Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 5 (4.5.1908)
- Date
- 1908-05-04
- Page
- Seite 98 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Gemeinde in Berlin dieVersammlung und betonte in seinen Ausführungen, daß es eine Forderung des Liberalismus sei den Einklang zwischen Lehre und Leben terzustellen. Hierauf entwickelten die beiden Mitglieder der Siebener Kommission die Herren Rabbiner I)r. Vogelstein-Stettin und Rabbiner Dr. Seligmann, Frankfurt a. M. iln ihren mit vielen: Beisalle aufgenommenen Referaten, die Bedeutung und die Aufgaben der neuen Bereinigung. Herr Rabb. De Vogelstein betonte, daß die Entwicki ungsfähigkeit, deren Berechtigung er aus der Geschichte des Judentums herleitete und der sich sogar die Konservativen nicht gut ganz entziehen können der oberste Grundsatz der Vereinigung sei von dem sie sich in ihrer Wirksamkeit werde leiten lassen: diese Entwicklung des Judentums kann und darf nicht länger hinausgeschoben werden. Er schloß sein Referat, in welchem er auch auf die Rabbinerversammlungen und Synoden hinwies mit den Worten: der Liberalismus ist die Zukunft des Judentums. Hüten wir uns bei aller Pietät, die wir im Herzen tragen und betätigen wollen vor der falschen Pietät, die nur Totenkränze windet aber für den Lebenden keine Blumen hat, die nur die Vergangenheit kennt und das Recht der Gegenwart mißachtet Aus dem Referate des Herrn Rabbiner Pr. Seligmaun, der auch auf die einzelnen Punkte ^des Programmentwurfes einging und auf die Ursachen, aus welchen die gegenwärtige liberale Bewegung hervorging, sei besonders hervorgehoben sein Verlangen, daß das Judentum sich den veränderten Zeitverhültnissen anpassen müßte und daß das Judentum nicht dazu verurteilt bleiben darf inmitten all der gewaltigen Wandlungen im Denken und Leben der neuen Zeit, die alten Formen und Vorstellungen fest zu halten. Das Judentum rief er aus, muß liberal sein, sonst wird es nicht sein, das Judentum muß jm:g sein,, sonst wird es die Jugend nicht halten, es muß eine Religion der Gegenwart sein sonst wird es eine vergangene Religion werden. An der hierauf stattgehabten Generaldebatte beteiligten sich die Herren Dr. Blau-Frankfurt n. M., Pr. med I. Kastan-Bertin, Rabb. Pr. Samuel-Essen, Pr. Horwitz-Berlin, Rabbiner Dr. Vogelstein-Königsberg, Prediger Pr. Rieger-Hamburg, Justizrat Behrend-Tanzig, Dr. Brüll-Frankfurt a. M. und Dr. Bogelstein-Stettin. Hierauf wurden folgendes Programm und die von der Siebener Kommission vorgeschlagene von Dr. Blau befürwortete Resolution angenommen. Programm: Die jüdische Religion vermag sich der Zeitanschauung entsprechend fortzuentwickeln, ohne daß dadurch ihr Wesen, ihr Bestand und ihr Zusammenhang mit der Vergangenheit sich verändert. Hieraus ergibt sich für die Gegenwart die Berechtigung und Notwendigkeit, den ewigen Gehalt und die unveränderlichen Grundlagen der jüdischen Religion in Erscheinungsformen zum Ausdnrck zu bringen, die unserer Zeit angemessen sind, damit nicht ein dem Judentum fremder Gegensatz zwischen Lehre und Leben entsteht. Die deutschen Juden müsse:: unter pietätsvoller Anlehnung an die Vergangen-