Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1908)
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 123 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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123 Auch die Frausn rufen wir auf, mitzuwirken an dem edlen Werke, die Frauen, die in unserer Zeit mehr denn je berufen sind, ihren Geist und ihr Herz in den Dienst des Judentums zu stellen, um mitzuwirken, daß Schule, Haus und Leben immer mehr und mehr von dem erhabenen Geiste unserer unvergleichlichen Lehre und unserer ruhmreichen Geschichte, erfüllt werden. Und so rufen wir denn den wackeren Männern, die den edlen Bund geschlossen, ein kräftiges „Glück auf" zu! Alle Zuschriften bitten wir vorerst an die Redaktion der Monatsblätter^ Frankfurt a. M., Unterlindau 44 zu senden. Stwegafte* in Tierreich. Es ist zwar kein Kulturkampf, was sich in Österreich abspielt, aber es könnte einer werden. Die politische Konstellation ist ebenso interessant als gefährlich. Die Christlich-Sozialen sind am Steuerrade. Die Schiffsrichtung ist zwar unbekannt, aber alle Zeichen deuten nach Mitternacht. Seit den jüngsten Wahlen, die unter dem Zeichen ultrademokratischer Wahlreform stattgefunden hatten, sind in das Parlament an hundert Sozialdemokraten eingezogen. Aber die Christlich-Sozialen-Klerikalen bilden die kompakte Majorität. — Ihr Vorstoß geschah mit Vehemenz. Sie sind politisch kluge, handfeste Leute, die wissen, was sie wollen. Was den Erfolg betrifft, begnügen sie sich nicht mit Blandunstidealen und Wolfenkukuksheim-Schwärmereien. Hier Geld, hier Ware! Mit robuster Kraft und ungeschwächter Vollblütigkeit setzen sie den derben Fuß auf den' Nacken , aller Weichlinge. Der kühne Eroberungszug blendet selbst sonst Vollsinnige und läßt diese Draufgeher als wahre Erlöser erscheinen. Wien, das gute, leichtsinnige Herz des Reiches, war nie so schön, als jetzt unter der Regierung Dr. Karl Luegers. Nie hat man so viel Blumen auf den Straßen und in Gärten gesehen; nie so viel Musik gehört. Wie ein echter Imperator ist dieser Revolutionär — denn das ist er im tiefsten Grunde seiner Seele — auf panes et circenses stets bedacht.