Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 52 (11.3.1919)
- Date
- 1919-03-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der gesamte Verkehr stockt immer wieder ' aufs neue und ist beinahe schon gLnzlich eingestellt — . die Versorgung, Kauf und Verkauf, werden nachgerade unmöglich. Die Ernährung des Volkes, dir sich im'.Kriege 4 Non Monat zu Monat immer schwieriger gestaltete, ist I SUf einen unerträglichen Tiefstand herabgemindert, die / PolkSgesUndheit auf daS äußerste gefährdet. Und da müssen . wir denn doch laut und eindringlich unsere Stimme erheben " tmb denjenigen, welche für unsere Zukunft verantwortlich . sind,, zurufen: Besmnt Euch!. Genug der Reden, der Aufsätze und Berichte! Unzähligemale hörten wir schon de« Ausspruch, daß wir Arbeit und wieder Arbeit brauchen, um gesunden zu können. Aber es geschieht alles eher, Äs. diese Arbeit zu ermöglichen. Im Gegenteil: bureau- - ktatische Verschleppung, nur sehr zaghafte Entschließungen hrmzeichnen die gegenwärtige Lage. Ober ist es zu verantworten, daß, während auf der einen Seite Hunberttausende arbeitslos sind und man viele Millionen , fürz - die Unterstützung der Arbeitslosen und ihre Angehörigen ou'sgibt, . auf der. anderen Seite die so . wertvollen Güter . .her.. Sachäbrüstung — Maschinen, Werkzeuge, Verkehrs- . mittel, VerarbeitungSmaterial noch immer nicht abgesehen werden? Daß diese. Güter von Woche zu Woche . . MlÄhter werden^. Lgnz v^rherLtzir'., oder verschwinden, statt Dagegen.,Hße sich tzun ehichenden, das; durch die' Aufhebung der BlvckW die BerhÄtmsse sich ganz wesentlich bessern müßten. Das wurde.stimmen, wenn dje'Nachrichten über die Blvckädeaufhcüung sich bewahrheiten würden. Man kann jedoch mit Bestimmtheit, annehmen, daß dies nicht der Fall . ist. Von vielen Seiten istlpieöer einmal viel zu früh gedübelt worden, und allerhand phantastische Erwartungen, wurden ausgesprochen. Es' scheint uns überaus gefährlich," die hungernden und harrenden Massen derart irrezstführen. In den Freudenbecher fiel ein Tropfen Wermut;. heute wird bekannt, wiß die Ententemächte, die Ankünfte d er Salzbergwerke unt» die Einkünfte dch' Stadt 'Wienspfänden wollen. s.Aas läßt darauf schließen,haß tnnerhaUi der Alliierten 'i-schjyere Unstimmigkeiten herrsMn.-Wären die Entente- - . Mächte in der Frage des Anschlusses bezüglich der soforv. /ti^n Einstettung der Blockade 'und bezüglich der sofortigen Aufnahme der Lebensmitjeltmnsporte. einig, so würde^die Frage der Bezahluyg 'kein Hindernis sein. Mer zu den.. Unstimmigkeiten djeser Angelegenheit, die ja nur tvirtschaftlicher Natur sind,"gesellen sich'Wider- ■ spr.üche politischer Natur. Die ganze Frage der Zukunft Deutschösterreichs, die man ist-'Wien '..'bisher ' als eine Privatangelegenheit der Sozialdemokraten behandelt hat, reift zu einem schweren.intchMtionalen 'Problem aus, und die Eile, mit der unsere Regierung auf dem Wege geheimnisvoller Entrevchrst' Bauers mit Brockdyrff ---'wer denkt da nicht au'Racconigi oder Björkö vd^r Reval -t-. zu einer vollendeten Tatsache gelangen will, -steht in grellem Kontrast''M^rs Bedächtigkeit', die die Ententediplomatie gerade.' ist dieser Frage zeigt. Schon fragt der „Temps": „Geheunbesprechungen zwischchr Legierungen, die hierzu'.Wr'. reguläreS-MaZidat habest,'tvas gibt es ÄöllkommKere^ auf dem Gebiete der' GMimdiPlomätie?" ' ' . Weckt schon dies das stärW'.Mißbtraueu bei der Entente- D muß sie noch verwiWortzer den Kopf schüttelst, wenn sie von der. interesfauichl, von Dp. Dillon istitgeteilten Fovmel hört," DssHchKsterreich wolle in einem. Krieg ztvischen ÄeuischKstst.iurd^ Frankreich sich iiesttral erttäwns Wer sott ünJ nmr glauben? Berlin oder Paris?'