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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-13 · Heft 26 (13.2.1919) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 26 (13.2.1919)
Date
1919-02-13
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 25, 'Men, Donnerstag ^l- -—-—---—-—■ «Berlin bleibt Reichszemrale. Berlin, 12. Februar. Der „55orit)arts* meldet. President Ebert werde zunächst seinen Sitz in Weimar beibehalten. um mit der Nationalversammlung und der Negierung in ständiger Fühlung zu bleiben. Später werde er seine Uebersiedlung nach Berlin vollziehen, das der Sitz der Reichszentralen bleibe. Weniger LanzunLerhaltungen in Böhme«. Prag, 12. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenzta.*) Die Polizeidireküon gibt bekannt, daß' in den, nächsten Tagen gegen das ausschweifende und luxuriöse Leben der Kriegsgewinner eingefchritten werden wird. Es wird nicht geduldet werden» daß Tanzuntechaltungen über die 10 Uhr-Sperre hinaus ausgedehnt werden. Die Regierung wolle alles beseitigen, was zu Zwiespältigkeiten zwischen den ärmeren Volksschichten und den übrigen Teilen der Nation beitragen könne. Die ^anZunterhaltnngen werden deshalb emgeschränkt. Die Streiks in Berlin. Berlin, 12. Febmar. Wie die'Abendblttltrr melden, handrst es sich hxj dem Streik in den Berliner ^Warenhäusern und Spezicrlgeschäftm um 2O.0OO AngestrlUe. Auch ein Streik mtter den Berliner Rollkutschern und Transportarbeitern ist anSge- Krochen. Der Streik der VrrsrcheruirgZMgestrllten hat sich heute ünf alle in Frage kommenden Gesellschaften mit Ausnahme der Mikroria", die die Forderungen bereits vor einigen Tagen bewilligt hatte, ausgedehnt. Die Frage der deutsche« Hochschule« itt Prag. Prag, iS. Februar. <Tschecho-slowakisches PcMureauX Der SchulauSlchust der Na'nsualversammlung beschloß folgende % Oesolutivn: Der SchulMtsschuß HM eö ist Äugekegenheit der Prager Universitäten nicht für nowenblg, die Unrichtigkeiten m Hitungsmeldnngen mid in der Kandgeoung des nkaoelmschen Senats der deutschen Universität M widerlegen. Unsere Ueder- Mgnng, daß daß historische Unrecht das nuferer Nation an der Prager Universität angetan wurde, wieder tzMgewacht werden muß, ist über jede» ethischen Zweifel erhaben. j 518 Milliarden Kriegsschulden der Entente.; Basel, 12. Februar. (Tel. der „Wt. Morgettztg.") Wie man von englischer Seite den „Baseler Nachrichten schreibt, sind die Alliierten-Kommissionen an der Arbeit,eine Alliierten-Finanzliga zu gründen. Diesem Bunde werden die 618 Milliarden Kriegsschulden der Alliierten überwiesen, um den finanziellen und wirtschaftlichen Ausgleich zu schaffen, der wirtschaftliche Krisen unter den Alliierten unmöglich machen soll. Jährlich werden ja 28 Milliarden eingezahlt. Der Fmanzbund soll sich später auf alle Staaten ausdehnen, um dann die materielle Grundlage des zu schaffenden Völkerbundes zu schaffen. Dadurch sollen Wirtschaftskriege verhindert werden. 25 Milliardon-Kredit in DöLtschlarrd. Berlin, 12. Februar. Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" aus Weimar meldet, erfolgte in der geringen ersten Sitzung des Staatenausschttffes zunächst eine Kundgebung für Sie Reichseinheit. Dann wurde die Kreditvorlage von 25 Milliarden nach einer Rede des Reichsschatzsekretärs einstimmig angenommen. Die amerikanische Flottenvorlage ange- «omnrv«. Washington, 12. Februar. (Reuter.) Das Repräsentantenhaus billigte mit 104 gegen 142 Stimmen das Flottenprogramm für drei Jahre und nahm die gesamte Flottenvorlage an. Beförderung von Kriegsanleitzeeoupona. DaS tschtcho-flowakischr Finanzministerium verlautbart: Die Postbesvrderuny von Coupons der österreichischen und der ungarischen Kriegsanleihen ist frei. Den Zentralen und allen F