Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 2 (20.1.1919)
- Date
- 1919-01-20
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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/ «KT SCIen, Äionias Die italienische OeffentlichkeitT für den Judenstaat. Original-Korr. der ^Wimer Morgmzeitung". Ekw Kundgebung hervorragender Persönttchteiteu. Ein weltgeschichtliches Ereignis von überragender Bedeutung nannten die italienischer Blätter jene große, feierliche 'Kundgebung, .welche am 8. Dezember 1919. Nativnaltheatrr von Rom zugunsten der Wiedervnfrichtung des jüdischrn Staatswesens in Palästina pattgesunden har. Und in der Tat stempelten sowohl der Ort der Veranstaltung als auch der Persönlichkeiten, von denen diese bedeutsame Kundgebung auSging, diese zu einem Lebeutsamen Geschehnis jn der Weltpoli- Lik, zu einem Wendepunkte in der Geschichte deS politischen Rechtsempfindens. ‘ Die Einladung Zu dieser Versammlung ging dvn der Vereinigung „Pro JSraele", einer Gesellschaft der lehrten, lehrten, Schriftsteller und Künstler aus, welcher hervorragendsten nichtjübischven Politiker, GeeS sich zur Aufgabe machte, die gerechten Forderungen des jüdischen Volkes auf seine alte, historische Heimat, Palästina, mit allen Mitttln zu fördern. ' Die Einladung, welche unter anderm von dem berühmten Jblamforfcher Herzog Leone C.aetani, Cdem bekannten Plilosophen Senator Alessandrv Chiapelli, dem ehemaligen Minister, Abgeordneten Luigi Credow, Vittorio Cottafava, mehreren Senatoren, Abgeordneten, Universitatsprosessoren unterzeichnet war, hatte folgenden Wortlaut: „Während die alliierten Truppen die Befreiung Palästinas in Angriff nahmen, gaben Italien, England und Frankreich die feierliche Erklärun gab, daß die Errichtung eines nationalen Mittelpunktes für das Jüdische Volk auf dem Boden ihrer Väter in die KriegSziele ausgenommen wurde. Diese Erklärung fand die Zustimmung deS Präsidenten Wilson. Jetzt, da der Friede unmittelbar bevorsteht, zu einer Zeit, da da? Schicksal aller unterdrückten Völker auf Jahrhunderte hinaus entschied enwettwn soll, kann das italienische Bolk unmöglich des Martyriums der Hoffnungen, der Rechte des seit zwei Jahrtausenden fern von dem uralten Boden seiner Heimat in allen Länder der Welt verstreuten Volkes Israel verschaffen. Um bas Volk von Rom über die Rechte der Juden aufzuklären, ihm die Möglichkeit zu geben, zur politischen Wiederbelebung dieser Nation beizutragen, laden wir es zu einer am 8. Dezember, 10 Uhr vormittags im Nationaltheater pattfindenden Kundgebung ein." ü Das Volk' von Nom ist der Einladung in Massen gefolgt, aber auch alles, was Rang und Namen in Rom besitzt, war erschienen, oder sandte seine Zustim- -nung zu der imposanten Kundgebung. Besonders hervorgehoben zu werden verdient die Anwesenheit deS amerikanischen Botschafters Nelson Page, des englischen MilitärattachöS in Vertretung des englischen Botschafters, des Gesandten von Portugal, des Statthalters von Rom, Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses, Minister a. D. R a v a u. m. a. Sämtliche Minister, so auch Sonnino, hatten Zustimmungskundgrbungen gesandt. Don jüdischen Persönlichkeiten erschienen u. a. Staatsminister Luigr Luzzatti, der ehemalige Bürgermeister von Rom, E