Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 27 (14.2.1919)
- Date
- 1919-02-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979104--00225-2985493- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Mnfrleveinplir: Urei« 30 H«»«r Ukkn«M-rrMon«pr»isr: Wie»: Mit Zustellung in» -an«: Lttanatlkch. : . .rc V.— L'l-^elsäksria . . 20.- ->»ll,f8i» ry . .. ' 40.- Bamkiih r«» ...» 80.— N Mt Postversand: > . .K 7.50 Mrertflfätrtfg . . „ 22.— ratbsakvia . . . 44.— Ganüährl- . . . „ 88.— Tolopvone; AdmKrittra- .!<m 44088, ^edaKHon -48810, »d 6 ff hi* aderrd« **r. 10801 renrr Mryelr»r«plarr Vttls 30" Hell« 9vimnuvnti«it«« »reift für >m JiMlmM -MsnEch . . 1 itl&fäljrt* . GaiqtSvri« »S 8»<^i . „ 48.-1 - ■U. R c v ithüott rr. Al,«kr ttxnn Mio«, H. NadvvAoiHi Uk» 1—8 peftfparkafren-fimte «V. 150.698 St Nr. 2 7 Wien, Freitag, den 14. Februar ISIS 1. Jahrgang Das Notenchaos^ W i en, 13. Februar. Das Chaos in der Frage der Notenabstempelung hat sich vorläufig nicht geändert. Die Oeffentlichkeit fährt fort, von der Finanzverwaltung sofortige Maßnahmen zu verlangen, die das Einströmen nicht abgestempelter Kronennoten aus der Tfchecho-Slowakei verhindern sollen. Es ist begreiflich, daß man über jeden Tag, den unsere Behörden ungenützt verstreichen lassen, Beunruhigung. empfindet. Denn jeder Verzug in' dieser unaufschiebbaren Angelegenheit kann uns teuer zu stehen kommen. Unsere Valuta sinkt täglich auf beängstigendere Weise. Noch vor einer Woche ivurde dies zum großen Teil auf die enorm hohe Banknotenzirkulation von 35*/* Milliarden zurückgeführt. Diese Ziffer galt allerdings pro Ende 1918; inzwischen haben wir erfahren; daß sich die Notenzirkulation auf 361/s Milliarden erhöht hat. Das ist jedoch nicht der einzige Grund der fortschreitenden Entwertung. Wie wir bereits in unserem gestrigen Blatte betonten, ermäßigt sich die Notierung der Kronendevise in Holland infolge des Einftrömens r.on Noten aus Böhmen. Auch die Schweiz erhält derartige Noten massenhaft zugeschickt. Es ist offenbar, daß Prag jetzt seine unabgestempelten Notep abstoßen will. So lange wir nicht hinderndeingreifen, werden diese Sendungen an neutrale Staaten andauernd den Kronenkurs weiter drücken. Es kann daher nicht genug oft betont werden, daß keine Zeit zu verlierin ist, eine Regelung der Abftempelungsfrage herbeizuführen Die Tschechen werden sich dazu bequemen müssen, mit uns darüber zu verhandeln, so'selbstherrlich sie sich im Augenblick auch gebärden mögey,. Sie haben augenscheinlich' Mesis ' einfehett gelernt/' daß Äe Abstempelung sich theoretisch weit leichter durchführen läßt als in der Praxis. Aus Prag wird gemeldet, daß die Abstempelung um acht Tage verschoben wurde. Die umfangreichen Vorarbeiten sind also noch nicht beendet. Die Abstempelung sollte am 1^6., spätestens am 21. d. M. beginnen. Zuerst sollen die von den Danken und Sparkassen an den tschechischen Finanzminister überwiesenen Noten zur Abstempelung gelangen. Diesen Aufschub müssen wir ausnützen. Das Staytsamt für Finanzen muß sich über die genauen Modalitäten der Ab- ' ftempelung derNoten in Deutschösterreich schlüssig werden unddarfdieZeit'NichtmitsruchtlosenErklärungenverzetteln. unbedingt nötig sein, daß die Abstempelung, auf eine Art erfolgt, die jede.Nachahmung unmöglich macht. In Jugoslawien erfolgte die Abstempelung, derart primitiv, daß sie zu Mißbräuchen führte; und daraus sollten wir lernen. . \ , In hiesigen Finanzkreisen sind Gerüchte im Umlauf, daß man bei uns für die Abstempelung so wie in der Tfchecho-Slowakei ein Prozent