liqlen der Oesierreichisch-ungarischen Bans wird eine allgemeine Bewilligung erteilt, emander wechselseitia per Post sowohl die.'unbrauchbaren, als auch die umlaufenden Banknoten zuzusenden. Der Ausschluß von de« Hochschule«. Gestern begab sich eine Deputation des studentischen' ProtrstausschusseS gegen den Ausschluß der nichtdülltschen Studenten zum StaatSkanzlee Dr. Renner pud überreichte ihm eine Protestresolution. Der StaatSkanzler versprach, die Sache noch nachmittags im > KaÜinettSrat vorzubringen und die Forderungen der Studenten zu unterstützen. Bezüglich der als Vorwand aöbvauchten Begründung, mit „Platzmangel" sagte Doktor Renner: „Mit ein wenig gutem Willen ist jedem Mange! . abzuhelfen. auch - dem Platzmangel." Die Hochschüler verwiesen darauf, daß an bestimmten Abteilungen bereits früher Remedur geschaffen worden sei und daß manche Kollegien Lei Amovierung der durch den Erlaß aüsgeschlossviwn Hörer Völlig wie ausgestorben wären. DieDoputatrost sprach auch Lei Staatssekretär Pacher vor, dar dis Maßregül ganz offen als politischen Akt kenn zeichnete» durch den er der Stimmung der deutschnaiivnalön Studenten Rechnung tragen müsse. Beim (Ltaatssekretär des Aeußern, Dr. Bauer, wiesen die Studenten vor alleür auf die schädlichen Wirkungen im Ausland hin. Dr. Bauer gab der Ansicht Ausdruck, daß seines Erachtens «ine Rücknahme Crla'stA schwer möglich sein werde; jröoch wolle er sich für die von der Abordnung erhobene Forderung oinsotzon, daß für alle immatrikulierten HachschMet Hi FmmnlriMla.iön bestehen bfdibst und ihnen dis tznskripüon im SomMekssm-ster öfssntstünde. Die GrudenLen überreichten die Resolution auch M bell Gesandt?chaften der eh<un«lst dem .Verbände M euer MotzgL«zeltu«s ... ■ - putation bei den Rektoren der vier Wiener Hochschulen Opuration bei den Rektoren der vier Wiener Hochjchulen vorfprechen. Diese ganze Affäre kst wieder einmal eine große Blamage für Drutschösterreich. welches der letzte Sitz mitteleuropäischer Reaktion und Beschränktheit ist. Man mutz energisch fordern» daß dieser traurigen Komödie endlich ein Ende gemacht wird. Die Schuldigen müssen entfernt und bestraft werden, allen voran der Dekan Prof. Haberda und der Kanzleibirekwr Dr. B lumauer, der der Spiritus nnvenL. des ganzen Skandals ist. . Ger WahlfonLs. Große GeLdmiLtsl sind «stlyendlg, um ds« Wahlkampf siegreich zu Vsersdsrrk LnterftützeL Cure eigene Partei! Jede, auch die kleinste Spende, ist wiktkomme« und hilft Euch, den Sieg zu erringen l Geldspenden sind zu richten <$« gtame Karl Schnitzer, Tl. EzernirrZaffe 7. PostsParraffen-Konto L34.S33. Kaudwateu der Jüdische« UÄtivÄKLpKvtei. Ingenieur K-bert Stricker, StMtSbahurKt. 2. Dr. Leopold Plüsch keS, Advokat. 3. Ern« Pa tat, Erhslungshrim-I«habeein. 4. ZakoS PinkaS, Kausinsntt. 3, Karl Bl »me, Obmann des JMschrtt HsnÄtm-gS» AchilfenverLandeS. 5. hfthrr Blaß, ZahMechrüSer« 7. David Rebenzahl» PrivsttzeumM. 6. Ingenieur Feder Ackermann, DßerksnmrMr. Das WahlLöMlLee des Jüdischen Natisnsls Vereines» Das H«sptagktstisn5l?kal befindet sich 2. Bezirk, Llkkmbtunngaffe, Saft Müller (Souterrain). Auskünfte Verden t»*tt 1- bis 12 mch von 3 bis 7 Uhr erteilt. Das AgiLsiionslokal des jüdischen RatisnalverernS für die DrigitkenÄ» befindet sich ZÄ. Bezirk, Wallensteinstraße 2, Saft Bürger. SprrchstkMdtn LsZ!ich von % 614 12 und v-a S bis 8 Uhr. Der VolkswieL. DönaubunL oder Anschluß an Deutschland. sBorr tintm Miesch «fto^sliLilrrr.s *) Uebrigetts sind auch die Anhänger des Anschlusses vvn seinen wirtschaftlichen Bortellen nicht all Kn überzeugt. Wenn unlängst der Vertreter einer Handelskammer erklärte, die Vereinigung werde uns wirtschaftlich nicht zu sehr schaden; wenn sogar allseits zugegeben wird, Deutschösterreich könne wenigstens