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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-17 · Heft 30 (17.2.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 30 (17.2.1919)
Date
1919-02-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Montag Wiener Morgenzeitung 17. F-bruar 1919 _Nr. 30 Abkommen vom Dezember und Jänner. Marschall Foch betonte uisdrücllich: Bezüglich der Durchfühnmg bleibt alles beim alten. Hierauf verlas NeichSminister Erzberaer die vom Minister- Präsidenten Scheidcmann Unterzeichnete Erklärung der R e i ch s r e g i e r u n p, in welcher sie der UnterZeichmmg des Abkommens zustimmt, aber ihren Standpunkt rm einzelnen '^ ^Aus dem Verlauf der Aussprüche ist vorläufig noch folgendes hervonuheben: Marschall F o ch fragte, warum unsere Handelsschiffe zur Lebensmittelversorgung nicht austaufen, und machte dann den Vorschlag, die Sachverstand'gen sollten sofort in S p a a wieder Zusammenkommen, um die Verhandlung über alle Einzelheiten fortzusetzen. Reichsminister Erzberger betonte nochmals die drei wirtschaftlichen Abkommen: Das Schiffahrt-, das Ernährungsrmd das Finanzabkommen seien ein einheitliches und unzertremzsiches Ganzes. Marschall F o ch stimmte dieser Auffassung beu Das Wahlrefuttat. 80 Sozialdemokraten. «1 C ristlichsoziale gewählt. — Sieben Frauen. Nach den bis 11 Ahr vormittags vorliegenden Meldungen sind im ganzen gewählt: 80 Sozialdemokraten, 61 Christlichsoziale und 20 Vertreter anderer Patteien, darunter ein Jüdisch- -ationaler und ein tschechischer Sozialdemokrat. Unter den Sozialdemokraten befinden sich 6 Frauen, bei den Christlichsozialen eine Frau. Im besetzten Gebiet ist nirgends gewählt worden bis auf Lienz (Südtkol), wo die Christlichsozialen durchgedrungen sind. Alle drei Präsidenten des Staatsrates sind gewählt. Stemmender ist wahrscheinlich gefallen, ebenso Dr. Klein und Schreier in Wien. Friedrich Adler hat mit riesiger Majorität gesiegt, ebenso seine Parteigenoffen Dr. Schacherl und Muchitsch in Graz. Die. bürgerlichen Demokraten haben trotz aller ihrer Geldmittel sich nicht durchsetzen können. In Kärnten wurden 4 Sozialdemokraten, 4 Freiheitliche und ein Christlichsozialer, in Oberösterreich 11 Christlichsoziale, in Tirol 4 Christlichsoziale, 2 Sozialdemokraten und l Freiheitliche gewählt. Der Schriftsteller Adam Müller -Gutenbrunn ist durchgefallen, ebenso der christlichsoziale Verkehrsminister Iukel. Tagesbericht. Italienische Forderung nach Ablieferung von Eisenbahnmaterial. Eine Note des Staatsamte» des Aentzern. Die italienische Waffenstillstandskommisston in Wien hat im amtlichen Wege mitgeteilt, daß die mr Wasfenstillstandsvertrag enthaltene Klausel, wonach in den von Italien zu besetzenden Gebieten das gesamte rollende Eismbahnmatenal zurückgelaffen 100 Lokomotiven und 2000 Waggons, die vom' 27. Februar angefangen m täglichen Raten von fünf Lokomotiven und 20 Waggons m Innsbruck emtreffen sollen. Im Einverständnis mit dem Staatsamt für AeußereS hat das Staatsamt für Heerwesen diese italienischen Noten dahin beantwortet, daß die Ablieferung des erwähnten Elsenbahnmaterials für Deutschösterreich deshalb unmöglich sei, weil das gesamte Eisenbahnmaterial gegenwärtig noch Eigentum aller auf dem Boden der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie entstandenen Nationalstaaten sei und das Berfügungsrecht darüber allen diesen Staaten gemeinsam zustche. Dazu kommt noch, daß die Ablieferung einer solchen Menge von Eisen« bahnmaterial, über die Dcutschösterreich tatsächlich garnicht verfügt, im gegenwärtigen Zeitpunkt der ärgsten Betricbsnor. eine vollständige Lahmlegung des Verkehres zur Folge hatte, daß ferner die Lebensmittel- und Kohlentransporte