r n e st o Nathan, die Präsidenten deS jüdischen Gemeindebundes, der zionistischen Vereinigung, des jüdischen Jugrndbundes u. s. w. In der vom Vertreter der armenischen Nationalvrrtretung, Mih'ran Dam ad tan gefertigten Zuschrift heißt unter anderem: „Palästina, daS Land der Verheißung eurer Väter, die Wiege einer ältesten Kulturen, durch dir Türken zu einer Wüstenei heruntergebracht, wurde, dank der bewunderungswürdigen Energie und dem demokratischen Geiste eurer Rasse, vvry Neuem ein Brennpunkt der Renaissance, des Wohlstandes, des Lichtes, der Treffpunkt dreier Religionen und dreier Zivilisationen: der hebräischen, der arabischen und der eumopäischen, das Symbol der Herrschaft des Friedens und der Eintracht unter den Menschen werden. Der erste Redner, der soz. Abg. Franeese« Area leitete die Sitzung mit einem historischen Rückblick auf die Entwicklung der Demokratie in Italien ein, welche es nunmehr als ihre Pflicht ansehe, dem jüdischen Volke in der Erreichung seiner begründeten Forderungen in Palästina zur Seite zu steehn. Dante Latte s sprach namens der italienischen Juden dem italienischen Volke den Dank dafür aus, baß es, getreu seinen Prinzipien nunmehr auch, die gerechte Sache des jüdischen .Volkes, zu seiner eigenen , mache. j Der gewesene Minister Senator Nus fink erläu- Kuterte in seiner, mit großem Beifall aufgenommenen Rede das zionistische Programm vom geschichtlichen, philosophischen und völkerrechtlichen Gesichtspunkte und führte unter anderem auS: ,Ma8 find die Juden? Sind sie bloß eine Religion,'die sich mit den Zielen und den Grundsätzen einer Konfession absindet, oder find sie nicht vielmehr Nation mit spezifischen Schöpfungen und ihrem bewunderungswürdigen Anteil an der Zivilisation der Welt? Es gibt keine jüdische Religion ohne jüdische Nationalität. daS heißt, eine unlösliche Verbindung von religiöser, politischer und nationaler Freiheit. Die Religion Israels ist wertlos und unrettbar verloren, wenn sie «icht mit der Rettung der jüdischen Rationalität Hand irr Land üeüi -- Wiener Morgenzettnng .20 Jänner 1919 Nr. 2 . . Italien muß im Sinne seiner Tradition vor allen anderen Völkern den Schrei der Sehnsucht des jüdischen Volkes nach seiner Heimat erhören und das feinige zur Erreichung dieses Zieles zu tun. Das jüdische Volk wird die sicherste Schutzwehr der Gerechtigkeit und der Freiheit werden. Wa§ immer auch die Feinde dieses Volkes sagen mögen, so kann die Menschheit doch nicht vergessen, daß dasselbe im Lause der Jahrtausende drei Dinge der S3eTt geschenkt haben: den Monotheismus, die Bibel und den Juden Jesus. Hat Griechenland der Menschheit die Kunst und die Wissenschaft, Rom das kodifizierte Recht gegeben, so hat Israel der Welt der monotheistischen Visionen die Leidenschaft für das Sittliche und die Gerechtigkeit offenbart." Hierauf wurde die folgende, von Ar ca dorgeschlagene Tagesordnung einstimmig angenommen: DaS Volk von Rom, überzeugt, daß der Friede nur dann zur Wirklichkeit werden kann, wenn die Aspirattonen aller Nationen, der großen, wie der kleinen, Befriedigung finden, und jedem Volke die Möglichkeit geboten tvirb, die ihm innewohnenden Fräste zum Wohle der Menschheit zur Entwicklung zu bringen, beschließt, der FriedenSvertrag habe