Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 11 (29.1.1919)
- Date
- 1919-01-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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9ty. 11 ^.Men» Mittwoch Mener MörgenzeMns - L9. JSnnvt Ver»^" . . — ■■■■.. ., >»^ckL ' Mni IIP" -— -- ^Uroße stöinsrns Stadt aus der heimatlichen Provinz ge- ,kommen ist. Sie ^at ihre geringen Mittel.bald aufgezehrt, verliert ihre Wohnung und in bitterkalten Nächten streift sie durch die Gassen, bis sie den Weg in das warrnp Hotelzimmer findet. Sie sinkt immer tiefer' ^rnab und wird Lines Tages von der Polizei aufge- Hrifsen, Bei der Berharrdütug dort sie nur mit halbem^ Ohre zu/, denn ist.?' h/tu-.^ nicht' mehr vor der StrafoM Arrest toiry'M. cchsitzirn und dann wieder dH. rl^g."worrrne sützr. faule Leben aüfnehmen. ' . Ein alter Mann tritt auf. Er ist mit schäbiger Hxganz g/üaidet, sein weißes Haar verleiht seinem '-.lfttlitz - ehrsam«" Biederkeitman meint einen' penhichrierten Staatvheamten vor sich zu sehen. Er ist beschuldigt, lchini Kartenspiel itt einem Kaffeehaus bas . MÜH Zu sei,nun Gunsten .korrigiert 7 zu. haben. Er 'MistHie Anklage entrüstet zurück:, so etwas lpürde ihm sülfall-err, aber die indiskreten Polizmakten verraten/!rW. yr Hretts fünfmal wegen Fal-schspieles verurteilt Ein Trödler ist wegen - Hehlerei 'angeklagt. Er heit' isMest daß ein Mannim Ärbeltsgewand 7 und blauem' Schurz so kostbaren Schmuck zum Verkauf anbot?" -Trödler: „Was heißt ausgefallen?'Ich' kenn'" viele Leute -in schönen. Kleidern, die fast gar nichts zum verkaufen habey." Mn,, vierschrötrger Mann Äird. vorgerufen, ein Schlofsergehilse, der. seine. Stieftöchter mißhandelte.-Er riecht mächtig nach-Schnaps und/scheint sich zur Verhandlung gestärkt zu haben-. „Herr kaiserlicher Rat, i' E'S'net, \* bring'S nüt übets' Hiärch S' is'a nieder- -trächtige Verleumdung' .vönf her'Dachhärin, -dem alten Drachen." Aber das bl^se gequälte Gefichtchen und baS ausgemergelte -Körperchen/ des zitternden ' Kindes erzählen von dem Martyrium eines-'früh geknickten Gebens... Der herzlose Vater wird zu vier Wochen .strengem^Arrest verurteilt/Sekne brut'attzn Züge werden' steinhart' und sein Blick ist. Poll .tierischer Grausamkeit.!- .Der .. Gerichtssaal ist die wahre -Hochschule - des Lehens. In seinen Räumen istkeine blasse - Theorie. Du studierst.da an Mutzrugen dieser kurzen Spanne .die -unser Kben beschließt. Dis HiLfsarheiLerm als Schleichhändler?«. Vor-dem LcmdcSgerichtsrat Dr. .Pa ll a k (Josefstadt) war ,gesienl die Hilfsacbeiterin Gsch w eide! wegen Preistreiberei nmgeklagt. Du Beschuldigte hatte m den .letzten Monaten aus- 'gedeh.nre Hamstersahrten in die Umgebung von Wien unternommen "und die gehamsterten Lebensmittel wie Mehl, Butter, Milch im Schleichhandel um teures Geld verkauft. So ckiattsie für.Milch pro Liter K. 4.—, für Mehl K 26.— -v r 0 Kilo verlangt. Die Angeklagte. wurde heme zu v i e r- .'z«hn Tagen Arrest, verschärft durch zwei Fasttage, verurteilt. Sport. 'Mä5SrspMLWVche7 auf dem Iaufeapatz. Samstag begann in Sterzing eine vom Touring" l/kud Mailand veranstaltete italienische Winters p 0 rtw 0 che, die fünf Tage dauert und deren Hauptschäüplatz der Jausenpaß ist. Für die Ski- und ÄödMonkürrenz find Preise im Gesamtwerte von W.MLne ausgesetzt. Außerdem werden die Teilnehmer aus^Kosten Italiens vollständig frei verpflegt. Die Aufforderüüg des italienischen Kommandos, aus diesem Anlaß die Häuser zu beflaggen, beantwortete der ' deutsche Geiyeinderat von Sterzing mit dem Rücktritt. >- - r— '; .. Dev jüdische <3. K. „Kadima" wird mit seinen Fußballmannschaften die Gastfreundschaft der Hakoah in Anspruch nehmen, otx auch „Hechawer" auf den Hakoahplatz.angewiesen ist, wird Mi ^r