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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-26 · Heft 39 (26.2.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 39 (26.2.1919)
Date
1919-02-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Grnl-ir»emp!arr Vrris 30 Krürr PrS»ir«re«airon»vrorf» i wie«: Mit Zustellung inr -aus: SUmamär. . . . K 7.- trrMfäMa . . „ SO.— aldjichri« . . . « 40.- mtftairrta.ssv- Mit P-fiveeftuch; Mltmtrtilrfj. . . .K 7.50 «{»rirtfftitrfa . . „ 3Ä.~ MaldfShnr« . . . * 44,— 8a«üS»rt» . . . „ 3«U?l}0tt»: 3U»tnf«lfhrttllwt 4408^, Nedalrlko» 488X9« «^0^* Criyrk-r-rnprarr Kreis Heller PrLtt«m-ration«- pveifi für da» Analandt Monatlich . . . L 8.-^ Ki»rt-lfShr!g. .„ »4.-^ SaldiShrkg ... . * 48^ SaM^VviS. . .» »8.Ä —. v*, NedaKtto» «. Ad«ko4std«», t4on: j UNim, rr. Taborstratz« ./F zr». x—8 ' Nr. 39 Wien, Mittwoch» den 26. Februar 1919 P»ftfVavkass»«-K«Uo 3hr. 150.608 4 1. Jahrgang 6 Uhr abends, Zipl&US BÜSCilj « , ftnsstellungssirasse (beim Praterstenin)i TAGESORDNUNG: Unei is. Referent: Nationalrat Ing. Roberi Stricker. Die Zustände in der Wiener Kultusgemeinde. Referenten: Dp. KarS PoÜafc, Dp.LeopoldPlasohhesj * Jirna .Pajtak.^- .«ui Die Nevolntion der Geifter. —I W i r-«, 86. Februar ISIS. Clemenceau hat sich mit Pichon geeinigt, das Medenswerk zu beschleunigen. Diese Meldung, die gestem bei uns eintraf, zeigt, daß auch die Wortführer des Siegfriedens aus den Ereignissen,, die sich geaenwärtig in ganz Europa abspielen, lernen. Wir sind leider von den Westmächten so gründlich abgeschnitten, daß wir keine Kenntnis der wahren Verhältnisse in Frankreich, England und Italien besitzen und nur auf die Meldungen offiziöser Agenturen aus diesen Staaten angewiesen sind. Aber das, was zu uns dringt, läßt es als sicher erscheinen, daß auch in den Ententestaaten die wirtschaftlichen und die sozialen Verhältnisse sich ähnlich gestalten wie bei uns und in Deutschland, nur mit dem Unterschied, daß uns infolge der Blockade und des Vorgehens der Tschechen und Polen die wichtigsten Quellen der Nahrungsmittelzufuhr verschüttet wurden, während die Ententestarten von dieser Sorge befreit sind. Aber doch sehen wir.dort dieselben Erscheinungen, die wir bei uns wahrnehmen. Die Revolte, die in den Seelen unseres Proletariats vor sich geht, die Wandlungen aller gesellschaftlichen und staatlichen Begriffe; der Zusammenbruch jeder auf . dem Zwange beruhenden Autorität, dies alles, dessen Auswirkungen wirtäglich stärker erfahren, wird auch jenseits der Demarkationslinien von den verantwortlichen Staatsmännern deutlich verspürt, und wenn sie sich auch noch eine Zeit lang so stellen, als ob der Sieg den Ausruhrbazillus abzutöten imstande wäre. Wir wiffen es leider besser. Der Schuß. Cotins zeigt die wirkliche Lage in Frankreich. Auch dort gibt es Soldaten, die sich zu Weib und Kind heimsehnen, auch dort gab es die Schützengräben mit all ihren Scheußlichkeiten, aber auch dort hat der Schützengraben aufklärend gewirkt; auch dort gibt es Kriegsgewinner und Wucherer mit Milliardengewinnen, auch dort gibt es Not, Elend und Prothesen. Wir im Zentraleuropa haben uns wenigstens von dem Jammer des Militarismus freigemacht, aber in Frankreich, England und den anderen Ententestaaten besteht noch der Militärzwang und die Besetzung ftemder Gebiete, dort sehen wir noch alle Laster des „preußischen Militarismus", nur ins ententistische übersetzt. Wäre nicht auch der ftanzösische Poilu lieber zu Hause auf seinem Acker als etwa in Köln oder in Budapest? Mit welchen Gefühlen muß der Arbeiter aus dem Faubourz Saint-Antoine