ficherzustellen: 1. die Errichtung eines nationalen Sitzes des jüdischen Volkes, in Palästina, dessen Grenzen in Berücksichtigung der historischen Tradition und der politischen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten festgesetzt, und in dem Wesensbedingungen geschaffen werden sollen, damit es sich dort frei entwickeln könne; 3 .volle und tatsächliche Rechtsgleichheit für die Juden in allen-Ländern; ' 3. nationale, kulturelle, soziale und politische Autonomie kür die iüdiscke Bevölkerung in jenen Ländern, wo die Juden in großen Massen oder wo sie dies ausdrücklich fordern. . Letzte NachrLchteA. Die Wahlen in Deutschland. Eine bürgerliche Mehrheit möglich? Schwere Niederlage der Unabhängigen. Berlin, 20. Januar. (Tel. der,Wr.MorgenzLg.*) Soweit sich die Wahlergebnisse bis zur Stunde, 9 Uhr vormittags, übersehen lassen, sind im ganzen Reich für die Mehrheitssozial ist en, die bürgerlichen Demokraten und das Zentrum die meisten Stimmen abgegeben worden. Vielfach wird mit der Möglichkeit einer bürgerlichen Mehrheit gerechnet. Die Unabhängigenhaben bisher nur einen der ihrigen, den gewesenen Polizeipräsidenten von Berlin, Eichhorn, durchsetzen können. Klara Zetkin ist in Württemberg durchgesallen. In Stuttgart wurde die Frau des Ministerpräsidenten Anna V lo ch gewählt. Sch erd em annist in Kassel mit großetz Mehrhett gewählt. Unter den Gewählten befinden sich ferne? Payer,Hausmann, Erzbergerund Gröb er. BÜhM LMÄ KMst. Altes and Neues zar jüdische« Bewegung. Unter diesem Titel ist soeben ein Katalog der Buchhandlung N. Löwit schienen, der in seiner außerordentWen Reichhaltig' feit bei der Anlegung von jüdischen Privat- und Vrremsvibliorhekrn mit gutem Erfolg zu Rate gezogen werden kann. Der Katalog enthalt folgende Abteilungen: l. Zeitschriften, Kalender, Sammlungen; ll. Jüdische Bewegung. Zionismus, Palästina; M. Jüdische TageSfragen, Krieg-lüeratur, Ostjudenvroblem: IV. Jüdische Wissenschaft: V. Bibliophile Ausgaben. Geschenkbücher; V!, Jugendbewegung; vH. Belletristik; VIII. Musikalien. Die Zusendung deS KatalogeS erfolgt kostenlos durch Buchhandlung R. Löwit, Versandtabteilung, Wien, l. Fleischmarkt 1. Et» «euer Strautz. Richard Strauß hat sein neues Werk .Die Frau ohne Schatten" der Wiener Oper zur Uraufführung überlassen. AquareK-Russtekrmg km Künstlevhäu». Gestern fand die Eröffnung der XXXIII. Aqmrell-Ausftelluns im Künstlerhaus statt. Spsrt. D'e * Wettspiele wurden wegen der schlechte» Dodenvtchaluüije ausnahmslos abgesagt. Der jüdische Sportklub „Hsgibsv*, Mkeu, hat seinen Namen in „Kadirnab" geändert. Man. dürste kaum Machen, wenn man dem Verein, in welchem mehrere che* malrge Hakoahner die Führung innehaben, eine gute Zukunft voraussagt. Die schweizerische« FutzbaKer beteiligen sich eifrig an der Hilfsaktion sür Wien, sie verweisen in ihrem Aufruf, aus die gastfreundliche Aufnahme, die sie nn Vorjahre in Wien gemriden haben. „ „ _ * Leichtathletik. SportfLrderrrng durch die Wiener Gemekudeverwaltung. Am 17. d. M. fand im Rathaus eine Beratung statt, der außer den Vertretern der Gemeinde Wien auch die Abgesandten der einzelnen Sportverbändc beiwohnten. Nach Erledigung verschiedener Fragen, die für den Pferdesport von Bedeutung sind, wurde eingehend über die Errichtung