Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 21 (8.2.1919)
- Date
- 1919-02-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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- Ukraine 2× ep/1001131
- Odesa 1× ep/1000834
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>9tt. 21 Wisch. Samswg . Wiener Worgenzeitung 8. veomar.1ü1A- SettK L- .- KraLach 7. Februar. (Meldung der Polnischen PreMÄgentuü) Der neugewählte Landtag wird 60 Sozialdemokraten, 90 Mitglieder besmätionalen Blocks, 30 Bolksparterler der- Witos^Gruppe, 60 Volksparteiler der Stapinski-Thugult-Gtuppe und 12 nationale Juden zählen. Außerdem sind 2; Vertreter der deutschen Bevölkerung sowie 2 Frauen gewählt worden. . Ukraine. Kiew von Len Ukrainern «jeder erobert. Kiew, 7. Februar. (Tel.' der ^Wr. Morgenztg.") Amtlich wird gemeldet: In einem Gefecht 20 Kilometer vor Kiew sind die Bolschewiken von ukrainischen SchützenLegimentern völlstättM g e s ch l a g e n und in nördlicher Richtung Mückgedrangt worden. Die u k r a i nische R e g i e rü n g, p t' e v o rübergehend nach W ichftsteä übersiedelt w a r, a m t i e rt w i e d er ür K i ew. Auch im Osten der Ukraine sind die Bolschewiken geschlagen worden. C H a r k o w» Pol t a w a und I e L a L e r i n o s l a w sind fest in ukrainischer Hand. Das Oberkommando der ' Ententetruppen in Odessa hat der ukrainischen v Regierung weitere Unterstützung im Kampfe gegen die Bolschewiken durch Beistellung von Munition und Artillerie zugesägt. Die Agrarreform ahjjelehnt. SLanislau, 7.Februar. (Tel.d.^Wr.Morgenztg.") Der gestem ausK i e w hier eingetroffene erste Gehilfe des ukrainischen Ministers, des Aeußern C e h e‘.I s k g äußerte sich, daß das Direktorium in seiner Zusammensetzung unverändert bleibe, während eine Reorganisation der Regiemng nicht ausgeschlossen ist. Das Projekt einer sozialisierenden Agrarreform ohne Entgelt an die Vorbesitzer wurde von der großen: Mehrheit des Vorparlaments mitden Stimmen - der galizischen Abgeordneten der Bauernpartei und -der Demokraten v e rw o r s e n und derganze Entwurf einer Kommission .überwiesen. Aus dem gestern veröffentlichten Entwurf der galizischen Agrarreform geht hervor, daß die Bauernschaft unbedingt für die Wahrung des Privateigentums eintritt. Cehelsky bestätigte, daß im Kanipse mit ukrainischen Schützen die Bolschewiken eine Mederiage erlitten haben. . . : PoMM. Eine NrLrLarnng des MinisterprLfiLentech - : Lissabon, 7. Februar. (Havas-Meldung.) Der Ministerpräsident verlas in der $ a m nt e r eine Botschaft, worin er erklärt,' ' daft L'ie '.Me. ^Regissmyg aus Vertretern aller Parteien zusammengesetzt sei. Die Aus- 'SabtzMt-ÄeMemng. jei, rasch die MonakchWsche Revolte niederzuschlagen. Ihr Programm sei, die Republik zu verteidigen, ihr Ehrgeiz, die Republik zu retten. Die Regierung werde die internationalen Verpflichtungen genMestens erfüllen. c " •: England. Det Streik auf die Eisenbahnen ausgedehnt. Ksnvon, tz,.'.. Februar, (KüWMeldüng.) Der Ausstand jn London greift auf die Eisenbahn über. Am sriihen Morgen kynntW'MMge'.dÄ'LonLmier S.üdwestbahn. in^ WaterloobDnhos nicht nach den Vororten ahgehech da die.LokMytioMrer ausgeblieben wärest, Apch der GüteroetkMApckst, Matzregelnng „wildev" Streiker. London, 6. Februar. Der Pollfugsausschuß der Vereinigung her Maschinisten hat ' die Komitees und Sekretäre dieser Vereinigung, iü den Distrikten Löndom Belfast und Clyde wtzgeft der in der letzten Zeit'Pättgefündenen wüd.n Strtiks entlassen. Der internationale Sozialistenkongretz. Bern. 7. Februar (Meldung der Schweizerischen Depeschen-Agentur.) In der Nachmittagssitzung wurde' mit der Behandlung der. territo r i ä l e n Fragen' begonnen. : M istr