Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 25 (12.2.1919)
- Date
- 1919-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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'Ihr habt ZU entscheiden, ob die 300.600 Juden Deutschöfterreichs .in der Konstituante vertreten sein werden oder nicht. Die / Juden sind das einzige Volk in Europa, welches noch nicht das primäre Recht auf die eigene Nation erkämpft hat. Die Gesetzgebung irr der provisorischen Nationalversammlung war ein Hohn auf > unsere verbürgte Gleichberechtigung. Statt den einzig gerechten und modernen Grundsatz der frei e n O p t i o n bei Erlangung der Staatsbürgerschast in Anwendung zu bringen, hat man ein-antisemitisches Staatsgrund-' gesetz über die.Staatsbürgerschastangenommen und auch die Sozialdemokraten haben nichts dagegen getan.. Die seit August 1914 hier ansässigen Osifuden wurden zu politischen Luftmensch§n degradiert nnd vom StüaLslmvgsrrecht ausgeschLoffen, . Sorget dafür, daß wir endlich die Lat^ächKche Gleichberechtigung •"V Zn die Parlamente" aller Staaten auf dein Gebiete des alten Oesterreichs - werden naüvnaljüdische. Vertreter einziehen. Soll Deutschösterreich der einzige. Staat seinj in welchem die ansehnliche jüdische Minorität (fast ei« Zehntel der Bevölkerung) ohne Ver- > tretnng bleibt? Damit der Wahltag ein Ehrentag für das gesamte jüdische Volk werde, beachtet folgende Winke-. Sonntag den 16. Februar 1919 in der Zeit zwischen 7 U h r früh u n d 7 U h r ab enh s habt Ihr' o hn e u> eitere V erst ü nd i g u n g — Legitimationen, roerden nicht ausgegeben — an jenem Wahlort zu erscheinen, der im Flur Cures Wohnhauses durch Maueranschlag bekanntgegeben wird und die j ü-d ns ch n a t i o n a l e L i st e mit dem b e i geschlos s e it e n S tx m mzettel zu wählen. Sollte dieser Stimmzettel ^in Verlust geraten, werden- Euch vor den Wahllokalen und an den Agitationsstellen der Iüdischnationalen ' Partei andere ausgesolgt. I e d c' A e n deru n g, S t r e ich u n g o d e r H i nzusüg ung m acht d eit S t i m m z eitel u n g üIiifl.und die Stimme rv e r t l o s, da die Liste nach' dem Gesetz gebunden ist. Trotz Koppelung mit anderen Parteien dürfen I uden ihre St im me n nur für die j ü d i s ch n a t i o n a l e P a r t e i l i st e abgeben, weil eine andere Abstimmung.für die jüdischen Interessen gefährlich und die Koppelung ja bloß für die ziffernmäßige Ermittlung des Gesamtwahlergebnisses maßgebend ist. Zur Stimmenabgabe haben Alle jüdischen Wähler und Wählerinnen außer dem jüdischnationälen Stimmzettel zum Nachweis ihrer Identität unbedingt noch eine oder zwei der nachfolgend aufgezählten Urkunden mitzubringen: Geburts-, Trauungs-, Heimatschein, Staatsbürgerschastsurkunden, Unstellungsdekrete, Pässe jeder Art. Eisenbahn- und Stratzenbahnpermanenzkartett, Gewerbescheine. Lizenzen, Diplome, Matrikelscheine und Meldungsbücher einer Hochschule, Schulzeugnisse, militärische Dokumente und affe unter Beidruck eines Amtsstempels ausgefertigten Urkunden, woraus sich der Personsstand des Wählers ergibt, Vor der W a h l k o m m i s s i o n nennt man dem Vorsitzenden Namen und Adresse an, zeigt die mitgebrachten Identitätsuckunden und bekommt das Wahlkuvert. Mit diesem geht Ihr in die Wahlzelle und legt Mit großer Mehrheit gewählt. Weimar, 11. Februar. Me Nationalversammlung hat mit 277 von 379 abgegebenen Stimmen bei 51 Stimmenthaltungen Ebert zum provisorischen Reichspräsidenten gewählt. Graf P o s a d o w s S i erhielt 49 Stimmen. Ebert erklärte, die Wahl anzunehmen. Durch die seitens, der ChriftLichsozialen um» SoAialdemokraLerr'' geschaffsys'WahkkreiseinteiLung ist! es uns leider...Sire. iu einem Wahlkreise möglich, unsere KanhldaLcn für die kommenden WaMn aufzuftelLen. V Wir ha^en uns,- um seftznftellen, welche Kandidaten: der anderen Partei wir hei den Wahlen -nnLerMHerr - sollen, und für welche Kandidäten' wir Juden unsere Stimmen abgeÄen ^soyen, an die ernzelnsn ListsnWror der demokratischen Parteien ' LcwendetV rmd pvn ihrrem bindende. Erklärungen^ -hezsigttch Anerkennung der jüdischen Nationalität sowie' bezüglich des Schutzes nationaler MinorltätSrechte.abÄerlarrgt. . .... Es sind mm seitens der eiuzelnett Listen- MhM. MBWoMchreiberr^rgelangt,: und 'wir.