Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1919)
- Date
- 1919-01-22
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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_ «U«»W iJW ifti fwm Äirener Ä!«rgei>ztitimg 22. Samt« 1919 Die Wahlen in Deutschland. Berlin, 21. Jänner./ Nach ' den vorläusigm, nichtamtlichen" Meldungen' Können. bis heute nachmittags 5 Uhr 319 Abgeordnete Zur Nationalversammlung aus 29 Kreisen von insgesamt 37 Kreisen als "gewählt gelten. Die 319 Abgeordneten verteilen : sich auf die verschiedenen Parteien wie folgt: Deutschnationale Volkspartei 28, christliche Volkspartei (Zentrum) 57, Deutsche Volkspartei 14, deutsche demokryttsche Partei 68, sozialdemokratische Partei 132, unabhängige sozialdemokratische Partei 22. Ferner-haben noch .erhalten: die Bauern und Landarbeiter-Demokraten in Schleswig-Holsteür einen Sitz, der Bayerische Bauerbund je zwei Sitze in Ober- und Mederbayern, die> nationalliberale und Mittelpartei in Ober-, Mittel- und Unterfranken einen Sitz und die Bmgetpartei zusammen mit dem Bauern- und Weingartnerbund in Württemberg zwei Sitze. Weimar oder Berlin? ,. Werlw,' 21. Jänner. Trotz der von zuständiger Seite angMhrten Gründe für die Verlegung der Nationalversammlung von Berlin hält die Presse die Bedenken, dis sie bereits früher dagegen geäußert hatte, aufrecht und erachtet die angeführten Gründe nicht für stichhältig. Vor den Friedensverhcmb-- lungen hätte. alles vermieden werden müssen, was im Auslände als Symptom fortschreitender Auslösung gedeutet werden könnte. Es wäre voraussichtlich keine; allzu große . Ausgabe gewesen, auch in Berlin die nötige Ungestörthett zu gewährleisten, wie es gelungen sei, den ruhigen Verlauf der Wahlen. zu sichern. Die Flucht"'aus Berlin werde im Auslande als Zeichen der Schwäche der Regierung gedeutet werden. Das einzige, was mit dem Beschluß der Reichsleitung aussöhnen könne, sei der Umstand, daß es sich keineswegs um eine dauernde Verlang von Berlin handle. Die Lehre, die die Berliner erhalten haben, sei bitter, aber vielleicht wirke sie. SLrnßendnhnsVftrLiK ■'::yp7Z in Berlin. , . Berlin, 21. Jänner. Die Arbeiter der städtischen ElcktttzitäLswe rkeBerlins sind in eine Lohnbewegung emgetreten. .Die Verhandlungen endeten zunächst mit dem Verschlage -der Arbeitervertreter, die Angelegenheit dem Einigungsamt des Gcwerbegerichtes zu unterbreiten. Nachdem der Magistrat diesem Vorschläge Mgestimmt hatte, erklärten die Arbeitervertreter, daß sich die Arbeiterschaft mit der Anrufung des Eimgungsmntes nicht einverstanden erkläre, vielmehr auf restloser Bewilligung ihrer Forderungen bestehen müsse. Dem Magistrat war es aber n ich t m o glich, die e rtt n-ge n, ‘ die teilweise^ auf eine Erhöhung der bisher gezahlten Löhne um über 60 Prozent hinaus-' gehen, zu bewilligen. ‘ ■ ' Rene Kämpfe in Berlin. Wer««, 21. Jänner (Tel der ,Wr. Morgmztg/) Der Streik der Straßenbahner ist aus Sympathie s ü r d i e U n n b h ä n g i g e n ausgebrochen. Die Stadt >ÜeL' im Dunkeln.-' Das Telephon versagt. Die Abendzeitungen konnten nicht erscheinen. Beim Anhalter Bahnhof' und beim Hylleschen Tor kam es zu größen S tr a ß en k ä m p f e n Zwischen regierungstreuM' Militär und den Streikenden. Berlin steht vor 'einer .• •" MsrgMtM Äher die■ ■. Türkei. Rew-Povli, 20. Jänner. (Meldung der Telegraphen-Kompagnis.) Der ehemalige amerikanische Gesandte >istN 'Konstantinöpel Henri Morgentau ecklätt über das türkische Problem, daß die Türkei keine Aussicht für' Reformen biete. Die bisherigen Versuche sind vergeblich gewesen. 