eines Stadions gesprochen, wobei verschiedme Projekte — eines in Döbling, un Prater mrd iu Stadlau — in Erwägung gezogen wurden. Schließlich wurde die Erledigung der Plätzfrage — die Spsrtleute waren fast «»stimmig für das PratrrProM — dem Stadt- - hauamt Übertrages- YoK »hroaldigst Bericht erstatten soll. Die nächsten olympischen Spiele. Von dm un^raleu Staaten werden in der letzt«: Zeit energische Schritte unternommen. mn die Abhaltung der »lympischm Spiele für da- Jahr 1920 zu sichern. Unter anderm Städtm bewerbm sich inSbesondere A m ft e r d a in und P h i l a d e l p h i a um bereu Austragungsort. ,,j Schwimmen. > Die Geneualversummlung des Schwimmverbandes wurde gestern zu Ende geführt. Bemerkenswert ist der: Sturz des langjährigen Schwimmwarts Feld? Graf, dem die Majorität das Mißtrauen votierte. Es kann nicht geleugnet werden, daß Graf wahrend der Kricgsjahre für brn Schwimm--' spart kolossale 'Arbeit geleistet hat, unverkennbar war aber dabei j «ne gewisse Parteilichkeit sür einzelne Verc-me. Unserem jüdischen Sport hat dieser Täufling — wir gar nicht anders zu erwarten, — immer eine sffme Gegnerschaft bekundet. Bei der Generalversammlung konnten ihn die Stimmen der paar israelitischm Vertreter nrcht retten. In Angelegenheit der Verbau dSmMerchaftm wurde'beschlossen, von ihr'die internationale Veteiligunz wegen der derzeitigen Schwäche imsereS Sports - ausinffchließm und eS dem Vorstand zu überlassen, ob er die Ausschreilnmz derselbm selbst besorgt oder dm einzelnm Vereinen überträgt. Z®I®0® I NADELN # per Dutacnd JC 4.-2 ZION-KNÖPFE pdr Dutsend K 5k).-— ZION-BROSCHEN per Dutzend K 50.— ZION-KETTEN per Dutzend K 72.— P ALÄSTIN Ä*Postka?ten 100 Stück . K 15.- Postkaftea tjüdische Ktmst“ 100 Sjfcuck . K 13.- VerBand per Nachnahme ST INSLICHT Abteilung »Verlag Zion“ WIEN.LBAÜERNMARKT » Industriellen Cafe1 I. Coneordiaplatx Rendezvous der Zionisten Sitzcmjsnnd Versammlunjrssäle — Sitz der jüdischen T;m\r j Telephon 18716 und Sportvereine TeJephcr. 1&7IS liPs m i 1P itllui iililiUliulu Mg. I. SsMteiirlBg 21 o Fiitals: KarlsSaS Alle bankgeseh&ftfidiesi Transaktionen ffsr das Inu. Ausland Einlagen gegen MsgsIMss rs den kolantasten T«l©»r*iTanse: Zat«.baa&, Wie» — Tc!*pto»e: 23478* I =S 18080, 18431, 28009, 101BB, 23218 SS33 lieber alle —ia der schönen und Fachliteratur Informiert IcÖSten lOS und fortlaufend- Verlag und Bucliliandlung für Fachwissenschaften. I Ignatz Rippe! Wien, I. Grünangergasse 1 (Telephon 8326) Postkarte oder Telephonanruf mit Angabe des Interessengebietes genügt, um informiert w. werden. «>»»»»»»»»»»« Tagblatt in Jüdlocher Sprache. Die „Jüdische Morgenpost* informiert eingehend über alle Fragen der jüdischen sowie der allgemeinen Politik und zählt die angesehensten Publizisten zu ihren Mitarbeitern. Abonnement: Monatlich K 6.—, ■‘/Jährig K 18.—, ‘/Jährig IC 36.—, ganzjährig IC 72.—. „JÜDISCHE MORGENPOST* Wien, II. Taborstrasse 52 B, Telephon Nr. 40,052. »«■•■••«•ui I « « * HMII «•' y ti Zentrals; W!öü,!. WenJarlorf. 4 ° Filialsm Krakan, Lsmliarg, Sianislaüs, CzsrasHäti Jüdische Zeittirrgs- und VcdiKfchast m, b. H .Verantwortlicher Redakteur: ThevLsv F-risdOers. j Buchdrucker« ». V.-A. Ignaz Steinm««u,.K. m. b. H. , antwortlich«: Leiter Hanr FolLev), Mey ._J