a l /Frankreich)'.'jb?toM. wenn.jb« Friede mit brutaler Gewalt geschlossen wurde, würden neue Konflikte und neue Kriege entstehen. Die Kommission beantragte, . .die. Konferenz möge eine Entschließung annehnren, in der die zweifellose Geltung d e s R e ch t e s. d e r Völker, ihr Schicksal und ihre staatliche Zugehörigkeit innerhalb des Rahmens des Völkerbundes s e l b st z u ftest.i ntJit e ii, gefordert wird. In den umstrittenen Be- . Men . Entscheidung über die Zugehörigkeit durch V o l'k s a b st i m m ü n g unter Kontrolle des Völkerbunds, hsr in 'letztes Instäch-'-MtHeidet.. Bei eister Neubildung von Staaten oder bei RÄtängliederungen an bestehende Staaten muß der-Völkerbund darüber wüchen, daß allen von den Neugestaltungen berührten Nativnen die wirtschafllichen Lebensinteressen durch Haüftels- und VerkehrsvertrM gesichert werden. . - Nach Verlesung der Resolution Hhrt Delegierter N e m e c (Böhmen) unter änMem - aus: Die -Wg- .nähme, der gemischtsprachigen Hebitte.- Mrr für Du neuen tschechischen Staat der Tod. Redners polemisiert in scharfer Weise gegen die Nationalitätenpolitik Oesterreichs in den Jahren vor demlKriege und wahrend desselben und erinnert daran, daß bei Ausbruch des Krieges, als die tschechischen Genossen sich mit S e i tz in Wien in Verbindung setzten, sie die Antwort erhielten: „Jetzt kann man nicht mehr verhandeln, die Kanonen sollen jetzt entscheiden für euch oder für uns!" (Hört, hört!) Redner stellt folgenden Antrag: Die Konferenz verwirft g e w a l t s a m e oder v e r s ch l eierte A n n e x i o n e n v o n G e b i e t e n, die gewalttätig mittels der Staatsmacht oder fremden Kapitals entnationalifiert wurden. Delegierter Dr. Ellenbogen (Oesterreich) polemisiert hierauf gegen die Vorwürfe des Delegierten Nemec. Er führt aus: Wenn die Tschechen so überzeugtseien, daß sie sich im Recht befinden, dann sollen sie die deutschenVolKsteile Böhmens ruhig und frei entscheiden lassem Delegierter Dr. Ellenbogen verliest ein Telegramm der ungarischen Sozialisten, die gegen die Brutalitäten der Rumänen, Tschechen und Serben protestieren. Die Konferenz muß sich, sagt Redner, klar und entschlossen auch g e g e n ü b e r d e n tschechischen Forderungen auf den Boden des Selbstbestimmungsrechtes stellen. .Sie kann nickt zugeben. daß drei Millionen Deutsche gegen ihren Willen annektiert werden. Präsident B r a n t i n g teilt mit, daß, da sich der Zusatzanttag C o h n (P al äst ina) betreffend den Schutz d e r N a t i o n a l i t ä t e n mit dem Z u s a tz a n t r a g H u y s m ans deckt, jener seinen Antrag z u r ü ck g e z o gen habe. Branting beanttägt die Annahme der beiden Zusätze Huysmans und Mae Donalds, wonach in der Zentralbehörde des Völkerbundes wicht Delegierte der Regierungskabmette, sondem Delegierte der Volksvertretungen/Parlamente) sitzen sollen, damit der Völkerbund nicht eine Allianz von Kabinetten, sondern einen wirklichen Bund der Völker bilde. Bei der Abstimmung wird die gestern gemeldete Resolution über-dem Völkerbund zusammen mit den Zusatzanträgen Huysmans und Mac Donalds angenommen. (Lebhafter Beifall.) (Nach der Interpretation Vrantings bedeuten die nunmehr angenommenen Kommissionsanträge die Festlegung der jüdischen Ansprüche auf eigenes nationales Leben in Palästina, die zugleich unter den Schutz des Völkerbundes gestellt werden sollen. — Die Redaktion.) Die jüdische Frage. * Bern, 7. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") In der heutigen Sitzung forderte in der Beratung über die Organisatton des Völkerbundes der Delegierte K o s s o w s tz y (Russischpolen), die Sicherstellung der Rechte des jüdischen Volkes durch den Völkerbund und protestierte gegen die judenfeindliche Haltung der polnischen Sozialdemokratie. Delegie.ter C o h n (Jerusalem) deanttagte, daß der Völkerbund einen Gerichtshof für nationale Angelegenheiten errichte, in dessen Kompetenz alle Fälle von Unterdrückung fallen Dieser Antrag wurde später zugunsten des K o m m i s s i o n s a n t r a g e s zurückgezogen Die französischen Sozialisten wollen Dentschland helfen. Bern, 6. Februar. (Tel. der „Wr, Morgenztg.") Auf der Sozialistenkonferenz erklärte R e n. a u d e l, seine. Opposition gegen die deutschen Mehrheitssozialisten in der Schuldsrage entspringe nicht dem Haste. Die französischen Sozialisten würden alles tun, um eine Z erstückelung o d er wirtschaftliche Unterdrückung Deutschlands zu verhindern und die Zulassung Deutschlands und Rußlands zum V ö l k e r b u n d durchzusetzen. TagesberiM Der Ausschluß der südischen tzörer von Leu Hochschulen. Wir erhalten folgenden Aufruf: Jüdische Studenten und Studentinnen! Ein harter Schlag hat Euch getroffen : Die Wiener Hochschulen schließen am 16. Februar für Euch ihre Pforten. Bleibt aufrecht und unverzagt! Ihr habt schon Schwereres getragen! Vertrauet dem Jüdischen Hochschulausschuß, der alles Menschenmögliche tun wird, um Euch zu Eurem ^frech geraubten Recht zu verhelfen. Unterlaffet aber alle Sonderaktionen! Wenn Ihr brauchbare Anregungen habt, teilt sie uns Mit. Wendet Euch an niemand anderen als att.'LenJüdischen Hochschulausschuß, wo Euch Rät Md Auskunft erteilt wird. \; Wir halten unsere Sprechstundentäglich von 10 bis 11 Uhr im Sekretariat, IX., Müllnergaste 33, IV. Stock. Der Jüdische Hochschutausschütz itt Wien: gez. Friederike Ornstein, gez. IM IäkodS reiner, ' SchriitsKhrtr. Die hungernde und frierende Stadt. Wien ohne Nahrung, Kohle und Bekleivnng. - Die Phrase vom „dankbaren" Vaterland, ist.durch die Erfahrungen dieses geschäftstüchtigsten aller Kriege wohl endgültig ihrer Absurdität überwiesen-- worden Die an der Front alle Leiden des vergewäHigtey Menschentums bis zum letzten bittersten Rest aüsge« kostet hatten, emvfing ein angttbleiches, um Wne heiligsten Kriegsgüter besorgtes Hinterland, Ichmer-. hin» Sturm fegte über das Land und hst, Geburtswehen der Republik mochten für dev Augenblick die Nöte des Lebens vergeffen machen. Daß aber unsere Staatslenker diesen Ent-- schuldigungsgrund noch. heute für sich reklamieren, - < nachdem Monate verflossen sind, und dennoch nichts getan 'wurde, um dem Volke Brpt und Mbeft Wohnung und Bekleidung zu geben, wirkt grätest In den Staaten, die sich nach dem Zerfall' der Monarchie gebildet haben, wird fieberhaft am Neubau des Lebens gearbeitet. Bei uns begleiten schöne Reden ein munteres Spiel, dessen Teilnehmer Hasädeure sind. Ein strenger Winter hat eingesetzt. Gibt es Köhlel Für schulen, Spitäler und Asyle nicht, die UnivetsitV muß zeitweilig sperren. Obdachlose erfrieren in Telephon» zellen, doch in den Vergnügungslokalen, wo sich das Bacchanale einer untergehenden Stadt austobt, ist keift Mängel zu spüren. Das trostlose Bild der Märkte^' wo der arme Mann, der unglückselige „Mittelstände nichts zu holen finden, steht in einem beziehungsreicheft Gegensatz zu den von rührigen Schleichhändlern unft geschäftskundigen Bauern wohlversorgten großen Restaurants, die keine Lebensmittelkarten und HöDtpryiftf': kennen, Das edle Schweizer Volk kargt von We« . Tische Nahrung ab. Es will den Kindern : und Muttem über die bitterste Zeit hinweghelfen. - Und siehe, in den Delikatessenhandlungen tauchen plötzlich, Schokolade und andere lang entbehrte deren Ursprung rätselhaft ist, aber einer interessierten Lebensmittelkontrolle nicht verborgen bleiben Könnte. Nicht der Hunger allein mordet allmählich» die Lebenskraft