Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1919-02-28 · Heft 41 (28.2.1919) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 41 (28.2.1919)
Date
1919-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2979077-2979118--00343-2985625
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vrels 30 Hrllrr ItarStmttwraHoov^f1* r Bim: Mit gustellung iaS Ha«»: Monatlich. ...» 7.- fittrtcliähcis «>alt»fiii»ria . KarrrkLyris - Mit Postvcrsand: Monatlich. . . .« 7.50 Ki-vt-lioir-ts. . „ »6,— AalbkiiKriS . . . n 44.—' (Sanii&rtie . . « 88.- 80.— 40,— 80,- Telephon«: Administration 44088, «»dattion 48819, ad 6 Uhr ad»«d-o Ur. 16801 renrr Preis 30 Krllr» prSnnmrrationopvtift fütr da« Anolandr W-natlich ...» 8.— NiortryShris.!r4.- KatdiiihriS . . . H 48«— Vaniftihvis . . . » 06.— Redaktion n^Administra-^ Wim, XL. S adorstraP» Kr. 1—8 3tr, 150.698 Nr. 41 Wien, Freitag, den 28. Februar 1919 1. Jahrgang Arm am Beutel, krank am Herren. —t! Wien, 28. Februar ISIS. Dem tschechischen Finanzminister Dr. Raschin ist"' es gelungen, die Notenabstempelung säst ohne Widerspruch durchzusetzen. Es ist ihm noch mehr gelungen: Die Vergewaltigung der gesamten tschechischen Nation, die für die zur Abstempelung gebrachten alten Noten nur die Hälfte in neuen erhalten wird, während die übrigen fünfzig Krozent in Form einer Zwangsanleche von der Präger Regierung zurückbehalten werden. Es ist zwar erklärt worden, daß die Beträge für die Zwangsanleihe „gestaffelt" sein sollen, daß heißt, das es von der Vermögenslage des Betreffenden übhängen wird, ob die ganze Hälfte oder weniger zurückbehalten wird. Nichtsdestoweniger begeht Raschin die schreiende Ungerechtigkeit, Leuten, die sich zufällig im Besitz von Notengeld befinden, aber doch relativ genommen unbemittelt sein können, am Ende ihre sauer erworbenen Ersparnisse auf die Hälfte zu reduzieren, während Eigentümer unbeweglicher Werte nicht ersaßt werden Können. Es ist freilich die Rede davon, daß das letztere noch in anderer Form geschehen wird. Ueberaus bezeichnend ist, daß die Hamsterer von Gold und Silber gegen Herausgabe des Edelmetalls von der Zwangsanleihe, die als Vermögensabgabe erklärt wird, befreit sein sollen. Außerdem ist infolge der Notenabstempelung ein Moratorium bis zum 12., beziehungsweise 26. März erklärt worden. Auf Wochen hinaus wird jeder Verkehr zwischen Tschechien und der Außenwelt abgeschnitten und der tschecho-slowakische Staat hermetisch abgeschlossen sein. Daß Mes eine enorme Schädigung für ÄeMeMhnEv^edMet^rüuch^Mcht>chesvnders hervorgehoben zu werden. Es mutet geradezu unbegreiflich an, daß diese drakonischen Maßnahmen- 'des Finanzministers von der ganzen Nationalversammlung ohne Debatte, ja sogar mit großem Beifall und -einstimmig angenommen wurden. Dies läßt sich nur darauf zurückführen, daß sie zuG Teil aus natiöyalWfchem.zum Teil aus exttemsozialistischen Elementen besteht. Sie hat'diese Verordnungen, die in det wirtschaftlichen Geschichte ohnegleichen dastchen, mit'unglaublicher Leichtfertigkeit gebilligt .und .erinnert lebhaft an das österreichische Abgeordnetenhaus, dessen Mitglieder die einschneidendsten ' ivrrtschastlichett . Fragest' durch Aufheben der Hand entschieden.'