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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-13 · Heft 54 (13.3.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 54 (13.3.1919)
Date
1919-03-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite -1 •-IBiert, Souncisuig Wiener Morgenzeiturig 13. März 1919 Nr. 54 Irr der Debatte öeontragte der Wiener Tscheche Dvörschak die Intemationalvrerrurg Wiens und Niederösterreichs mrd wendet sich gegen den Anschluß an Deutschland. — Sein Antrag wird nicht imterfuiut und kommt nicht zur Beratung. — Verschiedene Redner aus Tirol fordern, daß die Entscheidung über den Anschluß Tirols dein Tiroler Landtage Vorbehalten werde. Der ^msbrucker Sozialdemokrat A b r a m tritt diesem Verlangen sehr scharf entgegen und erklärt, daß die Arbeiterschaft Tirols rmd Borarlbergs den Anschluß an Deutschland fordere. Bezüglich Demsch^SiidtirolS ist er sehr optimistisch.! Abgeordneter Robert Stricker: Geehrte Nationalversammlung! Im N a m e u d e s i ü d i f ch e n B o l k e s habe ich die Erklärung abzngeben, daß i mir daL S e l b st b e st i mmungZrecht des deutschen Volkes achten, daß wir in der Frage deS Anschlusses an Deutschland eine Angelegenheit erblicken, die" einzig und allein das deutsche Bolk in Deutschosterreich zu beurteilen hat. Das deutsche Bolk hat d a r ü b e r z u e n t-- » scheiden und wir werden mt§ dieser Entscheidung fügen. Beifall.) Wenn ich aber doch als Kontraredner spreche, so muß ich lagert: Es sind s a ch l i ch e G r ü n d e, die mich deranlaffen, Sie vor der Gefahr zu warnen, die durch die Annahme des Gesetzes in der gegenwärtigen Form entsteht. Ich stähle mich dazu veranlaßt als Bürger dieses Staates. Dem Herrn Staatssekretär Dr. Bauer hat es' beliebt, irden, der in dreserFragenicht blind mitt u t: will, jeden, der für diese Nervosität kein Verständnis hat, als einen Habsurgerknecht oder als Knecht d e s K a p i t a l i s m u s zu bezeichnen. (Zwischenrufe.) Mein Gewissen spricht niich davon frei. Aber Sie beschließen hier eins e i t i g in der Form eines Gesetzes: D e uts ch ö st er re i ch ist der unverzichtbare Bestandteil der deutschen Republik. Es ist unerhört, eine solche Bestimmung in ein Gesetz hineinzubringen. (Zwischenrufe.) Der Zusammenschluß zweier Reiche kann nur das Resultat von B e r t r a g s v e r h a n d l u n g e n sein und das Gesetz kann die so gewonnen« Verträge besiegeln. Ich habe aber noch nie gehört, daß ein 2E beschließt, meine Wohnung gehört zu? Wohnung des A. Das muß erst geordnet werden. Ich verstehe Ihr Bedürfnis, die Zusammengehörigkeit mit dem deutschen Volk »t manifestieren. Da empfehle ich Ihnen aber, eine andere Form zu suchen; muten Sie uns nicht zu, hier etwas zu beschließen, was die ärgsten Konsequenzen haben kann. (Zwischenrufe.) Ich werde aus diese Konsequenzen sofort Hinweisen: Durch diesen Vertrag haben Sie sich / diplomatisch entmündigt. Es wird dann nach außen hm keine selbständige Vertretung Deutschösterreichs mehr geben, sondern nur eine Vertretung des Deutschen Reiches. Kann aber Deutschosterreich heute aus eine selbständige Vertrettmg verzichten? Ich sage nein. (Zwischenrufe.) Wenn Sie mir sagen, das große Deutsche Reich werde dies besorgen, so antworte rch Ihnen: In diesem Falle haben Sie Ihre Vertretung einem Schwächeren anvertraut. \ Wir find vielleicht die Stärkere«. Telegxarmne. Der Bölkerbundkongretz in Bern. Die Schuldfrag«. — Die Gleichberechtigung der Frauen. Bern» 12. März. (Schweizerische Depeschenagentur.) In der heutigen Bormittaassitzüng des