vom Werte der Noten wird zu entrichten haben. Es bleibe dahingestellt, ob das eine vernünftige Regelung der Angelegenheit wäre. Uns'dünkt sie nicht ganz ungefährlich. Noch gefahrvoller wäre es. die Abstempelung mit einer Art Zwängsanleihe zu verknüpfen. InBöhmen dürfte.man keine guten Erfahrungen damit machen Eine weitere, nicht zu unterschätzende Gefahr, die in der Verzögerung unsererseits liegt, sind die Ankäufe von ' Wertpapieren für Prager Rechnung auf der Wiener Börse. Die Tschechen nützen jeden Tag dazu aus, die devalvierten Kronennoten los zu werden und Effekten dafür einzutauschen. Diese Flucht vor dem 'Zettelgeld hat zwar auf der Börse ein Anziehen der Ku^e hervorgerufen, das jedoch die Tschechen nicht vor neuerlichen Käufen abzuhalten scheint. Wir , müssen uns darüber klar werden, ’ daß durch diese Abwanderung nach Prag unsere Interessen stark geschädigt werden, indem sich die Tschechen eine Einflußnahme auch auf deutschösterreichische Unternehmungen sichern. Die Prager Regierung hat uns jetzt gezwungen, an die Schaffung einer eigenen Währung zu gehen. Wir verhehlen uns nicht, daß wir vor neuen gewaltigen Schwierigkeiten stehen. Es wird Ausdauer und , Geduld erfordern, unsere desolaten Währungsoerhältniffe in Ordnung zu bringen. Aber es ist besser, daß es so gekommen ist. Nichts kann deutlicher „illustrieren, wohin der Währungskrieg der Tschechen führen mußte: die Devise Wien ist in Zürich auf 36.20 gesunken, was einen unerhörtenTiefftand bedeutet. Freilich wird durch die Schaffung einer besonderen deutschösterreichischen Währung das Notenchaos keines wegsbehoben^fem. $ An die jüdischen Wähler und Wählerinnen! Groß ist Cure Verantwortung am Wahltage, den 16. Februar. Von Euch allein hängt es ab, ob die 300.066 Juden Deutschösterreichs in der Konstituante vertreten sein werden oder nicht und ob Deutschösterreich der dinzige Staat bleiben soll, in welchem eine ansehnliche jüdische Minorität (fast ein Zehntel der Bevölkerung) ohne Vertretung bleibt.! Wollt Ihr die Wiederaufrichtung der jüdischen Würde, wollt Ihr Euer Wohl, wollt Ihr ein gedeihliches Zusammenwirken mit den nichtjüdischen Staatsbürgern, wollt Ihr da- Wohl Deutschösterreichs, dann wählet am 16. Febrnar im Wahlbezirk Nordost r Die ParteMste Stricher. Das Mische Palästina. General Allenby Gouverneur von Palästina. Kopenhagen. 13. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Der „Manchester Änardlan" vom 11. Februar enthält einen Bericht eines Londoner Korrespondenten über die Besprechungen der Negierung mit maßgebenden Politikern betreffend die Frage des Gouverneurs für P a l ä st i n a, da die britische Sachwalterschaft erwartet wird. Wahrscheinlich wird General Allenby ernannt werden, der bekanntlich für ein jüdisches Palästina eintritt. Sollte Mesopotamien und Palästina gemeinsam eifern Gouverneur unterstellt werden, so dürfte Sit Herbert Samuel zum Gouverneurstellvertreter für Palästina vorgeschlagen werden. neue Scherdemamr Ministerpräsident. Weimar,. 13. Februar. Die endgültige Liste des Kabinetts setzt sich folgendermaßen zusammen r Präsidium des Neichsministeriums -S ch e idernann; Vertreter im Präsidium des Neichsministeriums und Neichsminister(der Finanzen —Schiffer; Reichsminister des Auswärtigen — v, B r o dh o r f f - R an% au; Reichsminister des Innern — P r e u ß; Neichsarbeitsminifter — B a u e r; ReichswirtfchafLsMinister — Wissel; NeichsernährungSminister — Robert S ch mi dt; Reichsjuftizminister — Land sberg; Neichswehrminister — Noske.; Neichskolonialminister — Är. Bell; Reichspostminister — GieSbertS; Reichsminister des Demobilmachungsamtes — Dr. Köth. Ferner wurden drei Minister ohne Portefeuille ernannt, nämlich Dr. David, E r z b e r g e r und G o t h e i n. ii.iim im . ..um I III |«I I '■■■»1.1 II n rur nurn I > > ,ii > Es wird jugoslawische, tschecho-flowäkische und deutschösterreichische Kronennoten geben. Die Ungarn, Polen und Ukrainer werden nicht ruhig zusehen und zweifelsohne ihrerseits neue-Währungen ins Leben rufen., Und es ist kaum anumehmen, daß wir.mit sechs verschiedenen Kronenwährungen und ebenso vielen Devisen auf die Dauer werden auskommen können. Viele erblicken den einzigen Ausweg aus diesem heillosen Wirrwärr in der Durchführung der Markwährung. Es braucht 'nicht besonders hervorgehoben zu, werden, daß die Umwandlung der Kronenin die Markwährung den Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland zur Voraussetzung haben müßte. Man gebe sich jedoch keiner Täuschung hin: Diese Umwandlung wird sich zu einer komplizierten Operation gestalten; nicht nur die Frage der Umwandlung des Geldes, sondern auch das Problem der Uebernahme unserer Kriegsanleihen sowie der Konvertierung der Staatsschulden wäre zu lösen. Unser Geld ist auch in Deutschland entwertet, die Krone wird im dortigen Schleichhandel bereits mit 45 Heller bewertet. Die Mark wieder ist ihrerseits devalviert. Wir müssen rasch und ohne große Verwicklungen zu einer Regelung unserer valutarischen Verhältnisie gefangen und die Umwandlung in die Markwährung kann unmöglich in kurzer Zeit erfolgen. Nichtsdestoweniger wird sie von vielen gewünscht, die sich bisher dagegen ablehnend verhalten haben. Ob wir auf diesem Wege in absehbarer Zeit zu einer Gesundung unserer. Finanzen gelangen können, bleibt abzuwarten. Die Regierung wird auch sobald wie möglich dem neutralen Ausland gegenüber zu erklären haben, daß Deutschösterreich für die dort befindlichen Krvnennoien nur bis zu dem Ausmaß einer auf uns entfallenden Quote aufzukommen vermag und daß' jür den'Rest die losgelösten Nationalstaaten werden auf-, kommen, müssen. Schon die Feststellung dieser Quoten \ kann nur durch ein Einvernehmen zwischen uns, den Tschechen und den übrigen Regierungen erfolgen. In Prag muß man daher zur Einsicht gelangen, daß der Weg der Gewalt auch den Tschechen selbst keine Vovteile bringen wird. _ rvarmn müssen wir jüdischnational wählen? t W i e n, 13. Februar. Nicht nur die politischen, kuch die wirtschaftlichen Interessen der Juden erheischen, daß sie jüdischnational wählen. Mit den bisherigen Machthabern haben wir auch wirtschaftlich nur traurige Erfahrungen gemacht. Für den jüdischen Geschäftsmann und Gewerbetreibenden der Mittelklasse, und der ärmeren Schichten haben diese Machthaber nicht das geringste tun wollen und auch nicht das geringste getan. Das kam daher, weil die Juden keine Abgeordneten hatten, die, für ihre Interessen eingetreten wären. Der christlichspziale Vertreter im Parlament hat naturgemäß füv die Anhänger seiner Partei gesorgt; sein Programm verpflichtete ihn, gegen die Juden auch wirtschaftlich zu arbeiten. Die Sozialdemokraten wollten nationale Eigenbestrebungen nicht gelten lassen und waren daher nicht geeignet, die Sonderinteressen des jüdischen Proletariats zu fördern. Es gab zwar jüdische Abgeordnete der ehemaligen liberalen Partei, aber sie hüteten sich, jüdische Wirtschaftsinteressen zu vertreten. Dagegen hatten die wirtschaftlich schwachen Elemente unter den Juden fast immer darunter zu leiden, daß es eitrigen Finanzmännern^ Großkaufleuten und Groß-