Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 9 (27.1.1919)
- Date
- 1919-01-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Grn?«!evs«spkaN: Kreis WLS Seiler Äis«: Mit ßujlr&tuig t«S Hans: teönAttfri). . . . JE 7.— . . „ SO.- Keiikiintrrtg . . . * 40.— Kn«,t8t,rks . . . .. 80.— Mit Dsstdexsai-d: Kr-n^ttkch. . . . k r.f?o - - - ^' - mlbhllPlS.4 r.— H««rt»hrt» . . . „ 88.— Ssr-Phono r Avmrulffi-a- 44088. «»dnd«o«. 48318, ad 6 Phx adrird» Nv. 16801 renrr (Mttniiwtmplav: Kreis S5® Zeit«» NrLrrarrlrvatto»»»' pttlfs für das Ku«la«8>» Monatti^! , , . K 8»—' NirrlsiU-^is » > <• 8t- Aaldsahri- . . .« ^8»— Ga«rjLhrks VS.-. rie^aktior,». •ileti: Wir», zx. e«d»»st»«E Sir.' 1—Ö R». 130.6WS Nr. 9 'tewiteggsas Wie«, Montag, den 27. JSmrer 1919 1. Jahrgang saaBsam^ag: «SB Die AufgaÄs des VMkblmdcs. Wilsons Programm. Die Fnebenskonferenz hat numnchr ein neues Programm erhalten. Präsident W i l s o n hat die Ideen der amrikanischen Demokratie entwickelt, die das Schicksal der ganzen Welt, den Frieden und seine Sicherung, in die Hände der Völkerliga legen will, W der jede Zioilisierte Nation zugelafsm werden soll. Dieses Programm klingt der durch den Krieg so schwer erschütterten und friedensbereiten Menschheit ganz anders als die Fanfare, mit der Pomcarä in der Vorwoche den „großen Gerichtshof" begrüßte. Es ist bekannt geworden, daß die Franzosen, besonders Poincar6, Elemenceou und Bourgeois der Wilsonschen Auffassung sehr heftig opponiert haben. Welcher Preis ihnen für ihre Nachgiebigkeit versprochen worden ist,' werden Wien und Berlin,wahrscheinlich bald erfahren. Es muß aber ein recht hoher gefordert worden sein, well Wilson sonst nicht mit. solcher Schärfe gesprochen und nicht die Ausgaben der amerikanischen Delegation in der F o r m, e i n e s .1!! t i m .diu m s, der Konferenz vorgestellt hätte. Der Völkerbund, sagte er, sei der Eckstein des Programms. Die amerikanische Delegation würbe den Zornihres Volkes auf sich käden, wenn sie ohne Erreichung dieses Ideals Paris. verlassen müßte. Wilsons Rede ist ein Trost und eine große Hoffnung für dis ganze Menschheit. Sie ist es aber noch mehr für d a s j ü d i s ch c Vol k, das nunmehr endlich auf seine Erlösung Hoffen darf. Jedes Volk der Welt soll nach s e i n e m. - W n n s ch «seine eigene Regierung und.;;• erijalteft; Nun, wir wünschen, mir verlaitM/ Mr ersehnen dieses Ideal der Eelbschestimmung, für/uns wie für jedes andere unterdrückte Volk. Wir wollen heraus aus der Vogtherrschast und wir wollen unser eigenes Leben in unserem eigenen Land. Unserer Vertretung in Paris entsteht jetzt die große aber dankbare Aufgabe, die Forderungen des 14 Millionen- Volkes, der Kuben den .Leitern der Friedenskonferenz als^dcn Willen des Volkes, w o 1 m m er es! e b t, vor Augen zu führen. 5 /Paris, 26. Jänners Die interalliierte Konferenz hielt gestern eine Vollsitzung ab. Trotz der Kälte hatte sich eine' ungeheure Menschenmenge vor den: Auswärtigen Amte eintzefunderr. Um Va3 Uhr nachmittags begann die Ankunft der Delegierten. Präsident W i'l s 0 n und Ministerpräsident Llemenceau wurden freudig begrüßt. f' Hm 8 Uhr eröffnet- E l e m e n e e a u die Sitzung. Das . Protokoll der letzten Sitzung wurde ohne Abänderung angenommen. Staatssekretär Lan sing behielt sich die Zustimmung der amenkanischen Delegierten vor, da dieselben den englischen Text noch nicht erhalten haben? C l e m e n e e a u verlas hierauf die Resolution über den Völkerbund, die besagt: ' Die Konferenz, die die Anträge betreffend die Schaffung eines Völkerbundes einer Prüfung müerrogm hat, beschießt, daß e8 wesentlich ist für die Anfrechteehulama de? WelchanttS, daS die assoziierten Mächte jetzt ansftelten, einen Völkerbund zu schaffen, ein O r g a n i n t e r n a t i 0 n a l 'e n Zns a m m e n w i r k e n s, das die Er-ülluna der emgegangenrn internationalen Vrrpftichamgen imd Büraschasten gchen den Arie^ gewährt. D i e L i g a, deren Schaffung einen integrierenden Bestandteil des allgclnc'inen FriedeusvertragcS bilden soll, «uß jeder zivilisierten Nation offenst.e h e n, der man daS Vertraurn schrt-ken könnte, daß sie die Ziele der Liga begünstigt. Die Mitgl.eder der Aga würden periodisch zu einer internationalen Konferenz zusammen'rtten. Sie soll em permanen-eS Sekretariat besitzen, um die Angelegenheiten der Liga wahrzunehmen. Inzwischen ernennt daher die Konferenz eine Kommisnon, in der die assoziierten Reoiernngm vertreten sind, um eine Verfassung und die Befugnisse der Liga in den Simklheiten cm.sMrb.'-iteii. Die Dokimiente werden in französischer und in englischer Sprache allen FriedenSdelegierten übergeben. Hierauf ergriff Prüstdent Wilson daS Wort zu folgender Rede: " Ich sehe es als ein besonderes Vorrecht an, die Beratung dreser Konferenz über den Völkerbund zu eröffnen. Wir sind auch hier zusammengrkommen, um Negelungen Sx treffen, die der Krieg notwendig gemacht hat/und gleichzeitig en Weluried« sicher zu stellen, ober nicht allein durch diese Re«!klunge«, sondern auch durch Masrnalnnm. die wir m dieser Konirerrz beschlichen werden, um den Frieden dauerhaft zu gestalten, ber Völkerbund erscheint mir daher notwendig. Es gibt viel kompliziertere Fragen, dir mir den heutigen R»»«!,Niger, im Zusammenhang stehet, und die vielleicht nicht mit Erfolg durch i»}t Misere Deschlüffe zu einer endgültigen Entscheidung gebracht wttden können. Ich kann mir sehr gut verstellen, daß vrele dieser Regelungen noch weitere Erwägungen und in gewiffem Maße mich Aendernngm nötig machen wei'den. Nach meinem eignen Studium ist für einige Fragen deS Volkn'bnndeS im Angmhlick eine Mverlässige Veutteisimg nicht möglich. ES ist daher nvtwNtdiL ein Werkzeng zu schaffen, durch daS die Arbeit, dieser Konferenz vervollständigt werden soll. ^Wir sind hier versammelt in einem Augenblick, in dem sich die öffenrliche Meinung der Welt in einem außergewöhnlichen Zustande befindet. Ich kann ohne Urbertreibnng sagm, daß wir nicht Bertteter der Regierrmgen, sondern B e r.t r e t e r der Völker sind. Es wäre nrcht vollkommen, die Negierungskreise irgendckleS Landes zur Genüge zufrieden zustellen. Wir müffru vielmehr die öffentliche Dkeinung der Welt zuftieden stellen. Die BesrNüftungett des Krieses. Die Lasten dieses Kriegehaben in außerordentlichem Maße auf die ganze Bevölkerung der betreffende« Länder gewirkt. Ich brauche Ihnen wohl kein Bild zn entwerfen, wie diese Lasten auf die Arbeite r wirktm,anf d i e Frauen und Kinder, wie. sie auch auf die Familien der K u l 1 n r v 0 I f c r gedrüest haben und wie dieser schmlliche Druck deS Krieges sich besonders dort fühlbar machte, wo daS Auge der Reqiermtg ihn nichte mtdeckm konnte, und wo das Herz der Menschheit schlägt. _ Diese Dkeiffeben dringm daraus einen Frieden zustand-Mbringen, der ihnen Sichercheit bitten soll, diese Menschen verlangm von imS, dafür zu sorgen, daß wir Die Selbsthestirnnmns dev B9lkev. Mr sind hier zusammengekommen, mn