Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 16 (3.2.1919)
- Date
- 1919-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Pret» »O Keller Sie«: «tt Lust-L»- «» Hau«: t Ech. . »ItSbriö sal»rig . M-rs. 7.— 80.- 40— 80—; * ' IJHI Vostvtrsai'd: Monatlich. . WrlrlsShrka AaMSikrts . chtmrfähris.! 7.80 88— 44— 88— Wtitp\font: «tan 44038, Nrdak«-« 48L1S. »t» «Mabrud» N». 1680t lener Nr. 16 Wien, Montag» den 3. Februar 1919 vWflfiiiwfW.* .. Areks SBO ÜdM pttiT* fuv *«# JMliMdt frUntdlläl „ ..K .**4 ^i«yfel{5fnf»ö . i *4*^ Haidsn^rks - ♦ * m 48.«-»; ««nkfSdrrs * « ' MH Mi«rr, K rdakttan «.AdMohtt«. timt: u. g Pr*1"-. -t N«stfpavkaff-y.K»»t». Ur. 130*00® 1 Jahrgang : Dle Montag-Nachmittagsausgabe der „Wiener Morgenzeitung" kostet 20 Heller. Versöhnurrgssriede auf dem Weg. Deutschland im Völkerbund. Berlin, 2. Februar. DaS „8 Uhr-Blatt" meldet «iS dem Haag: Der Berner Korrespondent des „Nieuwe Rotterdamschen Courant gibt einen sehr optimistischen Gericht über den Stand der Dinge in Paris. Cr sagt tbtter anderem: . Wilson verteidigt mit der größten Gtandhaftigkeit den Standpunkt, daß Deutschland Gelegenheit gegeben werde« mutz, dem Völk^rbrrndL öeizntrcte», bevor eine Entscheidung über die territorialen Fragen j getroffen sei. Clemenceau forÄrrt dagegen, daß die territorialen Fragen vor dem Eintritt Deutschlands in de» Völkerbund erledigt werden. Wilsons Idee Wird von Lloyd George warm unterstützt. Gleichzeitig meldet man «Ns französischen Krel-> Du, daß Clemenceau nicht mehr mit seiner alten Entschlossenheit auf de« Erfüllung seiner Forderungen besteh«. Di« Pariser Fin-anzkreise seien nun- ' tneh» auch überzeugt, datz ein Versöhnungsfriede eine wirtschaftliche NotweMgkrit sei. Entgegenkommen für Deutschland. Rotterdam, 2. Februar. Dem „Nienwe Rotier-. damschen Courant" zufolge schreibt der Londoner Korrespondent des , Manchester Guardian", es bestehe Grund iur Annahme, daß die Alliierten mit größerer Eile auf oeu Abschluß eines vorläufigen Friedens mit Deutschland Hnarbeiten und bereit feie n, vielweiter zu atzhen, als bisher a st g en om m en v ur d e. «T habe a « s g u ter Qü e l l e v e r n o m m e n, baß jetzt aeh.offt werde, daß der vorläu fige FriedenSve r t r a g in n e r h a l b f e ch s Wochen unterzeichnet werden würde. Die Alliierten hätten bezüglich der Frage der Entschädigungen für Frankreich zugestimmt, daß die ganze Frage der Vergütung ger Kriegskosten und deS militärischen Schadens fallen gelassen und die deutsche Verantwortlichkeit ackf den mutwillig angerichteten Schaden beschränkt werde, worunter auch die versenkten S chiffe eingerechnet werden sollen. Dov der Aufhebung der Blockade? Berlin, 2. Februar. Das Wölfische Bureau meldet: Wie die' Waffenslillstandslommission berichtet, ließ das Oberkommando der Alliierten am 31. Jänner m Spaa eine Note überreichen, in der. im Zusammenhänge mit der Lebensuiittelversorgung Deutschlands verschiedene Angaben finanzieller Art von der deutschen Regierung verlangt werden. So sollen der Kassenbestcmd der Deutschen Reichsbank und ihre Bestände an Auslandswechseln und Wertpapieren angegeben werden, die an neutralen Plätzen lombardiert werden können. Weiters werden Angaben gefordert, aus denen hervorgeht, in welcher Höhe sich Werte neutraler Staaten .im Besitz der deutschen Banken, . sonstiger Institute und von Privatpersonen befinden. Ferner soll berichtet werden, welche gesetzliche Machtbefugnis