nahezu eingestellt werden müßten. Dadurch würde eine wirtschaftliche, aber auch eine mmbwendbare soziale Katastrophe herbeigeführl werden, es müßten sich unfehlbare Unruhen und blutige Klaffenkämpfe der hungernden und frierenden Bevölkerung einstellen. Die deulschösterreichische Regierung richtet daher an die königlich italienischen Okkupationskommandos die Bitte, ihre Forderungen an jene Organe zu richten, die physisch und rechtlich über' das angeforderte Material verfügen. Als geeignete Vermittlungsstelle für derarttge Verhandlungen schlägt das Slaatsamt für Heerwesen das Bevollmächtigtenkollegium für die Liquidierung des Krirgsministeriums vor. Diese Antwortnote wurde in Abschriften dem englischen Militärbevollmächtigten Oberstleutnant Cuningham, Professor Coolidge und den Gesandten der neuen Nationalstaaten sowie Ungarns zur Kenntnis' gebracht. Niesenbrand auf der Landstraße. Einundeinhalb Millionen Schaden. Samstag nach neun Uhr abends kam aus bisher unbekannter Ursache in dem au- Holz gebauten hinteren Hoftrakte des HauseS Landstraße Hauptstraße Nr. 109 ein Feuer zum Ausbruche, In dem Trakte befinden sich zu ebener Erde die Magazine der Schuhpastafabrik Werner & Mertz, Hl. PetrnSgaffe Nr. 6, und im ersten Stockwerke die Werkstatte der Tischlerei der Eiskastenfabrik der Finna Schütz L.Schüller. Die Flammen verbreiteten sich, durch das leicht entzündliche Material genährt, sehr rasch und äscherten den ganzen Hoftrakt, ein. Sie bedrohten auch in hohem Maße die Häuser der Nachbarschaft. Während der ungemein schwierigen Löscharbeit ging das ganze erste Stockwerk des Traktes mit den schweren Maschinen der Firma Schütz & Schüller nieder. Zum Glücke wurde niemand verletzt Der Schaden ist bedeutend. Wegen der großen Fenersgefahr mußten aus den Nachbarhäusern mehrere Parteien auS ihren Wohnungen gebracht werden. Die Freiwillige Rettungsgesellschast, die eine fliegende Ambulanz auf dem Brandplatze unterhielt, mußte die 83jährige Private Berta Langer aus ihrer im zweiten Stocke gelegenen Wohnung uud die 28jährige Private Joiefine Peter, die an Lungenentzündung krank darniederlag, gleichfalls aus ihrer Wohnung in Nachbamohnnngcn schaffen. Nach zwereinhalbstündiger, angestrengtester Arbeit konntedaS Feuer als lokalisiert betrachtet werden. Der Schaden, der durch das Feuer angerichtet ist> dürste anderthalb Millionen Kronen betragen. Cafö „City" gesperrt. Wegen Nichteinhaltung der Ernährungsvorschriften. Die Arider Geschäftsführung des Cafs „City", IX.Porzellangaffe 1 (Inhaber Wilhelm Lauser), hat seit dem Herbste 1918 das KriegSwucheramt der Polizeidirektion zu wiederholten Malen beschäftigt. Wie in vielen Fällen festgestellt wurde, schenkte der Kaffeesieder Mil ch k a f f e e aus, welcher mit Zucker versüßt war, und verabreichte auch Fleischspeisen an fleischlosen Tagen Eine besondere Spezialität bildete der Verkauf von Butter und von G e b L ck auS E d e 1 m ehl. Eine Portion Butter bestand auS 3 Dekagramm und wurde zum Preise von K. 3.50 abgei'etzt. Im Kriegswucheramte sprachen bereits mehrmals Abordnungen vor, welche auf das öffentliche Aergerms hinwiesen, welchedieses Kaffeehaus verursachte. Die vorerwähnten wiederholten Uebertretungen der ErnährungSvorschriften haben die Polizeidirektion veranlaßt, die Schließung des Gewerbebetriebes vom IS. Februar bis Mürz L I. zu verfügen. . Die Ernährung. ' Was ist in dieser Woche erhältlich? (92. rayonierte Woche.) Dienstag, Mittwoch und Donnerstag werden im XIII. Bezirk Kartoffeln ('/, Kilogramm per Kopst gegen Abtrennung des Abschnittes A der neuen Kartoffelkarte abgegeben. Die neue Kartoffelkarte gilt vom 16. Februar bis einschließlich 5. Juli d. I. Die alte Kartoffelkarte verliert