Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1919)
- Date
- 1919-01-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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\ Rr. 3 Wien, Dienstag Wiener MorgenzeiLLmg 21. Jänner 1919 Seite 7 Mein Frennd Wilson. Von Rabbi»« Stephen Wise. . -- . ,. -»- . Rabbiner Stephm Wise, der sich gegen- ' warsig als Mitglied der amerikMischen, - . Friedensdeleaatto» in Paris, aufhält, erhielt von AndrS Tardieü im Namen der franzö- /. sisch^ Regienma daß Kreuz der Ehren- -legion. Stephm Ms^ ein bekannter Zionist, f nicht nur yne der, bedeutendsten Persöntzkvrten deS politische^ .Lebens in Amerika, sondern auch ein persönlich« intim« Freund de^.Prasidenten Mlson. , Wer denVräsident Wilson kennt, kennt .gleichzeitig dem Idealismus, welcher in den amerikanischen Energien enthalten ist, und welcher auch hinter der amerikanischen Armee, steht. Diese Armee war im Grunde , nur der Idealismus-Amerikas in Aktion. Und Präsident Wilson ist im Grunde nur die Verkörperung der amerikanischen Seele, deren S y m b o l bk Armee bildet. , Wie Lincoln, so ist auch Wllsori ein einfacher und rechtschaffener. Mensch, welcher genau das sägt, was er denkt und welcher lange denkt, bevor er etwas sagt. Er ist Demokrat aus Ueberzeugung — fast hätte ich gesagt: aus Leidenschaft. Die Demokratie ist für ihn weder ein Vorwand, noch ein schönes Gewand, 'noch ein Mittel zum' Stimmenfang; sie ist für ihn lein tief verwurzeltes, Glaubensbekenntnis. Ich erinnere mich, . wie ich vor mehreren 'Jahren, als Wilson noch Gouverneur von .New-Iersey war, öfters zusammen mit ihm in Versammlungen sprach, und ich höre noch, wie er zu einer - eher exklusiven als demokratischen Grüppe folgendes sagte: „Ich ^erlange von Ihnen nicht, daß Sie Ihren Wunsch aufgeben,- abseits von der übrigen Welt zu leben. Ich kann nicht erwarten, daß Sie jedermann Zutritt in Ihren Cercle gestatten. Aber wäre es zu -viel verlangt, wenn ich Ihnen raten würde; wenigstens leinzelne^ Vertreter der anderen- Schichten zuzulassen?" r Man kann sagen, daß Wilson zwanzig Jahre hindurch sei es als Präsidentder Universität Princeton, sei. es als Goüvetneur von Äew-Iersey, sei es als. Präsident der. Vereinigten Staaten, dieselbe eindeutige Linie-unerschütterlich verfolgt hat. An der Universität hat er mit unvergleichlichem Müt die Kasten- und Klaffenströmungen bekämpft, welche in einem demokratischeü Institut der Wissenschaften Leinen Rmm haben. Als Gouverneur und Staatsoberhaupt. ist er nicht das Oberharlpt der demokratischen Partei geworden, sondern der Führer jenes demokrattschen Ideals, welches stets das amerikawar. Die-amerikanischen Waffen haben in diesen letzten Monaten Mllson verttaut und sind ihm gefolgt, weil sie wußten, daß er den Krieg nicht wollte und nicht aus Freude am Kriege Leilnahmi ‘ sondern * um des Zieles und der Gerechtigkeit willen: Sie wußten, 'daß,, wenn der Krieg erst gewonnen ist, Wilson die Nation mit'gleicher.Sicherhett zum Frieden zukückführett würde,' wie -er sie' an den- Küsten Frankreichs und Englands zum Siege geführt hat. Man hat mich in Frankreichs ebenso wie in England oft gefragt, was maü von der Opposition zu> halten habe, .welche man dem Präsidenten innerhalb der Vereinigten Staaten bereitet hat. ' Ich habe stets geantwortet: „Unterschützet sie nichh aber überschätzet sie auch nicht?" Es ist währ, daß sie existiert: Es ist dieinnere Opposition einer politischen Partei. Es ist die Oppositionder Reaktionären, welche Wilson fürchten, und zwar nicht deshalb, weil er, wie sie sagen, ein wirklichkettsftenrder Idealist ist, sondern, gerade umgekehrt, weil sein Idealismus AU sehr praktisch