Heuer emen Rekordvrmeb auswrisen. < sollten am l6.Fchruar beaqmen. Mft Rücksicht darauf, daß an diesem Tage die Wahlen Ifttsindeu, dürste der MttsMchaftsbegmn verschöben werden. -wird im heuritzeft Frühjahr/außer den drei MaMchasten, du an den regulären Merfterschasten (l., rr und .Immmännschaft) tnlnchmcn, noch drei bis vier weitere Marm- Ichaften ins Feld stellen. Eine SLmMegende Vendexung der Mseitregek hat der englische Amatenr-Fußballverbaud beantragt; in Zukunft soll PU Spuler schön daun nicht mehr .,off side“ fein, wenn sich Zwischen ihm und dem gegnerischen Tor nur zwei (früher drei) Gegner befinden. Grrgen Elster, der bekannte Funktionär der Hakoah, wurde iin Fnfiballverbaud zum Präsidenten des Straf- und Mrldeausschuffes gewählt. DiesEishockrymsisterschasi. Das bereitst wieder eingetreteue Tanwetter bringt die WeitcrairStragnng der Eishockchmeisterschaft, die an, letzten Sonntag so verheißungsvoll begonnen bat,, sehr m mage. __ ... : . Letzte Nachrichte«. , Tschechische AniverfltKt?« Brünn. ... Prag, 28. Jänner. (Tel. der „Wr.Morgenztg.") M.. h e u t i g e National we r s a m m l u n g beschloß nach einer sehr erregten Kulturdebatte die Errrchtung einer tschechischen U n i v e r- .t i t fit in Brünn unter Ausschluß der theologischen Fakultät. Die Italiener räumen Deutsch-Südtirol. - Kufstein, 23. Jänner. (Telegramm der »Wr. Wie em höherer iiültrn'rfch^ O.Pzier ttüttellt, werden die Italiener in dm nächsten Tagen tNtt ^er.Liämmmc! DMlch-WittWls .be Der Getreidevedarf Europas nicht gedeckt. Washington, 27. Jänner. (Tel. d:r „Wr. Morgenztg.") Das Lebensmittelamt stellt fest, daß für Europa einschließlich Deutschlands und des früheren Österreich-Ungarn für das Jahr 1919 726 Million e n B u f h e^l s G.e t r e i d e notwendig sind.' Hiervon haben -Kanada, Argentinien und. Llüstralien einen Ueberschuß von 496 Millionen Bushels, während die Vereinigten Staaten einen solchen von 277 Millionen haben. Daraus würde sich ein Gesymtweltüberschuß von 44 Millionen Vushels bei der . gegenwärtigen RaÜonierung ergeben. Da aber diese Rationierung erhöht werdest soll, könne man von'einem Manko von 100 Millionen Büschels.sprechen. St^atzenlrämpfe in Wilhelms Hasen. \ Berlin, 28; Jänner. Der Berliner Börsenkuner meldet, es fei auch heute noch nicht^möglich, ein vollkommen klares Bild über die Borgänge in W il h e l in s h a f en zu' gewinnen.' Nach den neuesten Meldungen dauern die Stra ß e nkämpfe zwischen den Spartakisten, denen sich die Werstsarbeiter angeschlossen haben, und -den Berufssoldaten fort. Die Artillerie feuert' ausfchweren»Gefchützen. Der Streik der Bahnangestellten dauert an. Die österreichischen Gebände in KonstanLinopel von den Italienern besetzt. Konstantinvpel, 28. Iännerl (Tel. der „Wiener Morgenztg.") Der italienische Kommandant A r l 0 t t a hat das. österreichisch-ungarische Botschasts-, Konsulats¬ und Schulgebäude als „ehemals venezianische' Territorien" besetzt- und aus diesen Baulichkeiten die italienische Flagge gehißt. .... sy, MMiarden amerikanisches Darlehen für die EnLenLe. Washington, 27. Jänner. Wie das Schatzamt bekanntgab, haben die Anleihen an Verbündete seit 1. Jänner 170 Millionen Dollar erreicht. Die Gesamtanleihen stellen sich damit auf 8.588,733.000 Dollar, wovon jedoch nur 7.854.816.000 Dollar, ausgezahlt worden sind. . ' Die amerikanische Demobilisiernng. Washington, 23. Jänner. (Reuter-Meldung.) General March teilte im Senatsausschuß für Heeresangelegenheiten mit, daß Abmachungen mit den Schiffahrtsinftanzen getroffen worden seien, damit 300.000 Amerikaner im Monat , heimbefördert werden können und das gesamte E x p e d i t i 0 n s h e er innerhalb sechs Monaten heimbefördert und demobilisiert werden könne, Wilson werde in Paris die Größe der amerikanischen. Besatzüngsarmee festsetzen. General'March gab an,'daß 10 Divisionen als Anteil Amerikas angeregt worden feiert. Er fügte hinzu, er sei dafür, daß die Bereinigten.Staaten ein stehendes Heer von einer halben Million Mann besitzen. - > Deutschland bekommt seine Kolonien nicht Paris, 27. Jänner. (Meldung der Telegrvphen- Kompagnie.) Ueber das Schicksal der deutschen Kolonien ist von den Eptentemächten folgende Vereinbarung getroffen worden. 