Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1919)
- Date
- 1919-01-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Kreis SS«© Heiier Pvümmur«ilt>K6- Vi reift! Jffiie»: Mir Zustellung inS V -üsus: Morratlich. . L V.— R-rf-ttLdris..?0.— : WpWälwfjH»», . ,, 89.—; 1 r?it . . JE V.80 Mi^»r;s:;»to „ SS.— Wiener -,, 44.— ZoNttLi,»^ . .. 88.— S!slHph»n ab « Nhv abend« Kr. lsr-91 Ureis MÄV Hekrv pvüknimeratioW»- , pvtlfe fit» da» A»»^ l«nd: Wtonatirq . X 8.— Dt-rk^Si^s.. ®4— «5h*i« . .. 48.— fS^rnO » Os.-- TredaitLi»«»«. " fteatia»! Wren.LT.S»ba»stV»SS {Ir. 1—8 Psstfpar*ass«rr-<w«r» N-. 150.608 Nr. 3 Wien» Dienstag, den 21. JSnner ISIS 1. Jahrgang Di^ Inden nnÄ das Wirtschaftsleben. Do» Adolf BShm. , Vdr Ankell der Inden am Wirtschaftsleben der Vtaaten und ihre große Bedeutung fiir dieses ist allgeniein bekannt. Vielfach ist sogar ihr Anteil an der modern«: WirLschafSentwicllung übertrieben worden (wie von Prof. CombarL), noch öftetz ist von d-sn Antisemiten btzhaichtet worben) daß ihre' wirtschaftliche Betätigung eine schädliche sei. Für deren Theorie finb die Juden die. kapitalistischen Ausbeuter, die AriegSgewinner, die Preistreiber die Besitzer der Waren- > Häuser, welche den christlichen Kaufmann zugrunde richten, die Vertreter des Finanzkapitals, andererseits aber auch die Führer der Sozialisten, der Bolschewiken, . Anarchisten u. s. w. Die jüdisch nationale Bewegung, zu deren Pro^ gramm es gehört, zwischen Juden und Nichtjuden ein annehmbares 'Verhältnis zu schaffen und vor allem dem GroS der besitzlosen und mittleren Schichten des jüdischen Dolles — das ist die überwiegende Majorität der Juden —‘in ihrem schweren Kampfe um die Wirtschaftliche Existenz beizustehen, hat als ihre, erste Ausgabe erkannt, objektiv und ohne jede Boreingeuommenheit die Voraussetzung«: der Wirtschaftlichen Stellung der Judenßrsizustellen und ihre tatsächliche Zage zu erforschen. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeit«:, diein den letzten drei Jahrzehnten erschienen sind, legen Zeugnis davon ab, wie intensiv dieses Studium von seiten der Zionisten betrieben -wurde. Dabeiwürde festgestellt, daß die großen Massen des jüdischen Volke- ' . in unbeschreihlichenr Elend leben (es gilt dies nicht nur. für den Osten, auch in Wien sind z. B. 70 Prozent der jüdischen Begräbnisse >Armenb«gräb nisse), daß ihre Bernssschichtung eine abnormale ist und daß die Fortschritte der Wirtschaft mitihrer Tendenzzur Konzentration in Gewerbe und Bankwesen sowie der immer größer werdenden Ausschaltung des Handels- und des Kommissionsgeschäftes schon für sich allein, ohne die Nach Ansicht. Englands entscheidet die Friedenskonferenz. Wien, 26. Jänner. (Staatskorrespondenz.) Äuf die wiederholten .Proteste und Verwahrungen des deutschösterreichischen StautssnrLes für Reicheres durch unsere Nachbarstaaten ist nunmehr die Antwort der englischen spwie der franzöftschrn Regierung durch den schwedischen Gesandten in Wien übermittelt worden. Danach hat . die englische Negierung dem schwedischen Gesandten in London mitgeteilt, datz auch nach ihrer Ansicht die Frage der GehietsabgrenMng smd Gebietshoheit DentschSsterreichs, sowie der K«grenZe«den SLsaten son der FriedensÄonferenz endgALig zu entscheiden sein wird. ) , Bis dahin müssen allerdings die. Grenzen der deütschösterreichischen Republik mit den historische«;. Grenzen der Provinzen Böhmen, Mähren undSchlesMzusammenfallen. Aus dieser Mitteilung muß geschloffen werden) daß, die Großmächte in der Besetzung deutschen Gebiets keinesfalls ein Präjudiz erblicken unddaß der Friedenskongreß hierüber , unbeeinflußt durch die augenblicklichen MachwerhälLniffe entscheiden wird.'' Es ist daher die Hoffnung wohl begründet, daß sich der Friedenskongreß bei seiner Entscheidung nur von dem Gedanken der Gerechtigkeit und der Sicherung des Weltfriedens leiten lassen wird. Er fbtrb daher gemäß dem Standpunkt des Präsidenten der Vereinigten Staaten in erster Linie den Willen der Völker berücksichtigen und diesen durch er«e,Äbftimwrmg.