es hinnehmen, wenn er jetzt im Saargebicte Dosten stehen muß! Ist denn das Saargebiet ein Ziel, für das er in den Kampf gezogen ist? Wird nicht dadurch 4 auch dem Schwachsinnigsten, deffen Gehirn durch die Boulevardpresse verklebt ist, im schärfsten Licht vor uAuaen aeMrt^ daß. er nicht im Frankreicli. nicht für das ftanzösische Volk, nicht mehr für die Vefteiung des Elsaß, nicht für die Demokratie, nicht für die Völkerbefreiüng, nichts gegen den „Kaiserismus"» nicht gegen den preußischen Militarismus,, nicht gegen Hohenzollern oder gegen Habsburg kämpft, sondern daß er alle Leiden und Beschwerden des Kriegslebens weitertragen muß im Auftraöe ganz bestimmter * Finanziers, die kraft der Macht der von ihnen ausgehaltenen Presse es erreicht haben, dem Volke ihr Interesse als nationales Interesse vorzutäuschen. Uebrigens ganz so wie bei uns. Auch bei uns waren es ganz bestimmte Interessen der Schwerindustrie, der geschäftstüchtigen Mitglieder der Dynastie und anderer Kriegsinteressenten, die dem Landsturmmann als die heiligsten Güter des Vaterlandes geschildert worden sind, und für die Frauen und Kinder durchhalten mußten. Wir .haben dieses Lügengewebe durchriffen und sind also bei all unserer Not doch noch bester daran, als die Völker der Ententestaatm. Tayllerand hat gesagt, die Sprache sei dazu da, die Gedanken zu verbergen. Unter diesem Gesichtspunkt müssen alle Aeußerungen der Ententestaatsmänner gewertet werden. Die Erklärung, daß der Friede beschleunigt werdm wird, heißt auf gut deutsch: „Schon brennt des Nachbars Haus!- Wenn wir uns nicht beeilen, so haben wir den roten Hahn, das heißt den Bolschewismus, bei uns am Dach!" Was das in Paris bedeutet, wo alte revolutionäre Ueberlieferungen in der Bevölkerung fortleben, unvergessen von den Masten der'Arbeiterschaft,, wo die Mauer der Kontöderierteft Ms. dem. Jahre -1871 -.ein Heiligtum be$ französische Politiker zu gut. Die Kugel Cotins mag bei Clemenceau einen Zustand der Anamnese hervorgerufen Haben. Hat doch Clemenceau im Jahre 1871 als Vorstand des Bezirkes Montmartre mit seinen Versuchen zur Vermittlung zwischen den Kommunisten und der Nationalversammlung Schiffbmch gelitten! Der Friede muß beschleunigt werden! Auch das englisch^ Proletariat, das immer viel mehr auf Wirtschaft gesehen hat als auf Politik, dessen Trade Unions die Wgerliche Politik jahrelang mitgemacht hatten, beginnt zu erkennen, daß es mit der Harmonie zwischen den Interessen der Arbeiterschaft und jenen der Rheeder, der'Kriegslieferanten und der großen Eisenbahngesellschaften vorbei ist. Von Italien ist erst garnicht zu sprechen. In dem Rennen zum Zusammenbruch sind wir Italien nur um eine Nasenlänge zuvorgekommen. Und die Sorgen der Üalienischen Staatsmänner sind um nichts geringer als die Sorgen unserer Regierung. Auch dort besteht -eine schlotternde Angst vor den Heimkehrern, die man ebenso in Lagern interniert, wie man dies bei uns unter der Oberaufsicht der katholischen Feldgeistlichen getan hat. In Amerika, wo der Kapitalismus jetzt feine höchste Blüte durchgemacht hat — man denke nur an die glänzenden Geschäfte der Munitions- Trusts noch vor Eintritt in den Krieg — scheint ebenfalls die Götzendämmerung zu kommen. Schon zeigen sich die ersten schwarzen Boten. Wir hören von maßen Streiks; im Repräsentantenhaus spricht der Kriegsminister von bec; Notwendigkeit einer stehenden Armee von 600.000 Mann, „um allen Eventualitäten gewachsen zu sein." Diese Symptome in allen Kultmstaaten beweisen, daß die Völker, welche bisher für die nationalistischen Ziele geduldig die Flinte trugen, zum Bewußtsein