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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-07-01 · Heft 7 (1.7.1908) · p. Seite 146

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 7 (1.7.1908)
Date
1908-07-01
Page
Seite 146 (sequence 4)
Language
German
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146 verstehen; sie betrachten es als eine nationale Institution, währenddem in Wirklichkeit, > wenn wir die Geschichte und unser Schrifttum befragen dem Judentum nur aus seiner Religion die Bürgschaft für seine Forterhaltung in der Zukunft und seine Hoffnung auf dauernden Bestand sich herleitet. Nach vielen Bedenken und nach, reiflicher Überlegung wurde obengenannte Schrift der Öffentlichkeit übergeben, die -uns vor ein Entweder-Oder hinstellt. Aber trotz aller Schwierigkeiten, mit denen sowohl die Juden wie auch das Judentum in der Gegenwart zu kämpfen haben, ist die Gefahr denn doch nicht so groß, daß man an einem Scheidewege stehend sich für den Zionismus entschließen müsse, der Alles eher als Rettung zu bringen im Stande ist. Ist es denn unbedingt über jeden Zweifel erhaben und unanfechtbar, daß vom Zionismus allein» die Erlösung ausgehen kann, obne die wir im Laufe der Jahrhunderte auch unseren Weg gemacht und unsere Entwicklung ruhmvoll betätigt haben: Unsete Mission, die freilich in zionistischen Kreisen nicht anerkannt und sogar als eine dogmatische Verirrung angesehen ^vird, kann gerade ohne nationale Überspanntheit klarer zur Geltung gelangen und sich rascher, reiner und leichter verwirklichen. Wenn wir auf die nicht wegzuleugnenden gewaltigen, geistigen Bewegungen, die von dem Judentume ausgingen in der Entsendung des Christentttms imd des Islam an die Heidenwelt unser Augenmerk richten, so müssen wir zu der Erkenntnis gelangen, daß das Judentum wie in der Vergangenheit auch noch in Zukunft berufen sein 'wird, völkerverbindende, menschenverbrüdernde Gedanken zu verkünden, die sich in Taten, Umsetzen werden, berufen sein wird, den Rassengedanken zu.überwinden und über seinen Trümmern den Humanitätsgedanken, wie ihn die Propheten gelehrt haben als den Grund- und Eckstein der Menschheit aufzuführrn. Im Lichte solcher Gedanken zeigt sich uns die Mission des Judentums durchaus nicht als ein leerer Wahn und im Lichte derselben kann unmöglich die nationale Aufrichtung Israels Zweck und Ziel des Judentums sein. Sehr angenehm wurden wir bei den Ausführungen des Verfassers von zwei Gedanken berührt, dieer hervorhebt und die wir auch..betonen möchten. Es wird nämlich dadurch klar, daß das Judentum auch ohne Zionismus nicht Gefahr läuft in seiner^Ümgebttug aufzugehen, weil ja „selbst die freieste Gestaltung unserer Religion entkleidet alles Nationalen noch im Stande ist, von unserer Umgebung, d. h. von ihren schädlichen Einflüssen zu trennen." Also wir sehen, es ist selbst nach dar Ansicht der Zionisten bei weitem die Gefahr des Unterganges des Judentums nicht so groß, als daß man eiligst nötig hätte sich zu entscheiden. Der andere Gedanke des Verfassers, den wir hier festlegeh möchten, ist die Haltung des Verfassers der Orthodoxie gegenüber, von der er gärizlich abgesehen haben will, die, obgleich sie sich in ihren besten und bewußten Vertretern der Halbheit nicht schuldig macht, dafür aber im modernen Leben für eine zerstreute Gemeinschaft sich als völlig undurchführbar erweist und wir bekräftigen eine Ansicht über das orthodoxe Judentum, „daß sein Untergang in der Diaspora, vorausgesetzt, daß die östlichen Juden einmal emancipiert

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