Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 18 (5.2.1919)
- Date
- 1919-02-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979095--00144-2985403- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Krek» 30 Z-Urr DtrSrnU» » »tror s^rriser Äte»r Mit Zu>!ev«ls üt» Haus: Wuttkatirii. , < .B '?*•— Vir>.t-lf3t»vry . . 8».- ' $a(kfalr tg . . . .1 40»— . ... 80,— . Mit Psltöersand: /Mo» .t.ch. . . L VLi' - &t»i!f*liShirtjp . . .. 88*— N«Ü»fät»rr„ .. . . 44.— ' - . . . 88.— 4S81S. ab « r»i»e abund» gt«. 16801 tifmeletemptitb* teuer Nrer« A-tK» pttoifü?Sv / .' //* -' ßv— #itrttVa\)i:x<) , 84.— J , 4s»— ««Mttirhvift >..86.- ttour .. V - WLs«.1 tL . itr. Irr^vV': rttkelTw-Hgi*»* o Uv. 15 0Ä- ■SS" Nr. 18 Wien, Mittwoch, den 3. Februar ISIS 1. Jahrgang ■fe H Die Wahlert in Pole«. K. Der 26. Jänner war ein wichtiges Datum in der Weschichte Polens. An diesem Tage fanden die Mahlen in die Konstituante,statt. Trotzdem uns Meinhalb Wochen bereits von diesem Tage trennen, hüben wir bis heute weder verläßliche Ziffern über Sie Resultate der. Wahl, noch auch authentische GÜmmungsberichte erhalten. . Diese Tatsache läßt Mrauf schließen, daß die maßgebenden Faktoren irgend- .Me wichtige Ursache haben, die OefsenÜichLeit über sü hochwichtige Dinge derzeit nicht zu imformieren. Ga uns also im allgemeinen die wichtigsten Belege fehlen, Hünen wir uns auch kein Urteil Über den Ausgang der Mghlen bilden. Etwas mehr, obschon lange nicht genau Md wir über den Ausgang der Wahlen, insofern er M.jüdischen Kandidaten betrifft, informiert. Da wir Mffen, mit welch gespannter Aufmerksamkeit die breite Wische Oeffentlichkeit auf das Ergebnis der Wahlen . wMet, wollenwir schon heute, obzwar uns sowohl der Ueberblick über die Zahl der Mandate, wie auch Wer die Personen fehlt, unsere- Ansicht über diese tpMüqe Frage äußern. \. Denn eine Tatsache steht fest. Auf der ganzen haben die nationalen jüdischen Kandidaten kein, assimilatorischer Jude wurde gewählt, bedeutsame Tatsache, die mit starker Wucht zu «Ns spricht, die einen WendypurMtm der Geschichte W- Juden Polens bedeutet, verdient es, daß man ihr bMndereApsmerksamkeit schenkt. •■■■//:• * ■ : '. -•'/.; ■ * ■ ■ . Jahre 1Ö07 wurden bei den allgemeinen WÄ)len fürs österreichische Parlament drei Zionisten gewählt.- Diese Tatsache rief^ Entsetzen bei der Ajsimilantenpartei und Enthusiasmus bei den nationalen MaffM hervor. Die AsslmilMtetwgrLei Lat im Lause dMHier Iahte, M denen hieMrer Mnistischen Äbgot ordneten mit Emst und Würde ihre Pflicht erfüllten, alles, um es zu verhindern, daß hei den nächsten Wcchlen ein Zionist ins Parlament gelange. Es ist W auch vollständig gelungen. Es wurde bei den Wahlen im Jahre 1911 skrupellos gearbeitet; ein Hrror, wie ihn früher weder Badem noch Potoeki chtzuwenden wagte, kam in Anwendung, so daß wirklich kein eWger Zwnist gewählt wurde. Die Assimilanten Äumvbierten. Sie behaupteten, der Zionismus fei in Herr Wischen Gaffe tot, die jüdischen Massen seien anders orientiert* Nun wußten wir aber, daß der Triumph verfrüht war. Der jüdiscbnationale Gedanke fHte immer tiefer Wurzel in der jüdischen Gasse und wir wußten eS, daß er sich ber -der nächsten Gelegenheit bahnbrech^n wird,. um sich nach außen zu manifestieren . . . Jetzt zeigt es sich mit voller Klarheit, daß er in Galizien und in Polen einzig vorherrschend ist, daß der assimilatorische' Gedanke vollständig abgewirt- Mästet hat. Wir hören bisher von . einem Dutzend gewählter'Juden. die Liste der Gewühlten zeigt uns Zionisten, Vylksparteller, Orchodoxe, Poale-Zionisten. Hein