während der Uebergangszeit auf Z w i s ch e nzolle nicht verzichten; wenn im neuen deutschen Bund, wie es ja zweifellos geplant ist, die Bundesstaaten weiter die direkte B e st e u e r u n g behalten» also auch wir unsere hohen Steuern fortschleppen müffen; wenn weiter erwogen wird, daß wir mit dem unter schweren Opfern zu erkaufenden Umtausch unserer Kronen in Mark und der damit verbündenen Verminderung unseres nominellen Volksvermögens keine vollgültige Währung erlangen und daß auck die Arbeitsintensität un Reiche einen noch länge ffihlbaren Abbruch, erfuhr, so ist gar nicht einzusehen, welche Vorteile wir uns versprechen, wa rend die Nachteile offenbar sind. Allerdings kämen zu den Schwierigkeiten gemeinsamer Zölle noch jene, die sich aus der Notwendigkeit vertragsmäßiger Steuergesetzgebung, einer Relatton unserer Valuta im Falle einer Wahrungsanderung der Nationalstaaten, einer gemeinsamen Gesetzgebung überArbeiterschutz. indirekte Abgaben usw. erwüchsen; matürlich müßten auch Vereinbarungen iwer eventuell zu verstaatlichende Wirtschaft s z w e i g e u n d Z w a n g s s y n d i L a t e, ferner über D a h n t a r i f e erfolgen, aber alles dies wäre im Wege van Han de lsverträgsn zu regeln. Uebrigens sind auch unsere sozialdemokratischen Minister sich der Gefahren des Anschluffes bewußt, wie eine Aeußenmg des Staatssekretärs Bauer zum Korrespondenten des ^Temvs^ beweist; auf den Emwand, daß das seiner Kolonien beraubte Deutschland sich mittels feiner bester eingerichteten Industrie Absatzgebiete in Deutschöstrrreich suchen werde und die österreichischen Arbeiter die ersten Opfer sein werden, erwiderte der Staatssekretär, dies sei möglich, man dürfe aber nicht vergeffen, daß wir dann für 20 bis 30 Jahre Zölle behalten werden. Abgesehen davon, daß Zölle in der derzeitigen Wahrungsdevalvierung einen sehr fragliche« Schuh darstellsn, würden wrr^ somit für ein polüisches Ideal eins« wirtschaftlich sehr «b» t r ä g l i ch e n Zustand eintüufchen. In MemrMis dieser Tatsache ging auch das Prvgrarrrrn Dr. Viktor Adlers dahin, Deutschdsterreichsolle sich mit dm ' , ®) Siche «Wiemr Msrgmzeckmg" vs« lS.-Frbaw-c'. 1'S. Fevrusr _ Sette si Nachbarvölkern zu einem freien Völkerbünde vereinigen und erst, falls diese ablehnen oder unter für uns entwürdigenden Bedinguuaen zusümmen, den Anschluß an das Deutsche Reich suchen. Zu bedenken ist ferner, daß bei der Vereinigung dir Frage der An te i l n a h m e d e r Nationalst a a t e n a n d e r Z a h l u p g d e r K r i e g sf ch u l d e n. sveziell der Kriegsanleihe^ die ia hauptsächlich von Deutschen gezeichnet wurden, sehr m Frage gestellt wäre» während ohne diese die Entente sicher schon im eigenen Interesse aus Tilg u n g bestehen würde, und daß auch die Gesahr eines endgültigen Verlustes Beutschböhmens und Deutfch- Südmols. gegeben wäre. Die ^Frcurkfmtür Zeitung^ , wies kürzlich mit vollem Recht darauf hin, daß die! BerbÜndesen dem Anschluß dieser beiden - Länder j mr ein Großdeutschland n i ch t z u st i m rn e rr - ihrer Vereinigung Mü Deutschösterreich! aber Le ine Schwier i g k e i te n bereiten würden und daß sogar die sranzösische Opposition gegen den Anschluß a b f l a u t e. well die Vereinigung des verarmten Deutsch österreich mit dem gleichfalls verarrnten Deutschland besten innen Schwierigkeiten nur vermehren und das Deutschtum im Endeffekt schädigen würde. Ein VermMungsvorschlag, daß wir uns wirtschaftlich an die Naüvnülstaaten, pülttisch Dagegen an Deutschland mrschließen. ist schon aus Gründen der einhe!rlich en Zoll- und Wirtschaftsp S l i t i k e i n U n d i n g. Schließlich dürfen wir, nicht übersehen, daß die jetzige krisufche Lage, und speziell unter der Hypnose des Kohlenmangels scheinen ja alle