'Trotzdem habe man die Türkei ln Europa fortbestehen lassen, weil ängstliche Naturen eine Gefahr von Seite Rußlands für den Osten und das Mittelmeer befürchteten. Es gibt vielleicht -auch jetzt Kreise, in denen man in Furcht 'E und - die die Türkei fortbestehen lassen möchten. Doch dürste die Türkei aus dem öffentlichen Leben Mropas . als ausgemerzt zu betrachten sein. Unsere pElt ^mehr die von Palmorston. und Disrarli. DeV'.MrMnÄin Portugal. Mfsabott, 20. Järiner. (Meldung der Agenee Hävas.) Der Ministerrat hat tatkräftige Maßckchmen getroffen, um die.Ordnung im ganzen Lande aufrechtzuerhalten. Er hat die Kriegsschiffe zurückberufen, die nach Norden abgefahren sind. Die Reservisten der 1. und der 4. Division werden einberufen werden. Die Kommandanten, .Offiziere Und Truppen der Garnison, die Marine, die Zollwächter, die republikanische Wache der Kasernen von Lissabon haben kch/Mf Seite der Regierung gestellt. Ein Marimbataillon ist nach Toimbra abgesandt worden. Uro« die Stadt Porto ist dm streng« Bl-Ägde verhängt worden. In Liflabsn herrscht Ruhe.. .. Explosion bei Gent. Brüssel, 20. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenztg/) Ein deutsches Munitionslager in der Nähe von Gent ist in die Luft geflogen. Der Eifenbahnverkehr Brüssel—Gent ist unterbrochen, mich wurden die Telegraphen- und Teleyhonleitungen zerstört. Viele Personen sollen ums Leben gekommen sein. . GerichLssaal. Ein hnngrigev Lehrling. Der Wachmann Giro di Benteefte, wie ein junger Bursche in der Dampfgasse aus einem Sack einen großen Laib Brot herausnahm, der offenbar bei der Post auf der Nordwestbahn entwendet war. Der Bursche Karl Lv ibl gab zu, daß er das in einen Sack eingenähte Brot unter einen: Postäulomobil aefuudm habe und es an sich nahm, da sie zu Hause sieben Kinder sind und/ er sich a n B r o i n i ch t s a i t e ff«« konnte. Das gleiche Geständnis legte der bisher unbescholtene Junge auch heute vor dem Jugendrichter Dr. G 5 tz l (Leopoldstadt) ab, vor dem er wegen Diebstahl cmgcklaat war. Der Richter sprach den Jungen vomDiebstablsrei, da nur eine Entwendung ans Not vorlag und ein Strafantrag gegen den Jungen nicht gestellt wurde. Bühne mrd iwft.,. KüNstLerhsttS. Die neu eröffnete XXXIII. Aqu er r elli st e na u s st e l l u n g antizipiert die bürgerliche Langweile jener Räume, in denen die ausgestellten Kunstwerke vermutlich hängen werden. Die stillfriedliche.Beschaulichkeit der wie seit Jahren den - Beschauer grüßenden Wachauer Landschaften - und- -Wiener Veduten wird nur durch behutsam. zensurierte Kriegserinnerungen unterbrochen, die aber, niemandem wehe tun. In gesonderter Reihezusammengefaßt erscheinen farbige Zeichnungen - des dekorativen Alexander R o t h a u g, welche voll Phantasie, aber von. einer Art Äud. Baumbach inspiriert, verraten» dann Pflanzenstudien in msmomLw Eduard von Lichtenfels und die kunstvollen Kleinarbeiten Siegmund Malter Hampels. Der subtile Künstler mit dem Hang zum Kunstgewerbe fesselt durch das sichtbare Bemühen, in allen denkbaren-Techniken den Ausdrück für fein träumerisches Erfinden- und SchmückenwoLen zu gewinnen. Die einst so reich blühende Miniatmkunst dürste, von dieser,, der Art des Großmeisters- Klimt nicht fernestehenden. Persönlichkeit einen richtunggebenden Impuls zur Wiederbelebung erhalten. ■ , —v. Theater vott. heute. ‘; ‘ Im Buigthea.tcr gelangt' Herste^riP'-dmrS Drama (Fragment) „Esther" zur' Auffühduüg.' Hierauf'folgt G erhärt HlUiptmannS „Elga". Diese Vorstellung beginnt'nck halb 5 Uhr. Im OperntheatEr kvnnüeN heute"„Die Hngenvtten" Mt den Damen Jeritzä, . Kinrina-' Ader, Szterenhi und Litschka sowie den Herren,Slezak, Zec> Markhoff, Mischer,. GalloS, . Stehmann, Marian, Breuer, Betetto, Madrn :md Paul zur Ausführung. Anfang 8 Uhr. — In-der-Vorstellung „Lohengrin" am Samstag den 25. d. M. singt. Herr Karl Fischer-Niemann vom Stadttheäter in Graz die Titelrolle als Gast.