gerichtet ist. Die Reaktionären sind im allgemeinen ziemlich geneigt, den Idealisten, wer nicht zum Ziele gelangt, gewähren zu lassen; aber sie verzeihen den Idealismus -nie einem Menschen, welcher die Macht hat, ihn zu verwirklichen. Es ist!auch die-Opposition einiger mittelmäßiger Menschen innerhalb der-demokratischen Partei, welche alles vergessen,-wasdiese Partei dem Präsidenten Wilson verdankt. . . : r 1 Gegenüber, dieser Opposition sind diejenigen in der Majorität, welche geneigt sind, von ihm zu'sagen, was man von Lincoln gesagt hat: „Er ist das Geschenk Gottes an Amerika, er ist das Geschenk Amerikas M die Welt."- J BÄHm md KWst. VhilharNwn'tfchLS KsrrzevL — Hofoper „Der Müsierübrigt voller und reg« 1,, werdende Kunst diese Schätze iuS Licht breitete, chreGückernen und Juwelen erglänzen ließ und doch dein Faltenwurf den Strel der Große wahrte. In so kostbare Wiege-gebettet, wasmtterte «sein »mg dreisatziaes Cellokonzert, das Fr. Bvx- »aurn au« der Taufe hob. EinWeMmd, das die gefälligen Züge des ^ers,ToSmopolttgche Routine und elegante Haltung zsiat. Der zweite.Satz, als Kavattue bezeichnet, durste bald imt« den „Beaebthrüen^zn finden sein. Im ersten wird die Lsidmschaftlichksit etwa. de§ Trsstankrelscs anaeschlaaen, der dntte, stark theatralische, scheint sich, von kurrosen Paukenschlägen eingerahmt, m der AuSmalüna von Genreszenen zu ergehen. Weingartner, der sich mit der eigenen S ' ' " ' — . - ache widmete,, erntete den Beifall, auf dm,« Burgtheater. Für die nächste cheater folgende Premrerm .festgesetzt: Mi'mdrmgen hatte. (Rückt, er doch vorsichtigeweise den Schauplatz seiner nmesten Op« nach Baden bei Wien!) An dein Werke, dessen dicklich« Instrumentation gelockert« Klang, als vor eurem Dezennnrm, gefill d« glückliche Aufbau deS erste« Aktes und der brave poetische Schluß. Dem lahmen Humor hingegen der Gscheidlheim«. Fceß- und Saufanaelegenheiteu, bei denen uns der Komponist im Zweifel läßt, wo die Satire endet. und das Behagm beginnt, konnte . auch die Fröhlichkeit MayrS kaum auf dir Beine hülfen. DuhaN und Lotte Lehmann bewährten sich in d« Rachfolge WeidemannS und, der Frau Kiurina. Die Koloratur b« Violett« war deck, anmutigen Fräulein Ad« mrvertraut. Sie zeigte Raffe und' Spielfreudigkeit »md errang sich mü der italimrfchen Arietta neben dem voraefchriebenen Beifall auf der Bühne auch den des Publikums. Ob die Tatsache, daß der Name des Komponisten in Kombination mit z« schaffenden Aenüern genannt wurde, die Neueinstudierung lebensfähig «halten wird,-bleibt abzuwarten. Mar. eit wm-den im Durg- .. ,'hädra" lSS. Aänner), „t>i Ira " (6. Februar), „Die' Fahrt ins Bläue" (15. Februar)» „Unt«wrnS^ (voraussichtlich 6.'März). Bo« in letzt« Zeit gespielten Stücken sollen wird« dem Rchertoire singsiüal' werdm: „Zwischenspiel", -Nav^o", „Dg Meeres:md der Lreve Wellm", „RoMeo Mid Jmia" rmd „D« häßliche Ferrante". Bevorstehende literarische TrftansiLhrungen. Für die nächsten Wochen hat eure Reihe von Wien« Bühnen inttteffante literarische Premieren arigesetzt. Unter den zur Erstaufführung, bestimmten Stricken behandeln zwei. biblische Themen. „Jakobs Traum" von Bttr-Hoffckann, das vom Burgtheat« angenommen wurde, imd das nächste neue Stück d« KaMnerspiele deS Deutschen VolkSthraterS „Der Stuck des Apostel- Paulus" von Rolf Lauckner, dem Schwiegersohn Hernrann Sud«- manns, .d« im Vorjahre für dieses Stück nnt den Bauernfeld- Preis gckrönt wurde. Zwei> andere, in Vorbereitung stehende dramattsche W«ke, führen — obzwar sie-moderne« Inhalts, sind biblische TÜcl: Paul Eg«s, deS Direktor» dg Deutschm Schauspselhausg in Hamburg, Gesellschastskomödie - „Adam, Eva Md' die Schlange" mit