-' «ssf Grund der ums seitens. der einzelnen Liftsnsührer vorLhegenden 'ErklärürWn' empfehlen, - uachftHsude KandidatenHuwäWwr Zm : Wahlkreis r^r. 1 . Wien ' Innen-Dst Hk:' mtfe Ä , Beziry empfehlen wir , unseren Gesinnungsgenossen den Listenführer der demokratischeu MitLelstandsPartei Ratiouslrat Z e.tt f c v. / ' /VV - Zm Wahlkreis Nr. 2' Wien Zrmen-West . (VL, -VH. und VIII Beziry ernpschlen wir gleichfalls den Listeuftihrer der dettiokratischen Mittelstandspartei Zabran$$u ’ Zm Wahlkreis Mr. 3 Wien Nordwest flL, XVllt und RLX. Bezirk) fteAen wir es unseren Gesinnttttgsgenossen frei, für eine der nichtantisemitlschen Listen zu stimmerr, warnen jedoch vor dem in diesen Wahlkreis ausgestellten Listenführer N eu m an, der aus dem Zudentum ausgetreten ist. Zm Wahlkreis Nr. 6-Wien-Südwest (XU., XIII. imb XV* Bezirk) können wir auf Grund der eingelangten Erklärungen unseren - Gesinmmgsgerroffen dieWa l der Liste der demokrätischen Mittelstandspartei (Brenner) und der Lifte de^ burgerlich-demolratischen Partei (Dr. Bernhard) sreigeben. . .Zm. Wahlkreis Nr. 7,- Wien-West' OTV., XVI» und XVÜ. Perzirk) Liste der demokratischen (Dr. S t a i.i). Der Wahlkreis Nr. 4. Wien-Nordost lTI empfehlen wir die MiLtelftändspartei . XM» und XLT. Bezirk)- ist Per einzige. Bezirk, in welchem die jüdische Nationalpartei Kandidaten anfgestellt hat, und ist es. Pflicht chnes jeden' .Zuden und. ./einer / 'Hden, .ZndiK.1 ani; ■ Stimme für die Kmrdidaten - .der Ztzdifchen - Die unserer'Liste ^bsir«zt däfülß-s.hafl^ M'^virtschäftlich^v. -ri»MN^e«^KGkisE^Progxamm vertreten 'werden. -Mir MeiMn nicht,.'-daß jeder Jude und jede Jüdin in diesem Wahlkreise am 16. Februar bei der Wahlurneihre Stimmen für «achstHende Kmrdivaten abgeben: 1. Zug. Robert S t v i ä c;r, ^taatsbahnrat. ■ : > ' - 2. Dr. Leopold P l a s ch k e s, Advokat. 3. Erna P a t ä k, ErMungs Heim-Znhaberiu. v. '■". 4. Jakob P i n k a s,, Kaufmann. , 5. Karl B l u m e, Obmanndes Indischen Handlungsgehilsenverbiürdes. - I ' - 6. Zstdor' B l a fl, Zahntechniker, 7. David N e b 'e.n z a h l, Privat» beamter. S.'Sttg. Fedor A Ä e r man n. Ober» kommiffar. den mitgebrachten jüdischnationälen Stimmzettel hinein. Das g e s ch l o s s e n.e Wahlkuvert mit dem jüdischnationalen Stimmzettel übergebt Ihr sodann dem Vorsitzenden, der es in die Wahlurne legt. .Fürchte t ni ch ts, d i e W ah l ist g anz ge h eim! In der Wahlzelle liegen für ^solche Jüdinnen und Juden, welche trotz dieser Belehrung , den jüdisch- , nationalen .Stimmzettel zuhause vergessen, amt-, liche Stimmzettel bereit, woraus alle' Listen gedruckt sind. Auf diesem Zettel habt.Ihr hei. den Worten „Iüöischnationale Partei^ oder bei einem'Namen der jüdischnationalen Liste einen Haken/M machen. Mer das Veste bleibt, Ihr bringtden jüdischnationalen Stimmzettel gleich ins Wahllokal mit. 2l u s k ü n f t e erteilen im Wahllokal unsere W a h l z e ü> g e n, welche durch ein b l a u -weißes Band kenntlich sind. * Juden und Jüdinnen! Wollt Ihr Euer Wohl, Wollt Ihr ein gedeihliches Zusalymenwirken mit den mchtjüdischen Staatsbürgern, Wollt ^Ihr das Wohl Deutschösterreichs, dann wählet am 16. Februar im Wahlbezirk Nördost: Die^ ParteÜiste Stricker. ' Der Kampf der GeistigW- Wien, II. FM-uar' Der Ausbruch' des WelNriegcs war die Nieäevwgc..de.r. geistigen Mentalität.innerbalb der ain Krieg betei-!gteu?6ülter. lDio Tatsache, .daß zu den Erscheinungsformen de-5/ .^ämpses auch der Abbruch aller lultnrellen intclleliuelscn Beziehungen gehört, nicht als erzwungenes Muß. sondern alsbewußte, von Haß diktierte Tat, zeigt, wie schwächlich bi', inw'rnati'onale Verbrüderung des Geistes bisher gewesen - ul. .. Wie. also, wenn, schön die Pioniere, dar EntwiÄnng. die.' Vorkämpfer des Geistes, die .scheinbar Unabhängigen, .versagt haben, wie also sollte nicht das--an Leitung. gcwöhnÄ'Solk. die Masse,, das. tun, was die Machthaber anordnetenö Zerbrach doch auch die Internationale der. - Sozialdc.nwkc^teODsn/.KL.r Wucht der Ereignisse! . . v Neue, Kriege zu verhindern, -wird Teilt. BötkeMrsnhs genügen. Täuschen wir uns nicht darüber. K«;in. noch, gab es, das nicht umgangen, umgestoßen lvordew-' chare. Täuschen wir unS auch nicht, .wenn wir annehme,^wollten, das Erlebnis dieses Krieges würde^weitere, unmöglich' machen. Zeugen 'doch , allein schon die. auS' der Auflösung 7he,r ehe» . maligen Monarchie entstandenen. Kleinkriege vom -Gegenteil. Glauben wir' auch nicht, daß "irgendeine 'St'üatsform ^Kriege verhindern könnte. Nein, das einzige Mittel ist die P.urchj