/ v ' ][C: Dieses MßWuest tu unsepIWrL muß sich in atter Wtt in Mißtrauen gegen uyjHests.W.ert . verwandeln. Wenn das feindliche Ausland He§ t," wie bei uns gewirtschaftet wird — soweit überhaupt unter den gegenwäptigen "Verhältnissen von Etschasten die.'Rede"feil? kästn — wie dilettantisch und ohne jede Sachlichkeit man die Astschlußfrage bei uns behandelt, sv kann man begreifen, daß uns die Staatöinänmr der Entente mit sehr gemischten Gefühlen' gegenükerstehen. Wir haben je ine Exekutive, kaum die Steuerst können heute richti g >weMs... D.iL..Re.Li.':r«M.l^t . nicht die ge,. Deutschland soll Lebensmittel erhallen. Für 100 Millionen Pfund. Amsterdam, 10. März. Das Rentersche Bureau meldet aus Paris; Der Oberste Rat hat Vorschläge angenommen, die man für die Deutschen für annehmbar hält, um die in Spaa unterbrochenen Verhandlungen in Brüssel wieder aufzunehmen. Zn diesen Vorschlägen wird vorgesehen, daß gleichzeitig mit der Auslieferung der deutschen Schiffe die Versorgung Deutschlands bis zur nächsten Ernte mit Lebensmitteln r m W e r t.e von 100 Millionen Pfund Sterling erfolge, die teils in Kohle, Kali ufw., teils mit den deutschen Gnthabungen in neutrale» Ländern, teils mit ausländischen Wertpapieren, die Deutschland besitzt, bezahlt werden sollen. Die Orientfragen» das linke Rheinufer und die Anschlußfrage. Kompensationsverhandlungen zwischen Frankreich und England. Genf, 10. März. (Tel. der „Wr. Morgerizlg.") Nach Pariser Mnteilungcn schweben gegenwärtig eifrige Verhandlungen rwlschen Frankreich und England, wobei England das Mandat für Palästina, Mesopotamien und Syrien mit Ausschluß der französischen Interessensphäre am Libanon fordert. Als K o-m p e n s a t i o n bietet England die Unterstützung der französischen Forderung aus das linke Rheinufer. Die Forderungen auf das Rhemufer absorbieren gegenwärtig das ganze fran;ösische Interesse und smd auch Gegenstand einer heftigen Preffekampagne, die vor allem von „Matin" „Temps" und „Journal des debats" geführt wird. Unverkennbar ist auch der Zusammenhang mit der Frage des Ans chluss es D e u t s ch ö st e r r e i ch § an Deutschland. Damit bestätigt sich die.Voraussage Hrof. Försters, daß für die Zustimmung der Entente zum'Anschluß Deutschösterreichs dle.Anncxion des lwke« Rheinufers droht. Darum will man auch eine Erklärung für die freundliche Haltung Englands in der Anschlußfrage gefunden, haben: England wolle auf diese Weise den deutschen Einstuß in den nahe gelegenen-Gebieten ausschalten, während. cs sich tu Oesterreich wenig interessiert erklärt. Wilson für eine jüdische Republik. Genf, 10. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) „Agenee Fournrer" teilt mit, Wilson habe die Errichtung einer jüdischen Republ ik in Palästina bereits genehmigt. (Da derzeit von einer „jüdischen-Republik" nicht die-Rede ist, scheint die Meldung in dieser. Form nicht vertratrenswürdig.) Ex-Kaistr Wilhelm wird vor einen interalliierten Gerichtshof gestellt. Paris, 9. März. „Homme libpe" zufolge soll die Kommission für die Feststellung der Verantwortlichkeit für den Ausbruch des Krieges die Arbeiten betreffend die Schuld des Ex-Kaisers Wilhelm und seiner Mitschuldigen nahezu abgeschloffen und grundsätzlich entschieden haben, daß Ex-Kaiser Wilhelm vor einen interalliierten Gerichtshof gestellt werden soll. Kommunisten in Salzburg, Salzburg, 9. März. (Korr.