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Wiener Morgenzeitung · 1919-02-07 · Heft 20 (7.2.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 20 (7.2.1919)
Date
1919-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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!BtR)9sNfll|flvn Mret» 30 Btex: Mit Zü^elluug in» Hans: ASlmratlich. . . . L V.— ^ufviplftUtrits . . „ SV.— $&U)jäJtt8 » . » „ 40»— 80.— - Mit Vostversvidr A>»rr«Uich. . .X VU), SäÜaK18 - »- KAsjShr^ . . . «. 88.— vslephs»«» r Admiyistea- Ü»»L4VS8. 4081 v, «t> s rktsk ^-.10801 teuer ffijtftlevtmpitt#: Nxeis 30-;p^ pfeife Ni» r«»A»pi<r»d» MsnatUch . > >«' 8.- WtvttWtttvi* . -«, .SWU—.. .; awtLtzriq . V * . . 48.- y G-^mkäh-i» ■ SO.— ' tL««i - m*% rL Nv. 1—8 : - PsjLfi»^irü«'M'K»«ts st* ir>t>;6ä» Nr. 20 Wien, Freitag, den 7. Februar 1919 1. Jahrgang Wien—Weimar. ,7' ' . Wien, 7. Februar. Die deuffchösterreühifche Nattonalversammlung hat gestem ihre letzte Sitzung abgehalten und ist ausemandergegangen. Dies ist gerade an dem Tage geschehen, an dem in Weimar die deutsche Nationalver- Mnmlung sich versammelt hat. Im Wesen und in der ÄeußerlichKeit - besteht ein sinnfälliger Unterschied Wischen diesen beiden Körperschaften. In Wien hat -ie Nationalversammlung ein ziemlich unbeachtetes Md bescheidenes Dasein geführt, und wenn nicht hin M> wieder Kommunisten und Polizisten auf dem Apanzensring Miteinander gestritten hätten, so wäre inan kaum darauf aufmerksam worden, daß in dem f ansen-Bau die letzten Reste des alten österreichischen olkshauses die Gesetzgebung??. und Steuermaschine w Gang hielten. Aus der Not der Stunde Mar diese Nationalversammlung geboren, ein Mürmerlicher Ersatz für das Parlament des allgemeinen Wahlrechtes, das mit der Mithilfe des Kaisers FraiH Josef geschaffen und von seinem Nachfolger in Stücke geschlagen worden war. Die Mandate der Nationalversammlung waren schon acht Jahre M und die letzten Tage ihrer Existenz zeigten, daß sie M einer greisenhaften Letargie ihrem Ende entgegen- Mg. Das Haus hat uns noch im letzten Augenblick Hyfhundert Millionen Steuern beschert und geht in her Hoffnung auseinander, das ungeheure Defizit HniHtens um diesen Betrag zu verringern. Es muß f'epkünnt werden, daß dies eine moralische Tat dar- W und daß die Nationalversammlung wenigstens den" Willen zeigte, zu einer Ordnung unserer chaotisch Verworrenen Staatssinanzen zu gelangen. ...^ ^riöv.^v. . dem chuü der > österrMffch^ngünHU -Monarchie sollte, Ge - ein 'neues StaatsweseN ' bauen, - aus der asten ' Pankerottwirtschaft zu gesicherten Zuständen gelangen. / Sie ist dieser Aufgabe nicht, gerecht geworden. Die Schuld.liegt teils an den Verhältnissen des besiegten,, verhungerten, entnervten Staates, teils aber.bei den Abgeordneten selbst, die sich in die veränderte Situation nicht hineinsinden konnten, die nicht die Verantwortung erkannten, die auf ihnen lag,, und die in keiner Weise ihrer Aufgabe gewachsen waren. Die' deutschösterreichifche Nationalversammlung war. die verkörperte Unzulänglichkeit. Sie geht auseinander, und der größte Heu ihrer Mitglieder wird seine Schuld mit der politischen Unterstandslosigkeit zu büßen haben. . Die deutsche Nationalversammlung nimmt unter hem Schutze von. 4000 Mann Regierungstruppen ihre Arbeiten auf. Daß sie aus Berlin nach dem kleinen Weimar verlegt werden. mußte, entspringt der staatlichen Not und. dem schweren sozialen Zwist in Deutschland. Nichts ist falscher, als aus der Wahl Weimars; tttit seiner großen geistigen Vergangenheit eine Gewähr M ruhiges und geordnetes Arbeiten, für eine freie Hpkunft Deutschlands ableiten zu wollen. Die Ermneruny an die Zeiten Goethes Kann an' der harten Wirklichkeit des Tages nichts ändern. Die sozialistische Mehrheit der Nationalversammlung ist vom Volke .