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Wiener Morgenzeitung · 1919-03-08 · Heft 49 (8.3.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 49 (8.3.1919)
Date
1919-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Wir waren glücklich, wenn es uns gelang, ihre Kammerdiener durch Bestechung dahin zu bringen, beim Servieren des Frühstücks ein gutes Wörtlein für die armen Juden in die erlauchten Ohren zu ttaufekr. Das galt uns schon als Meisterstück jüdischer Politik und wer es zustandebrachte, war ein ÄZühltäter des Judentums, sein Retter. Im Mittelaster haben sich jüdische Führer und Rabbiner vor den'Maitressen der Bischöfe und Fürsten im Staube gemimten, ihre Fütze in Gold gebadet und ihnen die Rettung ihres Volkes vor Feuer- und Wassertod abgeschmeichelt und abgehandelt. In der Nerrzett waren es die jüdischen Geldbarone, welche die Rettung des Wischen Volkes, die Wahrung seines Lebens, und feiner Ehre als diskretes Reben- und Schmuggel- An den Beratungstisch schlich sich der Jude uhagent Bismarcks, schen Gönnem und und Konzessionen ans enem Atem wartete zitternd mitbesorgten. 8E' Berliner Kongresses Bleichröder heran, a imd warf . seinen 'den?'Rumänen Anleihe dEÄsch, und mit angeh . Modische Wlh ob es ihm auch gelingen werde, ein MWMMW: ein.-TrirchgsWW^ tzis.rumänischen JMeir sonebenhermit gesch'ick^nHändcn den Mäch- Mn aus der Weste,rtasche l herauszufingern. Der Keneri Jude Tauffig hat mitten im Pogromsturm dem Zätek eine Anleihe untergebracht und den Juden in die Ohren geraunt, er werde bei der Gelegenheit hem Herrscher aller Reußen einige-hundert dem Tode Äweihte Juden als Provision abzwacken. Und es fanden sich Juden, die statt entrüstet aufzuschreien, dem Plan bewundernd zusÜmmten.?Wnz anständige Menschen, aber. Ghettokranke, denen der Sinn für jüdische Würde abgestorben ist. ' - Und diese Ghettokranken, hie Asiunllationsjuden, r sich fchon darauf, eingerichtet, aus - dem Kongresse, /er diesen entsetzlichen Krieg beenden und. die Welt endgültig ordnen soll, das alte Spiel zu wiederholen Reisefertig standen die Agenten der „großen, einflußreichen israelitischen JnsLilütionen" da, die Ver-» ^eter der Älliance, des Vereines deutscher Staats- Ärger und..wie sie alle heißen. Geschickt mit Empfehlungen gir Leute, welche wiederum empfehlen hönnen, ausgestattet mit dem Apparat der „bewährten Beziehungen", welche von einem großen jüdischen Heldschrarr^ ausgehen und in der Tasche des Sekretärs xmes Unterstaatssekretärs ihr glorreiches Ziel finden. -■>. . Aber es ist anders gekommen! Die jüdische W ü r d e i-st a u f e r st a n d e n. Mit starker Hand hat sie das Gßwimmel der abgefeimten Agenten zcr- Mt, alle beifette geworfelt, welche kleine Stückchen jüdischer Ehre, und Mischen Lebens im Schleichhandel ergattern wollen, als Abfall, den man unter dem Tisch . und zwischen den Füßen der Großen einsammelt. Mit festem Fuß hat die jüdische Würde den .Saal des Friedenskongresses vetreten. Die freigewählten jüdischen Führer Weidmann» Sokolow und Ussischkür sind ms Vertreter der Juden erschienen und sprechen für das jüdische Volk, n u r s ü r das jüdische Volk. Sie bringen keine Geschenke mtt, fic arbeiten röcht mit' Beziehungen, sie handeln nicht mit Konnnd halten keine Konferenzen auf Hinter- \ treppen ab. Sie sind nichts als Beauftragte des jüdischen Volkes, sie bieten nichts und fordern um: das jüdische Recht! Juden, die tticfjte bringen und nur verlangen! Den kleinen, im Assnnilationsgedanken verkümmerten Judenseelen ist es unfaßbar, aber die große Welt hoi es begriffen. Weizmmm, Sokolow und Üfsischkin werden inls oas Mische Land, das jüdische Recht und die jüdische Ehre bringen. Die jüdische Würde ist wieder äufgetichtet, wir, die Raiwnaljuden, haben sie wieder aufgerichtet. Mit unsagbarer Freude und unendlichem Stolz erfüllt uns dieser Gedanke. Unsere jahrzehntelange harte Arbeit hat' den herrlichsten Erfolg gezeitigt: Unser Volk bat wieder seine Würde. Tschecho-slowakifche Banknoten in Druck. Die abgestempelten österreichisch-ungarischen Noten nur ein Provisorium. Prag,?. März. (Korr.