internationalen Völkerbimdkongrefscs teilte Professor N i c o l a i (Deutschland) mit, daß eine Versammlung von deutschen Teilnehmern am Völkerbrmdkougrcß folgenden Beschluß gefaßt hat: In Anbetracht der Tatsache, daß die Zentralmächte den zuerst von Serbien, dann vom Zaren gemachten Vorschlag einer Entscheidung des Konfliktes durch den Haager SchiedsgerichtZhof abgelehnt haben, ferner daß die entscheidenden K r i e g s e r k l ä r u n/g e n an Serbien, Rußland und Frankreich von den Zentralmächte» ansgegangen sind, erklären die auf dem internationalen Völkerbundkongresr anwesenden Deutschen: Es liegt im Interesse des deutschen Volkes wie des zu begründenden Völkerbundes, die F r a g e der Schuld an der Entfesselung und Verlängerung de s W e l t k r i e g e s vor einem deutschen Tribunal unter Vorlegung sämtlicher m den deutschen Archiven befindlichen Dokumente zu untersuchen und die Schuldigenz u r V e r a n t w o r t u ü,g zu ziehen. Die Konferenz befaßte sich sodann mit der künftigen Frauengesetzgebung und nahm nach einem Referat von Frau Perlen (Deutschland) eine Resolution an, die die politische Gleichberechtigung aller Frauen, einschließlich der Wahl in hie obersten Behörden, insbesondere auch in diejenigen der auswärtigen Politik, sowie die Zuziehung von Frauen zum Vorfricdenskongreß und mm eigentlichen Friedenskongreß und endlich eine internationale Gesetzgebung zur Bekämpfung des Frauen- und Kinder Handels durch Androhung schwersterüZuchth ausstrafen verlangt. Zur Behandlung kam hieraus die Abrüstungsfrage. zu der eine Resolution vorlag, über die Frau S » owden (England), Graf Montgelas (Deutschland) und Dr. Wenberg (Deutschland) Bericht erstatteten: Was Deutschland an Lebensmitteln erhält. Die Frage der Bezahlung. London» 12. März. (Funkspr. des Korr.-Bur.) Der Pariser Korrespondent der „Times" hat von glaubwürdiger Seite erfahre», daß die alliierten Mächte bei der morgen in Brüsiel beginnenden Waffenstillstandskonferenz neuerdings der Absicht Ausdruck verleihen werden. Deutschland mit Nahrung s- Mitteln zu v ersorgen. Die Alliierten. sollen sich dahin geeinigt haben, bis zum 1. September allmonatlich 300.000 Do n n e n B r o t g e tr ei d e und 70.000 Tonnen Fett an Deutschland zu liefern. Die Bezahlung des Gelieferten soll durch verschiedene Zahlungsnnttel erfolgen, unter anderem durch den übernommen Schiffsraum, durch in neutralen Staaten bestehende Kredite, durch den Verkauf von ausländischen Guthaben, durch deutsches Eigentum im Ausland, weiters durch deutsche Rentenvfandbrieseim Ausland und schließlich in beschränktem Maße m i t t e l s G o l d. Die deutsche Handelsflotte werde an die Alliierten sofort übergeben werden, ohne daß dies ihrem schließlichen Schicksal präjudizieren soll, und von^ einer 'aus Vertretern der Alliierten und der Vereinigten Staaten bestehenden Kommission unter Zuziehung eines deutschen Delegierten verwaltet werden. Es liegt in unserem Interesse, es liegt vielleicht auch im Interesse des Deutschen Reiches, daß es eine selbständige Berlretrmg Deutschosterreichs gibt. Der Herr Staatssekretär hat gesagt: Ja, die Verhandlungen kommen und die Verträge wird man schließen, Kommissionen wird man wählen. Er hat den besten Eindruck, daß alles gut gehen wird. Aber so haben auch Graf C z e r n i n und Graf B e r ch t o l d gesprochen. Damals hat man uns auch erzählt, daß alles gut geht. Wir wollen aber wissen, wie «8 geht und n>as verhandelt wird. Wir brauchen keine Gehcimdiplomatic und keine Vertröstungen. Hat uns das damals bei dein schwarzen (Grasen