am 17. Februar ihre Gültigkeit auch für die uneingelösten Abschnitte. In der laufenden Woche wird Zwieback, Zucker und Ko d en sm i l ch aus der englischen Liebesgabensendung abgegeben. Zum Bezüge des Zwiebacks sind Kinder mindestbemittelter Eltern bis zu zwei Jahren, zum Bezüge von Zucker und Kondensmilch mindestbemittelte schwangere und stillende Frauen, berechtigt. Die Abgabe erfolgt vom 19. bis einschließlich 27. bei den städtischen Abgabestellen für Nährmittelzubußen. Die Abgabe von je 5 Kilogramm Unterzündholz an einen Haushalt für eine Woche erfolgt in der Zeit vom 17. bis 22. gegen Abtrennung des Buchstabens v des grauen Einkaufscheines für Rindfleisch und des rosafarbenen Einkaufscheines für Wohlfahrtsfleisch. Sauerkraut und Sauerrüben ohne Einschränkung der Menge zum Preise von X 1.20 für das Sauerkraut und K 1.12 für Sauerrüben per Kilogramm. Abgabe die ganze Woche. Die neuen Kartoffelkarten sind zum Bezüge bei einer Kartoffelabgabsstelle oder bei einer Konsumentenorganisation anzumelden. Die Zuckerausgabe. Die Zuckerevidenzstelle versendet ein Rundschreiben, welchem wir folgendes entnehmen: Das Staarsamt für Boltsernährung hat verfügt, daß im Jänner in Wien eine halbe Monarsquote an Zucker, das ist 3/s Kilogramm für die Person, gegen Abtrennung des Jänner-Halbmonatsabschnittes für- Zucker des amtlichen EinkauffcheinrS ausgefvlgt wird. Bei Anhalten der regelmäßigen Zuckerlieferungen aus den tschecho-slowakn'chen Fabriken dürfte es möglich sein, in der ersten Hälfte Februar abermals eme halbe Monatsquotr zur Ausgabe zu bringen. Der den Verteilern zugewiesene Zucker für die zweite Monatshälste Jänner ist solange nicht auszugebrn, bis die behördliche Freigabe dieser Zuckermenge erfolgt. Eine solche Freigabe ist bis jetzt nicht erfolgt, weil noch die erste Hälfte der Zuckerquote für Jauner von den Fabriken geliefert wurde. Somit ist die Februarquoteauchnochn ich tsichergestellt. Bühne und Kunst. Erstaufführung. Aus München wird telegraphiert: tranz Schreckers Oper ,Dic Gezeichneten" hatte bei der hiesigen ufführung einen s e n sdti-o.n e l l e n Erfolg. Der anwesende Künstler wurde lebhM'gefeiert. -- Das Werk wird noch in dieser Spielzeit an der Wiener Oper in Szen? gehen. Ein neuer Roman von Max Brod. BcodS neuer Roman »Das große Wagnis" (X 16.50) darf mit Recht als Brods jüdischestes Buch angesprochen werden, denn es behandelt den Ausbruch der Jugend nach Palästina durch Greuel von Krieg und Revolution hindurch, Namentlich die letzten Seiten des Buches werden von der Jugend mit Begeisterung ausgenommen werden. Sie enthalten geradezu Brods Programm einer Jugendbewegung. Wie Hcrzls »Altneuland" wird dieses Buck über die Sttmde hinaus Recht behalten und Erfüllung künden. — Zu beziehen durch die Buchhandlung R. Lowit, Wien, i, Rotenlurmstraße 22. __ Sport. Hakoah. Da wir bereits Sonntag im Cupspiel gegen de» Wiener Sportklub antreten müssen, findet Dienstag und Donnerstag ein scharfes Training auf unserem Sportplatz statt. Der Volkswirt. Die Zentralenwirtschaft. „Abbau" oder „Ambau"? Aus' amtlichen und halbamtlichen Verlautbarungen' könnte man den Schluß ziehen, daß der „Abbau" der Zentralenwirtschaft bedeutende Fortschritte mache. Die Blätter kündigen fast täglich die bevorstehende „Liquidation" verschiedener Zentralen an. Wie wir nun van eingeweihter Seite erfahren, liegen die Dinge in Wirklichkeit ganz anders. Es wäre hohe Zeit, daß sich die maßgebenden Stellen darüber unzweideutig äußern und der Bevölkerung, die eigentlich nicht weiß, woran ffe ist, reinen Wein cinschenken. Unser Gewährsmann schreibt uns: „In Wirklichkeit vollzieht sich, nur im Firmenregister des Handelsgerichtes und im amtlichen Teil der „Wiener