Anschluß» freunde m stehen, nicht ervig dauern wird, daß wir die Kohlen durch den Ausbau der W ä ff erkräfte ersetzen und bei einmal geordneten Zuständen auch im Wege des Welthandels unseren Bedarf befriedigen werden können. Wir dürfen auch nicht oev» N Men, daß wir trotz unserer derMt sehr mißlichen Lüge doch den Nationülstkaten wertvolle Autio e n bieten können, speziell .unser ausg e b t e t i e t e s K r e d i t f y st e m, daß mit den von Frieden, her bestchendm^Beziehungen, nmnentlich unserer Großbanken tz ü ' d t n West machten für ^dir übrigen Teile der ehemaligen Monarchie einen viel reelleren Wert" darstellt als die zumeist nur platonische Freundschaft Frankreichs; daß dis Zentrale Lage Wie ns diesem, im Transitverkehr eine beherrschende Stellung verkeiht, der gegenüber der vorläufig noch sehr zweifelhafte Besitz Preßburgs stark in den Hintergrund tritt; daß die einvernehmliche Regelung der Entscheidung über Deutschböhmen und Sudetenland,deren gegen unseren Willen an den tschechischen Staat erfolgten Anschluß die Gefahr einer ständigen Jrredenta mit sich brächte,einen gewichtigen Aktivposten darstellt rmd daß un künftigen Völkerbund Differenzen schiedsrichterlich erledigt würden und somit auch nicht die Gefahr von wirtschaftlichen Rspreffatten seitens der neuen Staaten bestünde. Wenn auch dir tschechischen Verkehrswege in erster Reihe nach denk Norden weisen, so ist aus dem tschechischen Verlangen nach Jrtternatisnalisierung der Donau und des Schienenweges nach Triest und Fiume ersichtlich, daß sie sich über dis wunden Punkte ihrer wirtfchastsgeographischyn Lage völlig im klaren sind. Aus allen diesen Grüben wäre die vielgeschahte Idee eines Donaubundes in e r n st l i ch e G r w aa u n y zu ziehen. Innerhalb dieses Gebietes, besten Interessen ohnehin nicht wesentlich auseinanderstreben und im übrigen durch die lange Dauer der Besetzung Serbiens, Rumäniens und Polens genährt wurden, wäre die V e r k e h r s f r e i h e i t ohne Zölle festzusetzen; die Regelung der ubriden wirtschaftlichen Fragen hätte durch Handelsverträge der "bereits besprochenen Art. zu erfolgen. Der Emwand. daß dadurch ein v e c g r 8 ß e r t e s Ö e st e r r e i ch erstünde, ist nicht stichhältig, denn die Nationalstaaten wären souverän; es wäre aber auch ein im Aaufe der Zeit sich eventuell blldender politischer Zusammenschluß dieser Länder viel .natürlicher als die, Gründung eines tschechisch-polnisch-südslawlscben Blocks mit ausgesprochen anLiderrtscher Tendenz. Mit Volksabstimmungen über den Anschluß zu operieren, erscheint angesichts der in Frage stehenden wirtschaftlichen Momente ein gewagtes Spiel; das Einfachste und Vernünftigste wäre, eine Expertise von Vertretern d e r B a n k r n, v o n H a n d e l» I n d u st r i e und Landwirtschafteinzuberusen, um endlich in dieser Lebensfrage D e u t s ch ö ft e r r e i ch s eine Klärung herbeizuführstt. Zur Fvsgs der NvLeK«LstsMpeLu«g. In hiesigen nraßgvüenden Kreisen wird die;SituL-. Lion nach wie vor als sehr kritisch angesehen Mgomein ist man zu dem Schluffe gelangt, daß die möglichst baldige Abstempelung der deutsch österreichischen Kronemrotrn nnbedinaterforderlich sei. Freilich wird dadurch daK bereUv vorüandene Chaos nicht verringert werden. Es wird dann abgeftempslts jugoslawische, tschechorilorsakischd und doutschöstsrseichifch^ HrsrtsnnpM Me.fi, UvMN dürfts unmittelbar falls B dM ^hstLmprlung sticht gleäMeitig MÄ uns vSrnLimsn wirb, ebenso Polest, die Akeaine, Ru* rnünirn. Batzu kommen die u nab ge stempelten Krynmnottzn aller dieser Staaten. Dis technische Durchführung dürfte mit großen Schwierigkeiten verbunden -sem. Die Ubstempelrrrrg der Noten bedsuttt jedoch keine .

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