Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-03-10 · Heft 51 (10.3.1919) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 51 (10.3.1919)
Date
1919-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979128--00437-2985729
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

' GvMer-stchlE M-«rs »O Keilkr ItoflMlMetf Attrm*prrifc: % .]ÜHw: Mit Askl:§un>; tii (| fRi: «Sich. . . .L 7.- detjäm'i» ... „ SW.— ja^rvs 40.- .80.— Mit PostviLMd: itlich. . . .L VU»<> «Ld-ks. . .. Ä».- »srtj . u 44»— ^ri* . . . .. 88.- 'W« 44088, Xrtukttes ÜW9, «k 6 MH» «imtfc# «». 16801 (Sinitwfmpiüci ih'tte *® Hrllrr ^teätmnterotTOn^' Pkeise Mv »«« A»»tüi«k< Mo»«rtt«h . < .V 8.- Uiertelfkih-kK. . u »4- M«tt»säy»ks *:* . « H8.— <9<rnif<tfjt»g M 0#.— KedaKti«« u.A^ministv«- lim»: - / ' Mm,. K. «**«*,*,. Hr. 1—8 V-ftN»a»rrasst«-K»»rt'» N». 150.093 * s= Nr. 51 Wien, Montag, den 10. März ISIS 1. Jahrgang Der ZionistenKongretz in London. Die nationalen Rechte in der Diaspora. Kopenhagen, 9. März. (Tel. der „Wr. MorgenZtg/) In der Dienstagsitzung erstattete Leo M o tz- Ei n den Bericht der Kommission für nationale Rechte der Juden in der Diaspora. Er führte aus, daß in den nächsten Jahren für die Einwanderung nach Palästina im alleräußersten Fall eine Ziffer von iOO.000 pro Jahr veranschlagt werden ^dürfe. Das Problem der Juden in der Diaspora würde also weiter bestehen und durch die Folgen des Krieges noch eine Verschärfung erhalten. Bedauerlicherweise sei diese Tatsache bei den Verhandlungen in Paris von den Ziomsten und Nichtzionisten völlig vernachlässig worden; lediglich Lüeien Wolff habe der Konferenz ein Memorandum vorgelegt, aber dieses bedeutete einen schändlichen Verrat, da es im Gegensatz zu den Beschlüssen aller maßgebenden Iudenkongreffe die nationalen Rechte ignorierte, Dieses Memorandum müsse M das entschiedenste zmückgewiesen werden. Motz- Kin legte dem Kongreß eine/Resolution vor, welche von der Friedenskonferenz' verlangt, daß sie die An- Mennung der jüdisch en Nationalität, und die Sicherung 8er nationalen Minoritätsrechte, und zwar je nach 8en Verhältnissen hinsichtlich/.der .Sprache, Schule und Verwaltung in die Konstitution der Staaten Rußland, Polen, Ukraine, Litauen, Rumänien, Tschecho- Slowakien, Jugoslawien,. D e u t sch ö st erreich, Saloniki und der Krim - aufneyme. Ferner soll der Friedenskongreß für die Aufnahme der durch den jüdischen Wellkongreß repräsentierten jüdischen Nation in Den Völkerbund eintreten. Schließlich soll er be° stiMnen,. daß bei der Regelung' der Kriegs- MWen. im Verhältnis//M i hen > Mgetnemen Bex- Wen und unter internationaler Kontrolle schadlos Mallen werden. Motztzin. beantragte die Absendung einer Delegation nach Paris, um'dort die Vertretung der jüdischen Nationalräte der einzelnen Staaten zu organisieren. Diese 'Vertretung hätte die erforderlichen Arbeiten zur Wahrung der nationalen Rechte am Kongreß unverzüglich aufzunehmen. . An der Debatte, welche -den ganzen Tag in Anspruch nahm, beteMgten 'sich Schemarja Levin, Kaplanski, Syrkin, Barrondeß, Farbstein n. a. Die. von Motzkin vörgeschlagenen Resolutionen wurden mit germgfügigen/Äenderungen angenommen, t . Am Mittwoch nachnnttags berichtete F a r b st e i n ^Warschau) für die Emigrationskommission. Anschließend ausführliche Diskussion. . Die Organisationsfrage. Dr. I. a c v b f o \i und Sekretär Leo H e r rmann berichteten über die Orgämfationsfrage. Die vom vorgeschlagene Kooptation- Pros. Welzin an n s in die Leitung wird vom Kongreß bestätigt. Pas Z e ntr a lb u re a u wird nach L o.n d o n n e r l e g t. In K o p e n h a g e it bleibt bis auf weiteres ein Filialbureau. / Araber und Juden. . Am Schluß der Mittmochsitzung, in welcher AZeizmann über den Empfang bei der Friedenskonferenz . referierte, wurde ein herzlicher Brief dirs E m i r F e i s u l verlesen, in dem ausgesprochen wird, dyß die Araber, vor allem die modernen, mit dem Zionismus sympathisieren.W e i z m a n tr sei auch der arabischen Sache ein wertvoller Helfer gewesen, die arabische Delegation wünscht engste Verbindung mit ikm und wird auch auf der Friedenskonferenz die zionistischen Forderungen unterstützen. Die Toten des Weltkrieges. . Siebeneinviertel Millionen Minn gefallen. . Lugano, 9/ März. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Nach einer Zusammenstellung der Türmer „Stampa" beträgt die Gesamtzahl, der im Weltkrieg gefallenen Soldaten 7,275.000 Mann. Davon beklagt Rußland 1F00.000, Deutschland 1,600.000, Frankreich 1,300.000, Ox st errei ch-U n g a r n 800.000, England 700.000, Italien 460.000. Belgien, Bulgarien, Rumänien und Serbien je 100.000, die T ü v k c i 250.000 und MreMa 50.000 Tote. Fortdauer der Kämpfe in Berlin. —V- Die Meldungen des gestrigen Tages besagen, daß der entsetzliche Bürgerkrieg in der Metropole Deutschlands sortdauert. Dabei werden entsetzliche Details durch den offiziellen Draht überrnittelt: Ermordung einer Menge Polizisten und Kriminalbeamter durch Spartakisten, Erstürmung von Schützengräben und Barrikaden, Verstümmelung von Menschen. Natürlich geht man auf Seite der Regierung auch nicht in sanfter Weise vor. Man verwendet Minenwerfer und Gasgranaten. Je länger dieser Zustand dauert, um so klarer wird seine Sinnlosigkeit, wenn man nach politischen Motiven sucht. Um so verständlicher werden aber diese Kämpfe, wenn man sich daran erinnert, wer sie austrägt: Soldaten hier, Soldaten dort. Es ist einfach die aus viereinhalb Jahren Krieg erzeugte Psychologie des Massenmordes, des Hasses gegen die Ordnung und der Rache an einer Wett, die den Krieg geschehen ließ. Die organisierte Arbeiterschaft zeigt das Bestreben, zu einer ruhigen, politischen Auseinandersetzung zurückzukehren. Die Berliner Arbeiterräte haben die Einstellung des Generalstreiks beschloffen und die Arbeiter der Elektrizitätswerke haben Samstag nachts die Arbell wieder ausgenommen. Damit ist wenigstens der Dann der Dunkelhell von der unglücklichen Stadl genommen worden. In Düsseldorf herrscht der Belagerungszustand, in Laurahütteder Generalstreik .... Die Friedenskonferenz wird sich sehr beeilen müssen. Nachstehend die eingelaufenen Depeschen: Dom Berliner Kriegsschauplatz. Berlin, 9. - März. Die S t r a ß e n k ä m p s e in Berlin bauerit an. Das Kampfgebiet ist jetzt . beträchtlich, nach..IR hinäusgeschoben