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Wiener Morgenzeitung · 1919-01-22 · Heft 4 (22.1.1919) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 4 (22.1.1919)
Date
1919-01-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Gin?e1e»-mplarr tzrri» 30 Heller «er-issr mm mit Buftdütnfl in» ÄtonErle . .» V — »ierieljSlrrlff ,» 20.— ' »«lbjkrtt^tS - „ »V.— Ka«riS^rr>, . ^<r.— \i Mt Sott»erfand: . . 2T '5.86 „ LK.- ÄJ«Ui|Stpi« - .. *A,~ tj(rofJ3J)*Ss . I. 88.— SbitpifPH *b s SJIjtf «krnds Jiv. lQÜd! ■■•ftnqßkUH rrnrr ’§m« 30 Helle» orgenzeitung imtr» f&w ^— Im»: N&?&: lam-rit Straft«»«*». »»«tßOV- . K». 1-0 Av. ii#.m Nr. 4 ' Wien» Mittwoch» den 22. FAnner ISIS 1. Jahrgang Das Gerichtsverfahren ohne j Angeklagten. Die Versammlung von Ministern und Diplomaten,?.8ie am Samstag in Paris zusammengetreten ist, wird int allgemeinen als Friedenskonferenz bezeichnet. Sie ist es aber nicht. ES ist ihre Aufgabe» alle Fragen zu lösen, die zum Kriege geführt und sich aus dem Krieg ergeben haben. ES ist ihre Aufgabe, das Verhältnis der Staaten und Völker zueinander neu zu ordnen urcd ruf diese Weise alles zu verhindern, was in Zukunft ein neues Blutvergießen Hervorrufen könnte. M wäre also notwendig, daß auch tatsächlich alle Staaten und Völker zusammen die Friedenskonferenz bilden um in gegenseitiger Aussprache den Weg zum dauernden Weltfrieden und zur Bildung des Völkerbundes mit einem obligatorischen Schiedsgericht zu suchen und zu finden. Aber diese Friedenskonferenz ist einseitig gebildet worden. Es sind nur die Vertreter der Staaten zugelassen, welche gegen die Zentralmächte gekämpft oder die diplomatischen Beziehungen zu ihnen abgebrochen batten. Deutschland ist bei der Konferenz nicht dnwesend. Das mag wohl seinen Grund darin haben, daß bis zum Zusammentritt der Friedenskonferenz die Verhältnisse in Deutschland völlig ungeklärt schienen. Als der Exkaiser Wilhelm auf die politische» Vorrechte der Krone verzichtete, konnte man im Ausland an ein müßiaes Spiel glauben, das Mischen, ihm und der Opposition verabredet war. AlS er. nach .Holland flüchtete, könnte die Entente einwenden, .seine Thronentsagung sei nicht durch Beschluß der deut- : scheu Volksvertretung sanktioniert worden. Es folgte dann die Zeit der schweren inneren Kämpfe, die Entfernung aller Dynastien und schließlich der Ausstand der Spartakus-Leute in Berlin, der mit der Ermordung ihrer Führer Liebknecht und Luxemburg endigte. Die radikalen Sozialisten machten alle Anstrengungen, um die ..Wahlen zur. Nationalversamrnlung zu-vereinigen. . Auf 1 das feinhlichs Ausland miffitc, dies den Eindruck machen, daß Deutschland nunmehr auch innerlrch voll- * ständig zusammengebrochen und nicht mehr imstande fei,- «ach außenhin einig und geschlossen aufzutreten. Man zog eine rein äußerliche Parallele zwischen Deutschland und Rußland. Inzwischen aber haben sich die ' Verhältnisse in Deutschland derart geändert, daß, man wieder von einem einheitlichen Staat sprechen kan«. Die Wahlen, die am Sonntag im ganzen Deutschen Reich —soweit eS nicht von feindlichen Truppen besetzt; ist — durchgeführt wurden, haben ergeben, daß die Mehrheitssozialisten, die bürgerlichen Demokraten und d«8 Zentrum,' also die drei Grundelemente