissenhaftigkeit sich auf der Stufe böser Narren hält. Dr. Bauer hat vorgestern gewiß mit Recht darauf hingewiesen, daß sich auch auf dem Boden unseres Gebietes Narren Herumtreiben können. Aber daß diese Narren noch Macht haben, daß sie Leute finden, die ihnen folgen und gehorchen, daß sie sich in Aemtern Herumtreiben, Akten schreiben, das Publikum schickanieren können — daran trifft die Schuld einzig und allein die Regierung, die bis heute noch nicht zur Grundlüge unserer Verwaltung vorgedcungen ist und die Träger her gltösterreichischen Korruption nicht längst von. Men Posten entfernt hat. ' Es ist ein merkwürdiger Zufall: Nirgends funktioniert unser Verwaltungsapparat, nichts MMht sich reibungslos in der neuen Republik, um dej ylie militaristische Geist spukt noch immer und Mrt ZU Ereignissen, wie den Prag-Wiener Konstikt. D-S ist natürlich nicht geeignet, die Bevölkerung mit VMaHerr für den neuen Zustand und die neue UnordnWfl zu erfüllen. Welches Vertrauen aber soll denn DMschland, dessen „unverzichtbarer Bestandteil" Mvp-sckt vorgestern sind — wenn die Entente chren Ägerr dazu gibt — zu uns haben, wenn wir in solchGPersassung Ausnahme in den deutschen Bm:d heischen? Uiib welche Bereicherung können denn lyip^mit unseren zerrütteten Finanzen, mit unserer: zusmMett' brechenden Eisenbahnen, mit unserer jämmerlicheuDtt-- waltung für das von schweren sozialen uiü) politischeu Kämpfen durchwühlte Deutschland bedeuten, desu<Mir nichts anderes mitbringen als beschäftigungsMerne Generalstäbler, für deren Tüchtigkeit gerade Deutschland das richtige Verständnis haben wird. Man kann sich so ungefähr den Tonfall vorsieste^ in dem die englische und französische Presse die Vorbereitungen zum Einmarsch unserer Volktzwchr-- mannschaften in Südmähren und in DeutschböhMN besprechen wird. Daß die Staatsmärmer der tzchiösttjk darüber doch ein billiges und gerechtes Urteil Wen H m i

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