die gegenwärtige deutsche Regierung hat, um den Besitz deutscher Staatsangehöriger an Depositen, Wertpapieren und anderen Werten in Deutschland und in den neutralen Ländern zu requirieren. ' Daran anschließend soll eine Aufstellung her Vorräte aller Art gegeben werden, die in Deutschland für die sofortige Ausfuhr vorbehaltlich der Billigunng der allierten Regierungen bereitstehen. Die Note betont, daß . alle technischen Aufklärungen über diese Punkte möglichst schnell mitgeteilt werden müßten, damit die alliierten Regierungen und die Vereinigten Staaten dem deutschen Ersuchen um Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffe» Nachkommen könnten. ES iss das erste Mal, daß die Alliierten I« einem offiziellen S chri ft stück von der .Versorgung Deutschlands mit Lebens- . v am Bmidksmt teil. Erklärungen des Staatssekretärs Dr. Bauer. Wien, 3. Februar. Gestern fand hier im Kolosseum eine Massenversammlung der deutschdemokratischen Partei statt, in welcher der Anschluß an Deutschland verlangt und gegen den Deutschenpogrom in Marburg protestiert wurde. Nach der Versammlung zogen einige Lausend Menschen in geschlossenem Zug zum Auswärtigen Amt. Vor dem Rathause machte man Halt und verlangte stürmisch, daß der Bürgermeister reden solle. Als er nicht kam, wurden erbitterte Rufe laut. Ein Redner teilte mit, die Stadt Graz habe für die Hinterbli.benen der in Marburg von den Slowenen Erschossenen 100.000 Kr. gespendet, die Stadt Wien habe bisher nichts getan. Vor dem Auswärtigen Amt staute sich die Menge und der Großindustrielle Peter W e st e n hielt eine Rede, in der er eine Aeirßerung des Staatssekretärs des Aeußern Dr. Bauer über den Anschluß an Deutschland verlangte. Der Staatssekretär erschien sofort auf dem Balkon und hielt, unter einer Standarte mit der Aufschrift „Großdeutschland unsere Zukunft" stehend eine Ansprache an die Versammelten. Er sagte, daß es jetzt Zeit fei, daß die Grenzen, die im Jahre 1866 künstlich errichtet wurden, fallen. Der Anschluß Deutschösterreichs an Deutschland sei der Traum seines Lebens gewesen, jetzt sehe er die . Erfüllung; ,et. könne dA BersaMnlWg folgende! Mitteilung machen : | Gestern fei an DeuLschösterveich'oie Einladung gekommen, einenB evollmächtrgLe« ' zu dem Rate zu entsenden, der das Erd« des früheren Bnndesrates angetretenhabe. Seit 1866 werde nun zum erstenmal, wenn der SLaatsrat die Einladung anniwmt, ei« Vertreter Deutschösterreichs im Bunvdsrate sitzen. Der Bevollmächtigte werde anfangs bloß beratende Stimme haben, aber an de« großen Werke Leilnehmen, an der Verfassung für die deutsche Republik, der auch Deutsch- Österreich angehören soll, miLZuarbeiten. (Beifall.) / j Wohl werde die Frage nichLhier , üu Ö i n: Deutschland allein entschieden. Ditz/Entente werde auch ein Wort dreinzüreden haben; wenn sie aber den tatkräftigen Willen sehe, zusammenzugehören, werde sie auch nichts dagegen einzuwenden haben. Dr. Bauer forderte die Manifestanten/auf, nicht abzulaffen, diesen Wfllen kundzutun. ' - ' Diese Rede wurde von der Vrrsammlumg mit großem Beifall ausgenommen Dann stimmte man vDeutschland, DeutschlandMernllessi .12 Uhr-mittags wü,"die Dttnonftmüvn Mitteln und Rohstoffen sowie von einer deutschen Ausfuhr sprechen; mit anderen Worten, es gewinnt den Anschein, als ob die Entente dem Gedanken einer Aushebung der Blockade allmählich doch näher treten zu müssen glaubt. Die Note beweist aber zugleich, daß