nicht gefallen, so kann es uns auch bei dem roten Staatssekretär nicht gefallen, wenn er Geheimdiplomatie treibt. Was ich hier sage, ist nicht faktiöse Opposition, sondern lachliche Bedenken. Ich kann nicht unwidersprochen lassen, daß man unser Schicksal in die Hände der deutschen Regierung legt. Sie ist mir nicht zu rot, im Gegenteil, sie ist mir nr blaßrot. So wenig ich den Herren Ludendorss und T i r p i tz vertraut hätte, so wenig vertraue ich den Herren Sch erde m «tut und EberL. Zwischen diesm Elementen besteht eine Verwandtschaft. Die Siege vom Alexanderplatz sommrn nur so vor wie der Sieg von G o r l i c e, und es kann passieren, daß eines Tages ein Telegramm des Herrn Scheidem a n n kommt: „Liebe Eulalie, mit Gottes Hilfe haben meine wackerenTrupp enden Alexanderplatz erstürmt. Gotthelfetveiter!" l Stürmische Heiterkeit.) Wenn der Zusammenschluß des deutschen Voltes ein unveräußerliches Recht des deMschen Volkes ist, dann dürfen Sie nicht nervös werden und ein solches Tempo einschlagen. Eure Entschließung des Volkes: „Wir wollen mit Deutschland Zusammengehen", besagt dasselbe und gibt den Feinden keine Handhabe, uns zu isolieren. . Redner verlangt schließlich die Ersetzung des Wortes „unverzichtbar" iui Artikel 1 des zweiten Gesetzes (Staatsgebiet) durch r;n besser verständliches, da dieser Ausdruck entweder einer advokatonschcn Satzschrist oder der peinlichen Halsgerichtsordmmg Karls V. entnommen fei. (Heiterkeit.) - Bei der Abstimmung wird die Vorlage in allen d r c i L e s u n g e n mit 66 gegen 47 Stiuunen zum G es? ierhoben. Nächste SitzMg F r t i t a g, 3 Uhr uachimuaa:-. ■ Eine VölkerLunÄkonferenz in London. Unter Ausschluß der Oeffentlichksit. London, 12. März. (Reutcr.) Heute wurde eine für vier ^age anbrranmte Konferenz der Vereinigung für den Völkerbund eröffnet. Der Konferenz wohnen Verträer der Vereinigten Staaten, Chinas, Frankreichs rmd anderer alliierter und associrerter Staaten bei. Auch B e n i z e l v s war bei der Eröffnungssitzung, d:e unter A u s s ch l u ß der O c f f t. n 11 i d) f c'i t stKsiand, anwesend. * ■ . ... - ' i ■ Die deutsche Friedensdelegalion. Weimar, 12. März. (Tel. der „Wr. Moraenztg.") ReichSminister des Aeußern - Graf Brockdorfs - Ra n z a n und der Reichsminister Erzberger treffen beute in Weimar ein, um die Zusammensetzung der deutschen Friedensdelegation zu Ende zu bringen. Die Verhandlung« in Brüssel und Rotterdam haben heute begonnen» In Posen wird schon seit einigen Tagen verhandelt. Die neue Herrschaft der Generäle. Halle, 12. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Angesichts der Tatsache, daß spartakrftische Plünderer chre Tätigkeit auf die Landleute ausdehnen und noch über zahlreiche Waffen in geheimen Waffenlagern verfügen, bat G e n e r a l M e r k e r von morgen, Donnerstag an, den Belagerungszustand auf die Gegend von Bitter seid und Merseburg ausgedehnt. In Halle beträgt die Zahl der Verwundeten 170, der Toten 55. Die Schäden durch Plünderunaen betragen annähernd 18 Millionen. Die Zahl der verhafteten Plünderer beläuft sich auf 280. Jetzt ist in Halle Ruhe erngetreten. Die Bergarbeiter nehmen die Arbeit wieder auf. * - Hindenbnrg» 12. März. (Korr.