der schmählichen Rolle gelängt sind, die sie viereinhalb Jahre läng gespielt haben. Der Berner Sozialistenkongreß hat allerdings erwiesen, daß der nationalistische Geist noch in verschiedenen Ländern fortspukt, aber er hat doch ein erfteuliches gebracht: die Tatsache der Tagung selbst und die Aussprache zwischen Deutschen, Franzosen und Engländern. Dieses Ereignis kann unmöglich ohne Wirkungen auf die Heimatländer der Kongreßteilnehmer bleiben. Die in Bern wieder angeknüpften intemationalen Beziehungen werden sich hoffentlich nicht, allein auf die Arbeiterschaft erstrecken, sondern die Fäden zwischen allen Klassen trotz aller Widerstände der Regierenden und der Hetzer verdichten, bis sich das Netz der Völkerbeziehungen wieder über die ganze Erde spannen wird. Der Nationalismus des Krieges wird vom Internationalismus des Leidens überwunden werden und die Menschheit wird sich zu dem Kampf organisieren gegen ihren größten und gefährlichsten Feirck, gegen den Imperialismus und Chauvinismus. ä Die Tschecho-Slowaken raumen das Teschener Gebiet Auf Befehl der Alliier««,. 4 Prag, 25. Februar. (Tschecho-slowakisches Preß) burecm.) Den „Rarodrü Lifttz" wird aus Tesche« gemeldet: Gestern vormittags trafen drei Cntentegenerale hier ein, die den Vers tretern der schlesischen Landesregierung nutz dem Kommandanten der tschecho-slowakische« Truppen die Weisung gaben, sofort das, Teschener Gebiet zu räumen, wie dies in Paris zwischen den Vertretern der polnischen und der tschecho-slowakischen Regierung vep» einbart worden sei. Die Hinweise auf die Gefahren, die anS der Räumung dieses Gebietes entstehe« könnten, blieben unbeachtet. Die Generale forderten die strikte Ausführung des Parisetz Abkommens. Auf in Prag eingeholte Informationen wurde der Forderung stattgegeben. Heute, den 25. d. M., wird mit der Räumung hM gönnen. Wilson in Boston. | Boston, 25. Februar. Einer Meldung iReuterschen VnßeauS zufriikge-k EeEeilteA Polizei auf den Dächern der Straßen, durchs die Präsident Wilson fuhr, Schutzen, um etwaige Angreifer herauszuschießen. Von 150.069 Menschen, die sich um Einlaßkarten fü die Mechanie Hall, in der Wilson spreche wird, bewarben, konnten wegen des beschränktes Raumes nur 8660 zugelaffen werden. Taufend standen in den Straßen in Erwartung Präsidenten. Der Emir von Afghanistan ermordet? ’ London, 24. Februar. Aus Kabul ist di^' Rachricht vom Tode des E m i r s v o tjj Afghanistan eingetroffen. Einzelheit« fehlen noch, aber es scheint, daß der Emir frühen Morgen des 20. d. M. im Lager vor Laghmen überfallen und erschofsei worden ist. Rach den bisherigen Bericht« ist niemand verhaftet worden. Der Grund Mordes ist derzeit noch unbekannt. Die amerikanische Lebensmittelhilfe. Aufspeicherung riesiger Quantitäten. Rew-Bork, 25. Februar. Bis Ende dieses MV« nats werden die Rahrungsmittelverfchiffungen der Vereinigten Staaten nach Europa die Ziffer 76O.00O Tonnen im Monat erreicht haben. Die Zännerverschiffung betrug 232.009 Tonnen, wozu 200 Schiffe verwendet wurden. Bei ihrer Ankunft diesseits des Ozeans werden die Waren von der europäischen Zivilhilfskommission in Empfang gei, nommen werden. Dieselbe steht unter bst Kontrolle de- Herbert H o o v e r. Kein Teil piefer Verschiffungen, so berichtete i« Beamter, ist nach Deutschland gebracht worden» Die amerikanische Regierung verfügt nunmehr über erhebliche Quanten an den wichtigste» Rahrnngsmitteln, besonders an Mehh. Getreide, Konserven und an g erSuchertem Fleisch, an Fett und Talg. Rotterdam ist angenblMch bst] k 56^8440951

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