«lbst gebildet worden. Bei den Wahlen sind die Hrabhängigen' unterlegen.. Aber sie geben sich, mit diesem Resultat nicht zufrieden sie. anerkennen nicht das demokratische Prinzip vom Willen der Mehrheit, D wollen ihren Willen, die Diktatur des Proletariats, gewaltsam durchsetzen — und die Regierung der Mehrheitssozialisten mußte sich mit der Nationalversammlung nach Weimar zurückziehen. Das ist ein Beweis dafür, daß die SpartakuslKUte für die nächste Zeit auf Verstärkung rechnen Können. Und dies um so mehr, als auf dem hrtemaüonalen Sozialistenkongreß in Bern sehr heftige Reden gegen die Mehrheftssozialisten gehalten wurden Md , sogar von französischer Seite Anträge vorliegen, die Partei Ebert-Scheidemann aus der Internationale auszuschließen. Die Annahme dieses Antrages würde eine neue, schwere Krise ' für die Mehrheitssozialisten Mit sich bringen und damit vielleicht gar der National- Versammlung in Weimar'den Boden unter den Füßen wegzieh en. Diese Krise würde natürlich auch Deutschösterreich sir Mitleidenschaft ziehen. Da nämlich der Anschlußgedynke'-- ohne Befragen des Volkes hier und in Deutschland — in der Form realisiert werden soll daß eine deutschösterreichische Delegation an dei Weimarer Versammlung teilnimmt, werden wir ü 34UUP1I0IUIV Sill Ollsch Eine Erklärung des Ministers Srobar. Preßburg, 6. Februar. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Der tschecho-slowaNsche Minister Dr. Srobar gab einer bei ihm in VertreLu.g der Juden in Neutra, Galgoez ünd Pisthan erschienenen Abordnung folgende Erklärung r „Die im slowakischen Gebiete lebenden Anden würden gut daran tun, wenn sie in den einzelnen slowakischen Städten jüdische Nationalrate bilden und sich diesen anschließen würden, da die Inden, die bisher die Exponenten des Magharentums waren, sich nur aus Kosten ihrer politischen AnverlWgkett als Slowaken erklären könnten. Als Magyaren kann ich sie nicht anerkennen, wenn sie sich jedoch zur jüdischen Nationalität bekennen, wie in Böhmen und Mähren, find wir bereit, ihnen alle MLnderheitsrechte sowohl ans kulturellem wie uns sprachlichem Gebiete einzuranmen." Die SoWietregierung beruft die 29- bis 45jShrig«U ei«. Haag, 6. Februar. (Tel. der „SBr. Morgenztg/) Der englische drahtlose Dienst verbreitet folgende Mitteilung t Die bolschewistische Negierung hat einen Beschluß auSgefertigt, wonach alle Jahrgänge der Territorialarmee zwischen 29 und 45 Zähren in Petersburg, Moskau und S anderen russischen Distrikten unter die Fahnen gerufen werden» Dieser Beschluß wird die Friedenskonferenz gewiß nicht im Anklaren darüber laffe», dH pie Sowietregiernng bereit ist, einen Krieg auf asten Fronten aufrecht zu erhalten, solange die WeltrevolpHion nich^ ansgebrochen ist. < - die leidenschaWchsten AüsMandersMHen zwischen Bem und Berlin hineingeriffen. ^Es' W" der Diskussion über die 2lnschlußfrage schon: oft darauf hingewiesen worden, daß es politisch unklug war, sie noch vor der Entscheidung der Friedenskonferenz aüfzuwerfen. Man kann diesen Einwänd heute dahin erweitern, daß es politisch höchst bedenklich war, Deutschösterreich^ in dem Kamps der Ententesozialisten gegen Ebert-Scheidemann zu engagieren. Es wird sich leider bald zeigen, daß es vernünftiger gewesenWäre, nicht mit dem Feuer zu spielen.! ünterbrochenö Studium zurückfinde.n könuett," ivMdrn jetzt■ fchonungLlos von 'der -Uuiversit-ät der Reichs Hauptstadt verjagt. "Diese -MaßregM 'Nationen. Aber die Tschechen/ Südsläwen, PvKtt-üsM.-; werden sich zu Helsen wissen. Empfindlich-', getrofftn > sind nur diejenigen Studenten, gegen die.sich auch-ganz offenkundig und zugestandenermaßen die ganze -Akkion . in e ster Reihe Wendel: die jüdischen-'S t-udM-ten- ' aus Gali'zre u: Sie - haben, keine - MöglichÄrk,' > eirie - andere Universität aufzusuchen; die polnischen 'Wivrrsitäten sind Brutstätten des Pogromgeistes.' MW - auch die Rückkehr in ihre Heimat ist diesen'StÄentei'r. un- Geistiger Pogrom. W i e n, 6. Februar. Das Staatsamt für Unterricht hat' einen Erlaß heraus gegeben, wonach Studenten nichtdeutscher Nationalität bei