Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1908)
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 136 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 136 — Frauberger bot sich eine solche Fülle des Interessanten und Neuartigen dar, goß es kaum möglich ist, dies in einem kurzen Bericht auch nur anllähernd zu skizzieren. Es sei darum nur als künstlerisches Hauptergebnis der Ausstellung hervorgehoben, daß gerade durch die Aneinanderreihung gleichartiger Typen, wie dies in der Ausstellung in vortrefflicher Weise durchgeführt ist, hervorgeht, daß in gewissem Sinne weniger nach der rein formalen Seite, als nach der geistigen Ailffassung der Form hin von einer jüdischen Kunst die Rede sein dürfte. Gerade dieser letztere Umstand konnte bisher nur spärlich beobachtet oder abgeschätzt werden, da nirgendwo ein solch umfassendes Vergleichsmaterial vorhanden war. Die Nachprüfung'der Veränderung einzelner typischer Auffassungen int Laufe der Jahrhunderte wird durch die ungemein geschickte und Übersichti liche Aufstellung dieser Ausstellung sehr erleichtert, sodaß es auch dem Nichtfachmann, dem Laien auf diesem Gebiete an Hand des ausgezeichneten Katalogs nicht allzu schwer fallen wird, sich zurecht zu finden. Die Ausstellung ist hervorragend namentlich an zahlreichen kostbar gemalten Manuskripten, darunter ganz besonders erwähnenswert eine einzigartige Sammlung von Hochzeitsbriefen in hervorragender Miniaturmalerei. Wir finden geschlossene Sammlungen von Thoravorhängen in Originalen und Abbildungen, ebenso von der Ausstattung der Thorarollen und von den verschiedenen Ritualgegenständen, die nicht bloß im Gotteshanse selbst, sondern auch im Wohnhause zur Verwendung gelangen. Auf allen Gebieten ist eine lebendig weiterschreitende Entwickelung künstlerischer Auffassung zu verfolgen, die fast ausnahmlos in technischer Vollendung gegeben, sich streng dem gottesdienstlichen und praktischen Zwecke unterordnet. Jndiesem Sinne dürfte die Ausstellung nicht blos bei dem Altertumsfreunde, sondern auch bei dem neu schaffenden modernen Künstler und' Kunstfreunde Jnterreffe erregen und vielfache Anregung geben. Wie einem der wichtigsten Prinzipien der Kunstausübung, nähmlich, in Kleinem Großes zu leisten, genügt werden kann, dafür liefert diese Ausstellung in allen chren Teilen ausgezeichnete Beispiele. Unter den vielen kunstgewerblichen Ausstellungen der letzten Jahre dürfte diese Ausstellung an hervorragender Stelle stehen und von epochemachender Bedeutung sein, nicht bloß, weil sie die Aufmerksamkeit weitester Kreise auf ein bisher unbekanntes Gebiet lenkt, sondern weil aus dieser Ausstellung auch für das künstlerische Schaffen lehrreiche und fruchtbringende Anregungen hervorgehen werden. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt am Main hat durch die Ausstellung die besten Hoffnungen für ihre fernere Wirksamkeit geweckt.