Äffinnlänt ist darunter. Nathansohn und Dickstein, Tilles und Groß Haben ausgespielt. Die jüdische Güffe will von ihsien nichts büren. Nicht ein einziger aus dieser Gruppe wurde gewählt. Die Bedeutung dieser Tatsache erhöht, sich noch dadurch, daß wir wissen, wie Hgrrschsüchtig die Afsimilantenführer sind, wie bedenken-? wf' sie in der Wahl ihrer Mittü sind und mit welcher Mfsbereitfchaft ihnen die polnischen Machthaber zur ^Mte stehen. Sie haben sicher alles angewendet. Bald haben sie Schrecken und Angst den armen Massen eWejagt, bald wollten sie durch Bitten schwächen, bald durch'Drohungen einschüchtern. Nichts ist gelungen. Die Wische Mäffe hat ihr Verdikt. über die Volks- ,Verführer gesprochen, In einem großen Teil der Wahlbezirke konnte die Wahl überhaupt Kein günstiges Resultat zeigen, da Iudenhetzen stattfanden. üln allen anderen wurden nationalbewußte Juden gewählt. ' -i .. Zwei Gruppen von Juden werden in die Konstüuanie einziehen. Zwei Welten werden es sein, die miteinander nichts gemein haben. Einziehen -werden die jungen, bewußten, aufrechten Juden, die jetzt von Taufenden in die oberste Volksvertretung entsendet wurden. Und einziehen werden die alten Goluthgestalten mit ihrem Knechtsinn und ihrer Sklaven- Orientierung, die Löwenstems und Kolifchers, die nicht gewählt, von niemandem berufen, sondern direkt einberufen werden. Ihr Mandat läuft bereits acht Jahre . und die Welt weiß es ja, auf welche Weise . S4v MMoWen Abrüstungskosten. Finanzmlnister Szende gab übsv die Ausgaben des Landes seit dem L. NstzWrSer bis Cnde Jänner sowie Über Mis Kosten der AHrüstuug eine Erklärung ub. DepmaH haben die Staatsausgaben im November und Dezember die Ausgaben des letzten KriegsMugtübertroffen, du sie 1699, beziehungsweise 1499 Millionen betragen haben. ZmMnNer find sie dagegen unter diesem Betrags geblieben und Habs» nicht einmal eine MillMrde erreicht. Die Negierung werde Wrigens sämtliche Ansgaben einer Revision MtMM M. Bezüglich der Abrüstung sei es immer bekannt gewesen, daß sie große SuMr^eH i« Anspruch nehme» werde. Die AHMMng sei für die Dauer mehrerer Monate geplant gewssep, doch sei in Angarn die personelle Mrüftmrg in sechs Wochen durchgeführt worden-, was sich natürlich mit einem erhShterr Kostena ufwand vollzogen habe. Die persdn-tzLIe A S r ü st u n g k o st e t e 459 M i l l i o n e n. Dazu kommen noch 199 Million e n Abrüstüngsgebühren des Bahnpersonals. Für KriegsunterstüHrr»gen.wurden in diesen drer Monateu 549 Millionen Kronen ausbezahlt. Auch dem K-rieg^s- Ministerium mußten g r S ß e r e Summen zur Verfügung gestellt werdenda MsAiete Milliarden reprüsentiersnds Kriegsmaterial entwsdev in Serbien oder in 3tdic» geblieben oder aber von den neu sEtandsnen Nationalstaaten b e s ch l a g n a h m L w-rden sei. Dem Kriegsminifterium wurden 899 M i l L i o n e n zur Verfügung gestellt. Davou aber das Kriegsminifterium «och 499 Millionen. Für die EiulSsuug der £sn der Staatsschulv verwendeten die Staatskasse« 869 Millionttu GegenMor phantastischen Meldungen müffe festgestellt werde», daß die Anterstühuugen der ArbÄtHlosen nicht mehr als L5 DL i l l i o n e n Kronsn betragen.. Für die B e r L e f f e r u uH .