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Wiener Morgenzeitung · 1919-01-23 · Heft 5 (23.1.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 5 (23.1.1919)
Date
1919-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Das Neutersche Bureau meldet, daß in zwei Äis drei Wochen deutsche Handelsschiffe unter der Kontrolle der Alliierten wieder ans See fahren" w erd en, hauptsächlich um den früheren Feinden der Alliierten Lebensmittel zuZuführen. Es fei sowohl im Interesse der Menschlichkeit als auch der öffentlichen Ordnung, daß bestimmten befreiten Gebieten und den feindlichen Ländern baldige H i l fe gebracht werde. Die vom Obersten Kriegsrat ernannte alliierte Lebensmittel- und Schiffahrtkommisfio« habe sich vor kurzem nach Trier begeben, wo sie mit der deutschen AbsrÄnung, bei der sich auch Negierungsbeamte und Vertreter der Schiffahrt befänden, zusamwengekoMmen sei. Wegen der nicht geordneten Zustände in Deutschland seien die Delegierten der Alliierten im Zweifel gemjese«, ob irgendeine ftabile Antsrität vorHgnde» fei, um ein ÄehMftckyMnen I.erhjnWch.^ «tbznschlietze«, aber die d e u t s ch e n D e legierte » hätten beweiskräftig 'därgekeA^? 'daß sie in der Lage find, bind ende V e r p f t i ch t n n g e « einzugehen. Es fei beshsichtigt, Deutschland zu gestattchr, eine wesentliche Menge Lebensmittel, insbesonders Weizen, Fett und Kondensmilch, An käufen «nd einznfüh r en. Die Konferenz in Trier fei als die erste Gelegenheit, beider britische und deutsche Zivilisten seit Kriegsbeginn in Verhandlungen traten, bemerkenswerL gewesen. Die G Der monarchistische Aufstand. Madrid, 21. Jänner. (Meldung der Agenee Havas.) Die Regierung hat vom Gouverneur von Pontevedra einen Bericht erhalten, wonach die monarchistische Bewegung im nördlichen Portugal den Sieg davongetragen habe. In Porto habe sich eine Regierung gebildet, an deren Spitze Paiva C o n e e i r o stehe; der Kriegsministrr des Kabinetts sei der bisherige Ministerpräsident der Liffahyner Regierung Tamagnini de B a r b v f a. Die telephänischen und telegraphischen Verbindungen zwischen Lissabon und Porto seien abgeschmtten. Lissabon habe sich der Bewegung angeschlossen. Der frühere KönigManuel sei in Porto und Lissabon zum Herrscher ausgerufen worden. Die Monarchie ansgerufeu. i^, Madrid, 2X* Jänner. (Meldg. d. Agenee Havas.) Eme an der Grenze eingetroffene Depesche aus Porto 2???*' gestern abends in Gegenwart der vor das Rathaus kommandierten Truppen die Monarchie ^ausgerufen wurde. Nm in Valenca Domino kam « zu eurem Zwischenfall, da der dortige Kommandant Seares sich weigerte, die republikanische Fahne einznhen zu lassen, solange er nicht von den Monarchisten besiegt ser. Allem Anschein nach gewinnt die Bewegung wt SUfcibon an Boden. Zahlreiche Republikaner Mm eiligst nach Spanien. Die Mnhofestemg ln den Händen der Monarchisten. _ Liffabon, §2. Jänner. (Meldung btt Agenee Havas.) Heute früh hat sich der befestigte Ott jV Kiene a d v Min ho den aus Porto in der Stärke von 1560 Mann Infanterie und Kavallerie eingetroffenen monarchistischen Truppen ergeben. Der Zug marschierte unter den Klängen des Königsmarsches ein. Die feierliche Verlautbarung der Monarchie wurde vor der Gamisonverlesen. Aus dem Palais des Gouverneurs wurde die blauweiße Fahne gehißt; die republikanische Fahne wurde aus öffentlichem Platze verbrannt. England nicht überrascht. Zürich, 22. Jänner. (Meldung der Tekgraphen- Kompagnie.) Rach einer Meldung der Züncher Morgenzettung aus London habe die Proklamation der Monarchie in Portugal in Londoner polltischen Kreisen keine Ueberraschung heworgerufen, well es längst bekannt war, daß Exkönig Manuel mit dm monarchistischen Kreisen Portugals rege Beziehungen unterhalte. England werde der Errichtung der Monarchie in Portugal k.eine Schwierigkeiten in dm Weg legen, well es in der Monarchie ein Mittel gegm die Ausbreitung des Bolschewismus in Portugal erblickt. „Amtlich wird mitgeLsilL." Paris, 21. Jänner. Die Blätter melden aus Lissabon: Amtlich wird mitgeteilt: Die Regierung beherrscht die Lage. Die monarchistische Bewegung beschränkt sich auf Oporto, Draga und Vizeu, wo Dom Manuel trotz seiner gegenteiligen Weisungen zum König ausgerufen worden ist. Dom Manuel bietet der Regierung seine Unterstützung an und mißbilligt die Kundgebungen für die Wiederherstellung der Monarchie. Zur Steuer der Wahrheit.