«Ker uerrtrgler' Aussicht ermitteln lvffen. ' . ' wirtschaftliche Vetätigung der Juden - immer meh eineugen. Soweit eS sich um bfe Abhilfe durch Berus§- umschichtung, die Lenkung der Emigration und die Schaffung von ' gesunden . politischen und sozialen Voraus setz ungen für die wirtschaftliche Betätigung der Juden handelt, haben die Zionisten schon vor ’ Jahr«. zehnten erkannt, daß nur durch die. Errichtung eines eigenen jüdischei: Gemeinwesens in Palästina auf Grundlage der Landvnrtschaft endgültig Wandel 'geschaffen werden kann..- Der Friedenskongreß.. wird den. Juden die Möglichkeiten schaffen/ dieses 'Gemeinwesen auf-! zurichten. Durch das., sukzessive Abströmen der Juden 'nach Palästina m immer stärkerer Progression wird PPeine wesentliche Erleichterung für die wirtschaft- Lliche Zage der Juden m. den Dienstort geschaffen ,werden.! Demnach wird auf absehbar« Zeit die Mehrheit! Zder Juden m den bisherigen Wohnländern verbleiben. -ZDie jüdisch nationalen Parteien müssen sich deshalb sehr intensiv mit-den jüdischen Problemen in diesen Ländern beschäftigt^ «unter denen das wirtschaftliche an einerder ersten Stellen steht. Wohl sind die Wirt« fchaftsfvagen an und für sich 'keiire jüdischen, sondern '.allgemeine Fragen. Aber durchs die Besonderheit der Juden in ihrer Stellung zu den Völkern und ihrer eigenartigen Berufsschichtung ergeben sich spezielle Gesichtspunkte mich für dies Haltung der Juden zu den Wirtschaftsproblemen im Momente, wo nicht das Vorwärtskommen Einzelner, sondern.das Wohl der jüdischen Masse und die - Gesundung des Verhältnisses «zwischen Juden und Nichtjuden in Frage kommt. | Eines ist. natürlich von vornherein selbstverständlich: Die Juden sind wie alle anderen Staatsbürger imd besonders durch ihren starken aktiven Anteil am Wirtschaftsleben daran aufs lebhafteste interessiert, daß .die Wirtschaft aufblüht und nicht durch Mißgriffe der , Staatspolitik oder Unverstand der Wirtschaftssubjekte iht ihrer Entwicklung gehindert wird, st Hier erhebt -sich natürlich als -erste dis Frage nach jfeer richtigen Wirtschaftsform, die. Tagesfrage nach „Kapitalismus", wie man die bestehenden Systeme nicht ki-cht ganz zutreffend nennt, oder Sozialismus. ES stheint dies eine Parteifrage zu fein, an der die Geifür sich unbedingt scheiden müssen. Tatsächlichgibt es unter den Jüdischnationalen ausgesprochen sozialistische und KarikM. MMeint daheL MH DerrtschW f&M KM .MMich 20. Jänner. Oas 8 Ahr-Ab-eAdblstt merket Ms PüfeLr. MorUiNgp v-ft 'Le--;richM'Mff-P«rris, daß'Hie F r i e tz e n s'k!o n e K z der Gktbeziehmrg - DeKLschlmrLs und' der GeÄLete '-der ehemKligsK ''Ssterreichisch-rrMarischeK-Msuarchre zMestimmL-' und die Arrs-- schWrW^ I«er bolscheWi^ch reMMtt.LeiLe Mtzra«ds Hefchtsfleir habe... y'v: ^-V-Vv•;.v ■; t. r ■ ------ ’-V . ■' yi/-•: ««; . - : 0ii$ ■ Berlin, 20; Jürmer. Mel. d. „Wr. Morgenztg.) Rach den' Wahlziffern^' die bis sechs Uhr abends!)ücli«.'Ntt,. verteilen sich die Wahlstimmen auf die Parteien folgendermaßen: Mehcheitssozialisten 2,603.422, Unabhängige 400.137,- derttiche^DenwkrüLen, -1^34L41, 'Zcütmm 1/111.137,. deutsche Volkspartei 266.157, Konservattve 467Z67. > . > » BerkiN, 20. Jänrrek.' (Tel. der »,Wr.. M-rgenztg.) Die.endgMgen.