1. Keine einzige deutsche Kolon i e wird a n D e u L sch l and Zur ückgegeben werden. L. Die Kolonien fallen an den Völkerbund. Da aber die Erfahrung, gelehrt hat, daß eine internationale Verwaltung von Ländern eme sehr mangelhafte Institution herstellt, werden 'die Kolonien einzelnen Staaten zur Verwaltung übergeben. Die Petersburger Regierung geflüchtst. . Berlin, 28. Jänner. Der Vorwärts meldet aus Petersburg, daß die Räumung Petersburgs erfolgt sei. Die Petersburger Regierung soll" sich nach Nowgorod geflüchtet haben. Lebensmittel aus Holland für Dsutschland. Berlin, 28. Jänner. (Meldung der Telegraphen- Kompagnie.) Zwischen der deutschen und. der niederländischen Regierung ist eine Vereinbarung zustandegekommen, wonach gegen die tatsächlich erfolgte Kohlenlieferung Lebensmittel namentlich^ Fische und Vieh, ferner Flachs sofort von Holland nach Deutschland gelangen werden. Kalenderreform in Serbien. Belgrad» 28. Jänner. (Meldung des Laibacher Korrespondenz-Vureaüs.) Mit dem heuttgen Tag tritt in Serbien, der. g.r e'ß 0 r i an ischeKalender in Kraft.. womit in ganz Jugoslawien numilehr ein einheitlicher Kalender eingeführt ist Ex-Kaiser Karl will sich von Kaiserin Zita scheiden lassen Prag, 23. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Das Prager Tagblatt meldet: Aus Eckartsau kommt die Nachricht, daß der ehemalige Kaiser die Absicht hat, sich von seiner Frau scheiden zu lassen. In monarchistischen Kreisen wird erzählt, der Ex- Kaiser Karl glaube durch eine Scheidung die v erl 0 rengegang encn Güter zürückzu gewinnen, was bei etncm; monarchistischen Putsch sehr wichtig wäre. Solche Scheidungen sind natürlich ganz aussichtslos, aber es gibt unter denen, die m Echartsau leben, ganz bestimmt Leute, die Karl von Lothringen mit solchen Phantasien den Kops verdrehen. - . - > . * , Der Volkswirt. Generalversammlung der Notenbank. Am 1. Februar wird die Tagung der General» Versammlung der Oesterreichisch-ungarischen Bank erfolgen, wobei die Mandate vergeben werden.^ In- Bettacht kommen die Mandate von drei österreichischen . und viex ungarischen Generalräten. Die Banknotenabstempelnng in Jugsslawiev. Nach Mitteilungen, die an hiesigen aftttlich en Stellen eingetroffen sind, vollzieht sich die;Wstempelüng der Banknoten im jugoslawischen Staat, nicht in der Weise, daß die Banknoten mit einer, gleichartigen staatlichen Stampiglie versehen werden, sondern es hüben , die einzelnen Geld» i n st i t u t e den Aufttag erhalten, die in ihre Kaffen; fließenden Noten mit ihrer eigenen Stampiglie zu ver- ' sehen.So kommt es,daß dieverschiedenarttgftenStampiglien angewendet werden, wie zum Beispiel solche von Bankinstituten, Genossenschaften, Reiseisenkassen. und sogar von Schulvereinen usw. Der Postsparkassenverkehr mit Jugoslawien. Am 1. Februar wird in Laibach ein selbständiges jugoslawisches P ö st s p a r K a s s e n a m t eröffnet. Die Äeberttagung der jugoslawischen Verwaltung vollzieht das Postsparkaffenamt in Wien. Der Scheckverkehr mit den jugoslawischen Ländern, den es in diesen Ländern aufrechterhalten hat. läuft bis Ende Jänner.' Wegen Einrichtung eines günstigen Ueberweifungsverkehrs zwischen den beiden Postsparkassen sind schon Vorkehrungen getroffen. Die Giroguthaberr der Plager Banke« gesperrt. Prag, 28. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg?) Das tschechische Fmanzministerium hat die Giroguthaben der Prager Danken bei der Oesterreichisch-ungarischen Bank, welche viele Millionen Kronen betragen, g e s p e r r t, so daß die Banken' nur mit besonderer Bewilligung darüber verfügen können. Es handelt sich um eine vorbereiteftde Maß-, nähme wegen der bevorstehenden neuen Steuern. Eine tschechische Anleihe. Prag, 28. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg.") Der tschechische Finanzminister hat bei den tschechischen^ Banken eine Anleihe in d er H ö h e o qn:v ein er MilliardeKronen gegen eine Der-' zinsung von 3 Prozent ausgenommen. Die deutschen Banken wurden nicht herangezogen. Dieser Vorschuß soll .in nächster Zeit in eine 3prozentige tschechische Staatsanleihe mngewandelt werden, welche al pari zur Austeilung gelangt. - * Maßnahmen der französischen Finanzregiernng. Einem Telegramm aus Paris zufolge untersagt eine neue Verordnung der Regierung die' Einfuhr von Rubelnoten, hebt dagegen das Ausfuhr v e r b 0 t v 0 n D 0 l l a r n 0 t e n auf. - ' Die nnVerzinsliche« Kassenscheine der OesirrreichLsch-ungarischen Bank. Die unverzins^ lichen, bei Sicht zahlbaren Kassenscheine der Oesterreichisch-ungärischen Bank waren nach einer Kundmachung vom vorigen Jahre bei mehreren staatliche»' Kassen und Aemtern an Zahlungstatt zugelaffen. Das deutschösterreichische Staatsamt für Finanzen sieht sich nunmehr veranlaßt, diese Bestimmung außer Kraft zu setzen, da für Zahlungsmitttel in anderer Weife hinreiä)end vorgesorgt ist Die Lrisster Filialen der Wiener Bankerr.^ Wie verlautet, werden die Wiener Banken, die .während des Krieges gezwungen waren, ihre Triester Filialen nach Wien zu v e r l e g e n, auf Grund! von Unterhandlungen mit den italienischen Okkupations-, behörden die. Filialen gegen Mitte des nächsten. Monats in Triest neu e r ö f f n e n. Anfangs Februar sollen von Triest unter italienischer Bedeckung Züge abgehen, die die. Angestellten, Effekten. Korrespondenzen usw. der Zweiganstalten nach Triest rück^ befördern. , Dev Tvansportscheinzwang weiter eingeschränkt, Durch eine Bollmqsanweisung des Staatsamtes für Kriegs- und Uebergangswirtschaft wird die Trausportscheinpflicht, für lebende Tauben, Glyzerin, Kleesamen. Knoppern, Eisemnatrrialien, Sddtz 'aller Art und Aetznatrön, Kaninchenfelle, Rob- und Altgummi, Web-, Wirk- und Stückwaren, Sclftchwaren, Leder 1 und Lchev» abfälle, Leinsamen, Torffasern, Sensen und Sicheln, Hausuni- Kochgeschirr, Kesiel, Brennesielftengel, Korkholz und Hopfen auf-' gehoben. Sohin bleiben nur mehr solche Waren den: Transportscheinzwang unterworfen, bei denen derzeit aus Gründen der innere« ■- Bewirtschaftung noch nicht von der Transportscheürpflicht Umgang genommen werden kann. \ Bon den GttreidemLrkrten. (Orig.-Der.l, Am Einklang mit-'matten a r g e n t r n i s ch e u Berichten griff, an de« Terminbörsen der Union eine flaue T e n d enz durch, die sich umso schärfer äußerte,^ als aus den nordwestlichen -Er» zenguugsgebieten günstige Wettenneldungen Vorlagen, weiters bii Mattigkeit der dortigen Lokomnrkte zu spekulativen Abgaben Anlaß gab. Die Preise der einzelnen Maissorten haben sich bis zy f a st.» C e n t v e r lv 0 h l f e i i t. Infolge freundlicher Kauft, stimmung sprach sich die Tendenz der Berliner Börse dnrch.wck f e ft aus. Im Vordergrmide des Interesses stand R 0 t f 1 t t der nur in minderer ' Wm r e zum Offert gelangte uni nur in tleinereu Akeugen xum Umsätze kam. Die landwirtschastz> lichen Berichte lauten dort, gleichwie dies bei uns der Fall 'Hb ai'muig. Im heimischen Berkrhc herrscht der geschäfrltchr StiV ß.wb an. -• r ... . .u , . f