Fran. Carlsen,. Herr« Edthof« und Asla« in den Hauptrollen, wird Bereits am Deutschen Vollstheater geprobt imb das Josefstädt« Theater bereitet als nächste Reuaufführung „Die Arche Noch von Baronin Deutsch-Hatvany vor, ein Drama» das bisher von der Zensm verboten war. Das Wrinrsrer Theater — Deutsches SkatiouaL- ' theater. In d« gestrigen Festvorstrllnna von Schillers „Test" rief der Intendant Ernst Hardt im Auftrag der Regrenmg das Weimar«' Lcmdestheat« zirm Deutschen Rationaltheat« aus. Die ÄZieuer jüdische Drchesterr»ereiui§uttg hat ihre Tätigkett wieder ausgenommen und ladet zur Mitwirkung em. Anmekdimgen bei Dr. Richard Re'iniger, Schönbrunn«- strche 97, oder tat Sachs, IV., Wehringergaffe 39. fcem DeMsch'öfterreichcr, dessen Schien auch bish« ck vm Grenzen, dg. Mgen.. Dtg-tSterritoriuMi Me /MMr M Letzte ZtachelchtM. . Die Liquidierung der KriegsmateriMen. ' BudKNest, 20. Jänner. (Tel. der „Wr. Morge;rzLg?) Me Magyar Orszag berichtet, wird demnächst ein Ausgleich zustandekommen betteffs der Anstellung der Kriegsausrüstungsgegenstände, die bat der Liquidierung der Monarchie in den verschiedenen Depots und Fabriken verblieben warm. Mit Böhmen und Polen stehen die Verhandlungen sehr gut, Jugoslawien. rvttd auch bald zustimmen. Der Wert, dieser Ge'genstäMe, die sich zum grö ß ten T eil in Deutsch öfter re ich und Böhmen besinden, dettägt sieben bis acht Milliarden Kronen. Ein Ultimatum, der west- NNgarischerl Deutsche» a» die RegieruW. Mchapest, 20. Jänner. (Tel. der „Mr. Morgenztg".) In Oedenburg fand Sonntag eme große Versammlung derDeutsrHenWestungarns statt. Sie beschloffen, der Regierung eine Frist bis zum 29. Jänner zur Erfüllung der deutschen Forderungen zu stellen. Sollte bis dahin ihre Autonomie nicht gesetzlich geregelt sein, so würden sie sich entweder als unabhängige Republik erklären oder den Anschluß an,Deutschösterreich -proklamieren. /VerMigte StKKtZK. \ Gegen, die „idiotischen und verSrecherischen : . Pogrome" m P'oLerr. ■ - StoLholm- 20. Januar. Wie das Jüdische Preßbureau meldet, fmw in New-Bork ein P r otesttneeting gegen die Pogrome in Polen.statt, wobei unter anderem Bankier Jakob Schiff und der Dichter S ch a l o m Asch als Hauptredner auftraten. Schiff verdammte die Täügkett Dmowskis, des Hauptes des von den ameükanischen Staaten anerkannten polnischen Nationalkomitees in Paris, und nannte ihn den Organisator des Iudenboykotts und den Hauptschuldigen an dem besttaliscben polnischen Anttsemttismus. Schiff forderte, die Nichtzulaffung Dmowskis züm Friedenskongreß durch die Bereinigten Staaten, da Polen nicht früher feine Selbständigkeit erlangen dürfe, bevor nicht die jüdischen Rechte sichergestellt seien. In einem Zustimmungstelegramm nannte Herr Clark, der Sprecher des amerikanischen Kongresses, die polnischen Judenpogrome idiotisch und verbrecherisch, und gab der Hosftmng Ausdruck, daß der Friedenskongreß den Greuel» ein Ende setzen werde, ' Dtz von der Berfanmrkma «rgmommene Protest- «fvluttsn wird durch Dermtttluns de« Staatsdepavt»- ment» in. Washmgien dem Hstw-Mkonreeß üheo- J mitteft tzerdm.. n'"" -- - •* Dis AudenpogrvMS. Haag» SO. Januar. (Trl. d« „Wr. Morgenztg.") Ruck« v«-' breitet eine Nachsicht, wonach die zionistische Orgcmisatro« i«! London gegniüb« den polnischen Dementis wegen d« Juden-; Pogrome in Galizim unwiderlegliche D e w e i s e für Sriej Pogrome besitzt. Reut« fügt hinzu, daß e3 in Englanö befrrmdrnb wirkt, daß, während eine mglische Kormnission in Polen weilt,, mn sine Unt«suchung üb« die Pogrome anzustelle«» die Polen, durch Dnnentis versuchen, das Ergebnis dies« Untechrchmig vvr-^j wegzunchmen Md die Dwichte üb« die Pogrome zu dementieren? Die