-Bur) Hier hat eine stark besuchte Versammlung von Arbeiterausschüffen nnd Vertrauenslemen der oberschlesischen Gruben stattgefunden. Der frühere Volksbeauftragte Barth ersuchte die Anwesenden, den Streik abzubrechen, da der Generalstreik in Mitteldeutschland und in Berlin beendet und in Oberschlesim als aussichtslos zu betrachten sei. Es wurde beschlossen, Donnerstag, beziehungsweise Freitag stich geschloffen die Arbeit wieder aufzunehmen. Die Schlacht in Lichtenberg. Berlin» 12. Marz. (Korr. Bur.) Die Besetzung Lichtmbergs vollzog sich heute vormittags fast kampflos. Unter dem Drucke der vordringenden Regierungstruppen hatten die Spartakisten bereits in der Nacht ihreStellungenznm Teil geräumt. Der Rest flüchtete vormittags. Das Tnrppeuaufgebot, daß die Einkreisung vornahm, war außerordentlich stark. Zahlreiche Waffen wurden erbeutet und verdächtige Personen verhaftet. Als später die Truppen in Panzerautos die Straßen durchfuhren, wurde auf sie a u s Verstecken gefeuert, wobei v i e l e E i n w o h n e r verwundert oder getötet wurden. Seit heute morgens findet eine eingehende Durchsuchung des gesamten Ostens und Nordens von Berlin nach Waffen durch die Brigade Reinhardt statt. Die Absperrung ist vollkommen. Niemand kann die abge-- grenzten Häuserblocks verlassen. Spartakisten greifen eine Gardekaserue an. Berlin, 12. März. Heute hat ein heftiges Maschmenwehrseuer auf die Kaserne des 3. Garderegiments begonnen. »3 Regiment wurde alarmiert und nahm die B 111 c t b fc* ung auf. Es wurde sehr heftig mit Gewehren, Maschinenwehren und Minen geschossen. Der Angriff wurde a b g ech l a g e n. Standrechtliche Erschießungen. Berlin» 12. März. (Korr.-Bur.) Die Nacht ist ruhig vecuseu. Es haben teine bemerkenswerten Ereignisse statt' sundem Hausdiirchsnchilngen in verschiedenen Straßen haben große kengen Wasfeii zutage gefördert. Heute nachts wurden in den besetzten Teilen der.Stadt vier.. Spartakisten, die bewaffneten Widerstand leistete», stand rechtlich e r s ch o s s e n. Bei der AÄhckung «nes SpartakistmnesteS in der Gegend östlich vom AkexMerplatz wurden 20 P o l e n gefavgengmommen. Das Verfahre« gegen die Mörder Liebknechts. Berlin, 12. März. Wie die Blatt« melde», dürste ttz B v r n n t e r s u ch u n g über den T o d 8 i e b l u e ch t r und der R o s a Luxemburg demnächst abgeschloff« werden können. Der Verdacht einer Teilnahme d« bereits votz dem 1. März, also vor Ausbruch des Generalstreiks verhaftet« f ü n f O f f r z i e r e an der Tötung Karl Liebknechts hat sich «» heblich verstärkt. Auch der Oberleutnant, der die Leiche de? Rosa Luxemburg in dm Landwehrkanal geworfm haben soll, fceS findet sich noch m Haft. Die Amerikaner verlasse« Fiume. f Ans Neutralität im italienifch-ingoslawifche» Konflikt. Fiume» 11. März. Die amerilanffche» DesatzmgB» bataillone habendie Stadt verlassen. D er spanss che Konsul, der zuglnch die amerikanischen Interessen in Fiume vermiß hat nunmehr aH Staatsangehörigen der Vereinigten Staaten aufgefordert, sich zm Abreise berert zu halten. Amerika will sich in dem bevorsieheudr italienisch-südslawischm Konflikt vollständig neutral verhalte«. Die tschechische Doumcherrschaft^ Budapest, 12. März. (Ung.TelFKorr.-Bm.) Me lschecho«' slowakische Regierung beabsichtigt unter Berufung darauf, daß bttj Waffenstillstandsvertrag sie hierzu berechtigt, die g a n z e - Douauschiffahrt in die Hand zvnehme» und hat bereits Vorbereitungen getroffen, um sowohl die FahvzengederDonau-Dampsschiffahrtgesellschast wie auch die der ungarischen Fluß-undSeeschiffahrtgesellschast xr beschlaguah«e». Dies« Schritt der tschecho-slowakische» Rrgienmg würde fift daL Wirtschaftsleben Ungarns einen schwerm Schlag bedeut«. Die VereinigMg der Industrie- und Berkchrsbeamten sowie de» ' Landesverband der ungarischen Berkchrsanstalteu werde» morgen - in dies« Angelegenheit eine große Protestversanmckmg abgehattm. Verhaftete Danknotenfälscher