den neuen Inskriptionen ein den Wiener Hochschulen nur dann angenommen werden können, wenn nach der Aufnahme aller Hörer-deutscher Nationalität noch „Arbeitsplätze" verfügbar-, find^ Nach den Mitteilungen des Rektors ist dieser Erlaß auf ein Einschreiten der deuschnationälen Studentenschaft, welches von der Lehrerschaft unterstützt wurde, zurückzuführen. Die Regierung hat sich dem. Terror der chauvinistischen Studenten gefügt und damit einen Schritt vollzogen, der für die Bedeutung Wiens als Zentrum geistigen und wissenschaftlichen Strebens von den verhängnisvollsten Wirkungen sein. muß. Die Wiener Universität, die größte Universität eines mächtigen Reiches, konnte sich an geistiger Bedeutsamkeit ohnedies schon früher kaum mit den. Universitäten der kleinsten reichsdeutschen Provinzstädte messen. Immerhin verdankt sie ihre Frequenz der Stellung Wiens als Reichshauptstadt. Hier strömten die Intelligenzen aller Völker Oesterreichs zusammen. Nun Deutschösterreich „Nationalstaat" geworden ist und aus diesem notgeborenen Zustand eine Tugend machen will, schließt sich auch die Universität jener hirnverbrannten Absperrungspolitik an, die von den . geistigen Führern der neugeborenen Republik unter Jlssistenz der Nationalversammlung und der Wiener Kommunalbehörden inauguriert wurde. Durch den Erlaß werben nicht.nur neu eintretende Studenten betroffen, sondern auch solche Studenten, die schon eine große Zahl von Semestern an der Wiener Universität beendet haben und die nur noch den Abschluß ihrer Studien zu vollziehen haben. Studönten, welche bei Kriegsbeginn fünf oder sechs Semester hatten, dann fünf Jahre^ lang für Oesterreich Militärdienst machen mußten, jetzt also.schon in recht vorgerücktem , Alter sind und nur mit Mühe sich in das so grausam möglich. Sie werden auf die Gässa gewörfdn, .'beschäftigungslosgemacht, der Gelegenheit' zu -'Mstiger Arbeit beraubt und an der Begründung einvr' ihrer Vorbildung entsprechenden Existenz behindert. Das- Los dieser Studenten ist ein so furchtbares,, daß die..5jüdisch« Oeffentlichkeit sich mit ihm beschäftigen" muff.. Die Wiener Universitär ist aus den Mitteln des oMrreichfischen Staates, sohin aller Völker, -ierhMew- '' Diejenigen Völker, welche eigene UnivtztsiLäMr haben,, können noch mit einem Schein 'voü ' Berechtigung G« ihre Universitäten verwiesen we'rden. /Dtie'.JWfl--äber haben in Oesterreich keine Universität,' siEkönnLN nirgends Zuflucht finden und die jüdische Bu.rtzÄch^st Deutschösterreichs, welche in diesem' -'SMAl ein - nicht. gering zu schätzender Machtsaktor rist,'. ' a-nnehmen. Es ist auch sehr '-verwundsMH^MK'/.'dM'' j ü d i s ch e n P r o f e s s o r-e n. deren es jabbch n/ch einige - wenige gibt, kein Wort gefunden ^haben, run^ie/exzeptionelle-Lage der jüdischen Studenken 'vdr-hem akademischen Senat zu vertreten. Der AüsschluffMr jüdischen Hörer ist ein geistiger Pog'rpm..' Did'WHE^E' “ des alten Zarismus wird bei uns lebendig.\\ Wenn während des Waffenlärmes die -. Müsen zu schweigen haben, so darf das doch .wqhl"ftuL)M. '**».■ zwungenes Schweigen sein. Die Wasfen'-^hkiM^ - sW. reichlich ansgebobt und man sollte meinen, 'lüiß alla -geistigen Elemente, die während des Krieges, zum Schweigen gezwungen waren und die.'/gänze ^Marter der Entgeistung der. Welt empfmd2U..MUßiM,' >'' tek Augenblick herbeigesehnt haben, wo eine- ^freih^iftiche, vom Druck de^ Militarismus befreite -Welt ihneWwiederdie Möglichkeit gebe.r wir », ijre Stimtz e /Ü er^enGnö . ins Geschehen einzügreisen. Vor einigeü '.Tggen hat eine Anzahl sranzösischer „geistiger 'KampsE. einen Aufruf an die geistigen Kämpfer in aller.Welt erlassen und mit flammenden Worten zu einer Verbrüderung aufgerufen. „Es ist Zeit", heißt es darin, »idaß wir jeder in seinem Vaterlande, uns gegen die Begünstiger der Kriege und die Verhetzung stellen." In der Wener P.P.resse. wurde der. Ausruf mit!

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