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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-05-04 · Heft 5 (4.5.1908) · p. Seite 117

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 5 (4.5.1908)
Date
1908-05-04
Page
Seite 117 (sequence 23)
Language
German
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117 Die schlichten Dorfsjuden in Mdasa haben ihm in ihrem „Guten Ort" etjtett bescheidenen Platz angewiesen. Er war ja arm, wenn er auch einen diamantfesten, unerschütterlichen Charakter hatte. Dort war er nach langen Wanderungen endlich einmal wirklich zuhause. Im Leben war er ja überall und immer „Ger", ein fremder. Über deck Hügel, der sein erstes und letztes Heim geworden, erhebt sich ein einfaches Grabmal. Die verwitterte Aufschrift besteht, aus einer Zeile, welche die ganze wechselvolle Lebensgeschichte dieses merkwürdigen Menschen charakterisiert: „Hier ruhet der Kojeteiner Ger". -- yftonatsfcba«. ^Die Beerdigung des großen Philanthropen Charles Lazarus Haltgarten, geb. 18. November 1838 in Mainz, gestorben am 19. April 1908 in Frankfurt a. M., am 22. April, gestaltete sich zu einem weihevollen, erhebenden Akt. Viele Hunderte hatten sich eingefunden, Freunde, die mit ihm gearbeitet hatten in den vielen Werken sozialer Fürsorge, und Leute, denen seine stets offene Hand eine Existenz geschaffen hatte. Der Vorsitzende des isr. Gemeindevorstandes Herr vr Blau, sprach an der Bahre des Verstorbenen ergreifende Worte des Schmerzes. Wie ein Nebel, so führte er aus, lagert der Schmerz über uns und hindert uns, die ganze ungeheure Größe des Verlustes zu ermessen, den die menschliche Gesellschaft durch das Hinscheiden dieses edelsten aller Menschen erlitten habe. Wer dem gütigsten Zuspruch jenes Mannes gelauscht, wer ihn je einmal bei sozialer Arbeit gesehen, wie er für das Recht der llnterdrückten eintrat, dem wird der Mann unvergeßlich sein. Diesen großen erhabenen Freund hat der unerbittliche Tod jäh aus unserer Mitte gerissen, und noch gehen die Wogen des Schmerzes so hoch, um nur annähernd ein Bild seines Wirkens zu zeichnen. Im Namen seiner Freunde, der ganzen jüdischen Gemeinde und der von Baron Hirsch gegründeteten Kolonisationsgesettschaft gedenke er des großen Mannes, der der Welt ein Muster und Meister der Wohltätigkeit gewesen sei, eine Stütze für alle Mühseligen, der alle seine großen Vorzüge, seine Zeit und Kraft, sein Wissen und Können, sein Streben und Mühen und seine reichen Mittel allein in den Dienst werktätiger Menschenliebe gestellt habe. Er war ein Jude, wie Israels Propheten ihm den Namen gaben. Sein Geist luirb fortleben in der ganzen Welt. Herr Oberbürgermeister 0r. Adickessprach namens der städtischen Verwaltung, der der Verstorbene jahrelang im Armenamte angehört hat und der er reiche Beweise seines Jnterresses gab, namens der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften und namens der gesamten Bürgerschaft der Stadt lege ich diesen Kranz l) Vorsteher. so hieß man ihn allgemein. 3j Talmudschule. 4) Abkürzung des Namens Jehoschuah. 5) Proselyt.

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