- ... frn Raimünd - T h e a t e r-werden hmte und Samsen- 25. d. die Märchen-- und volkStiknlichen Vorstellungen wieder regelmäßig in den Sprelplcm -ausgenommen.- Heute gelangt nachmittags „Prinzessin Dornröschen" und -Samstag dm- 20. .nachmittags, „Lnnst'azivagabundus'' zur Auffiihrung. SMrt. Fußball. gedmi des Ä Neu in ihrm Rollen sind die Damm Irene Kraus,' Gisst GleiS, Margit GrooS. und die Herren Heinrich Fuchs, HanS Nhodm, und Franz Pfandler. Josef Jamo spielt in beider:. Stiicken die Hauptrolle. Dieser Abend beginnt präzise^ S Uhr. , ' Im D e u t s ch en Bo l r S t h.e a t'e.r gelaugt Herste StrmdbergS „R a u s ch"'zur Aufführung. - - Kavl-Sternheims Schastfprel „1918"' gelangt Estde des Monats im SchausPielharrI in Frankfrrrt a. M. zrrr Urarrffühmng. , Literarifche Monatsschrift „Railand". Die vorr S. I. J rn b e r begründete literarische MonatZschrrst - in jüdischer Sprache ^Nailand" wird, wie, wir venrehmen, nach der infolge der galizrschen Verhältnisse eingetretenen Unterbrechung wieder erscheneir. Die Herausgabe wurde nachWie'n,' U., Stenteckplatz 4, verlegt. „Morrah". Das soeben erschienene Jännerheft der „Moriah" enthält folgend^ Beiträge: Z. P a t i s z: Auf dem Vulkan. B. Zimmermann: Ausharren oder siegen. Heinrich M a r g u l i e s': Synthetische Geschichtsauffassung. Dr. Ignaz S ch ip p e r: Die jüdische Frage am Vortage der Reformation im Westen und in Polen. Jechiel Holpern: Einige Bemerkungen über das jüdische Theater. — Rundschau. Dr. Obadie Eisenberg: Tancred. Dr. Gisela Landau: „Die Hochzeit aus dem Friedhof." Neue Bücher. Altes und Neues zne jüdischen Beweanng. Unter diesem Titel ist soeben ein Katalog der Buchhandlung N. Löwit erschienen, der in seiner außerordentlichen Reichhaltigkeit bei der Anlegung von jüdischen Privat- und VereinSbibliotheken mit gutem Erfolg zu Rate gezotnn werde» kann. Der Katalog enthält folgende Abteilungen: l. Jeilschriftm, Kalender. Samm-- . Mm« ‘ täten für Emgesrndst. leittmg will um: ihre Sammeltätigkeit, die bisher nur auf die Bereinsmitglieder beschränkt war, weiter auödchnen md vor die breite Oeffetstlichkeit treten. Um einen nur halbwegs, entsprechenden Sportplatz errichten zu können, ist zumindest nn Betrag von 100.000 Kronen notwendig. Die Mischen Sportlmte erwartm den Sportplatz schon mit großer, Sehnsucht, denn der Hakoahplatz, der ihnen jetzt einzig und allein zur Derfügimg steht, ist sowohl seiner Lage nach, wie äüch wegen semer mangelhaften Einrichtungen ganz ungeeignet. Die Leitung der Hakoah will alles daran,etzen, um die Heuer stattfindmde Ferer des zehnjährigen Vereinsbestandes bereit-- auf dem neum Sportplätze abhalten zu können. Eine Mt-Hereenmnnnschaft stellt die Hakoah in der. kommenden Saison ans, in der bekannte Spieler, wie Hirsch,' Weinberger, Bader usw. tätig sein werden. Leichtathletik. Das Mienen Stadion. Der, Gedanke, das Stadion i* Stadlau bei her alten Donau zu errichten, hat in allen Sport- - kreisen nur Ablehnung gefunden, was nicht, der Berechtigung entbehrt, da der Ort der denkbar ungünstigste ist. Von allen anderm Umständen abgesehen, ist der Verkehr über die Kronprinz Rrcholfbrücke ein derart Mgünstiger, daß eine Realisierung drS