Zeitung" sichtbar, unaufhörlich und scheinbar unaufhaltsam der „Umbau" und der „Ausbau" der bestehenden Zentralen. Von den Zentralen „liquidiert" tatsächlich', nachdem die verschiedenen Verordnungen über die Metalleinziehungen ihre Gesetzeskraft verloren haben, nur die „Metallzentrale A.G." Alle übrigen bestehen teils unter der bisherigen, teils unter geänderter Firma fort, ja, einzelne haben sich sogar in zwei Zentralen gespalten und neue Zentralen sind ebenfalls auf dem Schauplatz der Uebergangswirtschast erschienen. Die „Oezeg" (Oesterreichische Zentraleinkaufsgesellschaft) ist in die „Deutschösterreichische L e b « n s m i t t e l e i n f u h r st e l l e" üüergegangen. Sie befaßt sich nach wie vor mit dem Auslands-Lebensmittelhandel (Kondensmilch, Holländerkäse usw.). ,Die bisherige Kriegsgetreideverkehrsanstalt" hat das Beiwort „D e u t s ch ü st e r ei ch" gleichfalls ihrem Titel hinzugesügt und eine Tochtergesellschaft „Geg" („Getreideeinfuhrgesellschaft") gegründet, obwohl schon eine „Gig" („Getreide-Jmportgesellschast") bestanden hat. Die „Geos" besteht als „Gemüse- und O b st st e l l e des deutsch österreichischen Staatsamtes für Volksernährung" fort, obwohl der Gemüsehandel freigegeben ist und es bekanntlich kein Obst gibt. Dessenungeachtet ist sie an unsere Staatsverwaltung mit dem Ansuchen um einen Millionenkredit herangetreten und hat eine Tochtergesellschaft „Warenverkehrsstelle des deutschösterreichischen Amtes für Volksernährung" gegründet, die sich sonderbarerweise auch mit der Ausbringung von Getreide und Kartoffeln befaßt. Dann haben wir noch ein „d e u t s ch ö st e r r e i ch i s ch e s Warenverkehrsbureau", die jetzt „Deutschösterreichische Zucker stelle", genannte „Zucker zentrale", die umgewandelte „Oel- und Fettzentrale" usw. Die vielangefeindete „Hulzag" („Haute- und' Lederzentrale A.G.") vollzieht in diesen Tagen ihre Umwandlung in die „Deuts chösterreichische Le der stelle" und auch ihre Tochterzentralen, der „Wirtschastsverband der Ledererzeuge r"^ und der „Wirtschaftsverband der lebe r^'erarbeitenden Gewerbe" werden ihre Tätigkeit unter anderem Namen fortsetzen. Die selige „Futtermittelzentrale" hat sich sogar gedrei teilt und besteht jetzt aus der „Futtermittel stelle" im Trattnerhof, der „Ra uh futtermittelstelle" in der Oberen Donaustraße und der „Agroterra" in der Spiegelgasse. Die „HauPtsammelstelle beim Staatsamte für Volksernährung" mit ihren zahlreichen Beamten und Beamtinnen lebt weiter. Auch die „Baumwollzentrale" setzt als „Deutschösterreichischer Wirt schaftsverband der Baumwollindustrie" ihre Tätigkeit fort." Man muß das Verlangen wiederholen, daß die Negierung ihr Schweigen ausgibt. Wenn die Zentralenwirtschast, die in der Bevölkerung schon genügend diskreditiert ist, noch länger fortdauert, .dann ist nicht einzusehen, wozu eigentlich' aus der Monarchie eine ' Republik wurde. " i Schreibmaschinen und Reparaturen aller Systeme. Zubeliöi aller Art, preiswert bei Ferdinand Schrey, Wien, VI., Dreihufetsengasie 1. 29 Telephon 2726. IX., Sechsschimmegasse 21 KÄUFE GOLD bl» SO K pro Gramoi 147 Brillanten FalscheZähite bla 6*00 K pro Karat bla 10 K pro ütack fiebltte Q. bl* SM K, flolduhr*« W» 2000 K per Stück, Perle«. Höchste Preine! Putin, 6ilber, Essbestecke. Höchste Preise! (Kante s. m^ei. Oecenstbide. Jaweleageaeh. «. OotdelitösesteUe iMai Reiskin,a.tettoelüiaTOiflms 21 Provinzauf- Mge schriftL; / S. Lemport, Rodaiin -Fabrik von Fruchtsäften Hlmbeerand Zitron-Ersair, versüsst mit Saccharin, ehern», techn., pha< mazeutieche und kosmetische Prfinsratet beste War« in vorzüglicher Qualitit. rMmmnmWWgesellscliaitLemportfiGo. Vien. 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