wordE EWWMsich in den Vororten Lichtettberg ' und.Weißensee ab. Sellens der Regierungstruppen wurden Artillerie u n d M i n e n w e r f e r verwendet. In der früh flammte der Kampf in der Frankfurter-Allee, wo die Spartakisten S ch ü tz e n g r ä b e n aushoben und Barrikaden mit Maschinengewehren errichteten,' wieder auf. Die Regierungstruppen beschossen die Allee mit Artillerie. Massenmorde der Spartakiften. Berlin, 9. März. Am letzten Dienstag hatten die Spartaktsten versucht, die Revierwache m der Mi'rggelstraße in Lichtenberg zu stürmen, waren aber von der Besatzung zurückgeschlagen worden. Drei Wachtmeister wurden, wie seinerzeit gemeldet würde, hiebei getötet, einer schwer verletzt. Gestern abends besetztennun die Spartakisten den Vorort Lichtenberg. Ihre erste Tat war ein Racheatt gegen die Wache des ersten Reviers. Es gelang ihnen, in das Gebäude einzudringen und die Besatzung zu überrumpeln. Sämtliche Offiziere, Oberwachtmeister und Wachtmeister wurden von den entmenschten Gesellen ermord et.. Die Zahl der Opfer ist noch unbekannt.. Ueber die Untat meldet „B. Z. am Mittag": Bon der ausieben Mann bestehenden Besatzung des Berpflegungsfahrzeuges, das in der Warschauerstraße von den Spartakisten abgesavgen worden war, gelang es fünf Mann zu entfliehen. Diese sagten unter Eid folgendes aus: Gestern abends wurde ein größerer Trupp gesangengenömmener Kriminalbeamter in das von den Spartakisten besetzte Omnibusdepot m der Wärschanerstraße eingebracht. Die gefangengenommenen Kriminalbeamten, ungefähr 60 an Zahl, wurden von den Spartakisten durch K o p f s ch ü s s e g e 1. ö t e t. Auch eine große Anzahl anderer Leute ist auf diese Weise von de» Spartakisten niedergeschofsen worden. Keine Straßenbahn. , Berlin» 9. März. Berlin wird vorlänsig noch o ch n e Straßenbahnverkehr bleiben,. da. in den gestern stattgefnndenen Verhandlungen zwischen der Direktion und den Angestellten keine Emigtmg zustandegekommen. ist. Auch der Betrieb der Onmibnsie ist wegen Differenzen zwischen der Direktion und dett Arbeitttchmern' bisher noch nicht ausgenommen worden. Dagegen arbeiten die Berliner Elektrizitätswerke wieder, und auch die Enenbahnangestellten haben den Bewieb überall lieber aufgenonmten. Entschlossenheit der Unabhängigen. Berlin» 9. März, Das Zentralkomitee der U n n l>-- d ä u g i g e n s o z i a l d e m o i r « t i f ch c tt Partei 1 D entschlands bmöztet in einem in der „Freiheit" verönn,kljchtcn Aufruf an ihre Genossen und Genossiiruerr ii’.icr iuv. Berlauf des unter den Stürmen der Revolution vom 2. bis V. März ■ in Berlin abgchalteuen ParteNages der Unabhängigen, Dieser habe der Partei den Weg gewiesen, der zur Besitzergreiftmg der. politischen Macht und zur Verwirklichung des Sozialismus sicher. Das N a l c f Y) ft e in, die Kawvforgamsation, die sich das Proletariat in der Revolution geschaffen habe, sei von dem Parteitag als e n t s ch e i d e u d e S M i t t e l z u r lim Anr! l 5 n u g der bürgerlichen Gesellschaft verkündet worden. Der Aufruf zählt sodann die Punkte des vom Parteitag Angenommenen Aktionsprogramms auf und wendet sich schließlich au. die Genossen mit der Auffordcnmg, mit