der neue» Republik, Arbeiter, Bürger und Bauern, Deutschland bejahen und entschlossen sind, ihm eine neue demokratische Verfassung zu geben, die das ganze Leben des Staates auf dem Willen des Mlkes ausbaut. ES ist also ein ganz anderes Deutschland heute vorhanden, eS ist in Deutschland diejenige Ruhe eingetreten, die dl« Voraussetzung der Konsolidierung des Staates bildet Und es wäre kein Grund mehr vorhanden, Deutschland von der- Friedenskonferenz sernz^halten. Wa§ Deutschösterreich mibe^angt, das bisher gleichfalls von den Pari er Konferenzen ausgeschlossen ist, so ist dies noch unverständlicher als die Behandlung DeutschlawdA. Die Revolution hat sich in Deutschösterreich in vollster Ruhe als die einzig Mögliche politisch« Konsequenz aus dem Manifest bps Kaisers Karl vom. 16. Oktober vollzogen. Die Dynastie ist m den Hintergrund getreten und wen« auch bisher, noch keine endgültige Abstimmung des Volkes über die StaatSreform stattgesunden hat, so kann eS doch als sicher angenommen tverden, daß man hnit einer Rückkehr der Habsburger nicht mehr zu xechnen. hat. Die österreichisch-ungarischen Monarchie ist nicht zusarnmengebrochen, sondern sie ist verschwündan, sie besteht nicht mehr. Deutschösterreich hat'— faerst kürzlich von seiten der Staatsregierung er- Närt worden — mit der alten Monarchie ebensoviel »der ebensowenig zu tun wie die tschecho-slotvakische Republik oder irgend ein anderer Nationalstaat. ES sind aiUL mehr' privatrechtliche Fraget zu regeln, die sich NUS der Hinierlassenschaft des alten Staates an Schulden und Kriegsanleihen ergaben. Deutschösterretch ist ein vollständig neues Staatswesen, das mit keiner HLnde mit keinem' Verbrechen öer alten Monarchie belastet in die Welt getreten ist. Gfe ist kein feindlicher Staat, sondern ist am Krieg nur Soweit interessiert, als HI, ob freiwillig oder gezwungen', die Lasten des Massen- MllsLandch-e.rtxaM aus sich. genvMrnr hat. .Bezüglich Der Mrchlsrr Deuiscbösterreicbs an Deutschland. England desinterefftert. ■ Rstterdum, 21. Jänner. Daily Mail meldet: Die englische Regirnmg Hdt SüsDesintereffement m einem eVenLueKen Anschluß Deutsch öftevreichs an Deutschland den AÄiierteu erMKrt, macht jedsch ihre endgültige Stellungnahme von dem gemeinsamen Beschluß de» AMierLeu aShLngig. nnne /nutteounu urr Diouiauc Deutseftlani Berlin, 21. Jänner. Wie dem Wolffschen Bureau von zuständiger Seite mitzeteitt wird, ist die von anderer Seite Verbreitete Nachricht über die Aufhebung der Blockade unzutreffeud es styd im Gegenteil aLe erbetenen Milderungen ad gelehnt worden. iüciniar ciisbciiifen. Zusammentritt am 6. Februar. Vrrlin, 21. Jänner. Das Wolfffche Bureau veröffentlicht nachfolgende Sonderausgabe: Berlin^. 21. Jänner. Die Reichsre^ierung hyt beschlösse«, die NstisnaLVersammlung a-f den. S. Februar «ach WerMÄE r-'....... Die Berufung nach Weimar entspricht i« der Hauptsache einem ÄSunsche' ßer^Mß«» deutschen Staaten. Es ist nicht daran gedacht, Mch die Reichsregierung «ach Weimar zu verlegen. WMZMU?sMgal. Dsm Mannel zum König ausgernfen. LrrLdsu, 20. Jänner. (Meldung des Reuterscherr Bureaus.) Die Blätter erführe» an»- Lissabon, daß Paiva Coueeiro sich au die Spitze einer monarchistische« DerschWüru»- in Vporto, Braga