. Raschin - ging jedoch' noch weiter und die tschechische- Nationalveffamnilüng folgte, ihm blindlings: Er . will die Beteiligung dertschechoslowakischen Republik' an den Kriegsanleihen auf ein Minimum herabsetzend das" ganz ' Und gar nickt der- Quote entsprechen'würde, die auf Prag entfällt. Dagegen müssen'wir uns mit aMn'uns'zu Ge-. böte, stehenden Mitteln-wehren Es ist Deutschösterreich unmöglich/ die -tschechische Wirtschaftspolitik mitzumachen, Die abenteuerlich anmutenden militärischen Ausgaben Böhmens, . die-sich auf vierzehn Millionen Kronen? pro Tag belaufen, würden ja indirekt auch unstreffen. Und daran können wir unsunmöglich beteiligen. ' -L .. , - Die Frage ist nun: Mas soll geschehen?, Die Entente kommt -Deutschösterreich .relativ freundlich ent-! gegen, offenbar in der Absicht, den Anschluß an Deutschland.zu? verhindern. , Sie scheint un s in den wirtschaftlichen Fragen, besonders in der .Ordnung des Valutaproblems entgegenkommett zu wollen. Andererseits steht-sie der deutschösterreichischen Regierung mit Mißtrauest gegenüber, die eine so schwerwiegestste Frage, wie den Anschluß an Deutschland, ohne jede Vorbereitung, und öffentliche Diskussion einfach im Wege einervollendeten Tatsache hat lösen -wollen. Die tschechische- Regierung richtet gleichzeitig an die Entente einen'' Hilferuf. Sie erklärt, daß Prag nur mehr noch für.vier Tage Kohle hübe, daß die großen Städte untzkAybuftriebezirke ohne. Lebensmittel seien. Es bleibt" dahingestellt, ob diese Behauptungen auf Richtigkeit beruhen, ob sie nicht nur zu dem Zwecke ausgestellt-sind, um die feindliche Haftung Wien gegenüber > zu bemänteln,' Immerhin kann rstMstüsHen Debatten in d'er Nationalversammlung und?asts? allem, was aus den 'tschechischen Industriegebieten gemeldet wird, ersehen, daß die Kohlenproduktion in der Tatzurückgeht, daß der Bolschewismus sich! trotz aller Maßnahmen der Regierung immer mehr ausbreitet, und daß die Besetzung fremder Gebiete,, wie des deutschen und des polnischen, durchaus nicht, das Mittel ist, um dieser Krise üeizukommen. Die Finanzpolitik Prags Einlösung der Schulden der Monarchie. Forderung der interalliierten Kommission. Paris, 27. Februar. (Havas.) Zn der gestrigen Sitzung des Rates der Großmächte legte Crespi im Namen der interaMerten Finanzkommission dar, daß die am 1. Marz fälligen Coupons der österreichischungarischen Staatsschulden Gefahr laufen, nicht bezahlt zu werden. Mau befürchte, daß durch diese Zahlung ein Präzedenzfall geschaffen werde, der in der Folge von den verschiedenen Staaten der früheren österreichisch-ungarischen Monarchie angerufen werden könnte. Die Lage sei um so mehr einer Prüfung wert, als die öffentlichen österreichischen und ungarischen Etablissements in der Lage seien, diese Zahlung" ausz u f ü h r e n. Daher beschloß der Rat, Wien telegraphisch seinen Standpunkt mitzuteilen. Er verlangt, daß die Zahlung der am 1. März fälligen Coupons aus g e s ü h r t w e r d e, wobei z u gesichert wird, daß diese Regelung der Verteilung der österreichisch-ungarischen Schulbau unter die verschiedenen Staaten, welche die ehemalige Döph-eliMWHW' Mveten, K kM p r a j n d i z i e r e n sto l l. Weimar isoliert. Die Abgeordneten am