revolnffonä.'c'r Kraft ans . Werk zu schreiten.!j Kämpfe in Moabit. - Berl'n. 9. März. Im Nordvsten k«r Stadl ch au erMdie Straßenkämpfs-bis in die tiefe. Dunkelheit/an„ mit dem Erfolg, daß die Aufrührer weiter zurück-- gedrängt und die von ihnen besetzten StützpüMe. genommen wurden. Die Leiter der Negidrungstruppen versichern, daß sie vollständig Herren der Lage, sind.' - - Zu schweren blutigen Straßenlämtzfen' kam -es ' gestern auch in'Moabit. Die Kämpfeidauerten his spat abends an. Zahlreiche P e r s 0 ne n wurden' getötet oder^schwer verwundet.. '' -? > Einstellung des Generalstreiks. Berlin, 9. März. Die Versammlung der Grotzberliner Arbeiterräte faßte gestern nach Zt/sstündMv- Erörterung folgenden Beschluß: Der Generalstreik wW>-° für beendet erklärt. Die Arbeiter iverdey/ MMortzW' die Arbeit Montag wieder aüfzunehmen. / Pt tM Mst-: tärisch besetzten Betrieben erfolgt die Ausnahtne der Arbeit erst nach Entfernung der militärischen Besarmng. Die Namen der wegen Streikvergeheu verhästeten Personen sind dem Bollzugsrat sofort bekanntzngebcnchdLr für ihre^^ Freilässüng 'Sorge zu tragen chai, '- werdest mAM§. Ähoh "-üitf .tdü^ör Lärm.: Die Arbeiterräte wurden von hUbwüchsigeil Burschen und Weibern in widerlicher Weise beschimpft und bedroht. Fliegerbomben und verirrte Granaten. Berlin, 9. März, Auf dem Bülow-Platz wurde von einem Flieger eine Bombe herabgeworfen, die in erste Gruppe von Zivilisten fiel. Bier von ihnen wurden getötet, 25 verletzt. Man glaubt, daß dieser Flieger, der bereits vor zwei Tagen einen Regiernngsflieger im Luftkampf angegriffen hat, die Bombe zu dem Zweyke abge. worfen hat, um in der Bevölkerung Erbitterung gegen dir militärischen Maßnahmen zu erregen. Durch verirrte Granaten wurde eine ganze^ Reihe schwerer Unfälle verursacht, wobei mehrere Personen ge'» tötet oder schwer verletzt wurden. Ein Befehl Noskes. Berlin, 9. März. Der Oberlommandierende in den Marken, Reichsminister NoSke, hat folgende Iw ordnung erlaffen: ' Die Grausamkeit und Bestialität der gegetr nnkämpfenden Spartakisten zwingt mich zu folgendem Befehl: Jede Person, die mit den Waffen, in der Hand gegen R e g i ernn gs t r ustp e n kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu erschießen. 6VVV Personen geschädigt. Berlin, 9; März. Die Zahl der durch dir jetzigen Unruhen geschädigten Bewohner dürfte bereits etwa 6000 betragen. Das Warenhaus Tietz schätzt' seinen Schaden auf etwa dreieinhalb Millionen,' wovon ungefähr zwei Millionen -auf die Beschädigung der Gebäude entfallen dursten. . Das Starrdrecht. Berlin, 9. März. Zwei Perfoueu, die eieren Sergeanten der Regierungstruppen überfallen und ermordet hatten, wurden gestern standrechtlich erschossen. „Feuerwelle" — „Handgranaten". Berlin, 9. März. Im Nordosten der Stadt dauerten die Straßenkämpfe bis in die tiefe Dunkelheit an, mit dem Erfolg, daß die Ausrührer wellec zurückgedrängt und die von ihnen besetzten Stützpunkte genommen wurden. Die Letter der Regierungstruppen versichern, daß sie vollstmrdig Herrm' der Lage sind. An der Peripherie mtba» "M den. Regmnnasttu-M alle WMsbm^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.