-Bur.) Hier hat sich eine Kommunistengruppe gebildet, die mit einem Programm an die Oeffentlichkeit tritt, worin die sofortige Errichtung von Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräten verlangt und die Landesregierung aufgesordert wird, sofort alle aus dem Wege der Kompensation erreichbaren Lebensmittel einzuführen und dem entgegensteh.ende Verträge auszuheben. Ferner werden die sofortige Aebernahme aller leerstehenden Wohnungen und deren Bereitstellung für Obdachlose, Er» Höhung der Arbeitslosenunterstützung, der Znvalidenbezüge und der Volkswehrlöhuung auf 15 Kronen täglich, sünfzigprozentiger Abbau der Preise und energische Bekämpfung des Schleichhandels verlangt. Deutschland mutz zahlen. Rotterdam, 10. März. (Tel. der „Wr. Mor^ genztg ") Marfchall F o ch hat vom Zehnmännerrat die Ermächtigung verlangt, Deutschland eine Kriegsentschädigung von acht Milliarden Franks für 50 Jahre aufznerlegen. Me Verpflegung Deutschlands wird unmittelbar nach der Auslieferung der deutschen Handelsflotte beginnen^ Deutsch-englische Handels- - Konferenzen. Rotterdam, 10. März. (Tel. der - „Wr. Morgenztg.") Morgenbeginnen hier direkte Verhandlungen deutscher und englischer Anterhändler über die Ausfuhr von Kali, Salz und Farbstoffen nach Eng l a n d. Die Konferenzen find von der englischen R e gie rung ein berufen worden. waaam mk ringste Aktivität an den Tag, es werden fortwährend nur 9tzden gehalten, welche an unserer trostlosen Lage nicht das geringste ändern oder gar bessern könnten. Diese Arbeitsunlust und Passivität iiw't auf unser Wirtschaftsleben, das ohnedies' nicht noch ärger darniederliegen könnte, lähmend und zersetzend. Was uns nach dem'Znsannnenbrüch noch an greifbaren Gütern, die für uns von unschützbarem. Wette sind, zurückgeblieben ist, wird entweder gestohlen oder verschleudert. Ebenso herrscht eine völlige Unklarheit urtb Unsicherheit über die künftige Gestaltung unserer Finanzen, und unseres Geldwesens. Es ist nicht mehr möglich, das bescheidenste Geschäft mit öcit Nachbarstaaten durchzuführen. Der Verkehr mit den Nationalstaaten stockt vollkommen. Anstatt daß wir dem Beispiel des vielgeschnlähten Dr. Naschin Folge leisten und die Abstempelung unseres sbedeutend geringeren. .Notenmaterials ebenfalls in einer Woche .durchgeführt hätten, läßt sich unsere Fina'nzverwaltnnä ohne jeden Grund fast einen Monat, dazu Zeit; jetzt, nachdem die Abstenlpelnng in Tschechien vorbei ist, >verden!vir trotz aller Vorsichtsmetzregelu nngestempelte Noten von dort bclonunen. Auch, au^ Ungarn droht auf diesem'nicht mehr ungewöhnlichen Wege .der-Zu^- fluß bedeuteirder Mengen ungestempelter Banknoten.- Wir sind nicht nur ein geschlagener Staat, wir siEauch mit unserer Bureausratie"geschlagen..-.Nlld.^d.ies'^.- Bureaukratie befleißigt sich? statt Erleichterungen, anzu-.r streben, einer beispiellosen Verschleppungstaktik. DL/ Zufuhren sind gedrosselt, die Massen hungern und! unsere Belsörden vertrösten uns mit Worten. Diese Einsichtslosigkeit und Indolenz müssen, aitfhüren.' Ent-, jch'lnßfähigkeit und rasches Zugreifen sind--'ponnöteir.- Neue Männer, Männer der Tatkraft -müssen: an Diel Spitze unserer Verwaltung treten. Unser Wirtschafts- ' leben darf nicht länger nach , den' Grundsätzen' geleitet' werden, die in muffigen Bureaus vorherrschen, sondern 'die dringenden Gebote der Praxis müssen hin erster Linie Berücksichtigung finden. Die Koalition, .hie - nach'-Anssvruch Dr. Nenners zur Lösung 'sozialers.Auf-'. gaben gebildet tvurde. führt uns mit'ihrer Unsicherheit,. mit ihrer ZieTojigteit und Unklarheit immer, tiefer' in deic Snnlps. Und der Slarreit wird bald so Verfahren., sein, das; ihn nichr eiinnal dir E^tenie bei besten; Willen ' N'ird beranshokon tonnen.' ' .'