Eintreffen verhindert. Berlin, 27. Februar. (Tel. - Komp.) Die „B. Z. am Mittag" meldet: Der Ring um Weimar ist nun geschloffen. In Erfurt ist der Generalstreik ausgeb rochen und alle öffentlichen Gebäude sowie die Zeitungsbetriebe sind von den Streikenden besetzt worden. Der Bahnberkehr wird zwar noch aufrecht erhalten, aber man befürchtet stünd- E die Ausde h n n n g des Stre.iks h auf den Bahnbetrieb. Anter dem Eindruck dieser zunehmenden Beunruhigung in Deutschland stand auch die Sitzung der Ra- Mnalversammlung. Die Reihen der. Abgeordneten wiesen große Lücken auf, da es offenbar vielen Abgeordneten nicht möglich geworden ist, rechtzeitig in Weimar einzu- . treffen. Nach Eröffnung der Sitzung würde mitgeteilt, daß die Vorlage aus H e r a ritz i eh u ng der auslattbifchen Wext- Papiere zur Bezahlung der Lebensrnittellieferungen der Entente eingebracht worden ist. Der Ausschuß für Handel und Gewerbe erhält den Namen „Ausschuß für Volkswirtschaft." Es begann sodann die dritte Lesung der Vorlage auf Bildung einer vorläufigen Reichswehr. hat eine beispiellose Panik hervorgerufen. Sie ist gestern gegen die kleinen Leute, die ihr Geld einwechseln wollten, gewalttätig vorgegangen, politisch hat sie eine schwere Niederlage erfahren, indem sie auf Befehl der Entente Teschen räumen mußte. Aus Paris kommen Nachrichten, die für die Deuffchen in Böhmen keineswegs ungünstig wären für den Fall, daß der Anschluß an Deutschland unterbliebe. Wenn die Okkupation Deutschböhmens durch die Tschechen unterbliebe, so würde dies für uns die Rettung der außerordentlich wertvollen deutschen Industriegebiete bedeuten. Wir würden nicht gänzlich verarmt Zurückbleiben. Wir würden unsere Textilindustrie, teilweise unsere Zuckerindustrie und einen, Teil der uns überaus wertvollen Kohlengebiete zurückerhalten. Wie die Dinge augenblicklich liegen, stehen wir gänzlich verarmt da. Es wäre unbedingt nötig, daß Staatssekretär Dr. Bauer sich dies zu Gemüte führt und aus den bisher begangenen Fehlern lernt. Wir und mü uns alle anderen Einsichtigen haben von allem Anfang an aufs eindringlichste davor gewamt, eine solche Frage übers Knie zu brechen. Sie darf nicht im Handumdrehen gelöst werden, ohne daß sich die verschiedenen daran interessierten Wirtschaftsgruppen darüber ausführlich geäußert und geeinigt haben. Dazu kommt, daß das Schicksal der deutschen Regierung ganz unsicher ist. Weimar wird von allen Seiten eingeschlossen und die Frage entsteht: Mit wem unterhandeln wir eigentlich über den Anschluß? Angesichts der Desorganisation in unseren politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten ist es zu begreifen, wenn uns die Entente mit Mißtrauen gegenübersteht. Kein Mensch ist orienttert, weder der Bürger noch der Arbeiter wissen, woran sie sind, die Börse ist ratlos, der Staatssekretär hat keine Fühlungnahme mit der Presse, da seine Versicherungen und Erklärungen nicht die Gewichtigkeit haben, die sonst offizielle Erklämngen zu haben pflegten. Es ist höchste Zeit, daß uns in der Anschlußfrage reiner Wein eingeschenkt wird. Wir sind weniger als je in der Lage, uns den Luxus zu erlauben, am Ende zwischen zwei Stühle zu fallen. ___ Die Lage in Deutschland. Berlin, Ende