-.Jahlen Mer-Las-Wahlergebnis - werden erst Mittwoch volPändltz bekannt werberr.. Die MehrheUssNZis^ft-err-sind aber'schon jetzt als die ftlKkste.Partei"mrZ«sehe« und werden' die «erstem MiÄlftersteKe«,und^.kuch''den Reichska«zleV>. PSsteir besetzen...Sollte nach der Berfaffnng cm Präsident vom Volk gewählt werdech so dürfte wahrscheinlich ein bürgerlicher Demokrat zu diesem Amt berufen- :verden. . Diedern okratische Partei hat, wie ver« lautet,^ bie ^bfic^t, be« ^bgeorbncten -9takmainK fiir^Mefe 0iene Äanbibiece«. . - nationalen zu der Kardinalfrage des WirtschafKlebenK bewirkt, daß sie sich nicht von vornherein aus die Der-, teidigung irgend eines WirtschatsfysteZ . festlegem -Jeder wirkliche soziale Fortschritt wird in ihnen begeisterte Anhänger finden. Die Frage des Me? deS wirMastlich-'soztLkert ForLschrities ist natürlich ein« strittige. Die- Jude», werden im alsgemeiuen, ihrer Anlage gemäß, Immer geneigt sein, sich deS ungemeinen Wertes persönlicher Tatsraft, Initiative, WirtschaftSbegabung u. s. w. siA Wert« schaffender Elemente bewußt zu bleiben und eine Dureaukrä-i'lerung und Schematisierung der Wirschaft als tötlich .für die. Produktion auznsehen. Sie'werde» sich gegen alle überstürzten Experimente ausspreche»^ mvb das Kriterium dafür, ob irgend eine Maßnahme gut fei,, nicht nach den Schlagrvorten kapitalistisch oder sozialistisch bewerten, sondern danach, ob sie die Meng« der erzeugten, notwendigen Güter vermehrt, den Gefanrttvohlstand hebt und eine gerechte Verteilung bet Güter auch alle herbeisührt. Dies ist wc^cer Dozialttz» mus: Sozialismus des.Zieles. \ Man wird von so-mlistisch-Hrmskrarischer und» judenfeindlicher Seite ernwenben, da ßdie Jude» viel», fach als Einzelperfonen: Nutznießer des kapitalistische«^ Systems, ja-seine Mitfchöpfer, in Summa also Mit*' schuldige desselben sind. Demgegenüber muß gesagt! werden: Die Juden sind Lei De,snung de? Ghettos i«; eine nichtjüdische Welt getreten, an deren Form un8f Weser: £ie nicht den geringsten. Anteil hatten. ausgeschlossen, / daß, die Juden/ als Juden' sch^echtwegeine bestimmte eittheitliche Haltung eimrehmen. Aber im Grunde, wenn von . den Gesamtente^esfcn der Juden gesprochen wird,' kcmn 'gesagtiyerden.'^daK.diefe. Ln. jeder - Wirtschaftssorm,. welche a» /sichgeeignet äst, di« Produktion zu steigern -und damit'die. Voraussetzung dafür liefert, dyß jedermann eine' auskömmliche E?üstenz hat,, -durch ihren Fleiß, ihre Intelligenz und ihrck Nüchternheit nichts für ihr Vorwärtskommen hürchten haben. Die. Frag« der richtigen, Mrtfchastsfprm, losgelöst von den momentamn Interessen, einzelner, tvelche Luden Mängeln der bestehenden Wirtschaftsordnung Nutzen ziehen und betrachtet vom Standpunkt der Gesambinteresse nhes jüdiiHn Volkes, ist eine rein praktische Frage. Wie ist die Wirtschaft am besten einzurichten, daß sie das Höchstmaß der Entwicklung und der sozialen Gerechtigkeit verbürgt? Die Juden, di« so sehr als die „Träger des kapitalistischen Geis!es" angesehen die „Träger deS kapitalistischen Geistes" angesehen werden, sind in Wahrheit in ihrer überwiegerlden Mehrheit jahrtausendlange Tradition und Erziehung unter - allen Völkern am meiste» vom sozmlen Geist burchtrünkt. Dies zeigte si d^fofort dort, wo die Juden nicht im nichtjüdischen WirtschaftSkörpec, sondern im eigen aufbaicenden tätig waren — in Palästina. Nationalisierung des Bodens, Produktion durch Arbeitergenosfe-ischasten in Europa. Ferne Ideale — damit wurde dort alö selbstverständlich augesangen. Diez« prmzipielle GrundhaLLttug der Jüdisch-