und Visen gestellt habe. Er habe Dom Manuel zum KSnigd»,» Portugal arrsgerufen. Der Ex-König Habe telsgraphier^ daß er die Demegpng «iitzSMge. DeutschösterreichS herrscht vollständige Klarheit und die Besetzung seiner Grenzgebiete durch tschechische, st'rbslawische und italienische Truppen ist, wie noch gestern die endgültige Entscheidung der Friedenskonferenz. Da es sich nun, um Grenzgebiete handelt, so müßte man von England amtlich erklärt wurde, kein Präjudiz für logischerweise annehmen, baß hiebei alle Anrainer gehört werden . ES find nicht nur Erwägungen der Vernunft und beS politischen Kalküls, aus denen heraus die Anwesenheit der besiegten Staaten bei der Friedenskonferenz und bei der Vorbereitung ihrer für die ganze Welt so bedeutungsvollen Beschlüsse als notwendig, erachtet werden muß. Die politische und die menschliche Gerechtigkeit sprechen gleichfalls dafür, daß durch die Friedenskonferenz such tatsächlich der schon so langeerträumte Abbau des Hasses erfolg«. Viereinhalb Jahre ist die Weichheit in Waffen gegeneinander gestanden, hat sie verlernt, dem Gegner gerecht zu werden. Nunmehr, wo der Waffenlärm schweigt und man das heilige Wort „Frieden" in dir Diskussion der Welt geworfen hat, ist es nstlvrndig, an die Friedensarücit such mit dem guten Willen heranzutreten, ohne den unter Menschen nichts gedeihen kann. Und es wäre das erste. Anzeichen einer innerlichen Wandlung in.der. Moral brr ganzen Welt, wenn in Wirklichkeit das eintreten fvurde, wsS sich naive srornme Gemüter unlsr „Frietsn" verstellen: baß bis beiden. Gireitee. eiuandsr die Hand reichen und oarangehen,. ihr Hans vsn neuftnraufzubarren. Aber «T will uns schein«», als «r daSs Prinzip der menschlichen Gerechtigkeit, die Rechtsgleichheit, sich' noch nicht so ganz durchsetze» könne, wi« eS.! der gute Dill« verlangen müßte. Die FriedenSk»»ferenz ist am SamStag mit einer Red« eingeleitet werden, die niemand Geringerer gehalten hoi, als der Präsident - der französischen Republik, Herr P»i»earä. Seine Rede war die eines Staatsanwaltes a» die GeschwsrnLN. Er hat ausdrücklich die Friedsnsks»fere»z als einen großen Gerichtshof erklärt, die die Friede«§- bedingungen festzustellen habe, bevor sie' 'Gegner» mitgeteilt wird. Er hat eS «lS «ine Aufgabe der A»nferenz erklärt, eine» allgemeine» Furrd btt Völker zu schassen, der wohl alle Völker ausnrhmen - will, aber ° seine Grundgesetze und ihre HaupLregeln von Fr»»k-. reich und seinen Verbündeten zu eehaktm; habe. Dass^ ist eine Verhandlung in Abwesenheit der ArigrAagre«. \ D«S widerspricht vielleicht «ichL dem dehnbare» Ge-1 wissen politischer. Juristen, aber es widerspricht jeder j Nussassung vom Recht. Mlw Elemente) di« auf der Seite dev Zentralmacht« den Krieg heran''S?schwvre» haben, sind entfernt worden. Nicht mehr die große» Militärftaaten, die nu^ durch die .starre Gewalt de» Bajonette zusammengehalten werde» konnte ', stehen der Entente gegenüber, sondern die frei§rwvrdenen Völker Deutschlands und Deulschösterreichr, die Le) Krieget schon langst müde geworden sind und dieV zu uxzähltg«» Malen Ändeutig erklärt haben. Si« Kunen für die MrbreHrn dieser »vxe. jener Kerso.» «icht verentwort^

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