-der Lage der Staatsbeamten wMden 359 Mil l i o n e n verwendet. Die den TndWMe» Unternehmungen gegebenen Vo r s ch üss e betragen beinahe 259 M i l L i o n$ % Summe, die jedoch später -JcheGGTez Lch.lt. werde. Schließlich' betrugen dre »rdeMzH'^ Ausgabe d^ Vepw^^«mg snfylMHer Timerung 629 MrLlio nen Kwnem Der MraMsch-bolfchSWMsche Krieg. -1*: . . Moskau, 4. Februar. Die Rote Armee besetzte die Stadt O m r u o. In der Rrchtung Sarnsk besetzten Abteilungen der Roten Armee das Städtchen B e l o e.? Die Armee in P o l L am a, welche von den aufstLndischsn Arbeitern tmLcvststtzL wurde» besetzte heute K r m e it c u fu Kiew wird evakuiert. Die Bourgeoisie flüchtet über Odessa und KsustaMnopeL. diese Mandate (Drohobyczer Wahlen 1911) zustandekamen. Einmal bereits hat das österreichische Parlament vor zwei Jahren diese Mandate prolongiert, jetzt werden sie zum zweiten Mal von der polnischen Regierung prolongiert. Nur diese Tatsache der faktischen Einberufung legitimiert die Anwesenheit dieser Herren bei der KonMuante. Würde das jüdische Volk Ostgaliziens zum Sprechen aufgefordert werden, würde es sprechen können, sprechen dürfen, es würde so laut, und vemehmlich sprechen, wie es die Juden Warschaus und Krakaus taten! Stimmende Massen in Westgalizien und Polen, eine stumme Masse in Ostgalrzien, 'das ist das Blld dieser Wahlen. Mit der Konstiülante werden die Gegensätze zwischen den Juden bald hart anemanderstoßen. Löwenstein und Dicunand werden wie früher ihren Kotau nicht nur vor der polnischen Kultur und vor Polens Selbständigkeit, fondem auch vor - polnischer Bedrückung und polnischem Terror machen. Sie werdin. wie sie es Jahrzehnte bereits taten, zu allem Ja und Amen sagen. Ganz anders werden Thon und Grünbaum sprechen. Sie, die einzig wahren, richtigen Mandatare der jüdischen Volksseele, sie werden fordern und verlangen, wie es die zionistischen Vertreter im österreichischen Parlament taten. Und wenn sie auch nur ein. Dutzend in der Konstituante zählen werden, so wird sie der Gedanke starken und ihnen neue Kraft verleihen, daß hinter ihnen Millionen Juden in Polen, ja die Iudenheit der ganzen Welt steht. Der Einzug dieser neuen Männer bedeutet einen Wendepunkt in der Geschichte des jüdischen Volkes Polens. Wir können diesen Artikel nicht schließen, ohne unsere besondere Ausmerksamkeit auf das Wahlrefultat in Krakau zu lenken. Es heißtE verfügen leider noch immer nicht über die genaue» Fiffem — aber das wird kaum an dieser Tatsache etwas ändern, daß in Krakau Dr. Thon 12.450 Stümnen, Dr. Adolf Groß 2431 Stimmen erhielt. Der ziomstifche Kandidat erhielt also fünfmal soviel. Summen wie fein assimilatorischer Gegner. , Jahrzehntelang herrschte Dr. Groß in der jüdischen^ Gasse.Mchvar ein Künstler im Beherrschen der Massen. Bald he* friedigte er ihre oppositionellen Instinkte, indem/er gegen den Krakauer Kahal loszog und den Unabhängigen spielte. Man. wußte zwar nicht wovon er . unabhängig ist, aber dieses demagogische Schlagwort lockte so manchen Anhänger. Bald schloß er sich:'dem Lieblmg der Massen, Daszynski. und seinem Anhang an, um den Einfluß bei den Massen zu erhÄtew Heute versorgt er die Masse Mit billigen Wohnungen und Kohle, und morgen, da ein anderer Wind, wehte, schloß er sich dem Polewum an. (Wo blieb. da dir Unabhängigkeit?);, Die alten Massen ließen sich von-Dr. Groß leiten. Es kam aber ein neues Geschlecht, das Geschlecht-von 1919. Es sind nicht mehr die gedrückten, gebeUAte« Juden, die man durch Zucker und Peitsche, durch pvnym et circfMieps zur Urne lockt, Der Weltkrieg Hät'ein neues Geschlecht erzogen. Auftechte, starke- Mensch«!» dmch blutige Erfahrungen gestählt, inder 'HMten Schule des Lebens aufgezogen, ..schreiten, vyn einer, großen Weltanschauung geführt, im. Bewußtsein. ihr«: historischen Verantwortlichkeit -zur Urne. Zwölftäusend Männer und Frauen, die dieses Bewußtsein, gaben Dr. Thon ihre Stimmen. s (