-. Die Antisemiten tun in diesen Wahltagen natfi&. ttch radikaler denn je, und ihre Flugzettel und W«h^ Plakate strotzen von Ausfällen gegen die Juden,stxÜfe- Während des Krieges im Hinterlande, i» Kanzlei und Zentralen saßen und Staat und Volk um Mllliarden bewucherten". Um diesen Verleumdungen wirksam^ zu begegnen, veröffentlicht der Verein „Oesterreich isch-israelitische Union" im Wiener Marge», eine Mitteilung, betitelt „Zur Steuer der Wahrh^e i L" in welcher es heißt: „Nach dem unS vorliegende« beglaubigten Uateritl bleibt die Zahl der, wegen Preistreiberei, KriegSwücher, Überschreitung der Höchstpreise und ähnlicher Delikt« gerichtlich verurteilten jüdischen Personen weit unter der allgemeinen VerhältniSziffer von 4,7 Prozent zurück. Sie überschreitet dieselbe um ein Geringes nur in Dien, w» während des Krieges infolge des starken ZusammenflusseS von Ariegsflüchtlingen das Verhältnis, zuungunsten der bodenständigen jüdischen.Bevölkerung etwas' verschoben wurde." Bravo, bravo! Die „Union" handelt edel und geistesgegenwärtig wie der Mann, der den Bruder aus den-' Schlitten hinaus und den Wölfen zum Fräße hinwirst, um Zeit fürs DurchLrennen zu gewinnen. Aber, liebLs, gutes Brüderchen von der „Union", deine Rechnung stimmt nicht/ du bist ganz umsonst gemein - getvesen. glaubst du wirklich, daß sich die antisemitischen Dökf-r mit deinem armseligen, vertrockneten galizischen Bruder züfriedengeben, mit feinen Prositchen an Käse, Brotmehl, Zigaretten und Schuhriemen? Das dir nicht einsäM! Mt diesem dürren Knochen wirst du sie nicht abspeisen. Sie werden ihn beschnuppern, ein-bißchen zerkratzen und dann liegen lassrrr, um dir an die feists' Kehle zu springen! Sie wollen d.en fetteren Fraß, sie wollen-dich! Sie wollen Bankdirektoren und - Verwalt: tüngsrätr,.von denen im antisemitischen Programm geschrieben steht, daß sie den MaE unddie ArkN. öer - ' christlichen Staaten.beherrschend Die Zeitun^sschrriöep Professoren und Modedichter wollen sie Habens-v»ch' denen es in: Katechismus der Judenfresser Heißt, - sie die christgermanische Ethik zerstören und die Jugend - verführen. Dein Söhnchen wollen sie haben, d-av' Tennis spielt und Tango tanzt, dann rin wenig - in Sozialismus oder Anarchismus machti um schließlich deine gute Advokaturskanzlri zu übernehmen. Nach diesem runden, westjüdischen Hochwild wässert den anti«- srmitischen 'Wv.sen dar Maul und du wirst sie nicht mit dem mageren galizijch-jüdischen Kaninchen absextigen. Was ein braver antisemitischer Wolf ist, frißt keine Tarnopoler Spatzen, wenn er Wiener Kapaunen haben kann. Brüderchen von der „Union",. du' bist urrrsonst gemein gewesen und treulos für y'chtH. Asß^ dir es gesagt sein zur Steuer der Wahrheit. -, . Wir Sennen bas Lied vom ostjüdischen 'KrieMftüchtling. „Enrvpa, hüte dich vor der ostjüdischeMj Gefahr! Sie ist ärger wie dir „gelbe", die aus-Asien' herüberdroht. Eine Mente schmutziger, seülisch.-Lies-' stehender, habsüchtiger und jeder edlen Regung.haper. Individuen ergießt sich über Mitteleuropa, zerwühlt - und zernagt die Grundfesten der Zivilisation,- verseucht die Wirtschaft und untergräbt das nationale'Ideal, r Die Gefahr ist entsetzlich, heraus mit AuSnahmSgesetzeni gegen die drohende ostjüdijche Einwanderung!" So hat zuerst der „teutschr" Antisemit im Bierbaß gegryhlL, nrm ,. zischt und faucht eZ der „bodenständige" Judenbruder' von der „Union" .Der andere hat mit der LMmel-- sauft Zugedroschew, er «brr spritzt Gift aus einer bünneü-' Sprihe, plaudert von der Derschlech'tenmg dev Äer-s. brecherstatistik durch den „Zusammenfluß von Kriegs-- \ flüchtlingen". Fein gesagt! Ja, den bsdenstänbigeni- Juden der halbab ge lösten Oberschichte im Westen third' angst und bange; das Au stauchen der Juden auS. btm Osten, dieser Träger fremder Tracht, ungewohnten, Temperamentes und besonderer Art beengt ihnen /dLe>. Brust. Sie befürchten eine empfinbliche Störung LeS^ NssimilationZprozeffes. Sie erblicken in dem Erscheinen>' von typischen Judengestalten ein großes Hindernis'Ms. dem. Wegezu ihrem Ideal, zum Nichte r ran nt wer*' den. Obzwar sie sich rühmen, und vordem wirklich, daran glaubten, daß zwischen ihnen und diesen Menschen im fernen Osten nicht der, geringste Zusammenhang besteht, dämmert jetzt in ihnen das niederbrückmbr Ge-i fühl einer Verwandtschaft auf, und sie fürchten, daKf auchhem Äuge des Nichtjudrn diej« Verwanbtschast' erkennbar werden wird. In dieser seigen^Fntcht wü^a schen sie den lästigen Verwandten zum Teufel, rücke«^ t&e werden ardinär^ denunzieren »nd .hetzen den »mV. 4

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