i« Prag. Prag» 12. Marz. Hi« wurde abermals eine Bande von B a n k n o t e n f ä l s ch e r n festgeuommen, die auß« Kronenstempeln auch englische Note« gefälscht habm. Sie versuchten auch ftanzosische sowie amerikanische Goldstücke zu fälschen, doch Mißlang dies« Versuch. Man fand drei fertige Proben englischer Banknoten vor. Generalstreik im Karwiner Grubenrerier. Krakau» 12. März. (Polnische Telemaphen-Agentm.) Der. B«garbeiterstreik im Karwiner Kohlenrevier umfaßt nunmehr alle Gruben. Dem Streik sollen sich auch «md«e Arbriterkateaorien anschlirßen. Dn Ausstand hat einen nationalpolitischen Charakter und ist als Protest gegen die Besetzung polnischer Gebiete durch die Tschechen gedacht. Französisches Militär i« Szegedi«. z Budapest» 12. März. (Tel. dtt „Wr. Morgrnztg.H Wie ans Fünfkirchen gemeldet wird, wmde dort der Elsenbahnerstreik heute eingestellt. AuS Szegedi« wird gemeldet, daß heute französisches Militär das Post- und Telegrapheuamt, die Eisenbahnstation nnd andere öffentliche Gebäude sowie das - Stadthaus besetzt hat. ' Die „Times" über Palästina. Amsterdam, 12. März. (Tel. der „Wiener Morgenztg.") Die „Times" schreibt in einem ausführlichen. * Aufsatz überd-ie politischen Ansprüche der zionistischen!/ Organisation: „Die Friedenskonferenz steht also vor der Auf- - gäbe, in Palästina eine politische und administrative Organisation zu schaffen, welche den Juden aller Länder gestattet, ihre nationale Heimstätte aufzubauen, ohne die Rechte der anderen Nationalitäten, welche das Land bewohnen, zu beeinträchtigen. Für eine aufgeklärte Regierung, welche von Rassenvorurteilen frei ist, sollte das keine schwierige Aufgabe sein, ganz gleich, welcher der Mächte das Mandat zur Verwaltung Äberz., tragen wird. Die Zionisten selbst bemühen sich sorgfältig, allen Verwicklungen, welche sich aus einer Be- . rührung mit den religiösen Problemen Palästinas ergeben könnten, auszuweichen. Sie erkennen offen an, ' ' ödaß die heiligen Stätten der Christenheit einem chrift-/ lichen Körper anvertvaut werden müssen, und ebenso, daß das Empfinden der Mvharredaner, insbesondere / in bezug auf Jerusalem und die Omar-Moschee, respektiert werden mutz. Die christliche Meinung wird ihr - hauptsächliches Interesse auf die Obhut und Erhaltung / der geheiligten christlichen Stätten, wie die Geburts- ' kirche'in Betlehem, das Heilige Grab in Jerusalem und ' die Ansiedlung in Nazareth, legen. Es ist nur gerecht, // daß besondere Vorkehrungen getroffen werden, diese Fragen in befriedigender Weise zu lösen und was die Bestrebungen der Juden und Araber anlangt, liegt y nur wenig Grund zu Befürchtungen für einen Avnflikt ' / dieser beiden Rassen vor. Schlechtinformierte Leute neigen zu der Annahme, baß die Zionisten die Errichtung einer jüdischen Regierung in Palästina beabsichtigen. In Erwiderung hierauf muß bemerkt werden, daß keiner der zionisti- ' scheu Führer je einen derartigen Anspruch gestellt hat und dürfte aych kein derartiger Vorschlag von der / v Friedenskonferenz ängtrrommerr werden. Die Regie- ’ rung Palästinas wird vovaussichtlich vorläufig voir ' einer.Großmacht der.Alliierten als Bepollinächtigter des Völkerbundes geführt werden. Der spätereu Zukunft muß die Entwicklung der Dinge anheimgestellt / werden. Die gewählte Macht wird verantortlich sein fiir die Erhaltung der Unparteilichkeit und der automatischen Entwicklung der' verschiedenen Rassen und ' Religionen, welche den palästinenfisMn Staat bilden. i ■, .... *• ' i vr'W i ' \'

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