darüber zu dajede« Volk der Welt seine elgene «r «ierntifl und seine eigenen Ge setz e erhalt, nicht so wie wir das wi'mschen, sondern w x e *• einzelnen Völker eS wünschen, kurz, wir sind hier, um dafür zu sorgen, daß die Spuren deS Krieges hmweMfeM werden. Nichts anderes, als die Befreiung Welt von der Bogt-'i Herrschaft wird den Frieden Zustande bringm. Gott ser Dank^ haden alle klugen Köpfe» die üIkt diese Fragen verhandelt yab«^ diese Prinzipien augnionkmen als die Richtpunkte. Wir sind auch Eillt, dich« angenommmen Prinzipien in die Tat nmzusetzeu,! it die Ang°' *-v~ --- 1 t Wenn ttutfbrmcn. ■.aumuu umyvu. iw*v miiMtww v.. .in den Krieg, nicht rnn den Sieg zu erringen, sondern um d«> G/danken zu vertvirklrchen, für Gerechtigkeit und die tirttheit tzec Menschen zu kämpfne. Mit diesem Progranrm stehen ww mcht alleitt. Verfechter d<ifür findet man überall. Ich habe versuch^ ihnen die Begeisterung emzuflößeo, die »US in dieser Bezichunbeseelt, der Puls der Welt scheint m dieser Untecnehinvatg fühlbar , zu klopsen.^ gr. werden, ttm ein.. zweites dvtarügeS Opfer mtmoglich zu machen. ES ist unsere heilige'Pflicht, dauernde Re-gelmtg zu treffm, damit eine Ger e-ch t sig k e i t geschaffen m?d der Friede aufrecht erhalten wird, Dies ist das Hauptzikl unserer Znsammenkmtft. . Die Tätigkeit der Nationen mt Intereffr des Wedeusitmd deS Ncchies abermuff eine danrrnbe werden. Wir nfiifftt^nne.. dMMde.Arbeitsweise srfflrgen., weil wir-noch nicht, ' mrstanve-Mdaueckde T'UchtM.zu ftfffen.. Dirckru ckckM-Ä-' mir notwendig, daß wir ein vollständiges Bild drr'Writ.schchsyt muffen, wie sie vor nnsernn Ge-.ftr steht. , ' - Der MitzhrKAch Wiffe-nschaft. Ist- Ä nicht , ein ents'^l cher ümftand, das die E n t d t c? xi n g e n d e r ' W.i lck e n s ch a f t, ditt.mrcsüchungm m den .Laboratorien nutz die -VcrkrhrSnritviLlünaen, die durch vieles Ltudrum erzielt roden sind, jetzt zuv^B e rn i ch t u n g der K n.l t n r angrwendet w'trdkn? Der Feind, den wir jetzt besiegt hiiben, - erzielte. aitf .einigen wrchtigeu Gebieten werden. WtnerrLKs EintviLe in den Krckex. Es ist klar, baff die Bereinigte u Staaten infolge-ihres ausgedehnten Geb-tteS und Ihrer Häsin weniger nnrer den steindltcheu Angril-rn zvt lriben hatten, alseme Anzahl anderer Mächte. Drr-fmrige Dege'stenmg der- Ver-nniglm^ Sraaten sprießt der Welt rin. Ek kormn-en, daß de: Be:law dreht, nänü'ch um die G st. der gaiu^n Welt klar zum Bewußtst:« ge-; fcftS KrieaeS sich uw r.n rinsigrs Tchg e ch t i g i e i t und imr die F r e n> h e i t d e r. M e n f ch h t i t. D-inrni hatte «t«6 m den Be;-- - einigten .Staaten die UeberztttgungttPlatz geartffern daß ihr Anteil am Krieg'vergebens, gewesen wäre, wetm" man sich anl eine vpp iammenftellmig der europäischen Brrirägebeschränken würde. DaS amerikanische Volk würde Ms-n, daß r8 an dem Schutze der eirropärschen Ädkontinet, keitnt: Aniest haben könnte, wenn' keine Garantie zur Aukrechterhaltuog des Weltfriedens erzielt würde. Damm betrachte ich e» aLS mterklißlich, daß wir nm'er ganzes Können auswcnden. um den Volkerbmtd zu einer, lrbmdigm Gemeinschaft aller Velkek zu machen. Wenn wir etwa Dero-ckoeS nicht vollbringen, dann würden wir die Ertvarllmgen der Böller enttäuschen. Der BölkevLnnd - da» Ideal der SMerlkanischen Deniolrrnile. Bestimmte mväblte Kreise dürfe« nicht länger das Los der Menschheit beff-mmt. DaS Hest der a r s a m r e n W e l t h a 1 i-n den fänden der Bolkerliga zn ruhen. Befriedigen «ie die Völker, tmd sie haben sich nicht nur -hres Vertrauens tnürd^g envi-sen, sondern auch den Friedck ans eme feste Basis gestellt, ffbenn Ste aber nicht befriedigen, dann würde die Regelung, die- S:e iresien müstkm, nicht zustande kommen, dann wird atrch der W-lffoede wcht geschah werben tonnen. Sie können sich eine Bo^stelllmfl von den Gefühlen m -cken, mit denen die ikc'xmx der V-reimglnr Staaten dm Platt des Völkerbundes nnterstlitzten. Wir sehen ihn als den Eckstein utlsereS g samtenPrsgrammßan. Er tst unser Z/l mtd unser Ideal. Wenn wir nach den Verein-u'm Staaten zurücktehren, ohne alle Versuche »mt-rnontmen zn haben, dies-s Programm zu ve-rwi ü'ch--n, dann werden wstdm verdienten Zorn n n s e r e s V 0 l k e S anl uns nehmen müssen, da wi'- als F ü h r e r d e r größten Demokratie der Welt bte Gedanken unseres Volkes nicht in g-nü-ender Lbeffe ztem AnSdrttei brachten. Man tau.-de uns vorwerfvt, daß wi, nur rutzerr ttgrnr» Inte,effm vrrsolgt habm. DeRtschlMds AM- ' - OMdlNKD. isisi--' Dis nsrdweftdsrrtfchsn Ss.ziMsterr drohsü her NaLronKLvsrsm«Mümg»- VrmmfchweiZ, 26. Jänner. (Wolff-Vitrecku.) Hier fand ein Kongreß zur Gründung^ einer n 0 r d w e st d e u t f ch e n Bund t.& republi k statt. Anwesend waren Vertreter aus Düsseldorf- Leipzig, Essen, Celle, Hannover, Amnburg» Peile, Hildeshcim,. Oldmburg, Cuxhaverr, Remscheid, Merseburg und Brenien. Der Arbeiterrat Karl K ü h l (Stendal) beMtragte folgende 'E n t sch l i e s; u n g: ■ ■ Der Kongrektt.de^'Ächsiterrurd,. MoldatenMe, Ziordrvest-Deutschlattös fHr aüT'Mü 7" f u r t e r P ck r t e i p r 0 g r a.m m s, wenn er. em klares, festes Bekenrltnis dafür aölegt, datz diepolitische Macht in den Händen der Arbeiter- und.Soldaten» töte bleiben wutz, bis der Sozialismus gesichert' erscheint. Die Arbeiter- und Soldatenrate Nordwest-^ Deutschlands verpstichten sich untereinander, die politische Macht nicht aus den Händen zu geben. 6«: werden dis politische Macht,v die sie von den revolutionären Arbeitern und Soldaten erhalten haben, solange behalten, bis das Werk der Revolutioy vollkommen gesichert ist. Die Arbeiter- und Soldatenräte N^rdwest- Beutschlands sehen in der N a t..i 0 n a l v e r s a m ne-! u n g lediglich ein O r g a n zur D e m o-k ratif i c r u n g und 0 0 3 ia lis ie r un g des Reiches. Erweist sich die NaLionalversammlunr als ungeeignet, da &"935 er k der Rev 0» l u t i o n z u v 0! l e n d e n, d a n n h a t si e und n i ch t d i t Arb e i 11 ru n d S 0! d,a L e n r ä t e a b § u t r e L e n. Volkskommissär O erter.(Vraunschweig) sprachi über die Bildung rm.'.r Bundesrcpublck Nordwest-! Deutsästünd und brachte eine Entschließung ein, ble j besagt, die Revolution könne nur gerettet werden, ( wenn das System der Näteregiemng erhalten bleibe.; In West-Deutschland seien daher in sich abgeschlossene sozialistische Freistaaten zu bilden, die unter den Regierungen der Arbeiter- und S 0 l d a t e n r ä t e stehen, und zwar: Sach s e n mit der Provinz Sachsen-Altenburg unL die beiden preußischen Slaatert mit der LandeshcmpLstabt Leipzig; G r 0 tz - T h. ü r i n g e n bis an die Fulda tmfc nördlich bis zum Harz reichend, mit der Landeshauptftadt Erfurt; Hessen, umfassend das nördlick) des Main gelegene Hessen-Nassau und Kmhrssen mit der Landes» Hauptstadt Frankfurt am Main; Rheinland-Westfalen mit der Landeshauptstadt Elberfeld; Hannover mit Ojtfriesland mit der Landeshauph' stadt Hmmover: der DldenburZ-DremerMstsaLmttVeAtz»