französische» Sozialisten' wollen Deutschland entwaffnen.: Bern, 20. Jänner. Dem Ternps zufolge hat die sozialfftisch-radikale Kammergnqipe in der vor-' gestrigen Sitzung eine Reihe von Forderungen gestellt,' in denen unter anderem die völlige Entwaffnung', Deutschlands verlangt wird, das nur di-jcnigen' militärischen Kräfte notwendig habe, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung erforderlich sind. Ferner wird verlangt, daß der gewesene deutsche Kaiser, der ge-, wesene deutsche Kronprinz, Admiral Tirpitz, Bethmann-, Hollweg und 600 andere, deren Verbrechen maw kennt, abgeurtellt und besttast werden. . Die Deserteure wüsten die v ' Schweiz VEVLaffen. Bevrr, 20. Jänner.. Die Schweizer Behörden' haben die Ausweisung aller Reftakteme und Deserteure, die nicht bereits vor dern Kriege ihren ständigen Wohnsitz in der Schweiz hatten, beschloffen. Die Tiroler Landes- Verfamnünng gegen die Ab- LreiNKg SüdLirsls. . Innsbruck, 20. Jänner. Die Tiroler Landes-. Versammlung nahm heute zu Beginn ihrer Sitzungfolgenden,' von allen Parteien eingebrachtcn Anttag! einstimmig und ohne Debatte an: Die Frage drrungetellten! Erhaltung der gesamten deutschen und lattnischen Ge-: biete Tttols erfüllt das ganze Volk mit schwerer Besorgnis. Wir Tiroler erklären, ,daß wtt unter gar< keiner Bedingung in eine Abtretung Deutsch-Süd-', ttrols einwilligen und lieber alle, auch die schwersten« Opfer bringen, bevor wir auf die Zusammengehörigkeit mü unseren Brüdern in Dentsch-Südtiro!-verzichten. Die Landesregiemng wird beaufttagt, in entfchiedener Weise hiefem Standpunkt Geltung zu verschaffen. (Nächste^Sitzung am' Mittwoch.) - EiNe bLstochLKL Mtmrg. j 20. Jänner. Die Bozener Ze'üurU ist vor einiger Zeit in . einem „Brief eines Südtttolers'^/ für de» Anschluß Deutsch-Südtirols an Italien eingetretem Der chrisllichsoziale MaeMeine Tiroler Anzeiger behauptet nun, daß dieser Brie? aus der Feder einer reichsitalienischen Propagandisten namens Ettore Tölomsi stammt, der jeder der vier Bozener Zeittmgen für die Veröffentlichung 5000 Lire anbot. .Die Bozener Zeitung habe allein den Brief abgedmckt und hierfür 15.0001 Lire erhalten»! ■ iStzsrt.. . Frrtzbalk MMKabLa, Pretzbuvg, ebner unserer ftremrnsten Vereine, ist durch die politischen Ereignisse in eine' nützliche Lage gekounnen. Während Preßbmg selbst! tscheä)o-slowakisch ist, liegt der Sportplatz des Mcck-' kabäa jenseits der Donau, aus ungarischem Bode», wodurch der Sportbettieb vollkommen unterbunden ist. Makkaöi, KvKkK«, hielt am 26. v. M. seine,' Generalversammlung ab, die von ungefähr 100 Mit-' gliedern besucht war; es wurde der Beschluß gefaßt/ im Frühjahr^ den Sportbetrieb in svllem Umfang wieder aufzundhmen. Die 9lottvendigkett der Errichtung, eines eigenen Sportplatzes und der Bildung eines. Verbandes der jüdischen Sporwereine Polens mtt dem! Sitz in Krakau oder Warschau wurde lebhaft erörtert^ beide Angelegenheiten wurden dem neugewähltm Aus-'' schuß überwiesen. j Hockey. | Der Jüdische Drwrtklub HaMor, Ijatit.mi ketzten Sonntag einen sehr schönen Erfolg xv tz«zeiHnrn,. da er! die tüchsige Hockeymannschaft dg SportklM S «i ch »i» S: S! schlna. Bsi den Hagiboranem zeichnete« sich die Vrüd» Karpe' M Jula besondeg ckr». [ Die HockeyseKtto« der Hakoah ha! neu konstituiert Md nimmt in kürzester Zsit den ich am SamStich öportdetsied aus ' LeichLathletiK.. De;: FsnrsalAerbsnd für gemeirrfame EvvL'Lintersfferr hielt am Freita« sine DirÄtsrüonSsitz»«- atz. in welckm sich mehrere Vorstandsmitglieder gp d<Ä " WMom M«l hi» ckalifchr SsKaLoamannschas «n M«», dm FuSdallvrrb«id g« hitün, tat L m d« MinoMt. Bre llüchlamtz d« dir «uf die nächste Mtzunz »rcschK-m, bk