-Bur.) Die seinerzeit von der Nationalversammlung gebilligte Ausgabe von Kassenscheinen der BSHmischen Landesb anf wird in nächster Zeit durchgeführt werden. Zn zwei Prager Druckereien wurde bereits mit dem Drucke der Notenanweisungen begonnen. Die jetzt gestempelten Noten bedeuten, mit Ausnahme der Tausendkronennoten, nur ein Provisorium und sollen nach Aufarbeitung des Materials gegen die Notenanweisungen nmgetanscht werden. Lemberg mit schwerer Artillerie beschossen. Stanislau, 7. März. (Funkspruch.) Ukrainischer Heeresbericht vom 6. d. M.: Zm Gebiete vonBelz haben die Polen Prnsiniw genommen, wurden jedoch durch unseren Gegenstoß vertrieben. Unsere schwere Artillerie hat den Hauptbahnhof von Lemberg beschossen. Am 5 Ahr nachmittags waren starke Detonationen in der Umgebung des Hauptbahnhofes hörbar, die länger als eine halbe Stunde dauerten. Gleichzeitig wurde ein großes Feuer beobachtet. Unsere Artillerie beschoß C h y r o w. An den übrigen Teilen der Front ist die Lage tut« verändert. Die Verhandlungen in Span. Berlin, 7. März. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Von unterrichteter Stelle erfährt Zhr Korrespondent, daß man von einem Abbruch der Waffenftillstandsverhandlnnaen in Spaa nicht sprechen k ö n n e. Es sind lediglich die Arbeiten der wirtschaftlichen Kommission wegen der allerdings sehr tiefgeho«dc« D is s erenz über die Auslieferung der Handelsflotte ausgesetzt worden und nmrrLemüht sich .jetzt, eine KoMpxomißsorWel zu finden. Die mMtärischen Verhandlungen dauern weiter. in i.iuüiuiiu Zur Krise in der SozialdeMokrotie. Die Behauptung, die an den Eingang der nachfolgenden Betrachtung. gestellt wird, dürfte' vielen als 'ein gehässiges .Paradox erscheinen: Die Entwicklung und geistige Struktur der europäischen Sozialdemokratie trägt v mit einen Dell der Schuld, am Weltkrieg. Es . /kann nicht leicht einleuchten, daß. der ' radikalen.. Arbeiterpartei, deren Lehre sich aus die internationale Solidarität der Massen stützt, und von extrem pazifistischen Tend^nM beseelt ist, die indirekte Mtschüld an einem .Krieg zugestzrochen' werden soll, der in seinem ganzen Wesen der Ideologe dieser Partei diametral entgegengesetzt ist. Die' herrschende Richtung in der Sozialdemokratie der letzten Jahrzehnte hat sich vollständig auf die Lehre Marxens festgclegt, und die Marxorthodoxie bewies gegen jedes Schisma eins Unduldsamkeit, die nicht geringer war als in irgendeiner orthodoxen Kirche. Alles parteimäßig geeichte theoretische Forschen bewegte sich in diesen Gedankengängen und so gewann. huch die aus Marxens Ideen resultierende deterministische Auffassung, laut welcher alles Weltgeschehen unlöslich in wirtschaftliche Vorgänge geknüpft sei, die größte Herrschaft über die Gemüter. - Nach dieser Auffassung wird schließlich, auch, der einzelne ein im Grunde von der Umwelt abhängiges Wesen, insoweit als sein Wüle unfrei, .das heißt durch. die Formen der Wirtschaft bedingt ' ist. Der Wirtschaftsprozeß des Kapitalismus aber führt, .wie Marx beweisen will, .zur immer größeren Konzentration'des Kapitals in den Händen weniger und je weniger die Kapitalisten,' um so zahlreicher werden die Ausgebeuteten, bis das Proletariat infolge semer Ueberzahl so stark, wird, daß es die' politische' Macht erobert urrd die Expropriatoren selbst einfach enteigstvn könne. So wurde also die Arbeiterschaft dazu erzogen, in. der fortschreitenden Industrialisierung. ein erstrebenswertes Ziel zu erblicken, well nur durch diese der Könzentratjousprozeß des Kapitals beschleunigt werden könne.' Alle Kritik erschöpfte sich mehr und mehr an den Einrichtungen der Industrie, an ihrem Wesen selbst wurde rächt gerüttelt. 