Februar. Nachdem die wütende Bestie des Weltkrieges längste entfesselt, war und das organisatorisch und technisch so --, , 'Städte; und v.v. [tintigen GewälLwenschen urch WafsenersolgMbeter noch^ daß eines Tages nach „glückliches"Entscheidung ihres! . blutigen Abenteuers die gequälte Menschheit danM erfüllt an den lange und sehnlich vermißten' Heimischen Herd zurückkehren werde, alles ins alte Geleise zurück-- . finde und. die Gewalt ihren Zaus weiter nehmen werde? .wie zuvor. Gegenwärtig)': sieht.was jedem Einsichtigen immer? klar Wär^ wie: gründlich Zanders es in dieser Hinsicht gekommen Wer -'Hätte-kgöd'ach^'.'-daß Deutschland, in . dem der Triumph.der--.,entspeltM EMnisation, der Mechanisierung' des: Menschen ein so. voA-i ständiger war, von Revolüttonskrisen, wie es. die. spar-. Lakistische. Bewegung ist, in allen seinen -Dellen heim-. gesucht werden würde, und daß: dieses so durchaus dis-; ziplinierte Land von- Stürmen? durchtobt werden körmhc-, /von denenr zum -Beisp^elrKie^ns'.-deyr Zerfall der Habs-' burgermonarchie) neu.entstandenen Staaten bisher tuet* .. schont geblieben sind? Man / sieht', da wieder /die! Be- - stätigung. des alten? Erfahrungssatz'es,. daß -.'auf.' eine!'}?. extreme Entwicklung in der einen Richtung auch dis ' iReaktion ins Extrem überschlagen muß. Daß es soweit?geko?inmen..ift? daran-- ist freilich^ auch dt«! Kurzsichtig-, keit der führe'ndM -Politiker schuü). Protest-über Pro- Lest erhebt, sich iw aklen.- Teilen Deutschlands gegen die Härbe der Entente,;-äber. memarck'-wrll.'^?^itzcL9e?nä)hM-.: treten,. welcher .Anteil auf .Deütschländs eigenes (Schulde kochtoi gehört, wenn die Entente so?weM/ KWwoklerr/, ' aber.stets 'erneutes'Mißtrauenzeigt? -trieben mnd . entspringt/ bewußten?'Absichten, - wenn- -'die- PaxKJ- Boulevardpre.sse'-' eine. Wiederaufnahme: ,deLs [Krieges-'von' /seiten Deutschlands noch vor Tagen M möglich hinsLell'te, oder wenn sie behauptet, ° daß m der . deutschen Regierung alles /beim alten gebl-iebertz sei und man an Scheidemanns Stelle den Kaiser -setzew Pnnte — aber' zweifellos '-hätte Deütschlarrd : manche . ihm, ach,;so nöLLge-moralische Eroberung gernachtwenn -mast gleich v zu Beginn-der Revolution begriffen-hät^ ' daß es gelte,?n.e u e,->mit? keiner.VepgLügerHeit/H^LsttzM?--. Männer -.gnß :RMrzubxingen'. Für -, die . Entertte^ - - und namentlich? für/die -Franzosen,> ist-Herr SchHidelnany' der nämliche, derz.die..Internationale.'verriet/' updf'-ohyk. - dessen Hilfe es mit demMege nicht, so weit?geH).mWw wäre, .Herr Erzbergerder?Mann, der im eZsttzNWegs-? jahr für schärfste/.Behandlung der BeUE WxW -u-hd' Mraf^ Brockdorff, her?^L>xganisator der gayMMtztschM ' Hunitionspropaganda in Kopenhagen. Und 'währchch Hindenburg gegen „Exzellenz" Scheidemanw,seines! Generalstabschefs - Ludendorff- „kraftvolle -Art" -'-verteibigt -und von -seinem neuen WuptquartrU:: Ko'lberA mittels Plakaten und Annon eeneine neue' Fceiwi'lligenarmee zum Schutz der Ostgrenzen zum Mißbehagen ’ der Unabhängigen amzustellen unternimmt, schiiallt die Entente den Gürtel uut Deutschland immer enger und stellt stets.härtere. Bedingungen. Kurt Lisuer,. der ÄurK

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.