Projektes wohl ganz ausgeschloffen erscheint. Dev SftecL'ßirfitffiie Leicktatklettkverband bält out pstichtimgen nachgekommm sind. Der BoLKSWirt. Oesterreichifch-ungarische Dank. Wien, 21. Jänner. Heute nachmittags fand unter dem Vorsitz des Vizegouvernems Dr. Freiherr v. Gruber die Generalratssitzung der österreichisch-ungarischen Bank statt. Die Tagesordnung^ auf der auch die Genehmigung der Jahresbllanz neben den Berichten über die die Bank berührenden Ereignisse der letzten Wochen stehen,. konnte heute noch nicht erledigt werden und die Beratungen werden erst morgen zum Abschluß gebracht werden. Die Zukunft der Skodawerke.,; Prag, 21. Jänner, (Tel. der „Wr. Morgeuztg/) In den hiesigen finanziellen Kreisen verfolgt^ man mit'- großer Spannung den Kampf, der gegenwäräg von den tschechischen leitenden Politikern mit dem Ziele geführt wird, d i e S L o d a w e r k e, das größte militärtechnische Etablissement der alten Monarchie nicht Rur tatsächlich, sondern auch rechtlich ganz in ihre Gewalt zu bekommen. Es verlautet,-daß im Zuge der bisherigen Verhandlungen die Zivnostenska Pan k a die Möglichkeit eröffnet hat, die M a j o r ität der Aktien zu erhalten. Eine Entschewung ist bisher noch nicht gefallen, dürfte aber nicht mehr lange auf sich warten lassen, da von sozialistischer Seite bereits für die Nationalversammlung der Antrag auf StaLionalisietung der Skodawerke vorbereitet' wird. Der Berkayf der LLoydschLffe. Trieft, 21. Jämter. (Tel. der „Wr. Morgenzta.".) Seit einiger Feit ist hier das Gerücht verbreitest daß die Leitung des Oesterreichischen Lloyd mit italienischen, amerikanischen und südsranzösischen Rhederfirme» in Verhandlungen eingetreten sei, die den Verkauf der noch in neutralen Häfen, internierten Lloydschiffe bezwecken. Von Seite der Leitung des Lloyd wird er» klärst daß diesen Meldrmgen derzeit jede Aktualität fehle. Eine neue Bank r« Karlsbad. Karlsbad» sl. Jänner. Sechzig Karlsbader Kausteute unlr Gc-w'coetreibende haben die Karlsbader Vereinsbänk G. m. b. H. eiuew AnsangSkl^ital von einer ^Million Kronen gegründet.^ Der Streik ln Oberschleste«. Beuchen, 21. Jänner. Die Streiklage auf den oberschlesischen Gruben, bei der heutigeri' Frühschicht ist ungefähr dieselbe wie gestern. Während einzelne Grüben die Arbeit wieder ausgenommen haben, sind einige n e u e i n b e n Ausstand getreten. Die Zahl der Streikenden beträgt etwa 30.000 Es wird erwartest daß heute mittags' die Arbeifüberal wieder ausgenommen wird. Wiener Börse. , \ Hnso'lse der Mattigkeit der Berliner Börse hielt sich auch ^hier das Geschäft in Grenzen. Die Spekulation sowohl hier m» *anch in Berlin will vorerst die Fortschritte der FnedenSkonfermze» abwarten. Es kam zn Ncalisiernngen, welche die Kurse etwa« drückten. Alpine Montangesellschast-rlmen büßtm kl 14.— eit (bis 890) auf die Nachricht hin, daß durch den Kohlenmangel d« letzte Hochofen zu arbeiten anfhörtr. Skoda erhöht«: sich mfolg« i r v ■** i. is Ah _ i f n. . V Atj / J-. 1 n mmaS bis 698), floatet erst der Tschechisierung des Betriebes' um L 33 . . jedoch zuletzt auf 630 ab. Rima-Dturanyer stiegm erst auf 04« (-4- 9), sanken aber dann aus 241, Staatsbahn gewinnen K T.~j (925) und ermäßigten sich zuletzt auf 918. Auch Salao°Akti«ll fielen um 14.—. Don der Lebhaftigkeit.der letzten Tage ttä im heutigen Verkehr wenig zu merken. ' .. — ‘ Bsdapefter B9rfs>» «. Mt«. SwJWvfr »erzrichnen. , r ., _ )« Wirse d«8e Vüffevn ^-az ra »erzrichnen. Gleich »ek Erlffr kirstre Kurse AmDorschein und die lbnsätze Mren vtzn term»ere«i fffirnng KnuÄtz i