der minderbemittelten Klassen. Vier! jahre haben die letzten Bestände an Bekleidungsmitteln aufgezehrt und eine verkrachte Wirtschastspolitik, die nicht abdanken will, zeigt sich zur Schäffvneines Ersatzes unfähig. Ein haltbarer He^enMVß kostet K 1500, ein solcher aus den Grasern des. Feldes K 600 bis 800,ein Winterrock K 700 bis 1200, ein« einfache Hose K 250 bis 500. Preise die von Angestellte^! Beamten, Arbeitern und kleinen Gewerbesteibrnd««^ nie bezahlt werden können. In den staatlichen Zentral« depots aber liegen, wie jedermann bekamtt ist, geft nügend Vorräte an Stoffen, deren Freigähie bi«! ., Maffenproduktton billiger Bolksbekleidung ermöglMe» i würde. Diese Vorräte werden — Ursache unbekannt^ zurückgehalten, obwohl in einer unter dem Vörfttzo des Hofrates W i n d t kürzlich stattgefundenen SitzünA der Preisprüfungskommisfion beschlossen würde» 'ihre, i? Freigabe den kompetenten Stellen nahezulegech Die hiesigen Konfektionäre sind von Hst m,,Lee, tschecho-slowakischen Republik liegenden Reichenbeßgs^ Iägerndorser, Dielitzer und Brunner TüchsähMe» abgefchnitten. Für die Sommersaison ist fast gaf -W» - Material vorhanden. Aus den neutralen. lüften Ländern haben wir keinen Import zu^erchMtzt,; ' da dort Ausfuhrverbote und ValutäschwiengKeiter»: bestehen. In der Schuhindustrie herrschen ebenfalls tzättK unerfreuliche Verhältnisie. Die Lederproduzenten beschuldigen die Lederverarbeiter. diese wieder die etsteren^' und bei-der langwierigen Erörterung der Schuldstägft! < zahlt der Konsument einstweilen die Zeche. - ,? - Mit der Erkenntnis, daß es nicht so wettet gehe« kann, ist nicht viel getan. Was geschehen ' dieser furchtbaren Not zu steuem, müßte die-einzige.^ Sorge der Regierenden sein. Diese aber haben Wahl- - sorgen und sind rhetorisch vollauf beschäftigt. * Die Mitzsteiride bet d«e Wiener KreiwMV-« gesetlschaft. Das Präsidium der Wiener Freiwilligen Rettüngsgesettschaft ersucht uns um Veröffentlichung einer Erklärung; deren wesentliche Stelle» lauten: „Der Chefarzt unb: Sciiet*, dessen volle Dienstzeit bereits abgelanfe» ist. ttnb der, nur über die Bitte des Präsidiums die Leitungder Gtselnchästz weiter behalten hat, übt, im Gegensatz z» den. änderen angestettten Aerzte» der Gesellschaft, die zumeist ihr , Hautzi-. ehrkämmen aus ihrer ärztlichen Privatpraxis haben» keinerttl pxivatärztliche Tätigkeit aus und. ist ausschließlich auf-feine Bezüge bei der Rettungsgeseklschaft angewiesen, - die :ihm» ebenso wie allen anderen Äerzten der Gesellschaft, mit Rrlck» sicht ausi die dermaligen anßerorderrtlichen Berhältnisse erhöhk wurhen. Die Bezüge der Aerzte der Gesellschaft würbe» - sssinttzeit mit der wirtschaftlichen Organisatton der Aerzw Wftns vereinbart und werden auch in' dieser Höhe zur Mszahlung gebracht. Ncberdies erhalten die fix angestellten Aerzte der Gesellschaft, wie alle ihre anderen fix llnge»- stellten, Teuerungszulagen und Anschaffungsbeiträge in demselben Ausmaß, wie sie den. Staatsbeamten zugeftändeir wurden. , Bei diesem Anlaß sei auch festgestellt, daß dis ^ournalbeamten nicht einen Jahresgehält von 18QÖ>. Arcmem beziehen, sondern daß ihre Bezüge mit den Aktivität-» ükä Dijensteszulagen sowie den Teuerungs-ulagen und AnschMuftg-»'- befträgen sich aus das Drei- bis Vierfache dieses belaufen und daß dieselben überdies freie Dienstwohuunä . haben. Es muß besonders hervorgchoben werden,, dstß tveder^ dem Aktionslomilce noch der Leitung der Gesellschaft ttgerö»' eine Klage eines Angestellten wegen „unwürdiger BelMdiüää"' ^gekommen ist. Die erneuten Angriffe - gegen die Wiener Freiwillige Rettungsgesellschafr dürften ihren Grund Hans *' Wen.-- daß.'die sMellfchaft ^ich h-müßigr gefthem jN* Hj!