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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-05-04 · Heft 5 (4.5.1908) · p. Seite 99

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 5 (4.5.1908)
Date
1908-05-04
Page
Seite 99 (sequence 5)
Language
German
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99 ' - heit ihr äußeres Leben mit ihren inneren Anschauungen in Übereinstimmung bringen, insbesondere darf kein Gewicht auf die Jnnehaltung veralteter Vorschriften und Gebräuche uitb abgestorbener Sitten gelegt werden. Der Gottesdienst ist gemäß den Bedürfnissen der Zeit anszugestalten, und es ist in ihm der deutschen Sprache ein breiter Raum zu gewähren, damit Geist und Gemüt der Besucher des Gotteshauses Erhebung Und Erbauung finde. Der Religionsunterricht ist so zu gestalten, daß er die gesicherten Resultate der Wissenschaft berücksichtigt, die Entwicklungsfähigkeit des Judentums anerkennt, dadurch die Schüler mit Liebe zum Judentum erfüllt und sie nicht in Gegensatz zum Elternhause bringt. Es muß der Wissenschaft des Judentums der ihr gebührende Platz und Einfluß eingeräumt werden, damit durch Wort und Schrift die jüdische Religion in ihrer modernen Gestaltung würdig vertreten und verfochten wird. Auf die stärkere Beteiligung der Frau im religiösen und Gemeindeleben ist besonderer Wert zu legen. . ' Zur Vertretung der Interessen des liberalen Judentums und^zur Stärkung des liberalen Gedankens ist eine ganz Deutschland umfassende Vereinigung gegründet. Dieser Vereinigung können Einzelpersonen — Männer und Frauen — und Vereine beitreten; die bestehenden oder neu zu begründenden liberalen Vereine sollen sich der allgemeinen Vereinigung als Ortsgruppen anschließen. Ihre Zwecke sucht die liberale jüdische Vereinigung zu verwirklichen: 1. durch Errichtung und Unterhaltung einer periodisch wiederkehrenden Zeitschrift, 2. durch Vorträge und ihre Verbreitung, 3. durch die Anregung zur Errichtung liberaler Jugendveteine. Resolution: „Der religiöse Liberalismus im Judentum entnimmt seine Berechtigung aus dem Wesen des- Judentums und seiner geschichtlichen Entwicklung und stellt somit neben der Orthodoxie einen vollberechtigten Faktor im Leben der deutschen Juden dar. Wie der religiöse Liberalismus das Selbstbestimmungsrecht der Orthodoxie in ihren religiösen Angelegenheiten anerkennt und jeden Gewissenszwang verwirft, so verlangt er das gleiche Recht und die gleiche Freiheit für sich. Die Anerkennung dieser Grundsätze bildet die unverrückbare Grundlage eines, .friedlichen und gedeihlichen Zusammenwirkens innerhalb der Gemeinde. Unser Programm enthält die Forderungen, die der jüdische Liberalismus für sich aufstellt und im Gemeindeleben betätigen will; dem liberalen Prinzip der Gewifsensfreiheit entsprechend, wird bei seiner Durchführung den lokalen Verhältnissen Rechnung zu tragen sein. Unter Berücksichtigung dieser Erklärung empfiehlt sich die unveränderte Annahme des Programms."

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