'Und mich das erste Mittel dos proletarischen Klasftnkarnpfrß, der Streik, soll bessere Bedingungen, etwa in Bezug ans Lohn,. Arbeitszeit u. dergl. erkämpfen, aber es fällt riremandeni ein, die Macht der. proletarischen- Organisation zur Re g nlierung der industriellen Prozesse . 'opor . zur Bekämpfung' unproduktiver und der Menschheit'schädlicher Industrien aus-' zunühen.; >. . Man trachtet, gesetzliche Maßnahmen zn erzielen, .um die Arbeit in gesundheitsschädlichen Betrieben, wie zum Beispiel bei der Phosphor- und SchwescWerwertnng, weniger gcfturdheitsschädigeud zu gestalten, aber man arbeitet willig an Polen rekrntiert. Aushebung der Jahrgänge 189« bis 1901. Warschau^ 7. März. (Poln. Tel.-Ag.) Der Wehrausschuß^ der gestern im Beisein des neuen Kriegsmmisters, Generals L e s niowskr, tagte, hat die Aushebnng von sechs Zahrgäugen, und zwar 18S6 bis ein sch l i esi l ich 1901. beschloffen. Die Gesstzvorlage wiM vvck Läüdtag -i«''Oer-sWeit^ sitznng erledigt werden. Munition-und Kanonen, wenn. die Löhne ausreichend/sind und bei der Erzeugung von Mordwerkzeugeu genügendfür Hygienegesorgt ist. Dabei protestiert man gleichzeitig ,gegen das Anwachsen'des Militarismus und lehnt-daS BÜhgei ^ab/ in dem ja die Heereserfordernisse eine mehr als beträchtliche Stelle einnehmen. Diese prinzipielle Gegnerschaft „diesem System keinen Mann und keinen Heller" — wird hock)- .gehalten, jeglichü Koalition mit dm'^Bürgerlichen unbedingt abgelehut, ohne daß man merkte, daß gerade durch - dieses' , doktrinäre Verhalten, das sich vielfach und sehr zu Unrecht „revolutionär" nennt, .die.Geschäfte des' Gegners 'besorgt werben. . Diese ganze , höchst einseitige Einstellung, dieses! theoretische Protestieren, wo ein wirklicher Kampf schon. i:m> der geistigen Beeinflussung der Massen willen nötig gc-! wesen wäre, dieses bloße Negieren, statt durch das Streben j -nach positiver Macht die Verhältnisse in gewünschtem Sinn zu gestatten, geht alles aus der marxistischen Grundauffassung hervor, die in'der Ausbreitung des kapitalistischen In-. dustrialismuS eine automatisch vor sich gehende, durch das^ Wesen des Kapitals begründete Entwicklung sieht, gegen.die an sich jeder Kamps zwecklos, ja unerwünscht wäre, wenn," wie Sombat richtig dargelegt hat, der politische Einfluß, der deutschen Sozialdemokratie in umgekehrtenr Verhältnis stand zu ihrer imponierenden Abgeordnetenzahl, -so geht dies.' alles auf die doktrinäre marxistische Einstellung zurtick, : Auch der 'Hohn, den man auf dieser Seite gegen die Friedens--^ bewegung hätte, wird durch die gekennzeichnete d^rmmisttsche^ , Geschichtsauffassung erklärlich. Und nur durch öieje. theo-,' , retr.chr ^!lntschal ung des Wi l lens als Machtsaltvrs> während' sich gleichzeitig immer mehr das' Schwergewicht 'derftPartei! auf die Erreichmrg ökonomischer Augenblickserfolge koirzeii--- trierte, ist. es erklärlich, daß es . so weit kommen konntedaßj die'Internationale 1914 kläglich zusammenbrach und 'onl eine Massenaktion gegen die Mobilisierungen, die den Krieg! hätte verhindern können, teils nicht zu. ■ denken war, iiilöj mul) garnicht gedacht wurde. Die materialistisch-industrialistische' Einstellung des Denkens war mit ° der baut -butt' Erfükgen'i der Technik immer'- anwachsenden Macht des Militarismusl parallel gegangen. So kam, was kommen nnrßtch Die vier KriegSjahre haben eine Situation-gvschafsen,j die mit der von, Marx vorgezeichnetcn lein.erlci?lehttlichleitE Hirt. .Die Eroberung der politischen-^Macht, die, in' einemj Zeichunkt -mögliche werden soll, wenn das gesamte..Kapital! in wenigen Händen koirzentriert sein wird, ist hhrch denj Zusanmienbnrch aller bisher herrschenden Gewalten schön h'eutej sowohl in Deutschland wie bei uns znr völligen Möglichkeit'^ .getoorden. Aber während sich die vcrzweiselte.n Massen immermehr von der oisizicllen Sozialdemokratie lossagen und: Aktionen nnternehmen, deren Tragweite garnicht abzusehv^

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