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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-04-01 · Heft 4 (1.4.1908) · p. Seite 80

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80 den Studierenden der Berliner ».IML mater objektiv zu verbreiten. Der Wissenschaft des Judentums eine Straße zu bahnen, das war der Kampfruf von einst, der Wissenschaft des Judentums die Bahn frei zu halten, das ist der Kampfruf von heute! So kann man ohne Übertreibung behaupten: das ganze Vierteljahrhundert waren Kampfjahre. Vielleicht war das durch die Eigenart unserer Stellung bedingt. Wir waren der erste akademische Verein, der sich nicht scheute, das Wort „jüdisch" in seinem Namen zu führen. „Akademischer Verein.für jüdische Geschichte und Literatur", das war der Name, den wir an das schwarze Brett der Berliner Universität schlugen und damit gaben wir nicht nur von dem Bestehen unseres Vereins, sondern zugleich von der Existenz der- Wissenschaft des Judentums überhaupt der ganzen akademischen Welt Kunde. Die christlichen akademischen Kreise waren damals vielfach so stark vom Haß gegen alles Jüdische erfüllt, daß wir es — ein schmachvolles Zeichen der Unduldsamkeit — leider öfter erleben mußten, daß unser Anschlag am schwarzen Brett beschmutzt oder heruntergerissen, wurde. Und wie stellten sich die jüdischen'Kommilitonen uns gegenüber? Diejenigen, die schon früher Kenntnis vom Schrifttum des Judentums hatten, schlossen sich uns an, die Mehrzahl verstand es nicht, daß man sich zur Pflege dieser Wissenschaft in einem akademischen Verein zusammen fand und sich durch Vorträge und Referate Belehrung über die Wissenschaft des Judentums verschaffte. Wir wichen jedoch von dem uns von den Gründern gewiesenen Pfad nicht ab. Mutig, wie nur eine junge Studentenschar ist. zogen wir in den Kampf, galt es doch der damals gerade in jüdischen Kreisen verpönten Wissenschaft des Judentums zum Ansehen zu verhelfen. Und dieser^ Kampf war nicht umsonst! Als wir das erste Decennium zurückgelegt hatten^ da hatte man in weiten jüdischen Kreisen die Bedeutung der Wissenschaft des Judentums'erkannt und ihr Studium zur Förderung der allgemeinen Kultur empfohlen. Wohl war die Wissenschaft des Judentums im vergangenen Jahrhundert auch von jüdischen Gelehrten bereichert worden, ich brauche bloß an Namen wie Samuel Luzzatto und Salomon Rappoport, Leopold Zupz und Abraham Geiger, Heinrich Grätz und David Cassel, Salomon Munck und David Kaufmann, Moritz Lazarus und Moritz Steinschneider zu erinnern, um diese Tatsache zu kennzeichnen. Was aber von christlichen Gelehrten ans dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums geleistet wurde, ist von so weittragender Bedeutung für diese Wissenschaft geworden, daß es Eulen nach Athen tragen hieße, wollte man die großen Verdienste dieser Männer um die Wisienschaft des Judentums an dieser Stelle noch besonders feiern. Männer wie Franz Delitzsch und Otto Stobbe, Ernst Renan, August Wünsche und Emil Schürer haben so Dahnbrechendes für unsere Wissenschaft geleistet, daß ihre Namen dauernd mit der Wissenschaft des Judentums verbunden bleiben werden. Nachdem wir den Boden für die Anerkennung der Wissenschaft des Judentums

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