der Verband für die Werte, die er uns liefern wist, unbedingte Sicherheit verlangt, dar heißt er will Zahlung nicht in Reichsmark, sondern in Werten, die wir nur durch Arbeit erzeugen können.. Was wir brauchen, ist also Arbeit und nochmals Arbeit. Nur so bekommen wir Lebensmittel und Rohstoffe und nur dann ist an eine Wiederaufnahme der deutschen Ausfuhr zu denken; aber dauernde Streiks und hie Versuche, die Ausfuhr der deutschen .Schiffe zn verhindern, mußten uns dem Hungertode entgegenführen. Die FMdeNskSKsWMz. Die Unstimmigkeiten. Paris, 2. Februar. (Meldung der Telegeaphen- Kompagnie.) Die U n t e r s u ch u ng s k y m m i s s i o n für Polen soll, wie nunmehrseststeht, endültig abreisen. Die Großmächte legen die letzte Hand an die Instruktionen für diese Kommission. Inzwischen beginnt sich in Paris eine gewisse Erregung zu zeigen. Die Konferenz verhandle nur, so heißt es, Fragen von untergeordneter Bedeutung, ohne große Resultate zu erzielen, während ernsthafte Probleme nicht gelöst werden. Gerne würde man endlich die Gründung des Völkerbundes sehen, die die Differenzen beilegen könnte. In anderen politischen Kreisen glaubt man, daß der Haager Schiedsgerichtshof die Frage von Polen lmd Rumäniru usw. regeln soll. Wilsons Abreise. Paris» 2. Febnmr. (Meldung der Ttlegrapherr- Kompagnie.) Die Areise Wilsons ist nicht' genau festgesetzt. Der Präsident wird der Kongreßsitzung, beiwohnen, die am 4. März stcrttslndrt. Er wird die Ueberzeugnng münehmen können,'daß das Prinzip des Völkerbundes angeno mm e n, ist und daß eine ziemliche Freiheit für die Kolonien er« zielt werden konnte. Wilson wird Ende -Februar Paris verlaßen. Seine Abwesenheit wird nur von kurzer Dauer sein und es scheint endgulng' .festzu»j stehen, daß er durch keine andere Person »ersteten werden wird. ■ Gm internationales Arbeits grMtz Hefetz< Paris, 2. Februar. (Havas-Meldung.) Die Kommission für die intet nationale Arbeitsgesetzgebung trat gestern vormittags zu einer Sitzung Zusammen. Arbeitsminister Colliard erö ffneie dis Sitzung mit einer Ansprache» in der er sagte, der Konferenz werde die Aufgabe zufallen, tatsächlich ein i n t e rch a t i ss nales Ar beit sgrundge setz zu schaffen und^ dessen Durchsühmng zu sichern. Die Kommission müsse' der Konferenz die Fragen bezeichnen, die I den Gegenstand ihrer ersten Arbeiten bllden werden. Die Konferenz werde das Werk früherer KonferÄizen, die: sich mit diesem Gegenstand befaßt Haben, vervollständigen» sodann die Probleme betreffend die Arbeitsbedingungen und den Arbeitrrfchutz studiMn. und deren als unerläßlich erscheinende Lösung eneMsch in Angriff nehmen muffen. F u m Vor fr tz tz n'Ä e.n der Kommission wurde G o mp ers gewählt. - Tsilnatzme des englischen GensvalsLftLes. London, 2. Febniar. (Meldung der Telegraphen»'.' Kompagnie.) Der englische Generalstab reift demnächst; nach Paris ab, um an der Friedenskonferenz^ Mzu«! nehmen. Die Mitglieder des Generalstabrs. werden: jenen Verhandlungen beigezogen werden, in. denen die: Verletzungen derKriegsge fetz r ^dürch! die Mittelmächte in Beraümg stehen "werden.- Die Frauen verlangen ZuLaMng. Paris, 2. Februar. (Meldung der Telegraphen- Kvmpagnie.) In einer an de« Ministerpräsidenten- Clemenceau genchteten Adreffe verlangt der Naüonä!< rat der französischen Frauen die Aufnahme weiblicher Delegierter in die interalliierte K o m m t s f t o r für weibliche internationale Arbeitsgesetzgebung. '